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Der Wille des Menschen» Wieviel Macht hat man?

Der Wille des Menschen
#1
09.09.2018, 20:30
Was denkt ihr denn so über den Willen des Menschen? Ich hatte die Tage zwei Erfahrungen bezüglich des Themas. Einmal erhielt ich die Erkenntnis, dass mein Wille etwas ist, was anscheint viel stärker sein könnte, als ich mir immer zu getraut habe. Ohne die Idee dass man mit dem Willen etwas bewegen kann, hat man wenig Selbstwirksamkeit. Das war bisher meine Erfahrung. Und nun war mir, als ob bisher einfach immer an eminem Zweifel gescheitert bin. Die andere Erfahrung war, dass der Wille etwas ist, was vom Bewusstsein teilweise nur produziert wird, um das was man Will nicht zu bekommen. Die andere Erfahrung tendierte dann, irgendwie mehr dahin, dass es die einzige Lösung ist, den Willen aufzugeben. Beides sind völlig entgegengesetzte Haltungen, die ich zur Zeit versuche zusammen zu bringen. Mich würde eure Meingung zu Thema, wie viel Kraft hat der Wille, die viel Macht hat der Wille, interessieren.
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RE: Der Wille des Menschen
#2
09.09.2018, 21:49
Hm. Die Frage ist, was ist für dich der Wille?
~ I primarily want to light up a flame in a raging storm ~


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RE: Der Wille des Menschen
#3
10.09.2018, 16:27
Hm eine Idee an der man festhällt. Man verfolgt die Idee, um sie zu realisieren. Ein Fokussieren auf etwas, oder so.
Ist auch glaube ich eng mit der Ich Identifikation verknüft.
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RE: Der Wille des Menschen
#4
10.09.2018, 16:30
(09.09.2018, 20:30)ichbinmehr schrieb: ... Die andere Erfahrung tendierte dann, irgendwie mehr dahin, dass es die einzige Lösung ist, den Willen aufzugeben.

 Der Wille ist für mich ein Mechanismus (oder Fähigkeit) um Ziele umzusetzen. Ich glaube nicht, dass man den Willen als solches "aufgeben" kann.
Man kann sicher einige Ziele aufgeben, indem man die zugrundliegenden Bedürfnisse erkennt und überwindet.
Falls man alle Ziele aufgeben könnte, würde aus dem  Willen ggf. ein ungenutztes Werkzeug oder eine ungenutzte Fähigkeit werden.
Erkennen=>Annehmen
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RE: Der Wille des Menschen
#5
10.09.2018, 17:58 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.09.2018, 18:08 von ichbinmehr.)
Ich weiß nicht. Ich sehe in der Meditation öfters visuelle Bilder, die einen Zusammenhang darstellen sollen, weil das einfacher ist, als etwas sprachlich zu erklären. Ich sehe dann ein Bild und verstehe etwas intuitiv. Ich war gerade dabei einem einem kindlichen Gefühl nachzuspüren, welches ich auf seinen Ursprung hin untersuchte. Aus Wut, wurde dann der Wille, der mir noch nie so bewusst war und den habe ich diesen Willen der Meditation angeschaut. 

Ich sah eine Art Schlange die zuerst eingewickelt war. Dann war sie komplett ausgewickelt und hatte am Ende einen Teil, der den Willen darstellt. Der war farblich markiert und konzeptuell von dem Rest der Schlange abgetrennt. Eine Art  Zunge stellte den Willen dar. Der Wille gehörte zum Ich und der Rest der Schlange zum unpersönlichen Bewusstsein. Und dennoch war der Teil, der den Willen darstellte, eins mit dem Rest des Bewusstseins. Etwas ähnlich wie beim Ouroboros. https://de.wikipedia.org/wiki/Ouroboros

Meine Schlange hatte aber eine andere Form.  Der Wille war mehr innen wie eine Zunge in einem Art Mund und die der Rest der Schlange war mehr Außen um den Willen herum. So konnte sich die Schlange selbst ansehen. Da musste ich auch wieder an Spells Thread Titel denken, Warum ist Bewusstsein getrennt von Bewusstsein?

