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Die Bibel lesen

RE: Die Bibel lesen
#16
03.07.2018, 20:40
Ich glaube ja es ist ein extrem grosses Problem, die Bibel richtig zu interpretieren.
Und ich glaube, dass es nichtmal eine richtige Interpretation und ein falsche gibt, sondern dass das Weltbild eines Menschen die Interpretation kreiert. Ich frage mich eher was wollte der "Autor" aussagen, als was haben die Menschen draus gemacht. Das Relionen missbraucht werden ist ja bekannt. Ich frage mich was kann ich für mich persönlich gewinnen.
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RE: Die Bibel lesen
#17
03.07.2018, 20:43 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.07.2018, 21:58 von Liri.)
(03.07.2018, 07:36)Zed schrieb:
(02.07.2018, 22:17)Liri schrieb: Mich irritiert es zusehends, dass in deinen Threaderöffnungen meist irgendeine Frage gestellt wird, wie in der Schule, und dann wird darauf gewartet, dass Antworten gegeben werden, die dann von dir in irgendeiner Form als richtig oder falsch bewertet werden.

Ich fänd es schön, wenn du einfach mal deine eigene Meinung hinknallst, so, wie sie ist, und dann kann man drauf reagieren.
Naja, also – erstens wo habe ich das denn schon gemacht? Bisher habe ich bei solchen Threads einfach ein wenig abgewartet, bis andere zum Thema Stellung nehmen, und habe dann einfach selbst Stellung zum Thema genommen? Beim Thema “Nenne drei überbewertete Dinge” habe ich auf die Beiträge anderer reagiert und sie bewertet. Aber sonst?

Und zweitens: Was ist daran so irritierend? Der Sinn dahinter, nicht sofort mit der eigenen Meinung herauszurücken, liegt darin, das Thema nicht sofort in eine maßgebliche Richtung lenken zu wollen. Ich finde es viel interessanter zu sehen, was Leute zu einem Thema zu sagen haben, wenn sie nicht bloß auf die Ansichten anderer reagieren.

Ich habe übrigens noch keine feste Meinung zum Thema. Ich halte es für sinnvoll, die Bibel zu lesen, zumindest weil sie einen zentralen kulturellen Referenzpunkt darstellt. Die Bibel gehört zu den meistgelesenen Büchern der Welt, ihr kultureller Einfluss auf Künstler und Schaffer aller Art ist immens.

Ich glaub ja nicht, dass deine Meinung die Leute gleich so extrem in eine andere Richtung lenken würde, als die, die sie halt innehaben. Und ich hatte schon den Eindruck, dass es mehrmals andeutungsweise so abging.

Der Grund, warum ich dich gefragt habe, ist, weil ich die Antwort auf die Frage, warum Menschen bestimmte Fragen stellen, oft viel interessanter finde als die potentiellen Antworten auf die Frage selbst.

Gerade wird sich ja gerne wieder auf die Werte des christlichen Abendlandes berufen. Da liegt die Bibel natürlich nahe, buchstäblich. Man darf nicht vergessen, dass der Islam sich ebenfalls auf Erzählungen beruft, die dem Alten Testament nahestehen, und somit Christentum, Judentum und Islam, die drei "abrahamitische Religionen", im Grunde viel gemeinsam haben, im Grunde genommen einen gemeinsamen kulturellen Ursprung. Wäre schön, wenn das in das Bewusstsein zurückkäme.


Also: Ich habe die Bibel nicht zuhause, aber der Koran steht im Bücherregal. Das ist aber reiner Zufall. Den hab ich von irgendjemandem übernommen, der mit mir verwandt ist oder mal mit mir geschlafen hat xD keine Ahnung wie der da reinkam, ich weiß nur, dass ich ihn da drin gelassen habe. Nie im Leben würde ich jetzt die Bibel komplett durchlesen, zumindest in meinem gegenwärtigen Geisteszustand. Aber Teile davon habe ich gelesen.

Aber es ist schon faszinierend, zumindest was das alte Testament betrifft: Auch wenn es unzählige Male um-, abgeschrieben und verfälscht wurde, wo findet sich schon so viel textliche Überlieferung aus buchstäblich vorchristlicher Zeit - uralte Erzählungen? Schon spannend. Manches ist davon wirklich faszinierend, wildes Zeug. 

