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Identifikation mit dem Körper vs. Dissoziation des Körpers» Was sind die Ursachen?

RE: Identifikation mit dem Körper vs. Dissoziation des Körpers
#16
18.12.2018, 17:06 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.12.2018, 17:20 von ichbinmehr.)
Dissoziation vs. Des-Identifikation

Ich möchte den Begriff Dissoziation vom Körper, von dem Begriff Des-Identifikation vom Ego unterscheiden. Ich habe Erfahrungen mit beiden Zuständen, und kann sie daher aus eigener Erfahrung vergleichen. Das Ausrichten meines Bewusstseins - Fokus auf das Thema, hat mir ermöglicht, den angestrebten phönomenalen Zustand erneut einzunehmen. Bisher habe ich das (unbewusst) vermieden, weil ich erst die Spaltung heilen wollte und die ist mir in der Körperidentifikation zugänglicher.
Nun hat sich mein Bewusstseinspunkt wie gewünscht, vom Körper gelöst und ich erfahre dauerhafte Außerkörperlichkeit. Ist gerade sehr spannend hier.

Dissoziation und Spaltung des Selbst

Dissoziation ist eine Folge von Abspaltung eines oder mehrerer Persönlichkeitsanteile, welcher aber im Grunde zur Ganzheit des Selbst gehört. Ich als Denker Typ verfalle diesem des öfteren, weil ich mich stark auf meine Gedanken fokussiere. Dabei passiert es mir gelegentlich, dass ich körperliche und emotionale Bedürfnisse vernachlässige, weil das Denken einseitig im Vordergrund steht. Das kann vom Grad der Verdrängung, wo diese Bedürfnisse noch subtil wahrgenommen werden, bis hin zur Abspaltung gehen, wo diese Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, also total unbewusst sind.

Des-Identifikation

Des-Identifikation hat nichts mit der Spaltung der Persönlichkeit zu tun. Im Gegenteil Des-Identifikation geschieht durch die Heilung und ganz werdung der Ego Persönlichkeit. Es ist die Erfahrung, dass das Ich sich vom Körper hin zu einer anderen Ebene verschiebt.

Ich erlebe das in etwa so, dass sich mein Bewusstseinsfeld etwas von dem sonstigen Ich-Punkt, der im Körper liegt, entrückt. Dann bin ich entrückt und schaue auf den Film, der sich vor mir zeigt. Innerhalb dieses Films ist jedoch die gesamte Persönlichkeit von Steffi enthalten. Steffi geht nicht verloren. Das heißt es gibt da keine Spaltung des Ichs wie das bei der Dissoziation der Fall ist, sondern das Kleine Ich (Steffi mit Ganzheitlicher Persönlichkeit, inkl. Körper Identifikation) ist in diesen größeren Ich enthalten. Damit wir nicht aneinander vorbei reden, ist es richtig diese beiden Ebenen klar von einander zu trennen. 

Verwechselung von Dissoziation und  Des-Identifikation

Es ist aber so, wenn man auf Ebene der Persönlichkeit noch gespalten ist , dann behindert das möglicherweise die Erfahrung der Des-Identifikation, die die Erfahrung des höheren Selbst ist.

Man hat dann möglichweise Gipfelerfahrungen, kurze Erleuchtungserfahrungen, die einen kurz in den Zustand bringen, aber diese sind dann nicht beständig. Dann bleibt ein Ego zurück, was diese Erfahrungen immer wieder aufsucht und sich von sich selbst getrennt fühlt.

Die Heilung der Persönlichkeitsspaltung ist eine Möglichkeit,  Beständigkeit in diese phänomenale Erfahrung zu bringen. Dazu kann es auch gehören, erstmal ganz in den Körper rein zu müssen, bevor man raus darf. Das ist aber nicht immer so. Menschen erleben das vollkommen unterschiedlich.

Mir ist klar geworden, das meine bisherige Unfähigkeit das im Alltag zu erleben, im Grunde eine Gnade (Mein Wunsch) war, weil ansonsten wäre meine Persönlichkeitsspaltung viel stärker ausgeprägt und ich würde die Realität auf Grund meines Ego Filters verzerrt wahrnehmen. Es ist für mich absolut Perfekt, dass es so gelaufen ist und ich warten musste, bis sich meine Selbsterkenntnis voll verwirklicht.
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RE: Identifikation mit dem Körper vs. Dissoziation des Körpers
#17
22.12.2018, 12:40
[+] 2 User sagen Danke! spell bound für diesen Beitrag
(17.12.2018, 04:54)ichbinmehr schrieb: Spell schreibt:
stimmt! so macht es den anschein. spell schreibt, spell textet vor sich hin. ich schreibe schon seit vielen jahren gerne. als ich depressiv war, half mir das schreiben, um mich selbst zu veräußern, um meine gefühle klarer zu bekommen. darum habe ich v.a. gedichtet. ich habe auch angefangen, gerne automatisch zu schreiben, weil das am meisten einen zugang zum unbewussten für mich ermöglichte. andererseits gab es viele automatische texte, die dann eintönig wurden, weil ich dann doch auf lange sicht immer dasselbe hoch geholt habe, nicht mehr viel neues war zu entdecken, immer nur variationen desselben themas. daher bin ich dann wohl zu halbautomatisch übergegangen. kontrollierte torheit würde raipat sagen. raipat ist auch ein interessanter mensch. ich kenne ihn schon seit vielen jahren im forum, aber wir sind uns bei wenigen dingen einig. man könnte viel über raipat sagen, aber muss man auch nicht. an dieser stelle finde ich v.a. interessant, dass raipat viel weniger schreibt, als ich. er schreibt sogar weniger, als du, und das mag was heißen. immerhin hat er viele erlebnisse, aber vermutlich weniger zeit, sie zu posten, oder auch weniger lust, diese öffentilch zu machen, wo sie manche vielleicht nicht würdigen. raipat versteht sich gerne als mensch der tat und da sehe ich einen gewissen widerspruch. denn nicht zu schreiben, oder zu schreiben, dass man was tut, bedeutet noch nicht, etwas zu tun. darin sind wir uns wohl alle drei einig, wie ich sehe.


Zitat:Ich konnte keine Suppe essen indem 3 Zutaten waren, weil mich das schon komplett überforderte. Am besten war eine Sache, maximal 2.
das ist interessant. da kann ich relaten, so ging es mir zwar nicht, als ich hypersensibel war (denn das war ich schon immer), aber als ich krank war. da schmeckte mir einfach gar nichts und ich bin zu einer reduktion des essens übergegangen. letztlich hab ich dann zu mittag einfach nur gekochte eier gegessen, noch nicht mal mit salz. das nenne ich minimalismus! aber eier sind auch nahrhaft, daher geht das. bei einer suppe wiederum wären bloß 2 zutaten eine starke reduktion. quasi 1. zutat: heißes wasser, 2. zutat: brühe. und schon passt nix mehr rein. das wäre mir persönlich zu wenig nahrhaft. ich denke auch, dass man eine suppe ganz ohne wasser oder andere flüssigkeit zubereiten könnte, aber das wäre schon eine seltsame art von suppe. aber zurück zum thema. ich bin ja schon lange minimalistin, und es stimmt, dass auch minimalismus in der küche etwas nutzen könnte. z.b. verwende ich unglaublich gerne viele gewürze, aber was wäre, wenn mensch, wie ich, als ich krank war, gar keine benutzt? nicht einmal salz? das wäre schon interessant, weil die geschmacksnerven sich dann plötzlich umgewöhnen müssen. aromen sind ja bereits in der grundnahrung enthalten. diese dann wahrzunehmen hieße, dass man wieder sensitiver wird. nach ungefähr 3 wochen würde das verwenden von gewürzen eine*n total überfordern und wäre wahrscheinlich ziemlich eklig. andererseits müsste mensch dann auch auf nahrungsmittel zugreifen, die eine gewisse qualität besitzen, sonst schmeckt es nicht. also hier geht minimalismus zu weit, wenn man z.b. sagt, dass weißer zucker reduzierter ist gegenüber gelbem (gelber zucker ist so lecker) oder braunem zucker, weil ja alles zusätzliche rausgefiltert ist. diese reduktion wäre ja auch eine art von minimalismus, aber kein guter mehr. hier muss mensch also differenzieren.