So konnte ich sehen, dass der Wille und das Bewusstein eins sind. Ich wusste das schon, aber dieses mal habe ich es emotional aufgeladen betrachtet, eben mit meinem grössten Wunsch in der Hand und der Hoffnung es zu bekommen. Diese Hoffnung ist zerschlagen wurden, durch die Meditationserfahrung. Es gibt Situationen, wo der Wille etwas will und das Bewusstsein, es ihm nicht gibt. Der Wille kommt erstmal aus dem Ich Bewusstein, aber letztlich wird dieser vom Gesamtbewusstsein gespielt. Das ist als ob die linke Hand etwas will und die rechte es ihm verbietet. Das ist total Paradox. Und dann fragte ich mich natürlich warum will ich etwas von tiefsten Herzen, was ich mir selbst verwehre?

Wenn man einem Herzenwunsch nachjagt, aber dieser immer unerfüllt bleibt, kann das ein großer Schmerz sein. Als ich gesehen habe, dass ich mir diese Frustration selbst erschaffen habe, fühlte ich mich irgendwie total verarscht. Ich hab mich selbst verarscht, indem ein Teil von mir unbewusst war. Der andere Teil hat immer nach der Wunscherfüllung gesucht, während der andere, es verhindert hat.

Denn ich hatte mich ja mit dem Wunsch identifiziert, schon mein ganzes Leben, war ich auf der Suche nach diesem Wunsch.  Zu sehen der Wunsch wird mir von meinem höheren Selbst eingegeben, damit ich ein Leben lang einem Wunsch nachrenne, nur um diesen nicht erfüllt zu bekommen, und dann zu sehen, dass ich mir das selbst erschaffe. Das war schon krass.

Welchen Sinn macht das?
Das habe ich ich mich gefragt als ich das Gefühl der Verarschung und Enttäuschung verdaut hatte.
Ich denke es geht darum, dass man mit dem Willen so eine Art Aufgabe bekommt, an der man wachsen kann. Und es geht letztlich wohl nicht darum, das zu bekommen, was man sich gewünscht hat. Es geht nur darum, dass man eine Motivation hat, einen bestimmten Weg zu gehen.

Naja und nun frage ich mich, wie gehe ich mit meinen Herzenwünschen um, jetzt wo ich es so erfahre, dass manche davon nie zu einer Erfüllung finden sollen. Das ist irgendwie sehr enttäuschend und auch verwirrend. Mir wurde geraten diese Ambivalenz zwischen einen Willen haben und ihn nicht erfüllt bekommen auszuhalten. Sich auf keine Seite zu stellen und in der Paradoxie zu bleiben.
Also an der Stelle mit dem Beobachter zu verweilen.

So konkret im Leben frage ich mich, aber nun, wie gehe ich zukünftig mit meinem Willen um. Vielleicht löst er sich auf? Vielleicht löst sich dieser Zwiespalt auf?  Ich bin gespannt und etwas ratlos.
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RE: Der Wille des Menschen
#6
10.09.2018, 18:20
(10.09.2018, 17:58)ichbinmehr schrieb: ...
So konnte ich sehen, dass der Wille und das Bewusstein eins sind. Ich wusste das schon, aber diesemal habe ich es emotional aufgeladen betrachtet, eben mit meinem grössten Wunsch in der Hand. Es gibt  Situationen, wo der Wille etwas will und das Bewusstsein, es ihm nicht gibt. Der Wille kommt erstmal aus dem Ich Bewusstein, aber letztlich wird dieser vom Gesamtbewusstsein gespielt. Das ist als ob die linke Hand etwas will und die rechte es ihm verbietet. Das ist total Paradox.

Und dann fragte ich mich natürlich warum will ich etwas von tiefsten Herzen, was ich mir selbst verwehre?

Das was Du in diesem Abschnitt schreibst, erinnert mich an kognitive Dissonanz.