Aber nein, für Pflichtlektüre halte ich die Bibel nicht, und wenn sie schon gelesen wird, so sollte sie auch kritisch gelesen werden, als eine Ansammlung von Bruchstücken, ideologisch eingefärbt, voll von Übersetzungsfehlern, Missverständnissen und Verdrehungen. Und viel Text fehlt, auch das sollte man dabei einfach nicht vergessen.
~ I primarily want to light up a flame in a raging storm ~


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RE: Die Bibel lesen
#18
03.07.2018, 22:12
(03.07.2018, 20:40)ichbinmehr schrieb: Ich glaube ja es ist ein extrem grosses Problem, die Bibel richtig zu interpretieren.
wenn die bibel keine relevanz für einen hat, ist das kein problem.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Die Bibel lesen
#19
04.07.2018, 16:30
(03.07.2018, 22:12)spell bound schrieb:
(03.07.2018, 20:40)ichbinmehr schrieb: Ich glaube ja es ist ein extrem grosses Problem, die Bibel richtig zu interpretieren.
wenn die bibel keine relevanz für einen hat, ist das kein problem.

Ich denke "richtig" ist hier kein wirklich anwendbarer Begriff.
Für alle die es wirklich interessiert, würde ich die Interviewserie "Die Bibel aus jüdischer Sicht" empfehlen.
Das lief (ggf. läuft noch) in Bibel-TV und ist wirklich interessant.
Erkennen=>Annehmen
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RE: Die Bibel lesen
#20
04.07.2018, 19:08 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.07.2018, 19:18 von tanjasin.)
(03.07.2018, 14:56)gnutl schrieb: In westlichen Ländern nimmt die Zahl der Gläubigen auch bei den evangelikalen Kirchen derzeit stetig ab. 

Oh, okay, ist  dann wahrscheinlich nur ein subjektiver Eindruck von mir, dass es zugenommen hat. Vermutlich weil sie durch das Internet präsenter sind als früher.

(03.07.2018, 14:56)gnutl schrieb: Ich hab das freundschaftliche Debattieren mit Christen eine zeitlang als Hobby betrieben, aber jetzt bin ich aus der Szene schon ne Weile raus, höre nur noch gerne Podcasts und so Zeug nebenher, weils amüsant ist, wie sich manche Leute in abstrusen Argumentationen verhaken. wink1
 
Ich finde das Depattieren mit diesen Leuten extrem nervig. Im Allgemeinen drehen sich Diskussionen mit Fanatikern (ob religiös, chemtrail, Flacherdler oder sonstiges) immer nur im Kreis und führen zu nichts.
Vielleicht hast du recht und man sollte das Ganze mit Humor sehen.
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RE: Die Bibel lesen
#21
04.07.2018, 20:16 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.07.2018, 20:18 von insomnia.)
[+] 1 User sagt Danke! insomnia für diesen Beitrag
Für mich spielt Religion erst eine Rolle, seit ich Kinder habe.

Nämlich dann, wenn Erzieherinnen über mich sagen "Ach Gott ... Atheisten, das ist ja schlimmer als ... Moslems".  Oder weil ich mit der Religionslehrerin Gespräche führe wie - "oh ja, ich hab extra in den Unterlagen nachgeschaut, Sie sind ja ...ohne Bekenntnis... hmm jaja, ich weiss, in NRW darf ich kein Kind zum Religionsunterricht zwingen." Oder weil mir gesagt wird, dass "wohl kein Kind umkippt", wenn es mal am Gottesdienst teilnimmt. .....

Ich werde die Bibel nicht lesen. Obwohl mir immer mal wieder unter die Nase gerieben wird, dass mir etwas fehlt (ob es jetzt das richtige Bekenntnis oder Toleranz oder Wissen oder wasweissich ist) und ich meinen Töchtern etwas vorenthalte... war es mir noch nie wichtig oder interessant genug, Zeit dafür aufzubringen.
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RE: Die Bibel lesen
#22
04.07.2018, 23:17
(04.07.2018, 20:16)insomnia schrieb: Für mich spielt Religion erst eine Rolle, seit ich Kinder habe.

