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Über die Funktion von Aktiver Imagination bei erwachsenen Menschen

Über die Funktion von Aktiver Imagination bei erwachsenen Menschen
#1
Gestern, 14:40 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Gestern, 14:41 von ichbinmehr.)
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Über die Funktion von Aktiver Imagination bei erwachsenen Menschen

Ich habe gerade über imaginative Welten nachgedacht und darüber, warum wir mit ihnen gesellschaftlich eigentlich so unterschiedlich umgehen.

Wir lesen Romane, schauen Filme und Serien und lassen uns von Figuren und Welten tief berühren, obwohl wir genau wissen, dass diese Menschen nicht physisch existieren.

Wir lieben sie. Wir leiden mit ihnen. Wir vermissen sie vielleicht sogar, wenn eine Geschichte zu Ende ist.

Manchmal verändern sie unsere Sicht auf uns selbst oder unser Leben.

Und all das halten wir für vollkommen normal.

Niemand würde sagen: „Diese Erfahrung war wertlos, weil dieser Mensch nicht wirklich existiert hat.“

Warum sollte dann aber eine selbst geschaffene imaginative Welt weniger bedeutsam sein?

***

Der entscheidende Unterschied scheint mir gar nicht darin zu liegen, dass sie weniger real wäre, sondern darin, dass sie weniger kollektiv vorstrukturiert ist.

Bei einem Roman hat ein Autor die Welt gebaut.

Bei einem Film oder einer Serie erschafft ein ganzes Team die Figuren, Räume und Geschichten, und ich darf diese fertige imaginative Welt betreten.

Die Gesellschaft hat dafür längst eine Schublade: Kunst, Literatur, Film, Fiktion.

Bei einer eigenen imaginativen Welt bin ich dagegen nicht nur Zuschauerin, sondern zugleich Beteiligte und Mitgestalterin.

Ich darf die Welt selbst entstehen lassen.

***

Und vielleicht macht gerade diese Freiheit sie kulturell ein bisschen verdächtig.

Ich frage mich, ob das auch damit zu tun haben könnte, dass es hier viel weniger vorgegebene Begrenzung gibt.

Ich muss nicht nur eine bereits erschaffene Welt betreten, sondern darf selbst mitentscheiden, was darin möglich ist.

Und vielleicht liegt genau darin nicht nur Freiheit, sondern auch eine mögliche Überforderung.

Denn wenn fast alles möglich wird, braucht es umso mehr die Fähigkeit, zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit zu unterscheiden und sich nicht völlig in der Imagination zu verlieren.

Vielleicht kann eine imaginative Welt also beides sein: ein Raum von Freiheit, Kreativität und Entwicklung – und zugleich, wenn sie nur noch dazu dient, der gemeinsamen Wirklichkeit auszuweichen, auch eine Form von Flucht.

---

Auch einem Kind würden wir seinen imaginären Freund ja nicht einfach wegnehmen, nur weil es ihn „nicht wirklich gibt“.

Wir verstehen, dass diese Beziehung eine wichtige Funktion haben kann.

Warum sollte diese Fähigkeit mit dem Erwachsenwerden plötzlich grundsätzlich bedeutungslos werden?

***

Vielleicht müssen wir tatsächlich aber erst lernen, uns in der gemeinsam geteilten Wirklichkeit sicher zu orientieren und zwischen äußerer Wirklichkeit, Traum, Fantasie und Imagination unterscheiden zu können.

Und vielleicht braucht es dafür auch die Erfahrung von Selbstbegrenzung.

Also die Fähigkeit, nicht jedem inneren Impuls sofort zu folgen, Grenzen anzuerkennen, Frustration auszuhalten und sich innerhalb einer gemeinsamen Wirklichkeit orientieren zu lernen.

Vielleicht entsteht gerade daraus später überhaupt erst die Freiheit, diese Grenzen bewusst wieder zu erweitern – weil man gelernt hat, mit ihnen umzugehen.

Dann wäre imaginative Freiheit vielleicht nicht das Gegenteil von Begrenzung, sondern etwas, das auf der Erfahrung von Begrenzung aufbauen kann.