Ich denke mal laut:
Die Frage wäre, wie löst man einen Konflikt mit dem höheren Selbst?
Ich bin sicher, das höhere Selbst/Gesamtbewusstsein, wächst mit den Erfahrungen des Ich-Bewusstseins.
Deshalb vermute ich auch, dass eine völlige Aufgabe des eigenen Ich's nicht Interesse des höheren Selbst sein kann.
Vielleicht ist die eigentlich Aufgabe ja genau diesen Konflikt zu lösen...
Erkennen=>Annehmen
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RE: Der Wille des Menschen
#7
10.09.2018, 18:48
Ich denke das Ich kann auch immer als Option bestehen bleiben, obwohl man Ichlosigkeit erfahren hat. Man braucht ja einen Avatar den man benutzen kann. Aber man erkennt, dass man viel mehr ist, als das was man mal das Ich nannte. Somit hat das Ich die Möglichkeit sich zu verändern.

Die Grenzen dessen was man Ich nennt, erweitern sich nach und nach. Mehr so als ob man immer wieder etwas findet, was noch zu einem gehört und dann erkennt man, achso das bin ich auch. Huch ich bin ja viel mehr als das was ich immer dachte. Wow ich wusste gar nicht, dass ich das in mir habe. Und wenn man darauf achtet, wo man ungenutztes Potential noch nicht lebt, dann zeigt sich mit der Zeit immer mehr, das Selbst. Das kann man sich im Grund recht normal und psychologisch erklären zumindest wenn es innerhalb einer normalen Entwicklung passiert.

Wenn aber plötzlich grosse Bewusstseinsprünge passieren, ist es schwierig, dass noch mit Psychologie zu erklären, denn unsere Erklärungsmodelle reichen dafür manchmal nicht aus. Ich habe Phasen da geht es langsam und dann springt wieder etwas schnell. Man gewöhnt sich aber auch an die schnellen Sprünge.
Ob diese Selbst jemals vollständig sein wird? Keine Ahnung. Ich denke aber dass man irgendwann ein Gefühl von Ganzheit findet und an diesem Punkt die bewusste Suche nach Ganzheit loslassen kann. 

Es gibt Leute die haben einen sehr starken Fokus auf die Nicht Exiztenz während dieser Entwicklungssprünge. Klar das das erstmal interessant ist, wenn man das erlebt, weil das kennt man ja normalerweise nicht aus dem Alltag. Dann kann man sagen, es gibt mich gar nicht. Aber wer macht denn dann aus dem Nichts wieder so ne grosse Sache? Na klar das Ego. Also muss man die Bewertung aufgeben. Dann ist es im Grunde egal was man tut oder als was man sich identifiziert. Ich finde es schwierig wenn man sich festlegt, das bin ich oder auch das bin ich nicht. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Jeder wird einen Grund dafür haben, selbst wenn er sein Ich verleugnet, geschieht das ja nicht ohne triftigen Grund.

Ich meinte auch gar nicht, ich will mein Ich auflösen. Sondern ich fragte mich, ob sich der Wille verabschiedet, wenn man diese Paradoxie zwischen dem Willen und dem höheren Selbst erkennt.
Oder spielt man das dann weiter, obwohl man weiß, dass es ein Spiel ist. Also das ist schon schräg.
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RE: Der Wille des Menschen
#8
10.09.2018, 19:53
Zitat:Es gibt Situationen, wo der Wille etwas will und das Bewusstsein, es ihm nicht gibt.....
Und dann fragte ich mich natürlich warum will ich etwas von tiefsten Herzen, was ich mir selbst verwehre? 
Innere Freiheit und Unabhängigkeit vielleicht....?

Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass ich, obwohl ich etwas in der Vergangenheit "verhindern" wollte, darauf zugesteuert bin. Nach mancher Meinung würde dies evtl. als self-fulfilling-prophecy oder als Selbstsabotage bezeichnet. Ich habe jedoch den Eindruck, dass da etwas in der Luft lag, das nach Ausdruck drängte, vor dem ich mich damals allerdings fürchtete. Nachdem es sich verwirklichte, ermöglichte mir dies jedoch Luft und mehr Lebensraum. Auf der einen Seite vielleicht paradox, auf der anderen Seite sinnhaft. Mit dem Alter wird das Ringen mit bestimmten Lebenszielen anscheinend allgemein auch weniger. Dies liegt vermutlich auch daran, dass man sich irgendwann mit dem eigenen Ende, zumindest mit dem des physischen Körpers auseinandersetzen muss.  meditier
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RE: Der Wille des Menschen
#9
10.09.2018, 22:17
[+] 1 User sagt Danke! Raipat für diesen Beitrag
(09.09.2018, 20:30)ichbinmehr schrieb: Was denkt ihr denn so über den Willen des Menschen?

