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Kann man Realität als Klartraum inszenieren?

Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#1
Ich mag es interdisziplinär und verbinde hier die Fachbereiche Klartraum, Kommunikationsforschung und Schauspielkunst.

Ich hatte schon oft Klarträume, interessiere mich seit Jahren für Klartraumforschung, Kommunikationsforschung, Gehirnforschung, sowie Realitätsforschung (auch Radikaler Konstruktivismus genannt, ein Bereich der Philosophie) und arbeite als Schauspiellehrer.

Ich beschäftige mich damit, ob dieser spezielle Bewusstseinszustand des Klartraums nicht nur im Traum, sondern auch in der realen Realität möglich ist.
Ist es möglich, so wie der Klarträumer aus dem automatischen, unbewussten Traum erwacht, auch aus im gleichsam automatischen „Lebens-Film" aufzuwachen?
Kann man auch im Leben zum Regisseur seiner Rolle werden, das anerzogene und historische überwinden und willentlich seine Wünsche wählen?
Ich denke dass ist nicht nur eine äußerst spannende Frage, ich denke auch dass dies unter bestimmten Bedingungen möglich ist.

Wenn ich den Realitätstest mache, indem ich versuche mit der Hand in die Wand zu greifen etc. und mir die Frage stelle ob ich träume, dann ist es nicht ganz richtig wenn ich behaupte dass ich wach bin, nur weil die Hand nicht in der Wand versinkt oder der Lichtschalter funktioniert etc. Ich bin zwar dann definitiv nicht im nächtlichen Traum, die Realität in der ich mich jedoch befinde, weißt Parallelen zum nächtlichen Nicht-Klartraum auf. Denn ich stecke im eigenen Film meiner Kausalität (Ursache – Wirkungskette). Das Leben steuert mich und meine Steuerungsmöglichkeit ist dadurch stark eingeschränkt. Ich kann also nicht sozusagen über meinem Schatten springen. Z.B. wenn ich ein Bettler bin kann ich nicht wie im nächtlichen Klartraum a tok zum König werden.
Ich meine also, dass das normale Leben in vielen Bereichen logischerweise nicht die Eigenschaften eines Klartraums aufweißt, obwohl dies wie gezeigt werden soll möglich wäre und zwar besonders leicht wenn das Kollektiv mitspielen würde.

Unser Gehirn entwirft nicht nur das nächtliche Szenario, die nächtliche REM - Traumwirklichkeit. Es entwirft und berechnet auch das Szenario und die Wirklichkeit am Tage. Wie wir Realität wahrnehmen ist im Prinzip ein Rechenprozess. Was z. B. nicht bekannt ist, wird erst mal nicht wahrgenommen. Wenn das Gehirn Widersprüche wahrnimmt, dann wird reflexhaft ausgeblendet und zwar oft schon bevor wir das wahrnehmen. Auch kollektiv besteht die Tendenz Wahrnehmung abzugleichen, durch Kommunikation zu einer übereinstimmenden Wahrnehmung zu kommen und alles was eckt und kantet wegzuignorieren, zu verbieten oder zu tabuisieren. Wirklichkeit ist also ein kollektiver Prozess, der sozusagen zu einer Teilwirklichkeit führt, die dann als ganze Wirklichkeit wahrgenommen wird. Die Medien mit ihrem Konstrukt einer Mainstreamwirklichkeit mischen hier natürlich stark mit.

Unser Weltbild im Wachzustand ist also eine Simulation der Welt, die im Gehirn stattfindet. Das Selbstbild (Thomas Metzinger spricht hier vom „Mentalen Selbstmodell“) ist eine Simulation innerhalb dieser Weltbildsimulation, in der ich mich und meine Eigenschaften definiere und verankere.
Realität entsteht, indem viele Menschen aufgrund dieser Basis ihre Selbst- und Weltbilder kommunikativ vernetzen. Hier entsteht sozusagen eine kollektive Simulation, die wir Wirklichkeit nennen.

Je mehr Wissen wir sammeln umso mehr sehen wir heute die Tendenz vom Realitätsprinzip hin zum Simulationsprinzip. Realität ist also eine kollektive Simulation unserer Gehirne und insofern ist sie gleichzeitig wahr und nicht wahr, genauer gesagt ist sie damit relativ und von der Perspektive, von der Ernstnahme und dem (gemeinsamen) Glauben abhängig.

