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Buddhismus und Selbsterkenntnis

Buddhismus und Selbsterkenntnis
#1
13.03.2019, 15:29 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.03.2019, 21:34 von ichbinmehr.)
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13.03.2019, 15:18


Vor ungefair 10 Jahren habe ich mir einen Dorje aus Bergkristall gekauft, obwohl ich damals noch nicht wusste, wozu das Ding gut ist. Damals begann ich Edelsteine zu sammeln und so fand dieses Ding unbewusst zu mir.

Erst später begann ich magische Rituale mit dem bis dahin angesammelten Gegenständen zu wirken. Und erst heute verstehe ich meine Anziehungskraft bezüglich des Dorje und meine karmische Verbindung zum Buddhismus, die sich damals schon im Außen zeigte.

Der Dorje ist das Symbol des Vajra Buddha. Der Vajra Buddha ist der Buddha der Schärfe, der Kristallisation und der Unzerstörbarkeit. Vajra wird oberflächlich als „Diamant“ übersetzt. In der buddhistischen Tradition wird der Diamant als himmlischer Edelstein verstanden, der durch jedes andere feste Objekt schneidet. Deshalb ist er völlige Unzerstörbarkeit.

Die Vajra Buddha werden durch ein diamantförmiges Zepter dargestellt, welches im tibetischen Dorje genannt wird. Die scharfen Zacken des Diamanten symbolisieren das durchschneiden neurotischer Tendenzen und unbewusster Verwicklungen, mittels eines scharfen Verstandes.

Der Dorje repräsentiert die Qualität vieler möglicher Perspektiven (Multiperspektivität). Damit ist eine sehr große Flexibilität des Geistes gemeint, die diese Buddhas haben.

Der Vajra Buddha hielt seinen kostbarsten Schatz, seinen Zepter, den Dorje aus Kristall in der Hand, der das Symbol seines erwachten Geistes darstellt. Er bedankte sich für dieses Gabe, die es ihm ermöglichte zu tiefer Einsicht zu gelangen und alle Anhaftungen zu durchschauen. 

Doch weil er der Vajra Buddha ist, kann er sich nicht an seiner Errungenschaft der Einsicht festhalten. Seine unzerstörbare Logik zwingt ihn, einen letzten Akt des Loslassens auszuführen. 

Ich wäre kein Vajra Buddha, wenn ich nicht diesen letzten Schritt vollziehen würde. Tränen der Liebe und der Verlustangst rannen über seine Wangen. Es kamen Ängste auf, die sagten: Wer bin ich noch, wenn ich mein größtes Talent wegwerfe?

Er nahm dennoch den kristallenen Zepter und warf ihn in Gedanken hinter sich. Der kristallene Dorje zersprang in seiner Vorstellung in tausend Stücke auf dem Boden. Der Buddha lachte und war nun frei.

Wenn man etwas loslässt, was einem viel bedeutet, empfindet man Verlust. Im Moment des Loslassens stirbt ein Stück Ego. Das tut manchmal weh.

Jedoch verliert man letztlich nichts, außer der fixierten Anhaftung. Man verliert im Grunde immer nur seinen Starrsinn, der zu Unfrieden führt, weil man wieder für einen festen Standpunkt kämpft. 

Deshalb ermöglicht jeder Loslösungsprozess, in einen größeren und offeneren Raum der Freiheit und des Friedens zu gelangen.

Loslassen ist nie ein endgültiges sich abkehren. Das wäre eine erneute Einschränkung. Loslassen bedeutet viel mehr eine Haltung von Offenheit zu entwickeln, in der es keine Fixierung mehr gibt. So erfährt man immer mehr den offenen Raum.

Man muss letztlich behaupt nichts aufgeben. Statt entweder oder, entsteht immer mehr eine Haltung von sowohl auch als. Das ist Freiheit. Aber das Ego denkt jedesmal es müsste sterben, deshalb krallt es sich fest.

Auch der Boddhisattva, der Buddha des Mitgefühls, hat am Ende seines Weges, so einen finalen Schritt zu tun. Denn sein Weg ist ebenso einseitig.

Weil er der Buddha des Mitgefühl ist, kann er sich nicht an seiner Einsicht festhalten. Sein unzerstörbares Mitgefühl zwingt ihn, einen letzten Akt des Loslassens auszuführen. Er wirft die Anhaftung an seinen Weg weg und öffnet sich für eine Liebe, ohne Einschränkung.

Erleuchtung, ist nicht das einseitige Verfolgen eines spirituellen Weges. Erleuchtung ist ein Zustand jenseits aller Anhaftungen und Bestrebungen etwas zu erreichen. Es ist die Freiheit von jeglichem Standpunkt.

Deshalb muss man am Ende aller Wege, den eigenen Weg verlassen. Das heißt jedoch nicht Abkehr. Es bedeutet nicht alles in den Staub zu treten. Es bedeutet sich einfach nur für alles andere wieder zu öffnen.

Weder ein Vajra Buddha, noch ein Boddhisattva muss seinen Weg aufgeben. Was aufgegeben wird, ist die letzte Trennung, die der Erfahrung der Freiheit im Weg steht. 

An dieser Stelle weitet sich nochmals der klare Geist und das liebende Mitgefühl.