Zitat:Ich konnte riechen wie ein Tier. Ich glaube sogar ich konnte Angst anderer Menschen riechen. Ich hatt Instinkte, die ich nicht kannte.
die frage ist ja, ob wir uns umgewöhnen wollen und wieder so riechen wollen, wie ein tier, d.h. auf parfüms und deos und ständiges waschen verzichten. da sind die tierischen gerüche wieder wahrnehmbarer, aber wir sind so sozialisiert, dass uns das zu heftig ist. diese tatsache steht in einem krassen widerspruch zu der feinen nase, die wir haben könnten. sprich: wenn wir uns wieder wie tiere verhalten, haben wir einen intensiveren geruch, den wir aussenden, aber wir sind daran gewöhnt und nehmen ihn daher weniger intensiv wahr. andererseits würden andere gerüche, wie z.b. die ganzen starken küchen-, abgas- oder parfümgerüche zurückgehen und wir wären mehr in der lage, die gerüche der umgebung und der nahrung zu identifizieren. also in einer hinsicht wäre es eine verfeinerung, in einer anderen eher eine abstumpfung.

Zitat:Ich finde es gerade interessant andere Weg zu gehen, als die Masse.
zum weg der masse fällt mir ein, dass die masse auch ziemlich viele dinge tut, die schön sein können. so z.b. geschenke verpacken. geschenke sind im grunde eine reizvolle show, um sich und die liebsten zu verzaubern mit dem hauch des unbekannten, aber zugleich dem wohlgefühl des engen, vertrauten kreises, in dem man sich befindet. jetzt wäre es interessant, das geschenk auf sein wesentliches herunterzubrechen und ich denke, das wesentliche am geschenk ist nicht sein inhalt, sondern seine packung! oder noch genauer: der moment des aufreißens dieser geschmückten verpackung, wo aber noch nicht klar wird, was sich darunter befindet. wäre es nun nicht schade, würde man einen anderen weg als die masse gehen und geschenke gar nicht mehr verpacken? da würde diese prinzipiell unendliche (da jedes jahr wiederholbare) freude der überraschung ganz verloren gehen. mensch könnte neue wege der überraschung suchen, aber doch müsste mensch sich dann eingestehen, dass mensch im grunde wieder den weg der masse geht: nämlich ein geschenk in irgend einer art zu verpacken.


Zitat:Buddha sagt:
Die Lehre gleicht einem Floß, das man benutzt, um über einen Fluss ans andere Ufer überzusetzen, das man aber zurück lässt und nicht mehr mit sich herumschleppt, wenn es seinen Zweck erfüllt hat.
zenboy hatte auch kürzlich dieses zitat verwendet und ich werde dir die gleiche antwort geben, nämlich, dass bereits wittgenstein diese weisheit erkannte, sie aber noch einmal in eine diffizilere richtung bewegte. schauen wir uns an, was er im tractatus-logico-philosophicus schrieb:

wittgenstein tractatus 6.54 schrieb:Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. (Er muß sozusagen die
Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)
Er muß diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.

jetzt ist das interessante an dieser therapeutischen haltung gegenüber der philosophie, im gegensatz zur dogmatischen haltung, die eine theorie lehren will, die, dass die konzepte von vorn herein als werkzeuge angesehen werden, wie du es ja auch sagst. hier sind übrigens alte wittgenstein-interpreten nicht aufmerksam geworden und haben ihn gründlich missverstanden, als hätte er tatsächlich im tractatus eine theorie der sprache und der welt dargelegt. in wahrheit erläutert aber genau dieser letzte satz, sowie einige andere bemerkungen, dass der tractatus seiner spätphilosophie viel näher steht, als gemeinhin angenommen. in dieser spätphilosophie, also in den "philosophischen untersuchungen", kritisiert er z.b. die vorstellung, dass sprache immer "etwas bezeichne", denn dahinter steckt auch ein konzept, eine metaphysik sogar. in dem vergleich der sprache mit einem werkzeug wird klarer, dass diese nicht nur etwas bezeichnet, sondern allgemein viele verschiedene funktionen haben kann:

wittgenstein schrieb:"Wenn wir sagen: »jedes Wort der Sprache bezeichnet etwas« so ist damit vorerst
noch gar nichts gesagt [...]" (PU 13)

"Denke dir, jemand sagte: »Alle Werkzeuge dienen dazu, etwas zu modifizieren.
So, der Hammer die Lage des Nagels, die Säge die Form des Bretts, etc.« - Und
was modifiziert der Maßstab, der Leimtopf, die Nägel? - »Unser Wissen um die
Länge eines Dings, die Temperatur des Leims, und die Festigkeit der Kiste.« -
Wäre mit dieser Assimilation des Ausdrucks etwas gewonnen? -" (PU 14)
sprache bezeichnet, genauer gesagt, nicht zwingend entitäten irgend einer art. diese form der reifizierung - also zu glauben, weil sprache etwas bezeichne, existiere diese bezeichnete sache auch als physische/metaphysische entität (beste grundlage für einen absurden gottesbeweis since anselm von canterbury) - ist ja genau das, was du auch anprangerst, steffi. die identifizierung mit konzepten, in dem fall das konzept des ego bzw. des eigenen selbst, ist so ein beispiel. nur weil es den begriff "ich" gibt, heißt es ja nicht, dass damit ein "ding", oder irgendwas derartiges bezeichnet wird, das in der welt herumschwebt! das bedeutet auch, liebe steffi, dass das seelische kein ding, keinen bereich, der dem physischen ähnlich ist (nur weil es ähnlich klingt, wenn man das wort benutzt), bezeichnet. konklusio: wenn sprache ein werkzeug ist, dann kommt es vor allem darauf an, sie richtig zu verwenden, und das - nicht irgendwelche geistigen zustände, auf die niemand sonst zugreifen kann und die gar nicht per se existieren! - wird das kriterium dafür sein, die sprache verstanden zu haben.

daraus lässt sich schon sehen: sprache folgt regeln. man kann werkzeuge umbauen, neue erfinden, sie zweckentfremden, sie aufwerten, manche verrosten lassen, weil sie zu viel schaden anrichten. aber das geht nie bis zum grad der völligen beliebigkeit, denn dann verlieren sie ihre eigenart als werkzeuge, werden zu un-zeugen und müssen ebenfalls - verrosten.


Zitat:Was genau meinst du mit folgenden Absätzen? Die klingen interessant aber ich glaube du müsstest sie noch etwas ausführen, damit ich verstehe was genau du meinst.
was meinst du denn, was ich meine? *guckt nebulös*


Zitat:Ich merke ich kann die Informationsdichte gar nicht verarbeiten. Jetzt habe ich schon so vile geschreiben und konnte gar nicht auf alles was du gesagt hast antworten. Ach werde es in den nächsten Tagen nochmal lesen und gegeben falls nochmal antworten.
ich freue mich extrem darauf. ich bin nun auch leer geschrieben worden.

Zitat:Und bei deinem Gruß habe ich gerade die emotional Wahrnehmung von einem erleuchteten Spell. Das geschieht öfters wenn sich meine Aufmerksamkeit auf die Seele eines Menschen erichtet. Vielleicht schaue ich auch auf die Zukunft. Oder du bist es schon immer. normal
wer weiß? wink1
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Identifikation mit dem Körper vs. Dissoziation des Körpers
#18
22.12.2018, 18:33
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( #2. ... eine verhexung ... @spell @wittgenstein )

I
Des-Identifikation :: Cis-Identifikation

(enharmonisch verwechselt)

- Id : Entität -
"Ich identifiziere eine Katze" : "Da ist eine Katze! Ochwiesüüß!"
"Ich identifiziere mich" : "Da bin ich! Huch! Echt jetzt?"
"Ich identifiziere mich mit" : "Da bin ich, und da ist es."