Aus diesen Gründen wird es möglich das Simulationsprinzip auf eine neuartige Art zu nutzen
um damit mit einer Gruppe von Menschen Realität innerhalb eines sogenannten ästhetischen Raumes neu, kreativ und willentlich steuerbar zu konstruieren.
Im Schauspielunterricht während der sogenannten „Improvisationsübungen nach Stanislawski“ wird dieses Prinzip bereits seit langem erfolgreich angewendet. Hier existiert, von der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen bereits eine Möglichkeit Wirklichkeit nach Wunsch zu formen.

MEIN POSTING IST ZU LANG - TEIL 2 ALS SEPERATES POSTING
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#2
2. TEIL:

Dieses ernste Spiel mit Wirklichkeit und Szenarien entspricht (mit geübten Leuten) dem Zustand des Klartraums auf kollektiver Basis. Es handelt sich hier um die Manifestation von gemeinsam formbarer Realität innerhalb eines Zeitraumes und über übliche Beschränkungen hinweg. Alles was vorstellbar ist kann erlebt, erfühlt und dargestellt werden, innerhalb der physikalischen Grenzen und innerhalb der Grenzen, die die Teilnehmer zulassen. Diese Zulassung kann ähnlich weit gehen, wie die Zulassung der Erlebnisse in einem individuellen nächtlichen Klartraum. Man kann also seine tiefste Ängste oder Wünsche realisieren, wie im Klartraum. Die Spannung während dieser Erlebnisse ist ähnlich hoch wie beim Klartraum, man fühlt sich extrem lebendiger und kann die Möglichkeiten ausspielen und ausleben, die sonst im Schatten liegen wie im Klartraum.

Schauspiellehrer und ihre Großmeister (Stanislawski, Tschechow, Strasberg, Brecht, Boal) behaupten, dass es sich bei qualitativ gutem Schauspiel um Realität handelt, auch wenn diese Behauptung absolut nicht mit dem üblichen Weltbild der meisten Menschen kompatibel ist!

Der Zeitraum dieses Realitätsspiels könnte expandieren und der Bühnenraum könnte z.B. auf ein Dorf erweitert werden. Wir betreten hier Neuland in der Simulation von Realitäten.
Für Teilnehmer die an solch einer Art von spielerisch-ernster Realität mitwirken, dürfte das erleben eines kollektiven „Klartraums“ noch faszinierender sein als das erleben eines nächtlichen individuellen Klartraums. Außerdem könnten diese Erfahrungen dann auf vielerlei Art, von der Sozialforschung bis zur praktischen Friedensforschung genutzt werden.

Konstruierte Realität bekommt eine Gleichwertigkeit zu wild und natürlich gewachsener, also kausaler Realität.

Die theoretische Grundlage für diese außerordentliche Behauptung liegt in den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Kommunikationsforschung, die der üblichen naiven und traditionellen Auffassung von Wirklichkeit widerspricht. Der Umgang und die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse und Möglichkeiten steckt in den Kinderschuhen.
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kommunikationsforschern, Klartraumforschern und Schauspielpraktikern gibt es nicht und gab es nie.

Ich plädiere dafür, ein Laboratorium für entsprechende praktische Projekte einzurichten und suche eine Zusammenarbeit mit Universitäten, Stiftungen, interessierten Leuten und im Zusammenhang mit der Platzierung dieses Mails im Forum hier, auch mit Klartraumforschern.

Es geht also darum, die Bewusstseins- und Freiheitsstruktur des luziden Traums auch in die Realität zu übertragen.
Der Unterschied zum luziden Traum besteht vor allem darin, dass ein entsprechender Zustand in der Realität nur k o l l e k t i v möglich ist.

Ich habe zur Thematik Klartraum und Philosophie eine Webseite eingerichtet: www.luzidertraum.de (Zum Thema Klartraum finde ich klartraum.de und das Forum hier übrigens sehr gut und verlinke darauf)

Eine nähere Erklärung zur hier beschriebenen Projektidee gibt’s unter: www.radikaler-konstruktivismus.de/realtheater.html (Projekt Realtheater)

Näheres zum hierzu relevanten Thema Kommunikationsforschung unter: www.radikaler-konstruktivismus.de

Gruß

Hans
www.hans-mack.de
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#3
Ich habe deinen Beitrag gelesen, jedoch noch nichts Weiteres auf deiner angebotenen Webseite. Auch habe ich den Kommentar von Seti noch nicht studiert.

Was mich vor allem anzieht, ist, dass du davon sprichst, dass ein dem luziden Traum in der Realität entsprechender Zustand nur kollektiv möglich wäre. Dazu möchte ich etwas schreiben, auch wenn ich dabei keinen Wert auf Vollständigkeit lege, es muss einfach erst mal raus.