Alles was wir aufgeben müssen, sind unsere starren Ideologien. Es bleibt jedoch immer die Freiheit, den eigenen individuellen Weg zu gehen. Dann geht man ihn jedoch aus Liebe und nicht aus Gegnerschaft.
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RE: Freiheit
#2
19.03.2019, 21:29
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Ich beschäftige mich gerade viel mit Buddhismus. Vor allem mit dem Vajrayana Buddhismus, der auch tibetischer Buddhismus genannt wird. Ich glaube auch, dass ich irgendeine tiefere Verbindung zu diesem Thema habe, zb. frühere Leben, die ich gelebt habe, die vom Buddhismus geprägt waren.

Einmal bin ich vom Typ her ein Boddhisattva. Auch wenn diese Haltung in meinem jetzigen Leben, anders zu erklären ist, glaube ich dass sich in einem früheren Leben ein Gelübde dazu abgelegt habe und mein jetziges Leben entsprechend geplant habe.

Meine aktuellen Einsichten, in den eigenen Geist, weite sich immer mehr. Das kann man sich in etwa so vorstellen, wie wenn man bei Google Earth immer weiter heraus zoomt und immer mehr Überblick über die Erde enthält. So in etwa weitet sich mein Überblick über den eigenen Geist und mein Ich, immer mehr.

Manchmal komme ich da auch in Bereiche, wo ich meine, eine Einsicht in ein Gewahrsein zu haben, was bereits über den Kreislauf der unbewussten Wiedergeburt hinaus schaut. Für meinen Forschergeist ist das sehr spannend.

Man muss weder in Meeres Untiefen, noch ins weite Weltall fliegen um unbekanntes Gebiet zu erforschen. Der eigene Geist hat so eine Tiefe, dass man umfassende Reiseberichte über seine Erlebnisse abgeben kann.

Es war als sei ich gleichzeitig Steffi und Gott, der die Macht hatte die Sterne am Himmel zu verändern, damit sie einen Einfluss auf mein Leben nehmen. Ich sah die Aspekte „unbezwingbarer Geist“ und „Mangel“. Es kam mir vor, als hätte mein Leben zwischen diesen beiden Archetypen, Planeten stattgefunden. Plötzlich verstand ich, hier ist der Ort wo ich Realität manifestieren kann.
Ich weiß nicht ob das klappt. Wir werden sehen.

Es sind eben seltene meditative Momente, in denen ich solche Einsichten habe. Ich kann mein waches Gewahrsein, noch nicht beständig auf diesem Level halten. Klarheit und Trübheit wechseln sich noch ab. Ich erhoffe mir, im Buddhimus mehr Informationen über meine spirituellen Erfahrungen zu finden. Ich habe einige bereits erfolgreich praktiziert, aber ich war nicht umfassend genug durch die Lehre vorbereitet. Ich glaube deshalb habe ich auch noch so viele Fragen. Wie auch ich war ja Atheist/Agnostiker, als ich begann zu meditieren. Ich wollte damals auch gar keine Lehre haben.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich in meinem Leben schon bevor ich mich bewusst mit Spiritualität beschäftigt habe, buddhistische Zeichen, Statuen, Bilder, Ritualobjekte bei mir eingefunden haben, deren Sinn ich erst später in einen Kontext mit meiner Erfahrung bringen konnte.

Irgendetwas zieht mich da magisch an. Das ist für meinen atheistischen Anteil manchmal schwierig, weil dieser sich keines Falls einer Religion unterordnen möchte und das kritische Denken und die westliche Psychologie, gegen buddhistische Ansichten anführt.

Ich möchte ein Freigeist bleiben. Das ist klar. Frei ist man aber auch nur, wenn man alles tun kann, alles mitspielen kann. Es ist mir gerade als steige ich aus mir selbst aus. Dazu gehört es meiner Meinung auch, sich auf eine Religion einlassen zu können, weil man keine Widerstände mehr hat und dort nichts fürchtet. Gegen die christliche Erziehung habe ich mich als Kind massiv gewehrt, denn diese wurde nie als Selbsterkenntnis verkauft, sondern als Unterdrückungsinstrument verwendet. Den Buddhimus nehme ich anders wahr.

Ich spüre nach all dem Atheismus, dass sich etwas in mir danach sehnt, mich noch mehr auf ein spirituellen Leben einzulassen. Vielleicht ist das aber auch nur eine Phase und ich lasse das wieder los wenn ich genug gelernt habe. Ich war auch schonmal für 3 Monate Vegetarier. 

So lasse ich mich momentan von den Weisheiten des Buddhismus begeistern und inspirieren, und gleiche die eigene spirituelle Erfahrung mit der Lehre ab. Ich teile mein Wissen gerne irgendwem mit. Deshalb werde ich in diesem Thread Texte verfassen, und quasi einen kleinen Bericht darüber schreiben, was ich so lerne, was mich am Buddhismus interessiert und wie ich meine spirituellen Erfahrungen, durch eine buddhistische Sichtweis einterpretiere.

Ich hoffe, dass mir das Frieden mit meinen Erfahrungen bringt. Ich glaube es ist sehr wichtig, dass der rationale Verstand eine Möglichkeit findet, die phänomenalen Erfahrungen zu verstehen und einordnen zu können. Damit man sich emotional sicher fühlt, ist es manchmal richtiger, ein falsches Erklärungsmodell zu haben, als gar keins.

