Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?

Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#1
06.11.2006, 23:37
Hallo liebe Freunde,

inspiriert von Spell's Sehnsucht-Thread wollte ich euch alle mal fragen, was ihr euch in euerm Leben mehr als alles andere wünscht, ersehnt, erträumt.

Eines vorweg: Ich frage euch nicht, ob ihr euch einen Haufen Kohle wünscht. Vielmehr trägt doch jeder Mensch etwas in sich, einen Herzenswunsch, einen Traum, unabhängig von Geld. Wobei es, nach meinem Empfinden, absolut legitim ist, von einem wunderschönen Zuhause oder einer spitzen Karre zu träumen. Genauso wie es in Ordnung ist, sich zu wünschen, zu erträumen, einmal die Erde aus dem All anzusehen, das Ende von Armut, Hunger und Krieg zu erleben oder irgend einer bestimmten Persönlichkeit zu begegnen.

Wonach ich mich mehr als alles andere sehne...

Ich wünsche mich gerne in ein Schloss-mäßiges Anwesen, ein Gestüt und Schutzhof für Pferde, mit einem Tagesablauf, bestimmt von der Arbeit mit Pferden und für die Pferde. Ein Refugium das Tieren wie Menschen Schutz und ein Zuhause bietet, umgeben von hohen Mauern und einem großen Gittertor, daß nur jene einläßt, die nichts Übles im Schilde führen. Ein Ort, an welchem Hilfesuchende Ruhe und Geborgenheit finden können. Dazu einen Menschen, genauer gesagt eine Partnerin, die mich wirklich, so unvollkommen wie ich bin, liebt, tröstet und beschützt. Ich bin ein schwacher Mensch, ich habe viele Ängste und die Gesellschaft, die "zivilisierete" Gesellschaft die mich umgibt, erscheint mir oft kalt, rücksichtslos und boshaft.
Jetzt kann man natürlich argumentieren, daß die Natur nunmal so ist, sie ist grausam, fressen und gefressen werden. Doch nehmen wir Menschen für uns in Anspruch, die "Krone der Schöpfung" zu sein und allen anderen Lebewesen auf diesem Planeten, geistig, intellektuell überlegen zu sein. Trotzdem benimmt sich die Menschheit, als Ganzes betrachtet, schlimmer wie die schlimmsten Raubtiere. Und ich suche Schutz davor.

Um das Ganze mal nüchterner, weniger theatralisch zu beschreiben:
Ein Gestüt und Schutzhof für Pferde. Pferdezucht und therapeutisches Reiten für kranke und behinderte Menschen. Und das zusammen mit einer Partnerin, mit der ich Familie gründen und alt werden kann. Das ist mein Traum - mein Wunsch - mein Ziel! Ich will Pferde! Und ich will nicht mehr alleine sein!

Ja, die Pferde... ich sehe in ihnen bestimmte Ideale, die bei Menschen oft vermisst bleiben. Sie sind, wie eigentlich alle Tiere, nicht falsch, handeln ausschließlich nach ihren genetisch vorgegebenen Trieben und Gefühlen. Pferde sind aber nicht dumm oder "programmiert", sie verfügen über Charakter und bis zu einem gewissen Grad über Persönlichkeit und Intelligenz. Dabei sind sie auch noch wunderschön, kraftvoll und von Grund auf gut. Das äußert sich besonders darin, daß Pferde, trotz ihrer Eigenschaften als ängstliche Fluchttiere, auch einem Menschen als ein ranghöheres Mitglied der "Herde" freiwillig!... nachfolgen und vertrauen. Eigentlich ist es paradox ein Fluchttier zu nutzen und es in Situationen zu bringen, die es ängstigen. Aber durch das Vertrauen welches sie auch dem Menschen entgegen bringen, läßt sich das bewerkstelligen.