Ich selbst habe mehrfach im Leben (über 10 Mal) einen eigenartigen Zustand erlebt, der sich im Rahmen des Wachen, also dessen, was du als Realität bezeichnest, abgespielt hat.

Dabei wurde ich von einer Art unpersönlichem Sog erfasst, der in ein unglaublich authentisches Gefühl der Wachheit meiner eigenen Bewusstheit mündete und in dessen Spiegel alle Vorgänge um mich herum eindeutig von der Natur eines Traumes zu erkennen waren. Ich hatte dabei parallel ein ebenso absolut authentisches Gefühl der Nicht-Ichhaftigkeit meiner Existenz, dass mir darüber -wie eine große Erleichterung - die Tränen in Strömen liefen. Alles, was ich sah, wahrnahm, war eindeutig INNEN, sprich im Spiegel meiner nun authentischen (?) Existenz als Bewusstsein.

Während dieses Zustandes gab es keine Absprache mit anderen Personen in meinem Umfeld, denen ich begegnete. Alle die Menschen, denen ich in diesem Zustand begegnete, wussten nichts von dem meinen.

Wenn ich diesen Zustand vergleiche mit meinen verschiedenen Graden von Klarheit im Traum, dann repräsentiert dieser ganz eindeutig die höchste Stufe meiner Klartraumerfahrung. In diesen Klarträumen, in denen ich einfach erfahre, vorwärts gehe und alles genau seinen richtigen Platz zu haben scheint, fühle ich mich dem Gipfel der ruhigen Glückseligkeit an nahesten.

Wenn ich natürlich auf einer anderen Ebene im Klartraum arbeiten möchte, oder dies spontan tue, sprich als Beispiel mich psychologisch mit dem Trauminhalt auseinandersetzen möchte, dann wäre der von dir vorgeschlagene Raum eines "Klartraumsimulations-Dorfes" sicher von gutem Nutzen.

Aber es gibt – so glaube ich zumindest für mich – auch die Ebene, ich denen ich eben kaum oder gar nicht eingreife, weil ich alles als passend empfinde. Um diese Art Klartraum zu üben, muss ich Gott sei Dank nur selbst die Klartraumstimmung kultivieren und kann vom Gegenüber nichts weiter erwarten als das zu sein, was er eben gerade ist. Und das passt halt.

Der Vorteil dieser Art Übung ist, dass man nicht unbedingt einem hohen inneren Druck standhalten muss, da man weiß, dass man auf die anderen Menschen gar nicht so hochgradig kreativ reagieren muss. Wenn der andere jedoch ein eingeübter Schauspieler ist, der den Klarträumer spielt, dann wäre das für mich oft zu anstrengend. Das muss ich ehrlicherweise feststellen. Ich liebe es – es ist eine solch wunderbare Erholung für mich – wenn ich eben nicht immer clever und schnell auf meine Umwelt reagieren muss, sondern nur beobachtend.

Aber das ist nur meine persönliche Ansicht und belastbarere Personen könnten sicher gut auf solch einer Plattform agieren. Toller Vorschlag.
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#4
@Dendroaspis

der Begriff "Klartraumsimulations-Dorf" gefällt mir. Genau so etwas würde ich gerne mit anderen aufbauen.

Wenn du schreibst dass du nicht immer eingreiffen möchtest in das was in der Realität läuft, weil du alles um dich gerade passend empfindest, so verstehe ich das gut.

Auch im Klartraum besteht ja nicht die Pflicht nur aktiv sein zu müssen und aktiv Regie zu führen. Auch passives beobachten ist OK und möglich, solange man die Fähigkeit des eingreifenkönnens dabei nicht verliert.

>>dass man auf die anderen Menschen gar nicht so
>>hochgradig kreativ reagieren muss. Wenn der andere jedoch ein eingeübter >>Schauspieler ist, der den Klarträumer spielt, dann wäre das >>für mich oft zu anstrengend.

Da hast du aber eine falsche Vorstellung von dem, was ich meine. Ich meine bestimmt nicht das, was man im üblichen Theater an anstrengender Schauspielarbeit so sieht. Ich distanziere mich von der Art, wie unser System das Schauspiel und Theater zum großen Teil erobert, bürokratisiert, kanalisiert und kastriert hat.