So sehe ich manche Aussagen des Buddhismus als überholt an oder für mich selbst nicht zutreffend. Und andere Aussagen sind wissenschaftlich bisher nicht zu überprüfen. Das ist aber egal, wenn Religion einen emotionalen Halt gibt, der sonst fehlen würde. Das Ego braucht Erklärungsmodelle um die Erfahrungen zu integrieren.

Ich glaube auch, dass ich eine Aussöhnung mit dem Thema Religion erfahre, was zu mehr Frieden und Akzeptanz führt. Es gibt auch noch andere Menschen die genau das erleben wie ich. Ich erfahre zunehmend, es gibt Konzepte dafür und zwar seit langem. Es gibt wertschätzen für genau das, was ich erreicht habe, das gibt mir ein Gefühl von zu Hause ankommen.

Ich erkenne erst jetzt, wie sehr mir immer so eine sprituelle Gemeinschaft gefehlt hat, wo ich Verständnis für meine Erfahrungen bekomme. Seitdem ich mich mit dem Buddhismus näher beschäftige, fühle ich so etwas wie ein zu Hause ankommen. Es ist ein wenig, als suche ich nach eine Art Familie, in der ich mit meinen Erfahrungen angenommen bin. Es ist eine Suche nach Akzeptanz und Verstehen der eigenen Erfahrung.
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RE: Buddhismus und Selbsterkenntnis
#3
20.03.2019, 17:55
Teil 0 - Vorwort

Meine Perspektive auf den Buddhismus ist von meiner rationalen und von der westlichen Psychologie geprägten Sichtweise auf den menschlichen Geist beeinflusst. Ebenso haben meine eigenen mystischen Erfahrungen und mein intuitiver Zugang zum inneren Wissen, meine Perspektive auf die buddhistische Lehre beeinflusst. All das verbinde ich, in meinen Texten und das führt natürlich zu einer persönlichen Note.

Wer die Lehre wortwörtlich und konservativ, traditionell interpretiert, hat deshalb womöglich Schwierigkeiten mit meiner individuellen Interpretation der Lehre. Wenn ich mich mit praktizierenden Buddhisten unterhalte, für die die Lehre eine feste konstante Orientierung in ihrem Leben darstellt, stoße ich mit meiner sehr freien persönlichen Interpretation, die zudem gerne Dinge in Frage stellt, deshalb öfter an. Falls es euch ebenso geht, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich lediglich um meine persönliche Perspektive handelt. Ein Ringen um die „richtige Perspektive“ ist für mich hinfällig geworden.

Allerdings bemühe ich mich, meine persönliche Perspektive stets zu erweitern und diese Haltung der Offenheit auch anderen Menschen zu vermitteln, weil ich glaube, dass eine weite Perspektive der Erlangung von Frieden, Freiheit, Weisheit, Mitgefühl und Glück zuträglich ist. Wenn ihr Lust habt meine Texte zu kommentieren, um hier eine weiter Perspektive hinzuzufügen, freue ich mich.

Als ich begann mich vor ein paar Monaten mit Buddhismus näher zu beschäftigen, war ich anfangs sehr verwirrt über die verschiedenen Schulen, Fahrzeuge und Einweihungswege. Einen Überblick über all die verschiedenen Ansätze und Zugänge zu erhalten, gelingt mir erst nach und nach und so befinde ich mich zur Zeit immer noch auf einem Weg der innerer Ordnung, von all dem was ich lese und auch schon selbst praktiziert habe.

Seltsamerweise habe ich Wege praktiziert, ohne eine wirkliche Ahnung zu haben, was ich da tue. Man könnte sagen, ich habe spirituelle Praktiken erfolgreich trainiert, ohne darauf vorbereitet zu sein, was ich mit den Früchten der Praxis anfangen soll. Es entwickelte sich alles von selbst aus dem Klarträumen, so wie ich es bei Tholey, Laberge, usw. zuerst erfahren hatte. Auch haben mich Leute in diesem Forum, wie zb. Don mit den Erfahrungen des Klares Lichtes sehr inspiriert, was dazu führte dass sich eine Motivation entwickelte, erfahren zu wollen, was das ist. Etwas in mir fragte sich beständig, wenn es Klarträume gibt, was gibt es dann noch? Eine unbändige Neugiere führte dann dazu, dass sich meine Klartraumpraxis immer mehr in Richtung Mediationpraxis entwickelte. Und plötzlich fand ich mich irgendwie auf dem der Suche nach Erleuchtung.

Mein Ungestüm dabei und die mangelnde Vorbereitung, hat dann wie einige von euch wissen, auch öfters zu Problemen geführt. Ich fühle mich zur Zeit, als hole ich diese fehlende Vorbereitung, in einer Nachbereitung, nach. Praktische Erfahrungen und Studium von Wissen bilden immer eine Einheit. Fehlt ein Aspekt, gibt es ein Ungleichgewicht. Es ist für mich zur Zeit, als schließt sich hier ein Kreis.

Ich sehe meine Herangehensweise der Vergangenheit dennoch nicht als Fehlerhaft. Ich möchte nicht, dass durch meine Worte neue dogmatische Vorstellungen entstehen. In Wahrheit glaube ich daran, dass jeder Mensch einen ganz individuellen Weg geht, der in keine Lehre zu pressen ist.