Geht das überhaupt? Bevor wir zu Desidentifikation kommen, müssen wir erst mal identifizieren lernen. "Ich identifiziere mich mit" einer Idee, "ich identifiziere mich als" menschlich. Identifikationen sind Erkenntnisprozesse, ursprünglich. So gesehen müsste die Des-Identifikation eine Erunkenntnis sein. Oder eine Verkenntnis. Hast du dich selbst verkannt? Das müsste dir dann bekannt vorkommen. Um zu verstehen, müssen wir stehen, wenn wir frei herum gehen, können wir nur vergehen. Ein Vergehen gegenüber wem? Mensch, erkenne dich selbst! Wir sehen uns im Spiegel und unser Bild scheint vertraut, weil wir mit Spiegeln vertraut sind, nicht aber weil wir mit uns selbst vertraut sind, d.h. eigentlich sehen wir den Spiegel als Objekt der Reflexion. Gute Reflexe, ne? Flex mal deine Muskeln. Und jetzt zurück. Und dann machen wir das zum Gegenstand unserer Untersuchung: Reflektiere! Spiegel bestehen doch nur aus Glas und Silber, aber das Licht wird halt gebrochen, da bricht was entzwei, und da haben wir den Salat: Ich steht vor dem Spiegel-Ich und erlebt sich als davon getrennt. Aber: Nicht wurde getrennt, was zuvor verbunden war, vielmehr stehen wir vor einer Illusion, einer Gaukelei. Wenn wir auf das Spiegelbild sehen, erleben wir uns außerhalb dessen, es ist also eine außerkörperliche Erfahrung, bezogen auf diese Gaukelei. Und es kommt noch besser: Bekanntlich sind Spiegelbilder ja spiegelverkehrt, also ist das, wovon wir uns außerkörperlich erleben, sogar noch umgedreht, verkehrt, oder auch verzerrt, wenn es sich um einen Zerrspiegel handelt. Ein Strecken und Zerren, das! Das machen diese verspielten/verspiegelten Wesen ganz gerne, dass sie an uns zerren (von uns zehren?) und strecken, hinstrecken, hinhalten! Pah! Nenene, das ist Teil der Gaukelei. Streckst du die Hand zum Spiegel, streckt dir dein Gegenüber die Hand entgegen - ein Friedensangebot? Halt, wenn du hineingreifst, blutet die Hand, die Glassplitter spaßen nicht. Ahaha!

Spiegelparadoxon

II
Ich nicht!


ego sum qui sum
eh, I won't change
je ne sais pas
varbūt?
en.wiktionary.org schrieb:Note: Some of these forms may be hypothetical. Not every
possible mutated form of every word actually occurs.

Wer bin ich? Bin ich wer? Wer, ich? Ich bin's, fang mich! Hihihihi!
Da hat mich jemand erschreckt - da bin ich erschrocken.
Da hat mich jemand gepackt - da bin ich zusammengesackt.
Da hat mich jemand erwischt - da bin ich verwaschen.
Da hat mich jemand erkannt - da bin ich verkannt.
Da hat mich jemand erstanden - da bin ich verstanden worden.
Da hat mich jemand kontrolliert - da bin ich identifiziert worden.
Da hat mich jemand vermisst - Mist!
Da hat mich jemand - da bin ich.

Thomas Bernhard schrieb:
es mahnt der Mahner
bis er nicht mehr mahnt
es wahnt der Wahner
bis er nicht mehr wahnt
[...]
es erhebt der Erhebende
bis er nicht mehr erhebt
es lebt der Lebende
bis er nicht mehr lebt

Erhebet die Herzen! - Wir haben sie beim Herrn. (Katholischer Messritus)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel schrieb:Das Selbstbewußtsein ist an und für sich, indem und dadurch, daß es für ein Anderes an und für sich ist; d.h. es ist nur als ein Anerkanntes. Der Begriff dieser seiner Einheit in seiner Verdopplung, der sich im Selbstbewußtsein realisierenden Unendlichkeit, ist eine vielseitige und vieldeutige Verschränkung, so daß die Momente derselben teils genau auseinandergehalten, teils in dieser Unterscheidung zugleich auch als nicht unterschieden oder immer in ihrer entgegengesetzten Bedeutung genommen und erkannt werden müssen. Die Doppelsinnigkeit des Unterschiedenen liegt in dem Wesen des Selbstbewußtseins, unendlich oder unmittelbar das Gegenteil der Bestimmtheit, in der es gesetzt ist, zu sein. Die Auseinanderlegung des Begriffs dieser geistigen Einheit in ihrer Verdopplung stellt uns die Bewegung des Anerkennens dar.

Es ist für das Selbstbewußtsein ein anderes Selbstbewußtsein; es ist außer sich gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung: erstlich, es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein anderes Wesen; zweitens, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht auch nicht das Andere als Wesen, sondern sich selbst im Anderen.

Es muß dies sein Anderssein aufheben; dies ist das Aufheben des ersten Doppelsinnes und darum selbst ein zweiter Doppelsinn; erstlich, es muß darauf gehen, das andere selbständige Wesen aufzuheben, um dadurch seiner als des Wesens gewiß zu werden; zweitens geht es hiermit darauf, sich selbst aufzuheben, denn dies Andere ist es selbst.

Boah ey. grin

III
Naja, aber ...

In diesem Stil könnte ich noch lange weiterschreiben, das ist klar. Kunst lebt oft davon, das Urteil der Vernunft aufzuschieben; jede noch so abartige Idee muss erst einmal betrachtet werden mit der unbeirrten Neugier eines Säuglings, bevor sie wieder einsortiert wird in das Repertoire, aus dem am Ende eine Mahlzeit für Kenner zusammengestellt werden soll. Naja, oder eigentlich nicht soll, denn wenn Kunst nur noch dazu da ist, zu unterhalten, wär's auch langweilig. Tatsächlich ist mein Zugang zur Welt lange Zeit hauptsächlich ein Künstlerischer gewesen, und zwischen Universität und dissoziativen Episoden in meiner Freizeit war noch Platz für Klarträumerei und Surrealismus. Nirgendwo findet sich so ein leidenschaftliches Suchen nach Neuem wie in der Avant-Garde des 20.Jhdts. Und nicht nur einfach etwas neues, nein, es ist wird zunehmend dekonstruierender; immer nur nach Neuem suchen und das Alte verwerfen? Die postmoderne Kunst schaffte es schließlich, die damaligen großen Widersprüche zu integrieren, aber leider hat es sofort wieder dazu geführt, dass viele die Suche aufgegeben haben. Also ... nochmal von vorne anfangen?

Naja, aber ...  wenn wir direkt wieder hinhören, was passiert dann?

"Das atmende Klarsein" Mit dem Titel muss es in diesem Forum ja on-topic sein, nicht wahr? wink1

Dissoziation - eine tiefe Kluft zwischen der breiten Masse und einzelnen Individuen, die sich bereits so weit hinausbegeben haben, dass sie nicht mehr verstanden werden können, wenn es keine Bereitschaft gibt, sich komplett umzustellen. Die Neue Musik ist in dieser Hinsicht tatsächlich eine esoterische Kunst, vielleicht mehr als die meisten anderen Künste. Sie zwingt die Menschen, ihr Denken radikal umzustellen - naja, eigentlich nicht so sehr das Denken, sondern mehr die Wahrnehmung. Ohne eine Verschiebung geht es nicht. Am meisten auf den Punkt bringt es John Cage, wenn er seinem Publikum Stille vorsetzt, und sagt: "Hört mal hin! Das ist Musik!"

Wenn ich da mal gewesen bin, und dann mich mit einem Guru der konventionellen Esoterik beschäftige, langweilt es mich im Grunde schnellt. Oder vielmehr bin ich einfach enttäuscht. Die Erfahrungen, die beschrieben werden, scheinen schal gegenüber denen, die eine wirklich konsequent betriebene Kunst oder Philosophie bieten. Es ist Kunst light, oder Philosophie light, oder sogar Wissenschaft light, was mir vorgesetzt wird.

(the real music was the music you made on the way)

IV
Galaxie

Spiralen, immer wieder Spiralen, immer im Kreis herum, aber höher, immer wieder dasselbe, aber besser, neuer, jetzt neu! Immer wieder das selbe Produkt, aber besser, noch besser, unbedingte Kaufempfehlung! Wir geben euch noch einmal das gleiche Ding, aber es ist eine neue Version, und sieh mal, die Verpackung ist viel hübscher!

