RE: Die Kunst des Pirschens
04.01.2026, 15:58
Zufälligerweise habe ich mich erst kürzlich mit dieser Technik beschäftigt,
weil ich verstehen wollte, was eigentlich genau der Unterschied zwischen dem Pirschen
und der Traumatherapie ist, die ich seit Jahren mache.
Und ich war ehrlich gesagt überrascht,
wie klein dieser Unterschied für mich ist.
Umso lustiger finde ich es,
dass du ausgerechnet jetzt hier über das Pirschen schreibst.
Für mich dient Traumaaufarbeitung vor allem dazu,
mein Ich zu stärken, zu würdigen und zu stabilisieren.
Ich nehme meine Gefühle, Erinnerungen und Reaktionen ernst
und verstehe sie als sinnvoll vor dem Hintergrund meiner Geschichte.
Ich arbeite daran, mir selbst Personsein, Würde
und ein Recht auf meine Perspektive zuzugestehen.
Ziel ist für mich sowohl Distanz um Handlungsalternativen zu entwicklen als auch Selbstkontakt,
also ein Ich, das fühlen darf und gehalten ist.
Beim Pirschen geht es für mich darum zu beobachten,
wie sich Wahrnehmung im Moment an mein Ich bindet –
und was geschieht, wenn diese Bindung kurz lockerer wird.
Interessanterweise entsteht dieses „Pirschen“ bei mir oft ganz automatisch
aus der Traumaheilung heraus, ohne dass ich es extra anstrebe.
Es ist die Folge der Inneren Trauma - Arbeit.
Im Grunde würde ich es so zusammenfassen:
Traumaaufarbeitung hilft mir, jemand sein zu dürfen.
Pirschen erlaubt mir gelegentlich, niemand sein zu müssen.
Bei mir laufen beide Wege nicht getrennt,
sondern greifen ganz selbstverständlich ineinander über.
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Erzähl doch mal wie du das erlebst?