Lehren und spirituelle Wege können dem Praktizierenden einen Halt geben. Auf geebneten Wegen geht man einen sicheren Weg. Aber für manche Erfahrungen muss man sichere Wege auch verlassen. Ich möchte meine mangelnde Vorbereitung deshalb als Ausdruck meiner individuellen Erfahrung betrachten, die eben genauso geschehen sollte, denn die Schwierigkeiten in die ich dadurch hineingeschlittert bin, sind Erfahrungen, die ich auch ganz explizit erleben wollte, um der zu werden der ich schon bin.

Man kann es ein wenig vergleichen mit einem Psychologen der nie selbst eine Depression hatte. Wie soll er anderen Menschen mitfühlend helfen, wenn er die Depression nur aus Lehrbüchern kennt, aber nicht weiß wie es ist, wenn man drin steckt? Wie soll ein Psychologe einfühlsam einem Menschen mit einem schweren Trauma helfen, wenn der selbst nicht weiß, wie sich so ein Trauma anfühlt?

Und so sehe ich meine Schwierigkeiten mit dem Erwachen als wichtige Lektion, die mich befähigt Menschen die sich auf dem Weg befinden, und in Schwierigkeiten geraten, durch eine eigene Erfahrung Mitgefühl und Verständnis entgegen zu bringen. Und obwohl diese Erfahrungen leidvoll waren, möchte ich diese keinesfalls her geben. Und somit ist alles genau richtig für mich.

Und dennoch fühle ich mich noch nicht vollständig, und etwas alleine mit allem, etwas verloren, wenn ich diese Erfahrungen nicht in ein stimmiges Konzept bringen kann. Wir können Dinge nur vollständig in unser Bewusstsein bringen, für die wir ein versprachlichtes Konzept haben, welches wir auch mit anderen Menschen teilen können.

Zur Zeit integriere ich meine spirituellen Erfahrungen über das buddhistische Konzept, da ich mit der Psychologie, die mir sehr geholfen hat, und die mich mein ganzes Leben begleitet hat, immer wieder an Grenzen stoße. Die westliche Psychologie grenzt die Erfahrungen der Ich- losigkeit leider noch stark aus ihrer Wissenschaft aus. Es gibt zwar transpersonale Ansätze, die darauf hinweisen, aber diese sind noch sehr schwach vertreten, während die buddhistische Lehre eine umfassende östliche Psychologie dieser Erfahrungen, in einer langen Tradition anbietet. Ich empfinde es daher als folgerichtig, dass ich mein Hauptkonzept (bisher Psychologie), welches mich durchs Leben leitet, für eine gewisse Zeit (unbestimmt) wechsle, um eine Integration für meine persönliche Erfahrungen der Leerheit, zu finden.

Dass ich dabei immer wieder Vergleiche zwischen der westliche Psychologie und der östlichen Weisheitslehre ziehe, stellt für im Grunde keinen ernsthaften Konflikt dar. Das sich in mir jedoch gelegentlich innere Konflikte zwischen meiner rationalen freiheitlichen Sichtweise und dem religiösen Kontext der Lehre auftun, sehe ich als Herausforderung, diese inneren Konflikte zu einem inneren Frieden und einer Haltung von sowohl als auch, zu transformieren.

Der Buddhismus kann sowohl als Religion, als auch als philosophische Weisheitslehre, als auch als östliche Psychologie verstanden werden. Auch hier werden sich die Geister scheiden und die Lehre innerhalb der persönlichen Weltanschauen interpretieren. Menschen interpretieren Konzepte immer innerhalb des eigenen Egos. Eine wirklich objektive Sichtweise auf ein Konzept, ist daher gar nicht möglich. Daher muss man vielleicht einfach die subjektive Sichtweise annehmen, darf aber nicht den Fehler machen, diese als Wahrheit verstehen zu wollen.

Ich hoffe, dass ich mit meinen Texten dazu betrage, das Wissen über diese Lehre von einengenden Vorstellungen über den Buddhismus zu befreien und so zu weitere Perspektiven des Geistes anrege.

Das Klarträumen wird dabei natürlich auch eine Rolle spielen, vermutlich aber erst in späteren Texten. Und wie gesagt, ich lerne zur Zeit selbst noch viel. Vielleicht ist es ja für euch genauso interessant wie für mich, zu erfahren, in welche größere Lehre das tibetische Traumyoga eingebettet ist. So können wir unsere westlichen Klartraumpraxis, insbesondere unserem Verständnis des Traumyoga, evtl. neue Aspekte hinzufügen und unser Verständnis über den Sinn einer Traumpraxis erweitern.

Im nächsten Text werde ich ein kurze Einführung in die verschiedenen Fahrzeuge des Buddhismus, Hinayana, Mayayana und Vajrayana geben.
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RE: Buddhismus und Selbsterkenntnis
#4
22.03.2019, 22:17 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.03.2019, 22:41 von ichbinmehr.)
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Teil 1  - Hinayana, Mahayana und Vajayana (Tantra)

Hinayana bezieht sich auf die ersten, frühen Schulen des Buddhismus und ist so etwas wie der Ur-Buddhismus. Die südlichen buddhistischen Schulen sind mit der Einsicht, dass es kein Selbst gibt, zufrieden. Sie führt zu der gewünschten Befreiung, dem Ende des eigenen Leides und der Entwurzelung aller Störgefühle.
Aus der Sicht der nördlichen buddhistischen Richtungen des Mahayana (Großen Weges) ist damit erst der erste Schleier, der der Störgefühle, entfernt. Daher ist dieses Ziel nur eine Zwischenstation, bevor die große Reise zur Erleuchtung zum Besten aller Wesen, der Bodhisattva-Weg, beginnt.