„Was ein Zauberer Wille nennt ist eine Macht in uns. Es ist weder ein Gedanke, noch ein Wunsch. Der Wille ist das, was bewirkt, daß du gewinnen kannst wenn dein Denken dir sagt, daß du besiegt bist.“ sagt Don Juan
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RE: Der Wille des Menschen
#10
11.09.2018, 22:42 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11.09.2018, 23:16 von ichbinmehr.)
Danke Raipat. Ich bin sehr gespannt wie es sich weiter entwickelt. Ich finde sehr faszinierend, was du mit dem Willen des Zauberers erfährst. Ich wünsche mir meine Erfahrung und das was du berichtest, über die Freiheit der Entscheidung, irgendwie zu vereinen. Im meinem Kopf klingt das noch sehr widersprüchlich. Denn meine Technik, um mich mit dem höheren Selbst zu verbinden, war bisher immer der Verzicht des Willens, bzw die Annahme dessen was ist, somit das aufgeben des Ego Willens.

Ich weiß ich habe sehr oft gegen deine Erfahrungswelt gewettert, weil diese meiner Erfahrungswelt widersprüchlich gegenüber stand. Ich glaube aber heute, dass beide Erfahrungswelten irgendwie miteinander zu vereinbaren sind. Wie das im Alltag konkret aussehen kann, dass darf ich noch herausfinden. Ich bin jedenfalls dankbar für deine Sichtweise, weil ich so sehen konnte, dass meine Erfahrung, nur eine Perspektive dartstellt, es aber noch andere Perspektiven gibt. So habe ich aus meiner Perspektive auf den Willen, keine Generalisierung gemacht.

Jetzt zwei Tage später, denke ich, dass ich einen festgefahrenen Willen losgelassen habe und dafür mehr Freiheit geschenkt bekommen habe. Ich muss das aber noch langfristig beobachten. Vorher dachte ich, ich kann nur glücklich werden, wenn ich das bekomme, was ich mir gewünscht habe. Jetzt wo ich bereit war diesen Gedanken loszulassen, merke ich der Zugang zu Frieden, Liebe, Freude, ist wieder freier geworden. Mein unbewusster Wille hat mich bisher immer wieder aus den positiven Zuständen herausgeholt, die ich in der Meditation gefunden habe. Erst jetzt wo mir dieser Wille bewusst wurde, konnte ich das sehen. Manchmal hat der Wille regelrecht Glücksgefühle zerstört, weil der Wille nicht erfüllt wurde. Wie ein wütendes Kind, dass alle Schöne zerschlägt. Die Wut musste angenommen werden, damit das Kind sich beruhigen konnte. Die war mir vorher relativ unbewusst. Dann kam sie hoch und ich konnte alles anschauen.

Auf einmal ist Zufriedenheit da, obwohl meine Wünsche unerfüllt blieben, die mir bisher immer sehr viel bedeutet haben. Ich glaube man blockiert sich selbst, wenn man an Wünschen, die zur Zeit nicht realisierbar sind, festhällt. Dann kann man nicht klar auf das hier und jetzt schauen, und sieht nicht den Reichtum, den man geschenkt bekommt vom Leben.

Den Wunsch loslassen, das heisst ja nichtmal, dass der Wunsch nie realisiert wird. Nein das heisst es gar nicht. Es heisst nur, anzunehmen, dass es jetzt! nicht erfüllt wird. Wer weiß was morgen ist? Wenn man aber chronisch unzufreiden ist, weil ein Wunsch nicht erfüllt ist, führt das zu einer Einengung der Wahrnehmung. Der Wille ist zudem stets damit beschäftigt, Ideen zu produzieren, wie er sich umsetzten kann. Ich habe das Gefühl, dass auch wieder ein Teil der Gedankentätigkeit mit dem Willen losgelassen hat. 