Dann wäre Imagination keine Flucht aus der Realität, solange man die verschiedenen Ebenen nicht miteinander verwechselt.

Sondern eine Erweiterung dessen, was wir überhaupt als Erfahrung gelten lassen.

Vielleicht ist die interessanteste Frage deshalb gar nicht:

„Ist diese Welt real?“

Sondern:

„Was wird in ihr für mich real möglich?“
***

Info:
Beim Schreiben nutze ich grundsätzlich KI als Werkzeug und kreativen Gesprächspartner – unter anderem für Lektorat, Formulierungen, Strukturierung und zur Reflexion und Weiterentwicklung meiner Gedanken. Der Umfang der KI-Unterstützung kann dabei von Text zu Text unterschiedlich sein. Inhalte, persönliche Erfahrungen, Erkenntnisse, Auswahl und Verantwortung für das Veröffentlichte bleiben meine. Auch bei Bildern nutze ich teilweise KI zur Umsetzung und Weiterentwicklung meiner Ideen.
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RE: Über die Funktion von Aktiver Imagination bei erwachsenen Menschen
#2
Gestern, 22:03
[+] 3 User sagen Danke! Nuevo für diesen Beitrag
Mit den Träumen ist es ähnlich! Die werden oftmals als nutzlos abgestempelt, und wer sich damit beschäftigt, "verschwendet halt seine Zeit". Und wer gerne träumt, "flüchtet sich eh nur in seine Traumwelt".
In unserer Gesellschaft hat das Träumen keinen Stellenwert. Und viele haben einfach verlernt, sich mit Träumen zu beschäftigen, oder – schlimmer noch – sie haben es nie gelernt.

Bei der Imagination ist es ähnlich. Es wird nicht als eine Bereicherung gesehen.
Unsere Gesellschaft stellt häufig die Frage: Was bringt das? Es geht um direkt messbare Leistung. Wer in einer Ecke sitzt und vor sich hinträumt, sich in Phantasiewelten begibt oder gar nichts tut, dem wird Faulheit nachgesagt. Da ist noch viel Luft nach oben.


(Gestern, 14:40)ichbinmehr schrieb: ...
Vielleicht müssen wir tatsächlich aber erst lernen, uns in der gemeinsam geteilten Wirklichkeit sicher zu orientieren und zwischen äußerer Wirklichkeit, Traum, Fantasie und Imagination unterscheiden zu können.

Und vielleicht braucht es dafür auch die Erfahrung von Selbstbegrenzung.

Also die Fähigkeit, nicht jedem inneren Impuls sofort zu folgen, Grenzen anzuerkennen, Frustration auszuhalten und sich innerhalb einer gemeinsamen Wirklichkeit orientieren zu lernen.

Vielleicht entsteht gerade daraus später überhaupt erst die Freiheit, diese Grenzen bewusst wieder zu erweitern – weil man gelernt hat, mit ihnen umzugehen.
...

Dieser Abschnitt gefällt mir. Denn ja, es ist vieles verloren gegangen, was wir als Gesellschaft neu lernen müssen.
„Verweile, Illusion! Wenn du eine Stimme hast, so sprich zu mir.“
                                                                                                                             - Shakespeare - 

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RE: Über die Funktion von Aktiver Imagination bei erwachsenen Menschen
#3
Vor 2 Stunden
[+] 1 User sagt Danke! glider für diesen Beitrag
Zitat:Vielleicht ist die interessanteste Frage deshalb gar nicht:

„Ist diese Welt real?“

Sondern:

„Was wird in ihr für mich real möglich?“

Ich empfinde diese letzte Frage als wunderschön thumbsu denn darin liegt für mich auch mein persönlicher Lebenssinn.
Abhängig davon, wie ich auf dieser Welt geboren wurde, ob als Tier, Mensch, Pflanze, ob gesund oder mit einer körperlichen oder kognitiven Einschränkung, sind mir in dieser sogenannten realen Welt verschiedene Grenzen gesetzt. In der Imagionation kann ich darüber hinausfliegen fly
Darin liegt für mich der besondere Reiz von Imagination, (Tag-)Träumen und Klarträumen.
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