In der Musiktheorie gibt es den Quintenzirkel, und auch dieser wird gern einmal in Spiralenform dargestellt. Guck mal, wie es immer weiter im Kreis geht, aber es gibt unendlich viele Töne:
c - g - d - a - e - h - fis - cis - gis - dis - ais - eis - his - fisis - cisis - gisis - disis - aisis - eisis - hisis - fisisis - cisisis - gisisis - disisis - aisisis - eisisis - hisisis - fisisisis - cisisisis - gisisisis - disisisis - aisisisis - eisisisis - hisisisis - fisisisisis - cisisisisis - gisisisisis - disisisisis - aisisisisis - eisisisisis - hisisisisis - ...

So will es uns die Idee der Spirale vorgaukeln, aber eigentlich ist es Betrug, denn es gibt ja gar nicht unendlich viele Töne nach oben in der Spirale. Es ist sogar unglaublich langweilig, da nach oben zu gucken; es wird nur jedesmal im Kreis rum ein "-is", ein Kreuzvorzeichen, angehängt, und behauptet, es sei jetzt nochmal was ganz anderes.
Genau dieser Spiralenunfug hat mich auch bei Douglas Hofstädters Goedel, Escher, Bach so sauer gemacht, dass ich das Buch endgültig hingeschmissen hab. Spiralen verkaufen sich halt...

...

Es gibt da noch eine andere Art der Spirale. Eine Galaxie ist auch spiralförmig, allerdings geht es nicht immer wieder im Kreis rum und höher, sondern es geht von der Mitte nach außen. Und das ist mir um ein Vielfaches sympathischer: Anstatt so zu tun, als gäbe es eine klare Richtung ("nach oben! geh nach oben! nach oben musst du gehen! oben! oben! oben!") gibt es nur ein stetiges Streben nach außen. In einer Galaxie fliegt alles immer weiter weg, es nimmt immer mehr Raum ein, es wird immer verschiedener.

Das Bild verleitet allerdings zu Relativismus. Jede Richtung gleich gut? Na dann brauche ich mir doch keine Gedanken machen! Widersprüche? Alles egal. Nicht?

In einem funktionierenden Sternenimperium gibt es Raumschiffe, die auf festen Routen fahren, um von einem Planeten zum anderen zu kommen. Damit das klappt, ist enorm viel Koordination notwendig, aufwendige Rechnungen, heftigster Technobabbel, Warptore, und nicht zuletzt ein funktionierendes Sozialsystem, damit nicht alles gleich wieder zu Bruch geht, was aufgebaut wurde. Und erst, wenn das alles richtig läuft, ist ein Erkunden von neuen Planeten wieder drin.

steffi schrieb:Dissoziation ist eine Folge von Abspaltung eines oder mehrerer Persönlichkeitsanteile, welcher aber im Grunde zur Ganzheit des Selbst gehört. Ich als Denker Typ verfalle diesem des öfteren, weil ich mich stark auf meine Gedanken fokussiere. Dabei passiert es mir gelegentlich, dass ich körperliche und emotionale Bedürfnisse vernachlässige, weil das Denken einseitig im Vordergrund steht. Das kann vom Grad der Verdrängung, wo diese Bedürfnisse noch subtil wahrgenommen werden, bis hin zur Abspaltung gehen, wo diese Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, also total unbewusst sind.
Es gibt nicht nur ein Denken. Wir denken sehr unterschiedlich, und wir denken nicht immer gleich. Das Denken, das dich an der Wahrnehmung deiner Bedürfnisse hindert, ist gar nicht das selbe Denken, das du gerade benutzt, um diesen Text zu lesen, und es ist auch nicht das Denken, das du gerne verteufelst, wenn es um Logik oder Mathematik geht. (Das geht ja auch gar nicht: Wenn du nie Bock auf Mathematik hast, wie sollte dieser Teil überhaupt so mächtig sein, dass er andere verdrängen kann?) Und das Denken, das die Widersprüche so sehr liebt, ist es selbst von jedem Verdacht ausgeschlossen? Oder drängt es sich seinerseits vor und verdrängt andere Teile von dir? Und wie ist es mit dem Denken, das nach Erleuchtung strebt? Mit dem Denken, das Bock auf abgefahrene Erlebnisse hat? Viele Denkens.

So viele Denkens! Such kompliziert! Wow!

Also doch lieber einfacher:
Stufe nach oben -- Stufe nach unten
Erleuchtung -- Verblendung
Verstand -- Herz
Ego -- Dis-Identifikation
Dissoziation -- Integration
Widerstand -- Annahme
Wissenschaft - Esoterik

Alles wird ständig zweigeteilt bei steffi, in ein Zweiteilungsschema gepresst. Ob es will, oder nicht.
Dieses Schema könnte aber selbst wieder eine linke Seite sein:

Zweiteilungsschema -- ???

Und wofür die ??? stehen, das gilt es herauszufinden, ne?
Lebe jeden Moment so wie du ihn brauchst!
- - - - - - - - - - - - > Blog |  youtube

let's destroy another seismograph / injustifiable means / I dont think it matters
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RE: Identifikation mit dem Körper vs. Dissoziation des Körpers
#19
27.12.2018, 05:22
Ja ich erinnere mich indem Zustand konnte ich Wasser riechen.


Zitat:Wittgenstein schrieb:

Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. (Er muß sozusagen die
Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)

Ja diese Haltung entspricht der türkisen Stufe in Spiral Dynamics. Ich bewege mich oft noch auf gelb und muss erst noch weiter zu turkis finden.

Zitat:Er muß diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.

Dieser Satz entspricht turkis.


Zitat:in dieser spätphilosophie, also in den "philosophischen untersuchungen", kritisiert er z.b. die vorstellung, dass sprache immer "etwas bezeichne", denn dahinter steckt auch ein konzept, eine metaphysik sogar. in dem vergleich der sprache mit einem werkzeug wird klarer, dass diese nicht nur etwas bezeichnet, sondern allgemein viele verschiedene funktionen haben kann:

Ja genau. So sehe ich das theoretisch auch, nur erlaube ich mir gleichzeitig, dass ich da emotional noch nicht immer mithalten kann und noch gelb bin, während mein Verstand turkis ist. Und ich sollte das wohl auch anderen noch mehr zuzugestehen. Aber dann kreiere ich wieder einen Idealismus, der sich von der Emotion abspaltet. Denn ich setzte ich mich eben durch Diskussionen auseinander und muss mir das auch wiederum erlauben, was ja turkis wäre. So komme ich oft zu dieser Ambivalenz. Ich habe meine Ambivalenz angenommen. Ich verstehe aber, dass sie zu Irritation führt.


Zitat:Gnutl scheibt:

Bevor wir zu Desidentifikation kommen, müssen wir erst mal identifizieren lernen.

Wie lernt man das? Ich meine sind wir nicht immer mit irgendwas identifiziert?



Zitat:Hast du dich selbst verkannt? Das müsste dir dann bekannt vorkommen.


Für mich unterscheidet sich, sich zu verkennen, und ein loslassen mit der Identifikation völlig.

Denn ich habe mich immer verkannt, und das ist ein völlig anderes Gefühl und Resultat für mich. Deshalb halte ich auch nichts davon sich zu verleugnen und das als spirituell darzustellen. Ob wohl es immer wieder Personen oder Konzepte gibt, die so eine Haltung idealisieren, stelle ich das in Frage. Ich gehe da meinem Gefühl nach. Mein Gefühl will sich an einer Stelle mit der Selbstverkennung auseinander setzten und an einer anderen Stelle mit den Desidentifikation, weil ich das zwei unterschiedliche Dinge sind. Wie oben schon erklärt, das eine ist beruht auf Spaltung der Persönlichkeit und das andere auf Ganzheit der Persönlichkeit. Wer das in einen Topf schmeisst dem fehlt Differnzierung!

Beim sich verkennen, schränke ich mich ein und unterbinde gewisse Teile von mir.

Hingegen bei den Desindentifikation darf ich komplett ich selbst sein, mehr denn je, nahezu individuiert. Ich bin dann wohlwollend mit meiner Individualität + es öffnet sich eine zusätzliche Wahrnehmungsebene, die vorher unbewusst war.