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Emotionen seit der Kindheit in meinem System eingelagert sind und das Leben trüb machen, einengen und einen blinden Fleck erzeugen. Manchmal brechen diese aus mir herraus und wollen sich befreien. Das wird oft durch Situationen im Alltag ausgelöst. Jedesmal wenn mich etwas verlässt, verändert sich die Sicht auf die Welt. Ich lebe in einer spannenden Zeit mit mir Selbst. biggrin
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RE: Der Wille des Menschen
#11
12.09.2018, 10:57
[+] 2 User sagen Danke! clearseven für diesen Beitrag
Den Willen sehe ich als Lanzenspitze des Egos. Ich bin mir nicht sicher, ob der Wille eine grundsätzlich positive Erscheinung ist. Haben Tiere einen Willen, oder Pflanzen? Ok, von meinen Katzen abgesehen, glaube ich, dass die meisten Tiere keinen Willen haben, nur einen Instinkt. Also ist der Wille ein Bewusstseinsding. Ich habe mehrmals beobachtet, wie unter Umständen, wo das Ego nahezu ausgeschaltet ist, der Wille ebenfalls ruht, was mir zeigt, dass Ego und WIlle eng miteinander verzahnt sind. Ich denke, das Ego geht ständig seine Prioritätenliste durch und die Posten, die an oberster Stelle stehen, werden mit der Emotion "Wille" versehen. Der Wille ist für mich klar eine Emotion und somit irrational. Der Wille, unbedingt ein bestimmtes Ding besitzen zu müssen, der Wille, Karriere machen zu müssen, der Wille, mit einer bestimmten Person zusammenkommen zu wollen - es gibt zahlreiche Beispiele, wo der Wille reine Emotion ist. Analysiert man sein Wollen, dann stellt man oft ernüchternd fest, dass man das Ding, welches man gerade noch dringend haben wollte, gar nicht braucht und die Person, die man unbedingt kennenlernen wollte, nicht zu einem passt würde. Das Ego ist ein listiges Wesen und sollte nie allein gelassen werden big Auch ist es mir mittlerweile ein Spaß, mein Ego alle paar Monate schlafen zu schicken. Ohne Ego und Wille ist das Dasein äußerst entspannend. Leider würde man ohne beides vermutlich irgendwann verhungern. Ich glaube übrigens nicht, dass es einen freien Willen gibt. Es gibt die Prioritätenliste des Egos, der Wille dient nur der Umsetzung dieser Liste. Welche Rolle das Unterbewusstsein dabei spielt, ist mir nicht klar. Vermutlich erstellt es die Prio-Liste.
Life is just a long false awakening
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RE: Der Wille des Menschen
#12
12.09.2018, 14:49
[+] 2 User sagen Danke! Brot82 für diesen Beitrag
Ich stimme clearseven in fast allen Punkten zu. Nach einigen Überlegungen sind das meine Gedanken:

Angenommen, Ich will X (wobei X eine Tätigkeit wie essen wollen oder ein Objekt wie ein Brötchen sein kann).

Dann ist X das Ziel, man könnte sagen, der Wunsch. will stellt die Bereitschaft für X dar. Der Wille ist jetzt das Bedürfnis nach X, der Wunsch, X zu erreichen. Die Bereitschaft für X.

Wie unterscheidet sich das von Ich wünsche mir X?

Man ist nicht zwangsläufig derjenige, der X erreichbar macht. Etwas wollen ist stärker, man will X selbst erreichen. Ein Wunsch kann anderen übertragen werden, zum Beispiel in Form eines Geburtstagswunsches.

Etwas wollen ist aktiv, etwas wünschen ist passiv.

Etwas wollen ist aber nur die Bereitschaft, und nicht die Handlung.