Der Boddhisattva strebt nach höchster Erkenntnis, um diese für alle lebenden Wesen einzusetzen. Er führt ein Leben zum Wohle aller, und stellt seine eigenen Bedürfnisse zu Gunsten anderer, zurück.

Daher wird Hinayana von Mahayana Buddhisten „kleines Fahrzeug“ und Mahayana „großes Fahrzeug“ genannt.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Sichtweisen beschäftigt mich noch sehr. Für mich persönlich kann ich nur sagen, es klingt für mich wie ein einziges Paradoxon, denn im „kleinen Nirvana“ des Hinayana erkennt der Erwachte, dass es kein Selbst und somit auch keine anderen ichs gibt, die man befreien könnte.

Genau das hatte ich 2016 erkannt und ich weiß noch dass, das genau das, das aller schönste an der Erkenntnis für mich war, nämlich dass alle anderen Wesen schön längst befreit sind. Es war als wäre ich mir selbst gleichgültig. Die Befreiung der anderen hat mich regelrecht erleichtert.

Die Idee alle anderen müssen befreit werden, sitzt sehr tief in mir. Entweder liegt das an meiner zu Selbstverleugnung neigenden Kindheitsprogrammierung oder ich habe in einem früheren Leben ein Boddhisattva Gelübde abgelegt. Oder das sind nur zwei Geschichten die eine multikausale Ursache bilden. Ich bin mit dieser Haltung heute keineswegs mehr einverstanden, denn heute sehe ich den Schatten dieser einseitig guten Haltung.

Deshalb war genau diese Erkenntnis so befreiend. Es war als wäre mir ein Stein von den Schultern gefallen. Aber sobald ich wieder zurück ins Ego tauche, (sobald ich wieder trüb werde) und diesen hohen Zustand der Bewusstheit nicht mehr halten kann, sehe ich das nicht mehr so. Dann ist das Leid wieder da, für mich und andere. Und dann ist da auch wieder ein Bodhisattva da, der nach Befreiung strebt und immer noch etwas tun muss, damit Frieden herrscht.

Aber selbst wenn es mir anders ergehen würde… Ich hatte Kontakt mit Leuten, die diese Zustand scheinbar konstant halten konnten und ich muss sagen, aus der Perspektive eines leidenden Wesens empfinde ich da eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Leid. Immer wider bindet mich das Mitgefühl an das Leiden, auch wenn ich weiß dass das aus der erwachten Perspektive anders ist. Tief in meinem Herzen fühle ich, ich möchte so nicht sein. Und gleichzeitig habe ich einen Konflikt mit meiner Anhaftung an das Mitgefühl, weil ich weiß, es steht meiner Befreiung noch im Weg. Ich sehe Mitgefühl als Anhaftung. Es ist etwas was im Traum erscheint. Der Geist weitet sich meiner Erfahrung nach zu Leerheit. Dort ist keine Liebe, kein Mitgefühl.

Im Zustand höchster Erkenntnis fallen Objekt, Subjekt und Handelnder weg, so dass jede Idee einer Befreiung, nichtig wird. Es gibt keine Welt (Objekt), Es gibt kein Ich (Subjekt), es gibt keine Beziehung zwischen mir und der Welt (Handlung). Jede Beziehung ist eine leere Geschichte.

Sehe ich die Welt aus dieser erwachten Perspektive, welche sich manchmal eröffnet, sehe ich überhaupt keinen Sinn mehr darin, in irgendetwas was in der Welt geschieht einzugreifen, es sei denn es ergibt sich ein freier Impuls dazu. Aus der erwachten Perspektive erkennt man die Perfektion in jedem Moment. Es gibt da kein Leid, für niemanden. Oft sind in meiner Wahrnehmung aber nur Objekt, oder nur Subjekt leer. Ich weiß nicht warum. Meine Intuition sagt, ich soll alle Perspektiven kennen lernen.

Diese Einsicht in die totale Befreiung von allem, darf ich jedoch nur sehr selten genießen. Es sind für mich vereinzelte Gipfelmomente, in denen alles perfekt ist. Viel häufiger fühle ich mich noch vom „Archetypen“ des Bodhisattva getrieben, um mir selbst (dem inneren Kind ) oder andern Wesen helfen zu wollen.

Wenn ihr zu diesem Dilemma konstruktive Anregungen habt, würde ich mich sehr freuen.

Es kommt mir vor als, steht hier meine Ethik, mein Mitgefühl gegen meinen klaren Geist und es ist für mich sehr schwer, mich vollständig für eine Seite zu entscheiden. Vermutlich wird das der Geist sein, aber immer wieder, kommt dann ein ja aber, was ist mit der anderen Seite. Vielleicht gibt es da in meinem Kopf noch ein entweder oder, wo ein sowohl als auch entstehen müsste? Jedenfalls sehe ich da noch einen inneren Konfliktpunkt.