Deshalb muss man diese beiden Aspekte differenziert betrachten!


Zitat:Streckst du die Hand zum Spiegel, streckt dir dein Gegenüber die Hand entgegen - ein Friedensangebot? Halt, wenn du hineingreifst, blutet die Hand, die Glassplitter spaßen nicht. Ahaha!

Nachdenkenswert.

Zitat:Georg Wilhelm Friedrich Hegel schrieb:

Es ist für das Selbstbewußtsein ein anderes Selbstbewußtsein; es ist außer sich gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung: erstlich, es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein anderes Wesen; zweitens, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht auch nicht das Andere als Wesen, sondern sich selbst im Anderen.


Theoretisch muss es wohl so sein. Mein Verstand kommt zu den gleichen Gedanken. Praktisch fühle ich persönlich noch nicht so, oder nur selten. Ich unterscheide noch in zwei Selbstbewusstseine, die unterschiedliche Ebenen haben. Zwischen diesen beiden springe ich hin und her und lerne beide kennen.

Ich weiß dass sie eines sind, weil mein Verstand schon in der Einheit ist, fühle aber persönlich noch anders. Und deshalb bleibe ich bei mir, indem ich da an meiner Gefühlsebenen bleibe um das konkret aufzulösen, was der Einheit dieser beiden Perspektiven noch im Weg steht. Das ideal die Einheit ist meine Zielsetzung, und mich interessiert, wie komme ich von da wo ich bin, zu dort wo ich hin will?

Wie vereine ich das Selbstbewusstsein des kleine Ichs und das des großen ichs? Und warum sind sie oft noch getrennt? Intuition sagt, es wird einen fließenden Übergang geben. Die Trennung dient dazu mir Dinge noch bewusst zu machen. Daher bin ich einverstanden, dass ich es noch getrennt wahrnehme.


Zitat:Georg Wilhelm Friedrich Hegel schrieb:

Es muß dies sein Anderssein aufheben; dies ist das Aufheben des ersten Doppelsinnes und darum selbst ein zweiter Doppelsinn; erstlich, es muß darauf gehen, das andere selbständige Wesen aufzuheben, um dadurch seiner als des Wesens gewiß zu werden; zweitens geht es hiermit darauf, sich selbst aufzuheben, denn dies Andere ist es selbst.


Ja. Wie geht das? Ich erlebe dass es mir spontan passiert, aber ich kann es bisher nicht bewusst anwählen. Ich möchte das lernen. Wie kann ich das lernen? Was muss sich noch lernen?


Zitat:Naja, oder eigentlich nicht soll, denn wenn Kunst nur noch dazu da ist, zu unterhalten, wär's auch langweilig. Tatsächlich ist mein Zugang zur Welt lange Zeit hauptsächlich ein Künstlerischer gewesen, und zwischen Universität und dissoziativen Episoden in meiner Freizeit war noch Platz für Klarträumerei und Surrealismus. Nirgendwo findet sich so ein leidenschaftliches Suchen nach Neuem wie in der Avant-Garde des 20.Jhdts. Und nicht nur einfach etwas neues, nein, es ist wird zunehmend dekonstruierender; immer nur nach Neuem suchen und das Alte verwerfen?



Die Neue Musik ist in dieser Hinsicht tatsächlich eine esoterische Kunst, vielleicht mehr als die meisten anderen Künste. Sie zwingt die Menschen, ihr Denken radikal umzustellen - naja, eigentlich nicht so sehr das Denken, sondern mehr die Wahrnehmung.


Interessant mit diesen Zugängen kenne ich mich gar nicht aus. Zu Kunst habe ich fast keine Bezug.

Zu Musik schon, ich mag auch progressive Sachen, wenn sie gleichzeitig noch Hooklines haben. Also auch da gehts es für mich um die Vereinigung der Gegensätze. Mal ein Beispiel.
Dream Theater – Album Metropolis 2000. Für dich vermutlich zu langweilig, weil nicht progressiv genug. Für mich da da alles vereint. Zb Harmonie und Dissonanz. Gefühl und Verstand. Es ist perfekt in meinen Augen.

Wenn Musik sehr experimentell ist und es keine regelmäßige Harmonie mehr gibt, vor lauter Dissonanzen, und Offenheit, zb beim Free Jazz, dann fehlt mir Harmonie, Gefühl und Vollkommenheit. Haha auch diese Haltung der Musik gegenüber ist interessanterweise gelb. Turkis wäre, auch im Free Jazz die Vollkommenheit zu hören. Interessant! Aber wie öffnet man sich dafür? Ich habe das während meiner Psychose erlebt, dass ich Musik wertfrei hören konnte. Ich frage mich wie ich diese Ebene konkret wider öffnen kann?

Was denkst du ist der Vorteil der Kunst/Musik gegenüber der Rationalen Beschäftigung mit dem Thema?

Zitat:Dissoziation - eine tiefe Kluft zwischen der breiten Masse und einzelnen Individuen, die sich bereits so weit hinausbegeben haben, dass sie nicht mehr verstanden werden können, wenn es keine Bereitschaft gibt, sich komplett umzustellen.

Ja genau ich hänge noch so dazwischen. Umstellen kann ich mich nur, wenn mein Gegenüber damit einverstanden ist. Wenn mein Gegenüber diese Haltung ablehnt, dann habe ich immer das Gefühl ich überreize die Situation. Was du mir ja in dem anderen Text auch angekreidet hast. Das zeigt im Grunde nur ich steht noch nicht stabil genug auf eigenen Beinen.

Für mich ist mein Verhalten was sich bewusst aus der Masse hebt, ein Versuch mein Ego zu überwachsen und mich zu befreien von allen Erwartungen, Autoritäten, Vorstellungen, Konditionierungen. Ich kann das nur indem ich mich mit dem Uwelt auseinander setze, indem ich meiner inneren Stimme folge und all meine Vorstellungen loslasse. Und mir ist sehr bewusst wie provozierend das ist. Mein überangepasstes innere Kind hat jedesmal Angst, das zu tun. deshalb tue ich es.

Weist du eben, weil ich mich früher selbst verleugnen und verkennen musste, bin ich da noch in einer Überkompensation. Und ich erlaube mir das, weil ich sehe dass es mich zunehmend heilt, aus der Rolle zu fallen. Es ist jedesmal eine Konfronation mit Ängsten. Und jedesmal wo ich es übe, werde ich stabiler.

Ich frage mich wie werde ich ganz meine eigen Autorität und das ist ja quasi genau das was der mit diesen Kluft zwischen dem individuellen Selbst und dem Kollektiv, bzw der Auflösung des Identifikation mit der Person ist. Innen und Außen werden dann eins.

Ich kenne das habe es oft erlebt, aber ich weiß auch, dass mir da noch konkret etwas im Weg steht um es flexibel und selbstständig hin und her zu schalten. Ja es fehlt ein stabiles persönliches Selbstbewusstein, und erst wenn das nachinstalliert ist, werden sich beide Ebenen dauerhaft verschmelzen. Und das macht Sinn. So bleibt man ein Mensch. 

Ich erlebe diese Umwandlung eben in kleinen Schritten und es gibt Fortschritte und Rückschläge. Ich erlebe nichts mystisches, sondern eine normale Entwicklung, Individuation zum höheren Selbst, etwas was jeder Mensch erlangen kann, wenn er sich selbst als höchste Autorität erkennt. Ich kann es mit mystischen Worten benennen, bin aber im Grunde froh, wenn ich es rational beschreiben kann. Mir ist egal woher die Konzepte kommen, solange sie frei von Beinflussung sind.

Das kann man natürlich nur mit rationalen Leuten, die aber das ganze Konzept ablehnen, während ich mit spirituellen, weltbildmässig teilweise auf einer Welle liegt, aber die lehnen die rationale Beschreibung ab und ihnen fehlt Differnezierung und kritisches Denken. Ich frage mich welcher innere Konflikt steht einer friedlichen Vereinigung noch im Weg? Wie kann ich diesen erlösen?