Angenommen, Ich will morgen nicht zur Schule. Schön und gut, aber gehen tue ich trotzdem. Mir gefällt die Vorstellung. Damit gehen natürlich allerlei Probleme einher, die ich vermeiden möchte, und gehe trotzdem, obwohl ich es nicht will. Hier beißen sich also Ich will morgen nicht zur Schule und Ich will keine Probleme. Etwas wollen ist also etwas direktes und unmittelbares, etwas, das nicht einfach weg geht, nur weil damit Probleme sonstwelcher Art einhergehen.

Wenn etwas wollen also sich nicht um irgendwelche Konsequenzen schert, muss es etwas grundlegendes sein. Ist der Wille also eine erweiterte Triebbefriedigung?
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RE: Der Wille des Menschen
#13
12.09.2018, 16:16
Zitat:Haben Tiere einen Willen, oder Pflanzen?

Wir haben ja normalerweise unterschiedliche Begriffe für den Willen: Instinkt, Trieb, Bedürfnisbefriedigung, Wunsch, Wille, wir sagen das liegt in der Natur eine Tieres, oder es ist in den Genen einer Pflanze abgespeichert, wie die Pflanze wächst.

Aus der spirituellen Perspektive , würde ich alle diese differenzierten Ausprägungen des Willens, aber mal zusammengefasst sehen wollen. Das ermöglicht, einen Einblick in ein höheres Gesetz. Denn wir scheitern meist an der Diskussion über die Unterscheidung was nun ein Bedürfnis ist, was ein Trieb, was ein Wunsch und was in den Genen liegt. Weil wir uns in die Unterscheidung verstricken, gelangen wir nicht zur Überblickperpektive, wo wir in die Ebene darüber schauen können.

Das heisst nicht, dass ich gegen diese Unterscheidung bin, denn auf der menschlichen Ebene macht die unterscheidung absolut SInn. Wenn man sich aber damit beschäftigt sein Bewusstsein erweitern zu wollen, kann man diese Fragen nach Diffenrenzierung mal temporär zur Seite schieben und eine Ebene weiter gehen und zum höheren Sinn kommen.

So kann man ganz gut sehen, wie ambivalent Wille und Erfüllung des Willens ist. Vielleicht ist das eben die Herausforderung des Menschen, mit der Ambivalenz zwischen Wille und Realität umgehen zu MÜSSEN!, um daraus die Evolution voranzutreiben. Vor allem wird dabei etwas Entwickelt, zb Flexibilität, Intelligenz, Verständnis, weitere Differenzierung die zum Fortschritt führt, etc. Viele Eigenschaft die wir erworben haben, sind aus Konfliktsituationen entstanden, in denen wir nicht bekommen haben, was wir brauchten. Aus menschlicher Sicht, würde ich diese unterschiedlichen Ausprägungen natürlich differenzieren und auch differenziert behandeln. Es kommt immer darauf an mit welcher Ebene man sich gerade beschäftigt. 

Ich denke wenn man sich mit den höheren Sinn der Realität beschäftigt, ist es wichtig zu unterscheiden zwischen der Perspektive des Menschen und der Perspektive des Bewusstseins. denn sonst gerät man in Konflikte, mit solchen Aussagen. Ich kann gleichzeitig total betroffen sein, von der Gewalt in meiner Kindheit und mich dafür einsetzten, dass weniger Gewalt in der Welt statt findet. Und gleichzeitig kann ich das total annehmen, weil ich den höheren Sinn dieser Erfahrung für die Entwicklung meines Bewusstseins sehe. Viele Menschen missverstehen dann Aussagen aus der höheren Ebene, weil sie die Ebenen verwechseln und zusammeschmeissen Konkret habe ich auch oft mit der Verwirrung zu kämpfen, weil ich zwar zwei verschiedene abstrakte Theorien nebeneinander stehen lassen kann, aber konkret mich nur auf eine Weise verhalten kann. Ich habe lange gebraucht um das unter einen Hut zu bekommen und arbeite auch immernoch daran.


Kinder entwickleln zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr ein getrenntes Ich-Bewusstsein und einen eigenen Willen. Kinder machen häufig traumatische Erfahrungen in denen ihr Wille gebrochen wird, ihre Bedürfnisse missachtet werden, die dazu dienen, dass wir in einen Widerstand gehen und ein Ego aufbauen. Wir sammeln im Laufe unseres lebens solche traumatischen Erfahrungen die ein immer engeres Ego erzeugen.