Aber eigentlich sollte es hier auch um den Vajrayana Buddhismus und alle 3 Fahrzeuge gehen.

Abgesehen von den der unterschiedlichen Definition von Nirwana und unterscheiden sich die Fahrzeuge an Hand der unterschiedlichen Methoden.

Dazu habe ich einen kurzen Text gefunden:

Zitat:Zitat „ Geshe Kelsang Gyatso – Tantrische Ebenen und Pfade“

Da Lebewesen unterschiedliche Neigungen und geistige Fähigkeiten haben, lehrte Buddha Shakymuni drei Fahrzeuge. Das Hinayana, das Paramitayana und das Vajayana.

Für diejenigen, mit begrenztem Bestreben, die sich hauptsächlich um ihre eigene Erlösung von Leiden kümmern, lehrte Buddha das Hinayana. Die Hinayanisten sind sich der Fehler der Anhaftungen sehr bewusst, und sehen Anhaftung als Hauptobjekt, das aufzugeben ist. Deshalb wird das Hinayana manchmal „Fahrzeug der Trennung von Anhaftung“ genannt. Um Anhaftung vorübergehend zu überwinden, entsagen Hinayanisten ihrer Familie, ihrem Heim und so weiter, ziehen sich an einem einsamen Ort zurück und meditieren über Unattraktivität. Und um Anhaftung vollständig aufzugeben, meditieren sie über Leerheit.

Für diejenigen, die vom zweiten Pfad angezogen werden, lehrte Buddha das Paramitayana, indem er die sechs Vollkommenheiten und die zehnt Boddhisattva Ebenen erläuterte. Die Hauptobjekte die von Boddhisattvas aufzugeben sind, sind die Behinderungen zu Allwissenheit. Boddhisattvas fürchten sich nicht vor Anhaftung, denn sie wissen, wie sie diese in den spirituellen Pfad umwandeln können. So wie Bauern unreine Substanzen wie Kuhmist als Dünger nutzen, um ihren Boden fruchtbar zu machen, so nutzen höhere Boddhisattvas Verblendungen, wie zum Beispiel Anhaftung als Hilfsmittel auf den Weg zur Buddhaschaft, indem sie sie durch die Kraft ihrer Weisheit und ihres Mitgefühls unschädlich machen.

Für diejenigen, die vom tiefgründigen Dharma (Lehre) angezogen werden, lehrte Buddha das dritte Fahrzeug, das Vajrayana. Das Vajrayana oder Fahrzeug des geheimen Mantra wird manchmal auch Fahrzeug der Anhaftung genannt, denn anstatt zu versuchen, Anhaftung sofort aufzugeben, nutzen Übende dieses Fahrzeug Anhaftung als Hilfsmittel im spontane große Glückseligkeit zu erzeugen, mit der sie dann über Leerheit meditieren. Zudem zeigen sie sich, wenn sie dann Erleuchtung erlangen, in einem Aspekt als hätten sie Anhaftungen, obwohl sie keine begehrenden Anhaftungen mehr haben; sie erscheinen als tantrische Buddhas im Aspekt von Vater und Mutter in sexueller Umarmung.

Kurzum im Hinayna versucht man Anhaftungen durch Askese zu besiegen, im Mahayana durch die gute Tat und im Vajayana durch Tantra (Annahme und Transformation in etwas höheres).


Tantra heißt fließen.

Der Name deutet auf eine ganzheitliche Erfahrung, die untrennbar Teil von uns ist. Im Tantra müssen Erfahrungen nicht wie im Hinayana oder im Mahayana ausgeschlossen werden. Man arbeitet mit den Anhaftungen, um diese in Glückseligkeit und Leerheit zu verwandeln. Man baut das Haus der Erleuchtung aus der höchsten Sichtweise aus, benimmt sich wie ein Buddha, bis man einer geworden ist.

Tantra berührt die Ganzheit der Wesen. Er hält die Sichtweise des Entweder-oder auf der bedingten Ebene fest, wo sie hingehört, und ermöglicht immer stärker das Erlebnis von einem alles umfassenden Sowohl-als-auch. Im Tantra werden Gegensätze vereinigt und ineinander aufgelöst. Auch deshalb spielen buddhistische „Typologien“, die Vereinigung verschiedener Perspektiven, für die geistige Entwicklung einer ganzheitlichen wichtige Rolle im Tantra.

Damit keine Verwechselungen mit dem hinduistischen Tantra oder gar dem Neo Tantra, einer körperorientierten „Sexualtherapie“, geschieht, sollte man jedoch unbedingt „buddhistisches Tantra“ sagen. Obwohl einem Außenstehenden auf den ersten Blick viele Bilder und Aussagen der beiden Heilslehren ähnlich erscheinen mögen, ist der Weg leicht verschieden.

Ich muss dazu sagen, dass ich jedoch das hinduistische und das buddhistische Tantra aus meinem individuellen Weg irgendwie vermischt hatte. Da ich immer sehr auf ein Gegenüber bezogen war, hat für mich die Auflösung zwischen mir und einem Gegenüber, die durch Anziehung initiiert wurde, eine wichtige Rolle, bei meiner Herzöffnung gespielt.