Nämlich dann, wenn Erzieherinnen über mich sagen "Ach Gott ... Atheisten, das ist ja schlimmer als ... Moslems".  Oder weil ich mit der Religionslehrerin Gespräche führe wie - "oh ja, ich hab extra in den Unterlagen nachgeschaut, Sie sind ja ...ohne Bekenntnis... hmm jaja, ich weiss, in NRW darf ich kein Kind zum Religionsunterricht zwingen." Oder weil mir gesagt wird, dass "wohl kein Kind umkippt", wenn es mal am Gottesdienst teilnimmt. .....
Hm, heißt das, dass dir jetzt explizit wichtig ist, dass deine Töchter nicht am Religionsunterricht und nicht am Gottesdienst teilnehmen?

Kein Vorwurf, mich interessiert nur die Begründung. Ich bin Atheist und hätte gesagt “Wen juckt’s?” und hätte meine Töchter einfach zum Religionsunterricht geschickt. (Gut, eigentlich finde ich es sogar strenggeheim oder bekannterweise sehr gut, Kinder zum Religionsunterricht zu schicken, aber ich hätte schon vor sieben Jahren die Schulter gezuckt, als diese Neigungen in mir noch nicht so ausgeprägt waren.) Mein Vater ist Atheist und ihn hat auch nicht gestört, dass ich zum Religionsunterricht gegangen bin. Ist ja auch nett, so mit den anderen Kindern, denke ich mir.
Oh, how can you be so invisible? Give me the nerves to see …
⟡·⟡·⟡·⟡·⟡·⟡·⟡
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RE: Die Bibel lesen
#23
05.07.2018, 00:16
Ich bin aus der Kirche ausgetreten, die Jungs sind infolgedessen auch nicht getauft, hab es aber bei meinem jüngeren Sohn auch so gehalten wie von dir, Zed, beschrieben. (wie das mit dem älteren war, kann ich mich irgendwie nicht mehr erinnern, daran sieht man auch, dass das in der Familie nicht so ein wichtiges Thema war.) Die Schule hatte nachgefragt ob es für mich auch okay wäre, wenn er den katholischen Unterricht nimmt, weil es sonst zu wenig Kinder werden (großer Anteil an Moslems und so weiter). Und ich dachte mir, warum nicht? Ehrlichgesagt hat gerade meinem jüngeren Sohn der Reli-Unterricht der Grundschule sehr gefallen. Auch wenn er in der Zeit mehr so auf griechische und römische Mythologie stand als auf die Bibel. Ich glaube, der Lehrer war ziemlich cool und bei den Kindern beliebt. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass der Kleine einen Schaden davongetragen hat. Soweit man das bis jetzt beurteilen kann. =D Das ist hier aber auch Großstadt und alles sehr locker.

Ich kann aber auch verstehen, dass man sich indoktriniert fühlt, wenn solche Bemerkungen fallen wie von insomnia beschrieben.
~ I primarily want to light up a flame in a raging storm ~


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RE: Die Bibel lesen
#24
05.07.2018, 05:40
(04.07.2018, 23:17)Zed schrieb: Hm, heißt das, dass dir jetzt explizit wichtig ist, dass deine Töchter nicht am Religionsunterricht und nicht am Gottesdienst teilnehmen?

Ja. Ich lehne den Religionsunterricht ab.

Erstens: Welchen sollte ich auswählen? Den katholischen, evangelischen oder muslimischen? Wofür sollte ich mich im Sinne meiner Kinder entscheiden? Verzicht bzw. Neutralität fand ich besser als - "nehmen Sie doch evangelisch... das macht die Klassenlehrerin" - Nope.

Zweitens: Den Besuch des Gottesdienst habe ich meiner Tochter tatsächlich freigestellt. Sie war zweimal dabei und hat dann darum gebeten, dass ihr Wunsch respektiert wird, dass sie nicht weiter daran teilnehmen möchte. Ich musste das mehrfach erbitten, diskutieren und schliesslich stur darauf beharren... Warum heisst Religionsfreiheit eigentlich für gläubige Menschen nie, dass Menschen auch frei von Religion sein dürfen?