Nicht-Pferdeleute können diese Schwärmereien oft nicht nachvollziehen, genau so wie ich die Vernarrtheit in ein Auto oder in andere Hobbys nicht immer nachvollziehen kann. Die Geschmäcker sind nunmal glücklicherweise verschieden. Ich bemühe mich jedoch ernsthaft darum, die Leidenschaften und Neigungen meines Gegenübers zu akzeptieren und Schnittmengen zu finden. Das erwarte ich natürlich auch von Anderen, im Bezug auf meine Pferde-Leidenschaft. Wohl auch aus dieser Leidenschaft heraus finden Pferde immer wieder den Weg in meine Träume und ich versuche sie auch zum Bestandteil meiner Klarträume zu machen. Meine Hippophilie dürfte in diesem Forum ja schon durchweg bekannt sein. Pferde sind für mich das Schönste, das Glück dieser Erde. Daraus ergibt sich diese, manchmal übermächtige, verzweifelte Sehnsucht.

Dieser Thread entstand nicht aus einer melancholischen oder trübsäligen Stimmung heraus, mir geht's dieser Tage eigentlich sehr gut. Dennoch habe ich euch hiermit einen tiefen Einblick in meine Gefühlswelt gewährt. Es hat mich niemand darum gebeten und ich hoffe euch damit nicht belästigt zu haben. Vielleicht möchten nun aber auch andere diesen Weg nutzen, etwas von ihrem Innersten preis zu geben.

Auf jeden Fall Danke für's Lesen!
Je ne regrette rien
Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#2
07.11.2006, 00:08
mein traum...ja alle kennen ihn... SIE wiederzusehen.... skeptic

Ansonsten wünsche ich mir halt noch, mal abgesehen von beruflichen erfolgen etc. ein kaminzimmer. halt mit tisch und pokerkarten , alles aus gutem holz, gut lackiert....hach...
Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#3
07.11.2006, 11:28
Vom Fischer und seiner Frau
(Gebrüder Grimm)

<span style="color:blue">
Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhütte, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte; und er angelte und angelte.

So saß er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein; und so saß er nun und saß.

Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufholte, da holte er einen großen Butt heraus. Da sagte der Butt zu ihm: "Hör mal, Fischer, ich bitte dich, laß mich leben, ich bin gar kein richtiger Butt, ich bin ein verwünschter Prinz. Was hilft dir's, wenn du mich totmachst? Ich würde dir doch nicht recht schmecken; setz mich wieder ins Wasser und laß mich schwimmen!" "Nun", sagte der Mann, "du brauchst nicht so viele Worte zu machen; einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen." Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser; da ging der Butt auf den Grund und ließ einen langen Streifen Blut hinter sich. Da stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in die kleine Hütte.

"Mann", sagte die Frau, "hast du heute nichts gefangen?" "Nein", sagte der Mann, "ich fing einen Butt, der sagte, er wäre ein verwunschener Prinz, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen." "Hast du dir denn nichts gewünscht?" sagte die Frau. "Nein", sagte der Mann, "was sollt ich mir denn wünschen?" "Ach", sagte die Frau, "das ist doch bös, immer hier in dem Hüttchen zu wohnen, das stinkt und ist so eklig; du hättest uns doch ein kleines Häuschen wünschen können. Geh noch mal hin und ruf ihn! Sag ihm, wir wollten ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiß." "Ach", sagte der Mann, "was soll ich da noch mal hingehen?" "I", sagte die Frau, "du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen, er tut das gewiß. Geh gleich hin!" Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch seiner Frau nicht zuwiderhandeln und ging hin an die See.

Als er dorthin kam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:
"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will."

Da kam der Butt angeschwommen und sagte: "Na, was will sie denn?" "Ach", sagte der Mann, "ich hab dich doch gefangen gehabt; nun sagt meine Frau, ich hätt mir doch was wünschen sollen. Sie mag nicht mehr in ihrer Hütte wohnen, sie will gern ein kleines Häuschen." "Geh nur hin", sagte der Butt, "sie hat es schon."

Alles begann mit einem Tod


Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#4
07.11.2006, 11:29
<span style="color:blue"> Da ging der Mann hin, und seine Frau saß nicht mehr in dem Fischerhüttchen; an seiner Stelle stand jetzt ein kleines Häuschen, und seine Frau saß vor der Türe auf einer Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: "Komm nur herein, sieh, nun ist das doch viel besser!" Da gingen sie hinein, und in dem Häuschen war ein kleiner Vorplatz und eine kleine, allerliebste Stube und Kammer, wo jedem sein Bett stand, und Küche und Speisekammer, alles aufs beste mit Gerätschaften versehen und aufs schönste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was eben so dazu gehört. Und dahinter war auch ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten und ein kleiner Garten mit Grünzeug und Obst. "Sieh", sagte die Frau, "ist das nicht nett?" "Ja", sagte der Mann, "so soll es bleiben; nun wollen wir recht vergnügt leben." "Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau. Dann aßen sie etwas und gingen zu Bett.