Zitat:Wenn ich da mal gewesen bin, und dann mich mit einem Guru der konventionellen Esoterik beschäftige, langweilt es mich im Grunde schnellt. Oder vielmehr bin ich einfach enttäuscht. Die Erfahrungen, die beschrieben werden, scheinen schal gegenüber denen, die eine wirklich konsequent betriebene Kunst oder Philosophie bieten. Es ist Kunst light, oder Philosophie light, oder sogar Wissenschaft light, was mir vorgesetzt wird.

Das verstehe ich.

Und ich stelle Gurus auch Frage, so wie ich ihnen zuhöre.

Ich stelle alle in Frage, die Einfluss auf mich ausüben, denn ich erlaube das Menschen generell sehr schnell. Manchen mehr, anderen weniger. Aber ich erlaube es jedem, und stelle jeden in Frage. Ich kann jeden zum meinem Guru machen und ihn auch vom Sockel stoßen (während das noch etwas in Arbeit ist). Meine Offenheit hatte ich ab Werk installiert. 

Ich schaue eben gleichzeitig, was ich von einem Menschen oder Konzept lernen kann. Ich lehne eine Information nicht ab, weil sie rational oder esoterisch sind. Das habe ich früher. Das hat sich geändert.

Ich öffne mich erstmal und gehe da mit dem Gedanken ran, dass ich etwas neues lernen könnte. Ich stelle das aber auch in frage und werte den Infomanten oder das Konzeit auch wieder ab und stelle es in Relation mit meinem Erfahrungen. Ich differenziere also, aber erst später. 

Ich diffenziere nicht an Hand von äußeren sondern inneren Werten. Meine Innere Werte, sind, wie finde ich in die Freiheit? Wie finde ich mehr Weisheit und Mitgefühl? Was macht mich glücklich?

Wer zu mir sagt, ich sei nicht differenzierungsfähig, der hat einfach andere Werte an denen er sich orientiert und andere Erfahrungen als ich, und bewertet mich aus seiner Perspektive.

Ich differenziere erst nachdem ich mich auseinander gesetzt habe. Ich kann mich natürlich nicht mit allem auseinander setzen. Dazu habe ich nicht die Energie. Und manchmal habe ich auch das Gefühl, kenne ich schon. Zb wenn mir ein Beakannter ständig mit einem anderen Persönlichkeitsmodell ankommt, hab ich das Gefühl, dass brauche ich nicht auch noch, lieber mag ich gerade mehr in die Intuition. Aber gleichzeitig weiß ich das sich falsch liegen kann, weil ich gar nicht weiß welche Aspekte sein Modell beschreiben wird. Oft haben modelle ja Schwerpunkte und wer weiß, vielleicht würde ich viele Antworten in seinem Modell finden. Ich spüre nur ich hab da keine Energie für. Und dann höre ich darauf. Im Zweifelsfall höre ich auf Herz und Intuition und glaube dass ich damit richtiger liege, als anders rum.

Dann sagte mir mal eine Bekannte als ich ihr auf eine Problem hin das Enneagramm empfahl, sie braucht es nicht, weil sie hat schon die Kabbalah. Und ich da konnte ich nichts zu sagen, weil ich die Kabbalah bis dahin nicht kannte. Doch dann hatte ich mich Jahre später auch mit der Kabbalah beschäftigt und erkannte, dass es da um ganz andere Aspkte geht und sie gar nicht verstand welche Aspekte das Enneagramm beleuchete. Sie konnte gar nicht differenziert schauen. Und ich sah das die Bekannte somit objektiv unrecht unrecht hatte, die beiden Konzepte gleichzusetzten. Gleichzeitig hat jeder natürlich das Recht sich abzugrenzen was ja auch nötig ist.

Und so erkannte ich auch, die Bekannte konnte die Kabballah annehmen, weil sie auf der blauen (absolutistischen) Stufe war. Die Kabbalah bedient, wenn man sie so interpretieren will, den Absolutismus, obwohl ein frei denkender Mystiker, die ganz anders sehen kann. würde, nämlich gelb.

Aber das Enneagramm kann man nicht auf der absoluten (blauen) Stufe betrachten. Deshalb fand sie da auch keinen Zugang. Wer meint Persönlichkeitsmodelle stecken Menschen in Schubladen, hat eine absolutistische Vorstellungen gegen die er sich wehrt, die jedoch die eigene ist.

Weil im Enneagramm aber ausschliesslich um Selbsterkenntnis und Psycholgie (orange und grün) geht, können absolutistisch denkende nicht damit anfangen. Erstes ist das für sie eien Zwangsjacke und zweitens fehlt ihnen manchmal auch kritisches Denken (auch im bezug auch Selbstkritik) und Empathie.

Für die Kabbalah braucht sie das nicht, denn sie interpretiert sie einfach absolut. Und somit hatte sie total Recht meine Empfehlung abzulehnen, denn für ihre Bewusstseinstufe passte das Konzept nicht. Es gibt Konzepte mit denen kann je nach Bewusstsein mehr oder weniger anfangen. 

Ich persönlich genieße es mich möglichst ohne innere Zensur an allen Konzepten und Lehrern zu bedienen, die mir begegnen ohne generalisierten Auschluss von irgendwas, weil ich es so erlebe, dass ich trotzdem differnzieren kann.

Und mir gehts eben umgekehrt mich langweilt ….
die einseitige Anhaftung an die Materielle Ebene.

Die frage ist was will ich erreichen und wo finde ich dazu Hinweise?


Das sind meine Ziele:

Ich möchte meinen Geist komplett beherrschen.
Ich will frei sein von allen Konditionierungen.
Ich will will meine Realität eigenständig gestalten und zwar in einer Dimension,
die keine Grenzen mehr hat.
Ich will meine eigene Autorität sein, aber dennoch fähig mich anzupassen.
Ich möchte meine geistigen Erkenntnisse auch konkret realisieren können.

Und dann muss ich eben suchen, wo finde ich für meine persönliches Ziele hinweise. Bzw wo ich ich diese in mir?

Es geht für mich nicht darum ob nun Kunst, Philosophie oder Esoterik besser ist, die sind für mich alle gleichwertig (aber eben verschieden). Die Frage die sich für mich stellt ist, wo will ich persönlich hin und wer liefert mir Antworten? Wer kann mir weiter helfen auf meinem Weg?

Wenn ich durch rationale Auseinandersetzung weiter komme, nutze ich das, aber wenn Rationalismus oft am bisherigen wissenschaftlichen Wissensstand gebunden ist, sind rationale Quellen oft einseitig und begrenzend. Es wäre mir total lieb wenn Leute wie Tom Campbell das geistig Weltbild bereits empirisch belegt hätten und er ganz konkrete Hinweise gibt, wie man durch Raum und Zeit reisen kann. Da würde ich alle mystischen Quellen für stehen lassen, weil ich im Prinzip genau das suche, eine rationale Beschreibung der Mystik. Aber so was gibts eben auf der rationalen Ebene fast noch nicht. Deshalb muss ich alle Konzepte die man findet und alle Möglichkeiten selbst zu antworten zu finden zusammen fügen und vielleicht findet sich so ein Weg, den ich dann hoffentlich rational beschreiben kann, weil ich dann kreiere was ich suche. Denn ich fühle mich dazu irgendwie berufen. Ich vertraue diesem Gefühl und folge ihm.

Gibt es in der Kunst oder Philosophie Antworten, wie ich dieses den (Geist und somit die Realität zu beherrschen) realisiere?

Es gibt Zeichnungen über Alchemisten. Aber die kann an anschauen und intuitiv verstehen wie sie das gemacht haben. Aber realisiert hat man es erst, wenn man selbst Blei zu Gold machen kann.

Das ist der Anspruch den ich an mich stelle. Mir ist gleichzeitig egal ob ich das erreiche. Ich fühle Motivation dazu und so habe ich einen Weg. Und dieser Weg macht mich sehr glücklich. Während ich bei allem weltlichen langweile empfinde.

Philosophie bewegt sich oft rein auf der Verstandesebene und ich finde da keine konkreten Wege und Anleitungen, wie ich das umsetzen kann, was ich suche. Aber vielleicht gibt es das? Aber dann heisst das wohl direkt Mystik. Ich bin ein rationaler moderner Mystiker. Meine gröste Stärke ist meine kritisches Denken und gleichzeitig meine Naivität, die mir ermöglicht frei zu denken.