Als meine Kinder geboren wurden, war die erste Diskussion, warum sie nicht getauft werden. Das war für Freunde kaum aushaltbar. Meine Mutter ist nicht getauft, ich bin nicht getauft, mein Mann ist zwar getauft hat aber mehr auch nicht - was und wozu sollte ich irgendeins meiner Kinder taufen lassen? Das müssen sie selbst entscheiden und 6Monate ist nicht das richtige Alter dafür - find ich jetzt so.
Bei der Auswahl des Kindergartens haben wir tatsächlich den Spruch bekommen, dass wir schlimm sind, weil andere glauben ja wenigstens irgendwas. Wow - echt Beifall. Genauso möchte ich meine Kinder erziehen und aufwachsen lassen - Nicht.
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RE: Die Bibel lesen
#25
05.07.2018, 06:12 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2018, 06:17 von spell bound.)
konfessioneller religionsunterricht hat in schulen in einem modernen staat meiner meinung nach nichts zu suchen. religion und weltbilder sind ein wichtiges gesellschaftliches thema, es sollte also schon unterrichtet werden, welche positionen und traditionen es da alles gibt. aber eben so ausgewogen und neutral wie möglich.

insofern ist reliunterricht genauso hinterwäldlerisch wie kirchensteuer. erschreckend, dass wir immer noch keine konsequente trennung von religion und staat haben.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Die Bibel lesen
#26
05.07.2018, 06:51
Ethik-Unterricht gibt es hier erst an den weiterführenden Schulen, der ist zu recht dann auch verpflichtend.
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RE: Die Bibel lesen
#27
05.07.2018, 08:19 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2018, 08:20 von Zed.)
(05.07.2018, 05:40)insomnia schrieb: Ja. Ich lehne den Religionsunterricht ab.

Erstens: Welchen sollte ich auswählen? Den katholischen, evangelischen oder muslimischen? Wofür sollte ich mich im Sinne meiner Kinder entscheiden? Verzicht bzw. Neutralität fand ich besser als - "nehmen Sie doch evangelisch... das macht die Klassenlehrerin" - Nope.
Evangelischen oder katholischen halt. Also ich denke halt so: Wenn dir nicht gerade speziell wichtig ist, dass deine Kinder nichts über die Bibel und das Christentum lernen, spricht auch nichts dagegen, dass sie irgendworan teilnehmen? Ich erinnere mich noch, wie ich die Kinder, die an keinem Religionsunterricht teilnahmen, immer etwas eigenartig fand. Religionsunterricht war immer ganz witzig und ich habe mich immer gefragt, was die Kinder in der Zeit machen und warum sie sich nicht einfach zu den anderen in den Unterricht sitzen können, also warum das für sie “verboten ist”. Das sah ironischerweise für mich immer nach Sekte aus, obwohl es streng genommen ja weniger etwas von Sekte hat.

Auf dem Gymnasium bin ich irgendwann zum Ethikunterricht gewechselt. Das lag aber ausschließlich daran, dass mein Religionslehrer scheiße war. Ich hatte die meisten meiner Freunde im evangelischen Religionsunterricht und fand die Stunden sonst ganz cool. Ich tat mich sogar schwer, zu begründen, warum ich zum Ethikunterricht wechseln wollte, obwohl ich damals schon Atheist oder weitgehend atheistisch war (ich glaube, ich war agnostisch).

Ich weiß nicht, ob das an der Schule deiner Töchter jetzt anders ist, aber bei uns war der Religionsunterricht einfach null indoktrinierend und man musste keinerlei Angst davor haben. Im Gegensatz witzigerweise zum Ethikunterricht. Unser Ethiklehrer wollte uns alle zu Kantianern und Stoikern erziehen und wurde gemeinhin an unserer Schule von Leuten als Demagog verschrien. Hat bei mir anfänglich auch sogar gefruchtet, aber ich kam irgendwann davon ab. Er war trotzdem ein exzellenter Lehrer, bei dem man sehr viel gelernt hat.

Die Moral von der Geschichte jedenfalls: Bei Schule geht’s vor allem ums Sozialisieren und der meiste Unterricht ist entweder sinnvoll oder völlig banane. Bei mir war Religionsunterricht völlig banane und ich vermute, dass er das so ziemlich überall ist. Wenn er nicht gerade an der Schule deiner Töchter explizit scheiße ist, wüsste ich nicht, warum sie an keinem Religionsunterricht teilnehmen sollte? Warum ist Neutralität besser als in der Schule zu fehlen? Also, was ist an Neutralität im Vergleich zu irgendeinem banalen Unterricht so wertvoll?