Ich arbeite bei meinem Schauspielunterricht oft mit Anfängern und es gibt eine Art zu spielen, die null anstrengend, sondern völlig lustvoll ist, die fast alle von uns noch aus der Kindheit heraus kennen. Diese Lust stellt sich übrigens dann ein, wenn zumindest ein Teil des Spiels improvisiert, das heisst spontan, explosiv-expressionistisch und kreativ ist.
Wenn du z.B. bei manch einer Jazzband oder irgendwelchen Trommlern am Strand zusiehst, oder gar mitmachst und denen erzählst, dass du das Spiel für anstrengend hältst, dann würden die nur lachen.

Diese Art, die ich meine, bringt einen vielleicht ins schwitzen oder ins schreien, aber anstrengend im negativem Sinne ist das bestimmt nicht.
Eher wird man schon süchtig danach, wenn man die Storys, die man sonst im TV nur passiv sieht, hier im Schauspielunterricht in einer Mischung aus gescripteter und improvisierter Action selbst erlebt.

Ich will das mit dem Boom der PC/Video Games und vor allem der neuen Massen Online Games (wie WOW) vergleichen. Die Kiddies rennen in Scharen den TV Sendern mit ihrer Passivkultur des purem zusehens und ihrer Spielfilminflation davon, und zwar hin zu den Games in denen sie via Avatar aktiv eingreifen und mitspielen können. Aktiv eingreiffen ist nun mal dem zusehen um eine Dimension überlegen.
In gewisser Weise hat das auch etwas mit dem Thema Klartraum zu tun. Ich denke dass hier vom Cyberspace noch einiges mehr zu erwarten ist.

Einer der Träume, die ich künftig noch hätte, wäre ein gemeinsames Spiel (wie WOW) das nicht im Internet und nur vorm PC, sondern in der Realität läuft. Denn unser realer Körper hat einen grossen Vorteil gegenüber dem Avatar auf dem Bildschirm, der für uns rennt und der dem realen Spieler vorm Bildschirm dann Rückenprobleme beschert.

Wir bräuchten eine ganze Welt des Spiels in der Realität, mit den Regeln und der Unverletzbarkeit der Leute die spielen, wie es dies in den Online Games schon gibt. Bisher gibts so etwas nur für ein paar Stunden auf 120qm in manchen Schauspielworkshops und das möchte ich ändern.
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#5
@hans-mack
guck mal was das netz zum Thema LARP (live action role playing) sagt. Das scheint mir recht gut diesen deinen Vorstellungen zu entsprechen (viele Leute in Rollen ihrer Wahl mit nem Drehbuch das sie nicht kennen, wenns überhaupt eins gibt, und eine Story die sich entwickelt...)

@dendro
mir wurde mal ein Buch von Krishnamurti in die Hand gedrückt und ich muß gestehen ich habs nicht durchgelesen, aber der beschreibt deinen "besonderen Zustand" fast mir gleichen Worten. Ich bin verblüfft.

Spot
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#6
@Spot

du hast recht, zum Thema LARP (live action role playing) passt das ganz gut. Was ich hier schreibe hat etwas damit zu tun, ich möchte jedoch einiges mehr als was bei LARP abläuft.

Die Society for Creative Anachronism (SCA) lebt z.B. oft tagelang in einem authentischen Mittelalterszenario...
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#7
hm, ok, du klingst so würdest du dich lange damit beschäftigen, aber ich wollt es halt sagen für denn Fall das es doch noch was neues ist, in deinen Texten sah ich dazu noch keine Verweise.

Ich hörte mal von einem Dänen der Versucht hat in der Jungsteinzeit zu leben. Nach ungefähr einem Jahr brach er das Experiment ab mit der Überzeugung, Jungsteinzeit alleine heute ist nicht so recht möglich. Die nächsten Jahre lebte er als Wikinger. Das war schon besser möglich.

Über die SCA werd ich mich mal kundig machen.

Spot

PS:
etwas später
Was die SCA da macht, klingt nach Burgfesten ohne Publikum vorrangig in einem Land ohne Mittelalter. Ich mein es gibt auch in Europa Gruppen aber das meiste läuft da ja in Nord Amerika. Dort gab es Geschichte, aber weder Mittelalter noch Renaissance. Und Burgen fehlen auch biggrin
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#8
@ hans-mack

nur kurz: man bräuchte bei solchen "Klartraumsimulations-Dorf"-Spielen aber klare Vorgaben. Auch könnte ich mir vorstellen, dass das befreiende Element möglicherweise zu einem hemmenden würde. Damit meine ich, dass bestimmte Personen nur immer wieder ihre eigenen Themen andauernd vortragen – sicher auch variieren – würden. Das könnte die anderen auf Dauer nerven.