Allerdings habe ich bemerkt, das Leute aus dem hinduistischen Tantra oder gar dem Neo Tantra, scheinbar keine Ahnung haben, wenn man fragt warum man diese Ich Auflösung mit einem Gegenüber erfährt, aber es das Gegenüber noch braucht, um die Ich Auflösung zu initiieren. Schließlich ist das Gegenüber ja immer noch eine Projektion. Mit dieser Frage habe ich bei allen hinduistisch motivierten Tantrikern Anstoß genommen. Auch dass meine Erfahrungen telepathisch, energetisch stattgefunden haben, was wieder viel mehr dem buddhistischen Tantra gleicht, fanden die Körperorientierten Tantriker mehr als ungewöhnlich, während das telepathische Vermelzen mit dem Guru für den buddhistischen Tantriker eine normale Praxis ist. Ich vermute bei mir soll mal wieder alles anders sein, damit meine Erfahrung in kein Konzept passt.

Ich habe da deshalb stehst nur verwunderte Kommentare erhalten. Erst als ich verstanden hatte, dass ihr Tantra mit der Verschmelzung von Shiva und Shakti erledigt ist, während das für mich nicht so war, habe ich die seltsamen Reaktionen auf meine Fragen erst verstanden.

Ich lese mich zur Zeit durch buddhistische Einweihungswege und erkenne mit vielen Aha Erlebnissen, die eine oder andere Sache, die bisher an mir vorbei gegangen ist, denn mein Weg hat sich irgendwie aus dem Nichts ergeben. Ich hatte nie eine Anleitung für das was ich erfahren habe.

Dann hatte ich ich eine Zeit auf die Chakren meditiert und da auch das Konzept der 7 Chakren benutzt. Dazu habe ich im Austausch mit Ver alles aus den hinduistischen Kundalini Tantra niedergeschrieben, was ich so weiß.

Erst im Nachhinein, habe ich erkannt, dass das Buch auf das ich mich immer bezog  von einem Hindu Swami Satyananda Saraswati, war´. Das habe ich von einem Tantra Lehrer empfohlen bekommen, der mir sagte es ginge um buddhistisches Tantra und er selbst würde buddhistisches Tantra machen. Un dich übernahm das ohne bei dem Namen des Autors stutzig zu werden. Auch habe ich so viele Tantra Bücher von Osho gelesen und anderen Yogis gelesen,  im Glauben sie währen eine Interpretation der Buddhistischen Sichtweise und es währe ohnehin das selbe. Im Nachhinein habe ich jetzt auch kapiert warum der angebliche Tantra Lehrer der sich auf den Buddhismus bezog mit meinen Frage nach körperloser Verschmelzung und Vereinigung ohne ein spezifisches Gegenüber nichts anfangen konnte. Und gleichzeitig sprach er auch immer davon er würde buddhistisches Tantra machen, so wie ich, allerdings mit Körper. wall Ok man lernt immer dazu. Ich sollte wohl keine guten Antworten bekommen.    

Also ich habe da alles vermischt. Ich denke ich werde mit dem Mischung Leben, und einfach ergänzen was mir fehlt. Ich bin ja ohnehin ein Chaosmagier und nehme mir das was ich brauchen kann.

Zurück zum Tantra. Wenn man aus der Perspektive des Tantra auf das Mahayana schaut, kann man auch im Mahayana eine gewisse Askese wahrnehmen, weil er bestimmte Verhaltensweisen bevorzugt und sich andere versagt. Während man im Hinayana und im Mahayana noch etwas anstrebt, ist der Weg des Vajayana alles Streben sein zu lassen.

Wenn man aufhört irgendwo hin zu wollen, nicht mehr fort vom Schmerz, nicht mehr hinzu Glück, konfrontiert man sich mit dem was jetzt ist und kann sich in Annahme üben. Dieses Jetzt erhält durch den tantrischen Weg eine Praxis der Annahme. Annahme mit allem was ist. Gefühlen. Gedanken. Leid.

Hinayana und Mahayana werden deshalb auch als vorbereitenden Wege für den Vajrayana Weg betrachtet, denn wenn man das ganze mal zu Ende denkt, kann man erkennen, dass es letztlich nicht möglich ist, bestimmte Verhaltensweisen gänzlich aus dem Leben auszuschließen. Das erkennt man vermutlich aber erst, wenn man einen Weg mal eine Strecke gegangen ist. Bis dahin versucht man mit irgendeinem Verhalten, irgendwo anzukommen. Selbst meditieren um zu, ... kann aus Sicht des Tantra noch zu viel tun, um zu ... sein.

Aus Sicht des Tantra geschieht Erleuchtung, wenn man nirgends mehr ankommen will. Somit fühlt das Sein lassen von allem tun, zum Erwachen. Und das Annehmens des tuns, was ohnehin geschieht ebenso.


Wir können die Aggression zum Beispiel nicht ausmerzen, indem wir sie vermeiden, oder uns immer freundlich geben. Im Tantra lässt man die Aggression fließen, jedoch nicht in blindem Ausagieren, sondern indem wir sie im inneren emotional annehmen und transformieren. So geschieht es ebenso mit den freudigen Gefühlen.