Außerdem schadt’s nicht, ein paar Bibel-Geschichten zu lernen, weil die ja – wie gesagt – überall referenziert werden.

Achso, und ich will mich nicht in deine Erziehung einmischen oder sowas. Man kann halt wenig über sowas reden, ohne dass das direkt irgendetwas suggeriert.

Zitat:Zweitens: Den Besuch des Gottesdienst habe ich meiner Tochter tatsächlich freigestellt. Sie war zweimal dabei und hat dann darum gebeten, dass ihr Wunsch respektiert wird, dass sie nicht weiter daran teilnehmen möchte. Ich musste das mehrfach erbitten, diskutieren und schliesslich stur darauf beharren... Warum heisst Religionsfreiheit eigentlich für gläubige Menschen nie, dass Menschen auch frei von Religion sein dürfen?
Jetzt mach mal ’nen Punkt. Wo wohnst du, in Bayern oder im Erzgebirge oder so? Nein, in Nordrheinwestfalen, sagtest du. Ich selbst kenne sogar persönlich keinen religiösen Mensch, der mir je in irgendeiner Weise seine Religion aufdrücken wollte. Solche gibt es sicherlich, aber ich persönlich, will ich sagen, habe eine absolut gegenteilige Erfahrung gemacht: Die religiösen Menschen, denen ich begegnet bin, waren allesamt aufgeschlossener und entspannter als die militantesten Atheisten, denen ich begegnet bin. (Liegt vielleicht aber auch nur daran, dass Religion derzeit sehr in der Defensive liegt.) Sogar der Pfarrer, bei dem ich konfirmiert worden bin, hatte keinerlei Problem damit, dass ich Atheist bin. Überhaupt ist er einer der feinsten Menschen, denen ich je begegnet bin.

Aber gut, ich muss das vielleicht ein bisschen korrigieren: In der Kinderkirche gab es ein paar militante, krätzige protestantische Weiber, die es an sich genommen haben, uns die Bibel zu erklären. Ich erinnere mich nur vage, weiß aber noch, dass sie sehr unattraktiv waren und eine giftige Ausstrahlung hatten und sie gar nicht sympathisch fand. Ich kann mir vorstellen, dass solche Typen wie Hyänen über einen herfallen, sobald sie in der Mehrzahl sind. Vielleicht hast du einfach nur Pech gehabt mit deinen Kontakten zu religiösen Menschen?

Ich glaube, ich hatte hauptsächlich Glück.

Zitat:Bei der Auswahl des Kindergartens haben wir tatsächlich den Spruch bekommen, dass wir schlimm sind, weil andere glauben ja wenigstens irgendwas. Wow - echt Beifall. Genauso möchte ich meine Kinder erziehen und aufwachsen lassen - Nicht.
Leute sind dumm. : ( Aber ehrlich gesagt, ich würde darüber lächeln.

Lange Zeit fand ich übrigens auch, dass Religionsunterricht nichts an der Schule verloren hat. Inzwischen aber finde ich es zumindest nicht schlimm, in Deutschland etwas über das Christentum zu unterrichten. Ich meine, die Kirchen stehen hier ja alle paar hundert Meter da und ansonsten führe ich das Argument von oben gerne noch mal an: Präsenz in der Kultur.

Warum Schulen nicht einfach freistellen, ob und welche Art von Religionsunterricht sie anbieten?
Oh, how can you be so invisible? Give me the nerves to see …
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RE: Die Bibel lesen
#28
05.07.2018, 08:33 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2018, 08:34 von spell bound.)
(05.07.2018, 08:19)Zed schrieb: Warum ist Neutralität besser als in der Schule zu fehlen? Also, was ist an Neutralität im Vergleich zu irgendeinem banalen Unterricht so wertvoll?
darum einheitlichen ethikunterricht (kann man meinetwegen auch anders nennen) für alle. so werden klassen nicht auseinandergerissen und konfessionslose oder religiöse minderheiten weniger zu außenseitern. noch dazu wäre es dann auch lehrern möglich, den unterricht abzuhalten, die darin ausgebildet sind, aber keiner konfession angehören bzw. keinen missionarischen auftrag erteilt bekommen haben (was bisher pflicht für relilehrer ist). insgesamt wäre dadurch die neutralität besser gewährleistet.