Und das mit der Unverletzbarkeit ist bei weitem nicht nur ein Problem des Körperlichen.

Ich meine auch, je freier und länger das ganze stattfinden würden, um so größer wäre die Gefahr, dass die Menschen eben gerade dadurch wieder in die totale Absorption gelangten, sprich, einfach spontan ausagierten – die Eigenbewusstheit aber komplett erlöschen würde.

Das wäre zwar für einige sicher therapeutisch sehr hilfreich, aber wenn wichtige Themen wie zum Beispiel die Sexualität – gerade wenn im Alltag blockiert – das Feld übernähmen, dann wäre nach einer Weile das Thema Klartraum nur noch Nebensache oder Deckmäntelchen.

Ich fände das schwierig zu regulieren. Aber vielleicht gibt es ja Strategien, die solchen "Gefahren" vorbeugen.
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#9
@Dendroaspis

>nur kurz: man bräuchte bei solchen "Klartraumsimulations-Dorf"-Spielen >aber klare Vorgaben.

das ist richtig, man braucht klare regeln – und zwar andere regeln als in der realität.
bei der improvisation im schauspielunterricht herrschen bereits andere regeln als in der realität. man kann z.b. jede emotion und jeden impuls rauslassen, es braucht nichts unterdrückt werden. die absolut wichtige regel dabei ist, dass niemandem real etwas passieren darf. das heisst wenn ich jemanden schlage, dann muss ich den schlag 10 cm vor ihm stoppen. diese regel muss eingehalten werden, wer das nicht tut kann nicht mitspielen.

ausserdem kann das spiel jederzeit angehalten werden, die rollen müssen in der kontrolle des spielers sein, obwohl dieser frei improvisiert und wenn er gut spielt dabei ganz in der rolle aufgeht.
das ist eine ganz spezielle art des aufmerksamkeitssplittings.
ich weiss nicht, ob hier jemand sich das vorstellen kann, der das noch nicht erlebt hat – um das genau zu erklären brauche ich etwa 2 seiten text – die zeit den durchzulesen nimmt sich dann wohl kaum einer, deshalb lass ich das erstmal.

nötig werden noch weitere regeln sein, die man erst erkennt und ausarbeiten kann, wenn man das kollektive klartraumspiel beginnt. die ersten die dies machen sind also so etwas wie testpiloten.

>>Auch könnte ich mir vorstellen, dass das befreiende Element >>möglicherweise zu einem hemmenden würde. Damit meine ich, dass >>bestimmte Personen nur immer wieder ihre eigenen Themen >>andauernd vortragen – sicher auch variieren – würden. Das könnte die >>anderen auf Dauer nerven.

das stimmt. man kann erst dann richtig frei spielen, wenn man selbst richtig „gestimmt“ ist – das ist beim menschen nicht anders als z.b bei einer gitarre.
die leute die am anfang mitmachen, müssen in der vorarbeit ihre persönlichen probleme und verspannungen gelöst haben.
die schauspielarbeit zielt generell auf diesen zustand. wir haben bei der schauspielarbeit eine ganze reihe von möglichkeiten, dies zu erreichen und zwar in vielerlei hinsicht:

ich arbeite z.b. mit strassbergs muskelentspannung, eine sehr effektive methode, wenn sie eine zeit lang regelmässig angewendet wird. letztlich kann man dadurch alle körperlichen verspannungen auflösen – bei der auflösung kommen die eingefrorenen emotionen und erlebnisse allerdings nochmals hoch, die zur muskelverspannung geführt haben – es ist also auch psychoarbeit.
ich arbeite ausserdem mit lach-yoga und mit weiteren entspannungsmethoden wie bioenergetik und halte sogar die systemische familienaufstellung im spezialfall für hilfreich.
ich halte auch sehr viel von der arbeit von augusto boal – die befreiung aus unterdrückung und selbstunterdrückung durch theaterarbeit. boal, der von der unesco für seine arbeit ausgezeichnet wurde, hat hier ein raffiniertes sammelsurium von methoden, die eine humorvolle selbstbefreiung ermöglichen. (http://www.theatreoftheoppressed.org/en/...useFlash=1)

>und das mit der Unverletzbarkeit ist bei weitem nicht nur ein Problem des Körperlichen.