So ging das wohl nun acht oder vierzehn Tage; da sagte die Frau: "Hör, Mann, das Häuschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein; der Butt hätt uns auch wohl ein größeres Haus schenken können. Ich möchte wohl in einem großen, steinernen Schloß wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloß schenken!" "Ach, wir in einem Schlosse wohnen?" "I was", sagte die Frau, "geh du nur hin, der Butt kann das schon tun!" "Nein, Frau", sagte der Mann, "der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben; ich mag nun nicht gleich wiederkommen, den Butt könnte das verdrießen." "Geh doch", sagte die Frau, "er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin!"

Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte zu sich selber: "Das ist nicht recht" - aber ging doch hin.

Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick und gar nicht mehr so grün und gelb; doch war es noch still. Da stellte er sich nun hin und sagte:
"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann halb bedrückt, "sie will in einem großen, steinernen Schloß wohnen."

"Geh nur hin, sie steht vor der Tür", sagte der Butt.

Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Haus gehen; als er aber dahin kam, da stand dort ein großer, steinerner Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineingehen; da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: "Komm mal herein!" Damit ging er mit ihr hinein, und in dem Schloß war eine große Diele mit einem Estrich aus Marmelstein, und da waren so viele Bediente, die rissen die großen Türen auf; und die Wände waren alle blank und mit schönen Tapeten, und in den Zimmern lauter goldene Stühle und Tische, und kristallene Kronenleuchter hingen von der Decke, und alle Stuben und Kammern waren mit Fußdecken belegt; und das Essen und der allerbeste Wein stand auf den Tischen, als ob sie brechen wollten. Und hinter dem Hause war auch ein großer Hof mit einem Pferde- und Kuhstall und Kutschwagen - alles vom Besten; auch war da ein großer herrlicher Garten mit den schönsten Blumen und seinen Obstbäumen und ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang; da waren Hirsche und Rehe und Hasen drin und alles, was man sich nur immer wünschen mochte. "Na", sagte die Frau, "ist das nun nicht schön?" "Ach ja", sagte der Mann, "so soll es auch bleiben; nun wollen wir auch in dem schönen Schloß wohnen und zufrieden sein." "Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau, "und wollen es beschlafen." Darauf gingen sie zu Bett.

Alles begann mit einem Tod


Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#5
07.11.2006, 11:30
<span style="color:blue"> Am andern Morgen wachte die Frau zuerst auf, es war eben Tag geworden, und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen. Der Mann dehnte und reckte sich noch, da stieß sie ihn mit dem Ellenbogen in die Seite und sagte: "Mann steh auf und guck mal aus dem Fenster! Sieh, könnten wir nicht König werden über das ganze Land? Geh hin zum Butt, wir wollen König sein!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "warum wollen wir König sein? Ich mag nicht König sein." "Nun", sagte die Frau, "willst du nicht König sein, so will ich König sein. Geh hin zum Butt, ich will König sein!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "was willst du König sein? Das mag ich ihm nicht sagen." "Warum nicht?" sagte die Frau, "geh augenblicklich hin, ich muß König sein!" Da ging der Mann hin und war ganz bedrückt, daß seine Frau König werden wollte. Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann. Er wollte nicht hingehen, ging aber doch hin.

