@snapman
Ich sage nicht, das Bewußtsein sei unabhängig von der materiellen Existenz, mein zitierter Beitrag läuft doch tendenziell auf das Gegenteil hinaus.
Gerhard Roth faßt klar einen anderen Bewußtseinsbegriff, der sich primär auf die bewußte Handlung bezieht. Hier setzte ich ja entgegen, daß auch ein deterministischer Automat nach außen hin «bewußt» handeln könnte, ohne die Wahrnehmungsqualität dessen zu besitzen, die für mich den Kern des Bewußtseins, diesen «Beobachter», darstellt. Interessant finde ich hier auch das Experiment, das aufzeigt daß «bewußte Entscheidungen» für das Gehirn schon lange getroffen sind, bevor wir uns vermeintlich bewußt dafür entscheiden.
link Meines Erachtens spalten sich hier die bewußte Wahrnehmung und die «bewußte» Handlung auf. (Das Bewußtsein hat scheinbar einen unheimlich schlechten ping *g*)
Wie Du darauf kommst mich würden künftige Erkenntnisse der Wissenschaft nicht interessieren, erschließt sich mir nicht. Des weiteren dachte ich, die Beeinflußbarkeit von Körper und Hirn durch Eingriffe von außen seien abgehakt. In meinen Augen sind das sehr wichtige Erkenntnisse, die viele banale Erklärungsversuche wissenschaftlich ausschließen, doch gehen sie an der Frage nach dem Wesen des Bewußtseins vorbei. Die philosophischen Fragestellungen haben sich durch den Umstand verlagert, wie sie es künftig auch immer wieder tun werden.
(12.01.2011, 15:44)snapman schrieb: Die Angst davor, die viele haben, erinnert mich an die damalige Angst der Menschen vor Darwin. Diese Ängste sind vielseitig:
a) Die Angst vor der Erkenntnis, nichts besonderes zu sein (Mensch vs. Tier)
b) Die Angst vor der eigenen Endlichkeit
c) Die Angst, die Dinge nicht in der Hand zu haben (Unterbewußtsein etc.)
d) Verlust von "Romantik" und "Mystik"... Naturwissenschaftliche Erklärungen sind Gift für "romantische Vorstellungen", an denen viele (ich kanns ja verstehen) hängen. Sei es die nüchterne Erforschung von Liebe und Sex oder aber auch die "Entmystifizierung" von gewissen Dingen.
Nun, genau die Punkte a)–c) meinte ich mit den auf Egobefriedigung ausgelegten, naiven Vorstellungen.

In meinen Augen kann man diese auch ausblenden, doch das muß man wohl mal selbst erfahren – es läßt sich für mich nicht so recht in Sprache abstrahieren, ohne wieder in Modelle abzugleiten, welche ich hier eigentlich herunterschälen will. Ich hab's versucht, doch offenbar kommt davon nichts so an wie von mir intendiert.
In Punkt d) kann ich Dir allerdings überhaupt nicht zustimmen: naturwissenschaftliche Erklärungen finde ich persönlich großartig und das Begreifen naturwissenschaftlicher Zusammenhänge auf ihre Weise wunderschön. (Ich habe auch ein gewisses Faible für die Sprache der Mathematik, wenn auch leider auf keinem übermäßig hohem Niveau.) Ich finde es unglaublich, daß die Natur praktisch instantan automatisch sich in Gang setzt, Dinge tut für deren Berechnung wir ewig bräuchten und doch nur eine Näherung dessen erreichen könnten, wozu die Natur fähig ist. Daß sie sogar zu Dingen imstande ist, die mathematisch für den Menschen unlösbar sind, und das ganz ohne Anstrengung! Das gehört für mich gerade zu den Punkten, die mir höchsten Respekt vor der Natur und seiner Schönheit einflößen.
Den Mann hatte ich ja auch schon mal erwähnt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_P._Feynman