doch!! das ist wie beim klartraum, wenn du weisst dass du träumst und jederzeit auf wunsch aufwachen kannst, dann gibt es nichts mehr was dich psychisch kaputtmachen kann.
du kannst dann zwischen 2 widersprüchlichen zuständen nach wunsch hin und her schalten: zustand A heisst „das ist echt“ und in diesem zustand erlebst du alles mit starken gefühlen. zustand B heisst, das ist nur ein traum, den du jederzeit abstellen kannst, und in diesem zustand hast du über alles kontrolle, weil du weißt, das du selbst der „weltenschöpfer“ deiner momentanen erlebnisse bist. (bei meiner projektidee wäre das dann keine einzelperson, sondern das kollektiv, dass zwischen diesen beiden zuständen hin und her schaltet)

>>Ich meine auch, je freier und länger das ganze stattfinden würden, um so größer wäre die Gefahr, dass die Menschen eben gerade dadurch wieder in die totale Absorption gelangten, sprich, einfach spontan ausagierten – die Eigenbewusstheit aber komplett erlöschen würde.

hier haben wir dasselbe problem, wie beim klartraum. wir müssen techniken finden um zu verhindern, dass das aufwachen verwässert und wieder zum weiterträumen führt

POSTING ZU LANG - DER REST IM 2. TEIL:
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#10
2. TEIL:

>>Das wäre zwar für einige sicher therapeutisch sehr hilfreich, aber wenn >>wichtige Themen wie zum Beispiel die Sexualität – gerade wenn im >>Alltag blockiert – das Feld übernähmen, dann wäre nach einer Weile >>das Thema Klartraum nur noch Nebensache oder Deckmäntelchen.

das stimmt nicht. das wird überbewertet, weil wir aus jahrtausenden der unterdrückung kommen. wer z.b. nicht genug zum essen bekommt träumt auch ständig vom essen...
es wäre lediglich zu erwarten, dass sich die sexualität auf ein natürliches maß einstellt, wenn unsere tabus wegfallen. das thema sexualität ist natürlich eines der heikelsten bei dem ganzen thema.
was wäre wenn… alle frei wären - das zu tun was sie wünschen…
es gibt übrigens tantra praktiken, die sehr gut zu einem klarwachen passen würden und diesen zustand eher fördern, anstatt ihn zu zerstören.

>>Ich fände das schwierig zu regulieren. Aber vielleicht gibt es ja >>Strategien, die solchen "Gefahren" vorbeugen.

das thema ist neuland, deshalb gibt es nur dann strategien, wenn leute sie entwickeln...
das thema ist komplex, aber ich seh auch, dass es machbar ist und viel weniger komplex als z.b. die herstellung eines airbus A380 oder eines US flugzeugträgers…

lets do it
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#11
Ich bin beeindruckt, dass du mir auf solch differenzierte Weise geantwortet hast. So viel Zeit nimmt sich de facto kaum jemand. Ich glaube nun, dass du wohl ziemlich fundiert arbeiten kannst und – wenn sich genügend talentierte und offene Leute finden – ein solches Experiment sicher zu einer nützlichen Methode hin ausarbeiten kannst. Eine Methode, die wahrscheinlich viel mehr Menschen anziehend fänden, als das müde RC-Tagesgeschäft.

Dennoch möchte ich – sicher auch aus meiner Unwissenheit deinem Erlebensfeld Schauspielerei gegenüber entstanden – einige Gegenanmerkungen machen.

Wie gehst du damit um, wenn es, so wie es im Klartraum eben auch vorkommt, durch die Intensität der Wahrnehmung zu einer zutiefst bewegenden emotionalen Erfahrung kommt.
Hintergrund ist meine selbst erfahrene Ansicht, dass es überaus spaßige Klarträume gibt, in denen man glaubt, tatsächlich Herr aller Vorgänge zu sein und dann gibt es aber auch die Klarträume, in denen das UB seine Allgegenwart - teilweise erschütternd - vorführt.

Auch wenn du es nicht glaubst, ich bin der festen Überzeugung, dass ein Klartraum nicht eine Überwältigung des UBs bedeutet, sondern eine Erfahrung ist, die vom UB gebilligt und teilweise sogar beschützt wird. Auch wenn man sich als "kleiner Allesgott empfindet", das UB bleibt immer am Schalthebel, im Wachen wie im KT. Es ist die Mahlsuppe, aus der alles hervorgeht und wieder verschwindet.