Und als er an die See kam, da war die See ganz schwarzgrau, und das Wasser quoll so von unten herauf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:
"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, "sie will König werden." "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt. Da ging der Mann hin, und als er nach dem Palast kam, da war das Schloß viel größer geworden, mit einem großen Turm und herrlichem Zierat daran; und die Schildwacht stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten und Pauken und Trompeten. Und als er in das Haus kam, da war alles von purem Marmelstein und Gold und samtne Decken mit großen, goldenen Quasten. Da gingen die Türen von dem Saal auf, wo der ganze Hofstaat war, und seine Frau saß auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten und hatte eine große, goldene Krone auf und den Zepter in der Hand von purem Gold und Edelstein. Und auf beiden Seiten von ihr standen sechs Jungfern in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere. Da stellte er sich nun hin und sagte: "Ach, Frau, bist du nun König?" "Ja", sagte die Frau, "nun bin ich König." Da stand er nun und sah sie an, und als er sie nun eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: "Ach, Frau, was steht dir das gut, daß du König bist. Nun wollen wir uns auch nichts mehr wünschen." "Nein, Mann", sagte die Frau und war ganz unruhig, "mir wird schon Zeit und Weile lang, ich kann das nicht mehr aushalten. Geh hin zum Butt; König bin ich, nun muß ich auch Kaiser werden!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "warum willst du Kaiser werden?" "Mann", sagte sie, "geh zum Butt, ich will Kaiser sein!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Butt das nicht sagen; Kaiser ist nur einmal im Reich; Kaiser kann der Butt nicht machen; das kann und kann er nicht!"

"Was", sagte die Frau, "ich bin König, und du bist doch mein Mann; willst du gleich hingehn? Gleich geh hin! Kann er Könige machen, so kann er auch Kaiser machen; ich will und will Kaiser sein; gleich geh hin!" Da mußte er hingehn. Als der Mann aber hinging, war ihm ganz bang; und als er so ging, dachte er bei sich: Das geht und geht nicht gut: Kaiser ist zu ausverschämt, der Butt wird am Ende müde.

Alles begann mit einem Tod


Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#6
07.11.2006, 11:31
<span style="color:blue"> Indes kam er an die See. Da war die See noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unten herauf zu schäumen, daß sie Blasen warf, und es ging so ein Wirbelwind über die See hin, daß sie sich nur so drehte. Und den Mann ergriff ein Grauen. Da stand er nun und sagte:
"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach, Butt", sagte er, "meine Frau will Kaiser werden." "Geh nur hin", sagte der Butt, "sie ist es schon." Da ging der Mann hin, und als er ankam, da war das ganze Schloß von poliertem Marmelstein mit Figuren aus Alabaster und goldenen Zieraten. Vor der Tür marschierten die Soldaten, und sie bliesen Trompeten und schlugen Pauken und Trommeln. Aber in dem Hause, da gingen die Barone und Grafen und Herzöge grad so, als ob sie Diener wären, herum; die machten ihm die Türen auf, die von lauter Gold waren. Und als er hereinkam, da saß seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stück Gold und war wohl zwei Meilen hoch; und sie hatte eine große, goldene Krone auf, die war drei Ellen hoch und mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt. In der einen Hand hatte sie den Zepter und in der anderen den Reichsapfel, und auf beiden Seiten neben ihr, da standen die Trabanten so in zwei Reihen, immer einer kleiner als der andere, von dem allergrößten Riesen, der war zwei Meilen hoch, bis zu dem allerwinzigsten Zwerg, der war so groß wie mein kleiner Finger. Und vor ihr standen so viele Fürsten und Herzöge. Da ging nun der Mann hin und stand zwischen ihnen und sagte: "Frau, bist du nun Kaiser?" "Ja", sagte sie, "ich bin Kaiser." Da stellte er sich nun hin und besah sie sich so recht; und als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: "Ach, Frau, wie steht dir das schön, daß du Kaiser bist!" "Mann", sagte sie, "was stehst du da? Ich bin nun Kaiser; nun will ich aber auch Papst werden, geh hin zum Butt!" "Ach, Frau", sagte der Mann, "was willst du denn nicht noch alles werden?" Papst kannst du nicht werden; den Papst gibt's doch nur einmal in der Christenheit - das kann er doch nicht machen." "Mann", sagte sie, "ich will Papst werden, geh gleich hin, ich muß heut noch Papst werden!" "Nein, Frau", sagte der Mann, "das mag ich ihm nicht sagen, das geht nicht gut aus, das ist zuviel verlangt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen." "Mann, schwatz kein dummes Zeug!" sagte die Frau, "kann er Kaiser machen, so kann er auch Päpste machen. Geh sofort hin! Ich bin Kaiser, und du bist doch mein Mann - willst du wohl hingehen?" Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin. Ihm war aber ganz flau, er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm. Und da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so düster wie gegen den Abend zu; die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Doch der Himmel war in der Mitte noch so ein bißchen blau, aber an der Seite, da zog es so recht rot auf wie ein schweres Gewitter. Da ging er ganz verzagt hin und stand da in seiner Angst und sagte:
"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, "sie will Papst werden." "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.