wenn sich alle an das bisherige system anpassen, gibt es keinen druck zur änderung.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Die Bibel lesen
#29
05.07.2018, 09:08 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2018, 09:10 von gnutl.)
Zitat:Bei der Auswahl des Kindergartens haben wir tatsächlich den Spruch bekommen, dass wir schlimm sind, weil andere glauben ja wenigstens irgendwas.
Das find ich ja auch irgendwie so krass, so was hab ich auch schon oft gehört. "irgendwas glauben" ist ein positiver Wert - whyyy? Ich bezweifle außerdem, dass diese Menschen das auch noch sagen würden, wenn ein Kind daherkommt und sagt, es sei Satanist*in.

Meiner Ansicht nach versteckt sich darin nur eine gewisse Grundangst, dass das eigene Glauben doch irgendwie Blödsinn sein könnte - egal woran - und dass es dann beruhigend wirkt, sich einreden zu können, dass das doch total normal sei, dass "an irgendwas" geglaubt wird, und dass es sogar abnormal sei, das nicht zu tun. Ein Verteidigungsmechanismus, der gleichzeitig noch zur systematischen Abwertung derer führt, die da außerhalb dieser Norm gestellt werden.

Wobei hier Glaube im Sinne von englisch Faith gemeint ist, also unbegründeter/unbegründbarer Glaube an etwas nicht wirklich zugängliches. Gegen Belief hab ich nichts einzuwenden, natürlich glaube ich daran, dass mein Tisch existiert, und so weiter. Das meinen die Leute dann aber eher nicht, wenn sie von Glauben sprechen.^^

~

Wenn ich das Heft von meinem Grundschul-Religionsunterricht ansehe, finde ich es ziemlich gruslig. Es liest sich einfach viel mehr wie Indoktrinierung als wie Unterricht, oder Sozialisierung. Da werden z.B. Geschichten von Heiligen gelehrt, oder von Jüngern, und es wird einfach alles so dargestellt als wär das ne geschichtliche Information, und keine Mythologie. Das finde ich das Problem - da wird das kritische Denken einfach ausgeschaltet, und damit ein schlechtes Vorbild gegeben - und das wiederum hat weitere Auswirkungen, weil sich dieses unkritische Übernehmen dann auch auf gefährlichere Ideen im Erwachsenenalter überträgt. (Beispielsweise leichtere Indoktrinierbarkeit in andere, krassere Religionen, Leichtgläubigkeit gegenüber Esoterik, Homöopathie, und so weiter)

Faith ist keine Tugend, sondern eine Untugend. Kindern das kritische Denken madig zu machen, schadet unserer Gesellschaft.
Lebe jeden Moment so wie du ihn brauchst!
- - - - - - - - - - - - > Blog |  youtube

let's destroy another seismograph / injustifiable means / I dont think it matters
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RE: Die Bibel lesen
#30
05.07.2018, 09:53 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2018, 09:55 von spell bound.)
[+] 1 User sagt Danke! spell bound für diesen Beitrag
(05.07.2018, 09:08)gnutl schrieb: Meiner Ansicht nach versteckt sich darin nur eine gewisse Grundangst, dass das eigene Glauben doch irgendwie Blödsinn sein könnte - egal woran - und dass es dann beruhigend wirkt, sich einreden zu können, dass das doch total normal sei, dass "an irgendwas" geglaubt wird, und dass es sogar abnormal sei, das nicht zu tun.
ich denke, in dieser von insomina zitierten aussage geht es auch um die verknüpfung von glaube mit lebenssinn. wer nichts (übernatürliches) glaubt, dessen welt sei leer, schwarz, düster, unerträglich und dessen geist sei voller verneinung und zerstörung. wird vllt noch mit moralischer verwahrlosung verbunden, denn ein moralischer maßstab kann ja nur übernatürlich sein. so ungefähr. eher die angst vor so einer vorstellung.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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