Gerade im Austausch mit guten Schauspielern kann ich mir vorstellen, dass es zu erschütternden Begegnungen kommen wird. Deshalb ist man nun mal im Kino oder Theater gerührt. Weil es so echt ist, so echt wirkt. Im Kino weiß man auch, dass es nur ein Film ist. Und eben wegen dieser KTs, welche die Qualität aufweisen, welche dich eben tief verändert und so Einsichten im Leben dich gewissermaßen durch den KT-Turbo viel früher erreichen als ohne KT, kann ich nicht verstehen, wie man von solch einem auf Intensität setzenden Modell erwarten kann, dass man auf Dauer vor Absorption und emotionalen Erschütterungen gefeit bleibt.
Es ist ein heikles Unternehmen. Aber sicher auch sehr spannend deshalb. Ein kommt einfach darauf an, was man wirklich, wirklich will.
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#12
@Dendroaspis

>>Wie gehst du damit um, wenn es, so wie es im Klartraum eben auch vorkommt, durch die Intensität der Wahrnehmung zu einer zutiefst bewegenden emotionalen Erfahrung kommt.

das ist erwünscht - deshalb spiel man ja eben theater und deshalb sind die leute so scharf auf klarträume. der mensch ist fähig zu tiefsten und verschiedensten gefühlen und erlebnissen und die realität ist leider so aufgebaut, dass man meist nur die oberfläche kratzt. keith johnstone (der vater des theatersports) sagte mal, dass wir uns alle so behandeln als wären wir gozilla, in der fussgängerzone traut sich keiner jemanden länger in die augen zu sehen. die absolute verweigerung miteinander zu spielen. man versteckt vor allem auch seine schönsten seiten voreinander, aus angst vor verletzung. wir brauchen spielregeln, die zum gegenteil führen.

>>Hintergrund ist meine selbst erfahrene Ansicht, dass es überaus spaßige Klarträume gibt, in denen man glaubt, tatsächlich Herr aller Vorgänge zu sein und dann gibt es aber auch die Klarträume, in denen das UB seine Allgegenwart - teilweise erschütternd - vorführt.

Das Unterbewusstsein (UB) beinhaltet alle möglichkeiten, rollen und verhaltensweisen die man als mensch hat.
in der kreativen arbeit betrachten wir das unterbewusstsein als freund, als quelle der inspiration, als basis der phantasie, der kunst und erfindungen, als meer der möglichkeiten.

>>Auch wenn du es nicht glaubst, ich bin der festen Überzeugung, dass ein Klartraum nicht eine Überwältigung des UBs bedeutet, sondern eine Erfahrung ist, die vom UB gebilligt und teilweise sogar beschützt wird.

doch – das glaub ich auch und sehe ich genauso

>>Auch wenn man sich als "kleiner Allesgott empfindet", das UB bleibt immer am Schalthebel, im Wachen wie im KT. Es ist die Mahlsuppe, aus der alles hervorgeht und wieder verschwindet.

das mit dem schalthebel sehe ich anders. es stimmt zwar, dass das unbewusste oft am schalthebel sitzt. jedoch je mehr wir über uns selbst erfahren und je mehr uns bewusst wird, was vorher unbewusst war, umso mehr verliert das unterbewusste (und unbewusste) die macht und den schalthebel.
wenn wir interdisziplinär, kooperativ und undogmatisch arbeiten, dann sind wir heute schon sehr sehr weit gekommen. wenn ich sehe, was im letzten jahrzehnt an bewusstseinsforschung für fortschritte gemacht worden sind (thomas metzinger und co.) dann schlackern mir die ohren. nur der mainstream ahnt noch nichts.
dem unterbewusstsein schwimmen langsam die felle davon. das unterbewusstsein hat seinen zweck und seinen platz – am schalthebel ist es aber fehl am platz – jedenfalls was die zukunft betrifft.

>>Gerade im Austausch mit guten Schauspielern kann ich mir vorstellen, dass es zu erschütternden Begegnungen kommen wird. …
Und eben wegen dieser KTs, welche die Qualität aufweisen, welche dich eben tief verändert und so Einsichten im Leben dich gewissermaßen durch den KT-Turbo viel früher erreichen als ohne KT, kann ich nicht verstehen, wie man von solch einem auf Intensität setzenden Modell erwarten kann, dass man auf Dauer vor Absorption und emotionalen Erschütterungen gefeit bleibt.
Es ist ein heikles Unternehmen. Aber sicher auch sehr spannend deshalb. Ein kommt einfach darauf an, was man wirklich, wirklich will.

