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sprache und wirklichkeit - nein, sprache und DEINE wirklichkeit (z.b. traumberichte)

sprache und wirklichkeit - nein, sprache und DEINE wirklichkeit (z.b. traumberichte)
#1
28.06.2019, 10:54
ich tu mir verdammt schwer, mit worten zu beschreiben, was ich hypnagoges "sehe" (und höre usw.). das ist ein einziges krampfhaftes gebiege, um wörter zu finden, die halbwegs passen. das befriedigt auch nicht.

richtig gut malen kann ich auch nicht.

am besten wär eben, träume, gedanken etc. per video aufzeichnen zu können, ach nee, das wär ja auch nur optisch, und akustisch, ok, aber der ganze rest fehlt...

wie ist es bei euch, reicht euch die sprache für traumberichte, traumtagebuch etc?
ich hatte schon mal überlegt, wenigstens mindmaps zu benutzen, so dass die verbindungen zumindest dargestellt werden können - aber trotzdem sinds ja nur wörter. vermutlich muss man text und bild kombinieren? ja aber dann fehlt noch audio. manno...

wenn ich mehr machen will, als die bilder, träume einfach nur zu HABEN, dann muss ich sie doch auch irgendwie kommunizieren können.

bei tagträumen geht das, die sind hauptsächlich optisch und akustisch, das lässt sich schon irgendwie gut beschreiben.

aber in träumen manchmal, oder eben dieses hypnagoge zeugs.. keine chance.. mich nervt das...
if you are the smartest person in the room, you are in the wrong room.
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Erfundene Träume
#2
28.06.2019, 13:45
Es ist schon schwierig und eines der Hauptgründe, warum ich jedesmal wieder aufgebe, Traumtagebuch zu führen.

Aber wenn ich mich darum bemühe, dann reicht mir in der Tat mein Deutsch für meine Träume aus. Zumindest soweit, um die essentiellen Ereignisse und die Gesamtstimmung des Traumes einzufangen, und das ist dann gut genug, um mich noch Jahre später beim erneuten Lesen recht lebhaft an die Träume zu erinnern. Aber ich lüge oft auch ganz bewusst ein bisschen in meinen Traumberichten, um alles Abstraktes und Vages festhalten zu können, was anderweitig verloren ginge. Das heißt, ich erfinde mir Erlebnisse, vereinfache Erfahrungen und ergänze Geschichten, um meine Träume zu einem kohärenten Ganzen zusammenzubinden. Was entsteht, sind also Gespinste aus Traum und Geist, die mehr Denkmäler sind als Aufnahmen. Das ist das beste, wozu ich imstannde bin, ohne mir den Kopf zu zerbrechen – und das ist echt schon schwierig genug.

Hypnagoge Erlebnisse zu beschreiben, ist für mich bereits eine Frage der Poesie. Da schmeiße ich gleich das Handtuch.
Oh, how can you be so invisible? Give me the nerves to see …
⟡·⟡·⟡·⟡·⟡·⟡·⟡
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RE: sprache und wirklichkeit - nein, sprache und DEINE wirklichkeit (z.b. traumberichte)
#3
28.06.2019, 16:42
[+] 3 User sagen Danke! spell bound für diesen Beitrag
Poesie hätte ich jetzt auch gesagt. Poesie aber nicht in Form von "inspiriert durch hypnagogie mache ich irgendwas recht anderes" (was ja auch geht und ok und cool ist, allerdings eine andere Sache), sondern Poesie, die möglichst nah an dem bleibt, was erlebt wurde. Poesie ist ja der Versuch, Sprache zu finden oder meinetwegen zu erfinden, wenn anderes nicht mehr ausreicht. Und es ist durchaus ein Skill, der geübt werden kann. Deswegen sehe ich Träume und Hypnas eher als Herausforderungen an, denn an ihnen zu verzweifeln.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: sprache und wirklichkeit - nein, sprache und DEINE wirklichkeit (z.b. traumberichte)
#4
28.06.2019, 21:55
[+] 1 User sagt Danke! Liri für diesen Beitrag
Manchmal wird es schwierig, besonders bei Non-REM-Zuständen. Das ist nicht selten "unbeschreiblich".

Die mehr erzählerischen Träume sind bei mir wie gemacht dazu, aufgeschrieben zu werden.
~ I primarily want to light up a flame in a raging storm ~


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RE: sprache und wirklichkeit - nein, sprache und DEINE wirklichkeit (z.b. traumberichte)
#5
30.06.2019, 18:27 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.06.2019, 18:55 von Mango Lassi.)
[+] 2 User sagen Danke! Mango Lassi für diesen Beitrag
Vielleicht hilft es, sich klar zu machen, dass Sprache, ihrem Wesen nach, niemals im Stande ist, Welt abzubilden, weder innere noch äußere Welt. Sprache arbeitet auf der Grundlage von Begriffen, und gerade beim Träumen passen unsere gewohnten Begriffe oft nicht mehr; zum Beispiel erlebte ich vor einer Zeit etwas, das gleichzeitig Wolldecke und eine Art Nussschale war. Die Sprachtheorie der Romantik scheint mir hier einschlägig. Es läuft darauf hinaus, dass die Sprache ihre eigene, in sich abgeschlossene, nur auf sich selbst bezogene Welt bildet. Die Konsequenz lautet, von der Vorstellung wegzukommen, man könne mit Sprache Erlebtes abbilden. Stattdessen kann man mit Sprache eine Entsprechung, eine Parallele zu dem Erlebten konstruieren, die dann innerhalb der abgeschlossenen Welt der Sprache wieder einen Sinn ergibt. Ähnlich beim Malen. Cézanne sagte, Kunst sei eine Harmonie parallel zur Natur, nicht ein Werkzeug zum Abbilden von Natur. Wenn das schon für die Wachwelt gilt, wie viel mehr dann erst für Träume oder gar Einschlafzustände! Oben wurde sehr richtig angedeutet, dass das angemessene Medium eigentlich die Poesie ist; ich persönlich sehe meine Traumprotokolle deshalb eher als poetische Texte, also eher als Traum-Erzählungen, weil ich das für das angemessenste Format halte. Wobei die gewohnte Unterscheidung zwischen fiktionalem (poetischem) und nichtfiktionalem Text, wo es um Träume geht, ja überhaupt ganz neu durchdacht werden muss.
Ἐγγὺς μὲν ἡ σὴ περὶ πάντων λήθη, ἐγγὺς δὲ ἡ πάντων περὶ σοῦ λήθη.
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