Das ist auf der persönlichen Ebene ein absulutes Trauma, für das man Mitgefühl haben sollte. Will man ein Trauma heilen, sollte man auch der Ebene agieren, unmd es nicht überspringen. Aber auf der höheren Ebene ist das eine selbst gewählte Bewusstseinserfahrung. So baut ein Kind ein Ego auf. Um dieses kindliche Ego konstellieren sich dann immer engere Vorstellungen, bis wir nur noch einen Tunnelblick haben, indem wir gefangen sind. Aus höherer Sicht gibt es aber keine Instanz im Außen, die uns zu diesem Leid gezwungen hat, wir haben uns das selbst angetan. Wir haben uns einen Willen eingegeben, um diesen gleichzeitig nicht zu befriedigen, um ein Ego aufzubauen, um eine ganz bestimmte Erfahrung zu machen.

Wir haben zwar alle als Kind einen Zustand der Verbundenheit und Freiheit erlebt, wo das noch nicht so war, und oft erinnern wir uns gefühlsmäßig an diesen Zustand, aber wir hatten als Kind noch keine geistigen Konzepte darüber, in welcher Realität wir damals gelebt haben, weshalb wir es meist nicht schaffen, uns so einfach zurück zu verbinden, ohne Trauma, ohne Blockaden, ohne Einschränkungen.
Und es ist auch gar nicht der Sinn der Sache, in die kindliche undifferenzierte Verbundenheit des Kindes zu regridieren. Es geht darum, die im Leben erworbene Differenzierung und die kindliche Offenheit zu vereinen. Herz und Verstand zu verbinden. Deshalb ist die Phase der Ego Verhärtung eine Entwicklungsphase, die ihre Berechtigung hat.

Erst wenn wir die Konditionierungen rückgängig machen, können wir wieder ohne Tunnelblick auf die Welt schauen. Und das passiert erst dann, wenn das erfahren wurde, was wir in diesem Leben erleben wollten.
Der Wille ist ein Werkzeug des höheren Selbst welches, benutzt wird, um uns ein Ego zu verpassen. Aus diesem Grund kann man das Ego wieder auflösen, wenn man den Willen loslässt. Indem man alle seine Vostellungen loslässt. Nur ist auch das Loslassen können, nicht vom Ego abhängig. Loslassen kann das Ego nicht machen. Der Impuls zum Loslassen wird ebenfalls, vom höheren Selbst initiiert. Das hinterlässt das Gefühl, ok ich kann ja hier gar nichts bewegen, ich bin nur Zuschauer. So sehe ich es, weil ich es so erfahre. Gefühle von Macht innerhalb des Egos sind Illusion. Ich glaube auch nicht an den freien Willen innerhalb des Egos. Aber an den Freien Willen, den das Höhere Selbst erzeugt, daran glaube ich schon. Da bleibt nur die Frage, in wie weit habe ich einen bewussten Zugriff?

Ich denke Tiere haben ebenso diesen Konflikt, wenn Wille/Instinkt und Realität kollidieren, aber Tiere werden sich nicht wie wir Menschen ein ganzes Leben lang den Kopf zerbrechen, wie sie es schaffen können, den Willen, umzusetzen. Eine Ente die von der Mutter verstoßen wurde, wird nicht bis zum Lebensende über ihr Trauma nachdenken, wenn sie die Möglichkeit gefunden hat, eine Ersatzfamilie zu finden. Menschen haben viel tiefere Dimensionen in denen sie leben, und denken als Tiere. Tiere leben mehr im Hier und Jetzt, während Menschen aus einem Widerstand ein riesiges Gedankengebäude und eine komplexe Realität erschaffen.


Zitat:Etwas wollen ist aktiv, etwas wünschen ist passiv.

Ah interessant. Das war mir noch nicht bewusst. Danke.