das leben selbst ist ein heikles unternehmen.
man wird nicht von Absorption und emotionalen Erschütterungen gefeit bleiben, man wird dies nur anders einordnen, weil man in einem anderen wertesystem steckt. dies ist der kleine und doch grosse unterschied.
ich hatte letzte woche eine improvisation von meinen schülern, die richtig brutal und gleichzeitig erschreckend echt war – es war so echt, dass uns allen der ernst der lage völlig bewusst war (weil solche dinge real passieren… ) als die impro aus war haben alle gelacht und alle und vor allem auch die spieler waren glücklich, erstens weil sie gut gespielt haben und zeitens dass es nur ein spiel war.

auf diese tour haben wir die rollen und spirits in der hand und nicht sie uns (wie im realen leben dort draussen). und dieses wissen das kontrollieren zu können macht irgendwie glücklich.

ein weiteres beispiel dazu: aus eigenem wunsch achterbahn zu fahren macht glücklich. würde dich jemand dazu zwingen wäre das folter. es ist also die selbstbestimmung und selbstkontrolle, die den unterschied macht.

selbstbestimmt sich den emotionalen erschütterungen und der absorbtion des unterbewussten auszusetzen und das in dem moment abstellen zu können, wenns dir zu viel wird oder es reicht, macht glücklich – das ist einfach so und wenn das nicht so wäre dann wäre ich als schauspiellehrer arbeitslos.
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#13
@Dendroaspis

hey ich finde Deine Klarträume echt immer klasse!! Sind erfrischend einfach und trotzdem tiefgehend big
Das Du im Wachzustand manchmal Empfindungen hast wie bei den Klarträumen, erinnert mich an Tholey:
Einmal hatte er gedacht, er wäre im Traum und so stieg er auf einer Leiter, um von da zu fliegen, doch er stürzte ab! :o Dabei brach er sich ein Bein!
Er war gar nicht im Traum, sondern wach!!Das hat mich immer beschäftigt. Deine Erfahrungen hat mich daran erinnert! Sei also vorsichtig, vieleicht bist du schon so weit, das es dir auch passieren könnte ;D
Deine Meinung zu Tholeys Unfall würde mich sehr interessieren!
biggrin
Gruß Jack
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#14
@ Jacko

Jetzt musste ich tatsächlich etwas lachen. Wenn das der Herr Tholey gemacht hat, dann war er sicher betrunken. Vielleicht stimmt es auch gar nicht und es ist nur ein "Mythos", wer weiß? Wenn Leute von einer Gestalt wie Tholey fasziniert sind, dann wünsche sie sich auch spektakuläre Geschichten zu ihm und dann ist es nicht weit, sie zu erfinden. Je länger ein indischer Guru tot ist, desto mehr Wunder hat er in seinem Leben einmal vollbracht. Möglicherweise hast du also solch eine Geschichte gehört. Allmählich erfahre ich immer mehr über diese Urvatergestalt des modernen europäischen Klarträumens. Wenn sie doch stimmt, dann entschuldige ich mich für meine Nüchternheit.

Diese Erfahrungen des "Alles ist Innen" sind aufgeladen mit einem Gefühl großer Glückseligkeit. Man hat so die starke Gewissheit, dass man einfach schon immer am rechten Ort war. Wie eben im Traum. Man rennt von Traumafrika nach Traumsibirien auf der Suche nach sich selbst und dabei ist man einfach nur die ganze Zeit über im Bett gelegen. Wenn man dann aufwacht und das in Beziehung setzt zu dem, was man vorher im Traum erlebt hat, dann sagt man sich wohlmöglich: "Mensch, Junge, hättest dich gar nicht so abhetzen müssen, bist sowieso nur auf der immergleichen Stelle herum getrippelt".

Vielen Dank für deine lobenden Worte.

Gruß

Dendro
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Re: Kann man Realität als Klartraum inszenieren?
#15
@Dendro

ähm da war wohl ne Klasse, die auf ihn gewartet hat und sich wunderte, warum er nicht kam. Sie forschten nach und erfuhren dann von dem Unfall und das er im Krankenhaus wohl sei!
Übrigens hatte er tatsächlich Alkoholprobleme! Seine Freundin sollte aus dem Fenster gesprungen sein, weil sie dachte sie träumt, das wars bei ihr.Das hat er nicht überwunden sagt man.
Also kann gut sein das der Flaschengeist da ne Rolle mitspielte, weiß nicht.
Es wäre sonst echt gefährlich! Traum ist Traum und Wachsein ist Wachsein, obwohl das Gehirn die Realität leicht manipuliert ;D
Freue mich schon auf deinen nächsten Bericht!Und gehe ruhig wieder runter in den Keller, super spannend!!! biggrin
Gruß Jacko
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