Da ging er hin, und als er ankam, da war da wie eine große Kirche, von lauter Palästen umgeben. Da drängte er sich durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und aber tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war ganz in Gold gekleidet und saß auf einem noch viel höheren Thron und hatte drei große, goldene Kronen auf, und um sie herum, da war so viel geistlicher Staat, und zu beiden Seiten von ihr, da standen zwei Reihen Lichter, das größte so dick und groß wie der allergrößte Turm, bis zu dem allerkleinsten Küchenlicht. Und all die Kaiser und Könige, die lagen vor ihr auf den Knien und küßten ihr den Pantoffel. "Frau", sagte der Mann und sah sie so recht an, "bist du nun Papst?" "Ja", sagte sie, "ich bin Papst." Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne sähe. Als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, sagte er: "Ach, Frau, wie gut steht dir das, daß du Papst bist!" Sie saß aber ganz steif wie ein Baum und rührte und regte sich nicht. Da sagte er: "Frau, nun sein zufrieden, daß du Papst bist! Nun kannst du doch nichts mehr werden." "Das will ich mir bedenken", sagte die Frau. Damit gingen sie beide zu Bett; aber sie war nicht zufrieden, und die Gier ließ sie nicht schlafen, sie dachte immer, was sie noch werden könnte.

Alles begann mit einem Tod


Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#7
07.11.2006, 11:32
Der Mann schlief gut und fest, er hatte am Tag viel laufen müssen; die Frau aber konnte nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte immer drüber nach, was sie wohl noch werden könnte, und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen. Indessen wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, setzte sie sich aufrecht im Bett hin und sah starr da hinein. Und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah: "Ha", dachte sie, "kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen?" "Mann", sagte sie und stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen, "wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott!" Der Mann war noch ganz schlaftrunken, aber er erschrak so, daß er aus dem Bett fiel. Er meinte, er hätte sich verhört und rieb sich die Augen aus und sagte: "Ach, Frau, was sagst du?" "Mann", sagte sie, "wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen - das kann ich nicht aushalten, und ich habe dann keine ruhige Stunde mehr, daß ich sie nicht selbst kann aufgehen lassen." Dabei sah sie ihn ganz böse an, daß ihn ein Schauder überlief. "Gleich geh hin; ich will werden wie der liebe Gott!" "Ach, Frau", sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, "das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen; ich bitte dich, geh in dich und bleibe Papst!" Da kam die Bosheit über sie; die Haare flogen ihr so wild um den Kopf, und sie schrie: "Ich halte das nicht aus! Und ich halte das nicht länger aus; willst du hingehen?" Da zog er sich die Hosen an und lief davon wie unsinnig.

Draußen aber ging der Sturm und brauste, daß er kaum auf den Füßen stehen konnte. Die Häuser und die Bäume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsenstücke rollten in die See, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und oben hatten sie alle eine weiße Schaumkrone. Da schrie er, und er konnte sein eigenes Wort nicht hören:
"Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
mine Fru, de Ilsebill,
will nich so, as ik wol will."

"Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte er, "sie will werden wie der liebe Gott." "Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte."

Da sitzen sie noch bis auf den heutigen Tag.
Alles begann mit einem Tod


Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#8
07.11.2006, 17:48
Ich habe bereits alles was ich brauche um zufrieden zu sein. Die verbleibenden Ziele sind Launen und Interessen - ich mache das was mich grad interessiert und fasziniert. Derzeit mag es mich interessieren, bestimmte Leute weiterzubilden und ihnen einen Treffpunkt zu ermoeglichen. In einigen Jahren mag es dann was ganz andres sein. Gibt zuviele Sachen die mich interessieren.

Ich brauche kein "grosses Ziel", denn mir ist nicht langweilig und ich habe keine grossen Mängel.