Und mit Kunst kenne ich mich nicht aus. Falls sich da Möglichkeiten zeigen, die auf mich zu kommen wollen, bin ich offen.

Die Antworten der Philosophie sind meist sehr an das irdische gebunden, welche sich ja erweitern möchte. Deshalb finde ich persönlich in esoterischen Weltbildern genau die Freiheit die ich mir wünsche, weil da die Realität da oft von Leuten beschreiben wird, die einen guten Zugang zur intuitiven Ebene haben und die Grenze der Realität selbst aus eigener Erfahrung überschritten haben.

Zugegebenermaßen das fehlt mir das Rationale und Differenzierte. Ok aber ich verbinde deshalb viele Weltbilder, so ähnlich wie ein Chaos Magier.

Chaomagie ist im Grunde Integral, gelb /turkis je nach dem. Wenn man mit Chaosmagie identifiziert ist ist es gelb, wenn man wieder frei ist alles zu tun, turkis.

Nur wenn man eben mit Leuten redet die ständig sagen, oh du darfst nicht nicht nordische Runen Magie mit Schamanismus verbinden, dann ist man eben ständig unfreiwillig gezwungen über das sowohl als auch der Chaosmagie aufzuklären. Zumindest wenn man noch gelb ist und sich mit Chaosmagie identifiziert. Wenn man turkis ist lässt man die Leute vielleicht einfach reden.

Und wenn Leute sagen du darfst nicht Rationalität mit Intuition mischen, dann kläre ich eben auch darüber auf, weil ich da noch gelb bin, dass ich sowohl auch auch versuche zu leben und mich das extrem weiter bringt. Und manchmal wenn ich einfach aus meiner persönlichen Begeisterung argumentiere, bin ich turkis. Wenn ich reagiere, oder fordere, bin ich gelb.


Zitat:Spiralen, immer wieder Spiralen, immer im Kreis herum, aber höher, immer wieder dasselbe, aber besser, neuer, jetzt neu!

Ich habe mal gehört das tibetische Totenbuch umfasst im original 20 Stadien des Sterbens, für die es aber in den Übersetzungen fern der Kultur, in der das Wissen entstanden ist, erstens keine Worte und zweitens kein Verständnis, keine Entsprechung für den Kultur fremden und anders denkenden gibt. Es ist wie mit den x Worten der Inuit für Schnee.

Wenn man kein „Rezeptoren „ für die feinen Nuancen hat, erscheint es als Kreisel, als Widerholung des Selben. Wenn an die hat, erkennt man immer feinere Aspekte und dann ist es kein Kreisel sondern ein Spirale, die sich aufwärts bewegt.

Es hängt vom Betrachter ab, ob etwas immer das selbe, ist oder nicht. Wenn die Persönlichkeit aus welchen Gründen auch immer etwas ablehnt, dann kann man das auch nicht mit objektiven Argumenten entkräften. Wenn man sich für ein Thema nicht begeistern kann, dann wird man einen Kreis sehen. Und das ist ok. Nur ist es eben nicht wahr. Man sieht es nur, durch seine Brille so.


Zitat:Das Bild verleitet allerdings zu Relativismus. Jede Richtung gleich gut? Na dann brauche ich mir doch keine Gedanken machen! Widersprüche? Alles egal. Nicht?

Nein das ist ein Kreisgedanke, obwohl sich der Kreis gar nicht schliesst. Ich denke da in Spiralen.

In meiner Welt ist Relativismus nicht im Widerspruch mit dem weiterdenken. Es ist sowohl als auch. Relativismus (Verstand) und Gleichmut (Emotion) löst nur der Widerstand gegen etwas und somit Aggression und Kampf auf, um mehr Kraft für die eigenen individuellen und nicht relativistischen Impulse zu haben.

Das Problem ist hier wieder das entweder oder Denken.

Entweder Realismus oder Frei Denken. Nein es ist vereinbar. Für mich die Lösung um einerseits ich selbst zu sein, und anderseits die anderen so lassen kann wie sie sind, hahah aber nicht muss. devil



Zitat:Alles wird ständig zweigeteilt bei steffi, in ein Zweiteilungsschema gepresst. Ob es will, oder nicht.
Dieses Schema könnte aber selbst wieder eine linke Seite sein:
Zweiteilungsschema -- ???

Und wofür die ??? stehen, das gilt es herauszufinden, ne?


Ja das mache ich um meine unbewusste Zweiteilung, die ich bedingt durch meine Konditionierung habe,  Das ist gut (zb. Helfen) und das ist schlecht (zb nur an sich denken), systematisch auflöse. Damit befinde ich mich noch auf gelb. Gelb löst alle Konzepte auf. Ich lösche so meine (unbewussten) Konditionierungen. Für mich persönlich macht das sehr viel Sinn. Und es begeistert mich, wenn sich plötzlich jahrelange innere und äußere Wiederstände auflösen. Es begeistert mich so sehr, dass ich darüber berichten mag. Das ist wie verliebt sein, man will es manchmal mit der ganzen Welt teilen. pleased
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RE: Identifikation mit dem Körper vs. Dissoziation des Körpers
#20
30.12.2018, 22:58
Um nochmal auf Körperidentifikation, und Desidentifikation zurück zu kommen:

Heute ist wieder so ein Tag an dem ganz viel in mir loslässt. Naja ich hab ja auch noch Urlaub und so ist ein Urlaub irgendwie immer wie ein Art Retreat für mich, denn dann kann ich innerlich loslassen und mich ganz aufs Nachdenken einlassen, um mich zu erneuern. Weil das eben auch oft emotional ist und Energie kostet, kann ich das im Urlaub besser, als während der Arbeitszeit. Immer wenn das passiert, erfahre ich eine neue Perspektive auf verschiedene Dinge.

Mein physischer Körper war fast mein ganzes Leben lang ein Problem für mich, denn ich erfuhrt in der Kindheit Ablehnung für meine schiefen neuen Zähne, mein beginnendes Übergewicht, und meine Pubertätspickel im Jugendalter, und zwar von meinen Eltern. Manchmal denke ich heute, wer von uns das Kind war, und wer Erwachsen? Ich weiß es nicht. Ich war diejenige die stets versuchte sich selbst zu stärken, weil ich mich unabhängig von äußeren Erscheinungen liebenswert fand, so wie ich war. Leider konnte ich diese selbstliebende Haltung auf Grund des unablässigen Gegenwindes einfach nicht halten.

Ich erinnere mich an Diskussionen, in denen ich mich gegen die Meinung meiner Eltern vertrat, die mir eine schmerzhafte Zahnspange mit physischer Gewalt aufzwangen, mich für mein Übergewicht übel beleidigten und mich in der Jugend zwangen, viele Stunde im Wartezimmer eines Hautarztes zu verbringen, der dafür sorgen sollte das mein Pickel verschwanden. Außerdem sagten sie mein Körper würde ihnen gehören. Dies alles taten sie immer mit den Worten, damit ich mal einen Mann finde. Irgendwie meinten sie es nur gut, denn sie hatten selbst Angst vor Ablehnung.

Und so wie meine Zähne nach 4 Jahren Zahnspange entschieden im unteren Bereich doch noch mal total schief zu werden, meine Pickel sich jahrelang weigerten zu verschwinden, so bin ich heute immer noch (oder über die Jahre immer wieder mal) übergewichtig und habe zwei Männer. Es ist als ob ich ihnen beweisen sollte, dass sie Unrecht hatten. Auch dann wenn es selbstschädigend war.

Das die Ursache für mein Übergewicht nichts mit gesunder Ernährung und Bewegung zu tun hat, ist wenn ich das so beschreibe, eigentlich offensichtlich verständlich. Meine Eltern sagten mir, ich sei so nicht liebenswert und mich würde so wie ich war auch niemand lieben. Weil ich innerlich spürte, dass das nicht meine Wahrheit ist, war ich dagegen im Widerstand. Ich war innerlich überzeugt, dass Liebe nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat. Das zumindest war meine Überzeugung in der Kindheit und vielleicht auch noch in der Jugend. Und während ein Teil in mir immer an diesem Gedanken festhielt, bohrte sich ein anderer Teil in mich, der sich selbst hasste für sein Aussehen und sich immer weniger liebenswert fand.