Ja das mit den sich widersprechenden Vorstellungen finde ich im Zusammenhang mit dem Willen auch sehr interessant. Oft hängt man irgendwie dazwischen, und findet keine Lösung, weil man in einer Zwickmühle steckt. Wenn man einen Stein abbaut, wird man von dem anderen Stein bedroht und muss mit den Konsequenzen leben. Oft haben wir aber nur Angst vor den Gefühlen, Angst vor Veränderung, die mit dem Thema hochkommen. Ich glaube man kann dahin kommen, so sehr im Einverständnis mit schwierigen Gefühlen zu sein, dass man selbst solche schwierigen Zwickmühlen durchbrechen kann. Mir hat da geholfen Gefühle zu beobachten und erstmal anzunehmen das sie da sind und jede Gelegenheit zu nutzen, wo einem irgendwas im Leben unangenehm ist, dieses Gefühl anzunehmen. Irgendwann wird man so flexible im Umgang mit Gefühlen, dass man immer weniger Widerstand gegen Gefühle hat. Nach und nach baut man so alle Konditionierungen ab.
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RE: Der Wille des Menschen
#14
12.09.2018, 17:24 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.09.2018, 17:27 von Ceesbe.)
[+] 1 User sagt Danke! Ceesbe für diesen Beitrag
Kleiner Einschub am Rande: Immer wenn ich den Threadtitel lese, vervollständigt er sich in meinem Gehirn zu: "Der Wille des Menschen ist unantastbar", angelehnt an unseren ersten Satz im Grundgesetz. Fand ich irgendwie witzig.

Ich achte und schätze den Willen sehr. Er ist das, was mich antreibt. Wenn ich etwas wirklich will, kann ich es auch erreichen und teils passieren mit genug Wille Dinge, die fast an Magie grenzen. Für mich ist Wille daher fast schon eine Art Magie.

Irgendwo stimme ich euch zu, dass es auch sehr entspannend sein kann, ohne Willen zu sein. Man schaut mehr auf das, was man hat und erlebt das Hier und Jetzt bewusster. Aber letztendlich reicht mir das reine Beobachten nicht aus, denn mir macht das Hier und Jetzt viel mehr Spaß und bringt mir viel mehr Erkenntnis, wenn ich was erlebe. Und das geht wieder nur mit Wille.

Was hier viel kritisiert wird, ist denke ich trüber, festgefahrener Wille. Dieser führt tatsächlich eher weniger zum Ziel, man wirkt versteift. Wille gepaart mit Klarheit kann allerdings nach meiner Erfahrung Magie wirken.
Hello darkness, my old friend
I've come to talk with you again...

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RE: Der Wille des Menschen
#15
12.09.2018, 17:30
(12.09.2018, 16:16)ichbinmehr schrieb:
Zitat:Haben Tiere einen Willen, oder Pflanzen?

Wir haben ja normalerweise unterschiedliche Begriffe für den Willen: Instinkt, Trieb, Bedürfnisbefriedigung, Wunsch (...)

Wieso sind Wille, Trieb und Instinkt für dich dasselbe?

Wollen ist eine bewusste Handlung, wenn auch vom Unterbewusstsein getriggert. Instinkt und Trieb sind dagegen komplett unbewusst, wobei Instinkte vererbt werden, der Wille jedoch nicht. Triebe sind sowohl angeboren, als auch erlernt, aber ebenso unbewusst, wie Instinkte. Vielleicht kann man Wille als bewussten Trieb bezeichnen, gegenüber dem unbewussten Trieb, für den üblicherweise der Begriff "Trieb" verwendet wird?

Wollen=aktiv, Wünschen=passiv ist nicht unbedingt richtig. Kinder z.B. wünschen sehr aktiv, wollen und Wünschen ist bei denen eines. Wir Erwachsenen können auch aktiv wünschen. Wenn wir uns einen Klartraum wünschen z.B. und diesen Wunsch als Autosuggestion formulieren, wünschen wir sehr aktiv. Gleichzeitig wollen wir, dass der Wunsch in Erfüllung geht. Unter Umständen gibt es auch ein unbewusstes Wollen? Psychosomatische Leiden können als Ursache haben, dass man unbewusst krank werden will, um eine Veränderung in seinem Leben zu erzwingen.
Life is just a long false awakening
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