Sexuelle Enthaltsamkeit soll aus asketischer Sichtweise den Geist auf die spirituelle Entwicklung richten.
Wir sehen ja alle wie gut das mit dem Zöllibat bei katholischen Priestern klappt.

Im Tantra nimmt man jedoch die  sexuelle positiv Energie und verwandelt sie in eine höhere Energie. Deshalb finden wir im Tantra eine bejahenden Haltung, die alles mit einschließt, auch Sexualität. Jedoch ist es falsch mit Tantra einzig Sexualität in Verbindung zu bringen. Sexuelle Praktiken sind eigentlich nur eine  Methode, die den inneren Krieg mit den Anhaftungen auflösen soll.

Ich persönlich bevorzuge die tantrische Sichtweise, der Vereinigung der Gegensätze und praktiziere Techniken zur Annahme von Gefühlen und Begierden. Dabei erlebe ich, dass diese entweder leer werden oder wegfallen.

Die Mahayana Haltung der "ideellen" liebenden Güte bewirkt, dass sich Menschen wohlwollend verhalten, und irgendwie muss man diesen Menschen, die das so Leben können sehr dankbar sein, aber diese Sichtweise hat eben den Haken, dass sie damit auch Anteile unterdrücken, die sich letztlich nicht unterdrücken lassen. Zumindest habe ich das so erfahren, weil ich nach Idealen gestrebt habe, während ich meine authentischen Gefühle unterdrückt hatte. Deshalb tendiere ich zur Zeit auch zum Nicht Tun, bzw zu einer Umkehr, indem ich alles Authentische wieder da sein lasse.

Es mag aber sein, dass es andere Menschen gibt, die diese beiden ersten Wege so beherzt bis zum Ende gehen können, bis sie vollkommende Buddhas sind. Ich hatte auf halber Strecke das Gefühl, dass das für mich ein Irrweg ist, weil diese einseitige Sichtweise nicht zu einer dauerhaten Nondualen Sichtweise führt, außer man bricht mit ihr.

Obwohl "Tue so als ob " Techniken sehr wirkungsvoll sind. Hm ich vermute das beides wahr ist. Vielleicht erwacht das Herz eines Boddhisattva im Geben oder er erkennt seinen Irrtum? Man sollte vom eigenen Weg keine allgemeingültige Wahrheit ableiten. Deshalb stelle ich meine Sichtweise hiermit in Frage. Ich sehe dass ich geneigt bin immernoch Hierachien zu erstellen, auf Grund meiner persönlichen Vorlieben, obwohl da eigentlich keine mehr sind. Das zeigt, dass ich da noch in einer Auseinandersetzung bin.

Dennoch möchte ich meine kritische Sichtweise erläuterrn, gerade weil der Weg des Boddhisattva oft verherrlicht positiv dargestellt wird und es ebenfalls einseitig ist, die Schattenaspkete dieses Weges nicht zu sehen. Letztlich kann ein Hinayana oder ein Mahayana Weg für mich nur aufgehen, wenn der Praktizierende, den Weg und die Praxis an einer Stelle komplett in Frage stellt. Dann wird er anhalten und zum von selbst zum Vajayana Weg kommen, dem nichts tun. 

Aus Integraler Sicht könnte man sagen, dass der Weg den man sich als Praktizierender auswählt, sehr stark mit der ethisch moralischen, sowie der geistigen Entwicklung zu tun hat. Das eine funktioniert nicht ohne die anderen wichtigen Vorerfahrungen. Betrachtet man alle drei Wege zusammen, erkennt man, dass sie sich alle gegenseitig bedingen. Auch weil sich ja alle Menschen in diesen drei Fahrzeugen idealerweise wieder finden sollen, damit sie auf ihre Weise und in ihrer Geschwindigkeit wachsen können.

Ich finde das ist das beachtenswerte überhaupt an Religionen. Sie sind so konzipiert, dass sich alle Gesellschaftsschichten, alle Entwicklungsstufen des Geistes und des Herzens darin wiederfinden. Selbst der Atheist, indem er eine gegnerische Haltung dazu einimmt, tritt mit ihr in Kontakt. Deshalb wäre es falsch die drei Fahrzeuge einzig danach zu bewerten, ob sie einen zur Erleuchtung bringen. Auch ist es wichtig, dass Menschen durch eine Religion sozialisiert werden, oder in der Abgrenzung dazu sowei in einer bestimmten Rolle, eine individuelle Persönlichkeit ausbilden können.
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RE: Buddhismus und Selbsterkenntnis
#5
13.04.2019, 21:10
Hier noch eine Ergänzung zum Vajrayana Buddhismus, der auch als tibetischer oder tantrischer Buddhismus bezeichnet wird. Da ich festgestellt habe, dass diese buddhistische Sichtweise weniger verbeitet ist, als der Mahayana Weg, freut ich mich ein wenig zur Aufklärung beizutragen, dass es innerhalb des Buddhismus unterschiedliche Sichtweisen, unterschiedliche Pfade gibt. Letztlich führen alle Wege zum selben Ziel. Aber erstmal unterscheiden sich die Wege.

Es handelt sich hier um einen anderhalb stündigen Vortragen des Philosophen Jochen Kirchhoff, der als Einführung in den tibetischen Buddhismus sehr geeignet ist.

https://www.youtube.com/watch?v=UpuO5qrq...dex=2&t=0s
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