Dann erfolgten Jahre des Kampfes gegen das Übergewicht, die kurz gewonnen, jedoch dann wieder verloren wurden. Nachdem ich im Zuge meiner Selbstfindung erkannte, dass das für mich nicht zum Ziel führt, hatte ich diesen Kampf gegen mich selbst aufgegeben und begann zu versuchen mich so anzunehmen wie ich bin.

Das hatte dann leider erst mal wieder dazu geführt, dass ich zugenommen hatte. Und deswegen war ich auch unsicher, ob diese Methode die richtige war. Jedoch riet mir meine innere Stimme immer wieder genau dazu.

Es war schwer auf die innere Stimme zu hören, und sich zu erlauben so zu sein, wenn das Außen einen gefühlt so anders beurteilt, wenn alle Konzopte von Gesundheit etwas anderes sagen.

Als übergewichtiger Mensch mit so einem Hintergrund fühlt man sich chronisch eigentlich immer schlecht sobald man irgendwo körperlich anwesend ist, und im Grunde ist man ja immer irgendwo körperlich anwesend. Und so hängt chronisch immer einer Wolke von Selbsturteil über einem.

Und so befand ich mich in letzter Zeit irgendwie ambivalent einerseits zu wissen, dass dieser ganze Wahn um den Körper und das Gewicht nicht mehr mein Thema sein kann, egal wie mein körperlicher Zustand zur Zeit ist, ich muss mich selbst lieben. Andererseits, fühlte ich mich immer noch nicht gut im Körper, was auch noch kein Idealzustand war.

Lediglich in den Bewusstseinszuständen, in denen ich von Liebe durchströmt oder jenseits der Körperidentifikation bin, liebe ich mich ganz so wie ich bin, ohne Einschränkung von Äußerlichkeiten. Zurück im Alltagsmodus war es dann aber wieder anders. In den letzten 2-3 Jahren switche ich immer hin und her. Immer wieder verlor ich also die Liebe, die meinen Körper mit einschloss und fühlte mich wieder schlecht, sobald das Körper Thema in den Fokus rückte. Allerdings wusste ich dadurch auch, dass im Zustand der Desidentifikation bedingungsloses Liebe für den Körper da war. Also musste mein Ego das Problem sein und nicht der Körper.

Meine Persönlichkeit, meinen Charakter kann ich zb viel leichter lieben, auch mit seinen Fehlern, weil ich Konzepte hatte, über die ich das lernte. Aber gegen den Körper mit seinen Fehlern, hatte ich immer noch einen Widerstand. Dabei tat es mir irgendwie auch für mich selbst sehr leid, weil ich ja wusste, dass ich diejenige bin, die sich selbst ablehnt. Jedenfalls entschied ich mich, meiner inneren Stimme zu vertrauen und versuchte mich so wie ich war anzunehmen, auch wenn das bisher körperlich nur selten gelang.

Heute ist mir etwas höchst merkwürdiges passiert. Ich schaute meinen Körper an und erkannte, dass sich nicht mehr in der Lage bin, überhaupt zu bewerten, ob ich meinen Körper so wie er ist annehmen will oder nicht, weil ich keinen Referenzwert im Außen mehr habe, an dem ich mich messen könnte. Das erstaunt mich sehr.

Natürlich habe ich theoretische Referenzwerte, Meinungen, Schönheitsideale, Gewicht, BMI, etc.
Aber seit heute sind diese Werte nichts mehr wert. Heute ist jegliche Vorstellung von Wahrheit weggefallen, als ich entschied, mir wiedereinmal selbst am wichtigsten zu sein, als mich jemand in Frage stellte. Gestern Abend war ich mir nicht sicher, ob es mich noch gibt, oder ob das Ich Gefühl vielleicht nur noch ein Impuls ist, den ich verspüre und den ich „ich“ nenne.

Solange mein Ich Punkt an die Position des Körpers gebunden ist, kann ich das wohl nicht vollständig klären. Deshalb bin ich sehr neugierig, ob es mir gelingt, im Wachbewusstsein meinen Bewusstseinspunkt zu verschieben.

Und nun stand ich vorhin vor dem Spiegel hielt meinen Bauch in der Hand und dachte: Ich bin das erste mal total frei, selbst zu entscheiden, ob ich mich so mag oder nicht. Wow!

Ich habe das zuvor noch nie erlebt, dass ich keine Meinung zu meinem Körper hatte. Es gibt einfach keine Referenz mehr, weil jegliche Autorität im Außen weggefallen zu sein scheint. Und ich glaube ich bin jetzt das erste mal in meinem Leben in der Gelegenheit, frei zu entscheiden was ich für mich will.

Und jetzt kommts: Und ich merke das ist gar nicht so einfach, weil ich gar nichts mehr weiß, was ich will. Denn worauf sollte ich mich beziehen? Ich merke erst jetzt, das sich mir meine eigene Meinung bisher immer aus einer Abstoßungsbewegung zu etwas (meist meinen Eltern) gebildet habe. Und dann war da eine Meinung, die sich persönlicher Wille nannte, die relativ besessen und unfrei immer wieder in die gleiche Richtung strebte. Und solange dieser Wille darum kämpfte sich abzugrenzen, fühlte er sich als Individuum mit einer eigenen Meinung. Aber plötzlich weiß ich nicht mehr was ich will, weil ich nicht mehr weiß, wer ich bin. Ich glaube diese Erkenntnis muss erst noch sacken.

Ich wollte früher immer schlanker sein, allerdings nur weil ich Angst vor der Ablehnung anderer hatte. Denn sonst hätte ich keinen Grund dazu gehabt. Überhaupt war mein erstes kleines Übergewicht als Kind, auch nur aus einem Machtkampf, also Selbstabgrenzung entstanden. Weil da mein Eltern aber so arg drauf reagierten, verfestigte sich wohl der Gedanke, dass sich mich dadurch individualisieren konnte. 

Und jetzt wo ich diese Angst vor Ablehnung nicht mehr wahrnehmen kann, weiß ich plötzlich gar nichts mehr. Alle Gründe die mir einfallen, warum ich schlank sein sollte, sind nichtig geworden, denn ich sehe plötzlich, dass keiner dieser Gedanken wahr ist. Heute ist die Idee, es gäbe eine Authorität im Außen, weggefallen, somit auch alle Meinungen und Konzepte, die fähig wären, den Körper zu bewerten.

Nicht zu wissen wie ich gerne sein würde, ist ein gute Voraussetzung mich mal grade anzunehmen wie ich jetzt bin. Jedenfalls habe ich keinen echten Widerstand mehr gegen meinen Körper. Der Körper ist einfach da, so wie er jetzt gerade ist, während mein Kopf zunehmend leerer wird und nichts weiß. Ich bemerke zwar Impulse aus dem Verstand, die ihn immer wieder bewerten, aber die verlaufen sich auch gleich wieder in der Leere, weil sie keinen Sinn mehr machen. Ich nehme an, das der Versuch der Bewertung nachlassen wird.

Das Gefühl von Vollständigkeit und das Gefühl von Leere, die ich bin, kenne ich. Deshalb ist das jetzt kein Schock mehr. Jedoch waren das bisher Zustände, die kurz aufgetreten sind. Mein Ego stand dem noch im Weg. Solange es Zustände sind, wo man nicht weiß, wie kam ich dahin, was steht dem noch im Weg, fällt man immer wieder raus. Ich glaube, dass sich diese Zustände gerade in eine Beständigkeit verwandelt. Ich bin nun gespannt, wie es weiter geht, mit meinem neuen Körper und dem neuen Ich / Nicht Ich Gefühl. Ja und wie ich hoffe, meinen AKEs im Wachzustand, die mir wie ich denke eine, noch tiefere Selbsterkenntnis sowie freie Realitätswahl liefern.

Jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht, dass die totale Selbstannahme, innere Widerstände auflöst und somit den Weg zum Nicht sein frei macht.
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