- Lyx
Ich bremse nicht für doofe Menschen.
Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#9
07.11.2006, 19:42
hi nonius..
ich würde wohl gerne antworten mit: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mu_%28Philosophie%29">mu</a>

aber um das genauer zu erklären:
ich glaube, die frage ist falsch gestellt. zumindest für mich und manch andere. doch ich denke, sogar im allgemeinen ist sie falsch.
denn ich finde es schwierig, einen höchsten wunsch herauskristallisieren zu können. wünsche beziehen sich ja auf einzelne zustände, die erfüllt sein sollen (meist in der zukunft) - aber auch nicht erfüllt sein können(meist gegenwart). das heisst, es bezieht sich immer auf etwas endliches, auf etwas nicht absolutes. die möglichkeit der negation des erwünschten besteht. endliche dinge können aber niemals das höchste sein, da sie eben immer auch relative dinge sind. also gibt es keinen höchsten wunsch, sondern immer nur relativ hohe wünsche (in relation zu anderen wünschen). und man kann sich immer noch höhere wünsche erdenken. (siehe dons beitrag)

kommt nun aber einer daher und beginnt auf einmal mit romantik, sagt also sowas wie: die ewigkeit, die unendlichkeit etc. sei der höchste wunsch (ich dachte nämlich einige zeit, dass das meine höchste sehnsucht darstellte), dann stellt sich die frage: wie kann denn etwas ohne ende - und damit auch ohne anfang - ein wunsch sein? wie kann "etwas" absolutes zu irgend einem zeitpunkt unerfüllt sein? man stelle sich vor - ein absoluter zustand (der auch zeitlos sein muss) finde zu einem gewissen zeitabschnitt statt.. -> diese romantische behaupung ist also doch irgendwo unfug bigwink
und was folgt daraus? dass es absolutes als wunsch nicht geben kann. - absolutes selbst gibt es entweder überhaupt garnicht nie.. oder es ist schon immer da - dann kann es aber nicht als wunsch formuliert werden, da es niemals abwesend ist, war, oder sein wird.
wozu also um etwas bangen, das sowieso niemals eintreten kann, weil es entweder niemals existent sein kann oder aber niemals nicht-existent sein kann?

setzen wir hiermit nun also, dass wünsche nur relativ sind, und sich nur auf endliche und relative dinge beziehen, dann folgere ich daraus noch: wünsche betreffen immer dinge, die nicht absolut wesentlich sind. d.h. sie sind unwichtig in einem gewissen ("absoluten") sinne. - das gilt im übrigen für alles im leben..

viel gerede, wenig sinn:
ich habe wünsche, ja. aber sie sind (in einem gewissen sinne) belanglos.. sie zählen jetzt und hier, aber ansonsten nicht. es ist dabei auch völlig egal, ob sie erfüllt werden oder nicht. das allerwichtigste (wenn man sagen kann, das wichtigste würde in einem gewissen sinne sein), kann niemals angetastet werden.. es ist einfach perfekt..
(im ürbigen hab ich auch schon ziemliche sehnsüchte, jedoch mag ich das hier grad nich alles ausführen, ausserdem wollt ich darauf hinweisen, dass es falsch ist was du sagtest: nicht jeder mensch hat einen großen traum, eine arge sehnsucht etc.. - nicht zwingend)

bitte, niemand mir jetzt den nihilismus oder pessimismus oder sowas unterstellen.. : wenn etwas keinen absoluten sinn hat, sondern nur einen konstruierten, dann ist diese tatsache völlig belanglos (auch sinnlos) - es hat keine auswirkung auf das leben, dies zu erkennen (zumindest nicht zwingend). wichtigkeit selbst ist nicht wichtig. jetzt und hier zählt wie gesagt das, was jetzt und hier ist. ohne besonderen grund!
Bin nicht mehr hier, aber noch erreichbar.
Bitte keine coronaleugner
Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#10
07.11.2006, 21:19

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen... nun da das geklärt ist können wir uns ja wieder auf die banalen, endlichen, vergänglichen, romantischen und von Egoismus geprägten Wünsche oder meinetwegen auch erwünschten Zustände konzentrieren.

Wie wäre es zum Beispiel so zum Anfang mit der Möglichkeit für ein würdiges, selbstbestimmtes Leben für alle Lebewesen auf der Welt?
(...wobei das wohl schon eher in Richtung Utopie geht)

Hm... zu dem ganzen Thema fällt mir doch glatt ein nicht ganz übler Satz ein, den mir irgendjemand irgendwann mal so ähnlich zugetragen hat:
Die einzige Möglichkeit, einen Traum in seiner vollendeten Schöheit zu bewahren, ist: ihn niemals zu verwirklichen.


Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#11
07.11.2006, 23:40
Huhu Nonius,

Zunächst einmal hast du einen sehr schönen Traum. Hat mir Freude bereitet das zu lesen. :-)

Ich finde zudem das es durchaus möglich ist einen höchsten Traum, eine höchste Sehnsucht, ... zu haben, was mich natürlich zu Don Rinatos und Spells Beiträgen führt.
Don Rinatos impliziert mit "seiner" geschichte, dass kein wunsch der höchste sein kann.

Warum sollte man denn nicht mit etwas bestimmtem zufrieden sein können.
Eine Situation, die ganz subjektiv für einen perfekt ist, bedarf keiner verbesserung, keiner neuen wünsche.

Nonius beschreibt sozusagen sein Ziel im Leben, sein Wunsch eben.
Ist es da allgemein falsch ein Sinn im Leben zu haben, oder zumindest danach zu streben?
Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#12
29.11.2006, 16:22
Erstmal: Toller Thread!

Lieber Nonius, dein Post und dein Traum find ich eine wunderbare Vision/ Sehnsucht.
Mein Traum ist es Musik zu machen. Und irgendwie bin ich schon mittendrin.
Obwohl ich dachte es fehlt noch so viel, an meiner Klavierspieltechnik, an meinem Musiktheorieverständnis...
Doch irgendwie ist es passiert, daß ich nun schon nächsten Montag zum bereits zweiten Mal bei einer Jamsession mitmache.
Das ist mein Traum. Er wird gerade Wirklichkeit. Nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe, sondern noch etwas "realer", härter, wie soll ich sagen? Hm, so irgendwie: "Jetzt kommts drauf an..." ...auf was? Auf meinen Mut.

Ich hatte viele Rückschläge auf dem Weg bis hierher, und wahrscheinlich kommt noch einiges auf mich zu...
Das einzige was ich tun kann ist meinen Traum wahrzunehmen, mich klar zu fragen was ich klar will.
Mit meinem Studio siehts momentan nicht so rosig aus, denn mein Recording Computer ist nach dem aufstellen meiner 2 tollen Röhrenmikrophone in den "Beleidigt"-Modus gegangen und akzeptiert die neue Soundkarte nicht. Auch die Grafikkarte ist ohne mein Einverständnis in Rente gegangen.

Muss also ein neuer Computer her. Kommt eh bald, aber warum ich das alles erwähne...

All meine Rückschläge, hab ich das Gefühl, focussieren mich, fordern mich auf, durch die erzwungene Pause in meinem vertieften Tun, mich zu fragen: "Was will ich wirklich?", und führen mich so wiederum zu meinem Traum...

Krankhaft optimistisch? Hm, vieleicht meine einzige, wirkliche Möglichkeit...

Lg
Shadowfall/Tahiat
Life is a game. PLAY!
(zitat vom lokal donau, an der pisswand)
Zitieren
Re: Was ersehnst, erträumst du dir über allem Anderen?
#13
09.04.2007, 16:17
Ich bin eine kleine Spinnerin, ich wünsche mir seit langem, den unmöglich fantastisch und perfekten männlichen Kumpanen aus meinen zahlreichen selbstverfassten Stories zu treffen...

da hab ich als erstes dran gedacht, als ich von der Möglichkeit in Träumen alles zu tun, was man sich wünscht, erfahren habe.
Meint ihr man kann einen Menschen treffen, den es nciht gibt und mit ihm reden und vernünftige antworten kriegen? (Im KT, mein ich)
Zitieren

Möglicherweise verwandte Themen…
Thema Verfasser Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Nahtoderfahrungen - Die etwas anderen Träume? brainy 24 18.499 09.09.2013, 16:59
Letzter Beitrag: ricky_ho
Gehe zu:
Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 2 Gast/Gäste

Kontakt | Klartraumforum | Nach oben | Alle Foren als gelesen markieren | Archiv-Modus | RSS-Synchronisation | Impressum | Datenschutz
Forenstyle: