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Die Unendliche Geschichte» Umgang mit Phantasien

Die Unendliche Geschichte
#1
08.11.2023, 02:51 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.11.2023, 07:28 von ichbinmehr.)
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Die Unendliche Geschichte - Umgang mit Phantasien

Ich habe letzte Woche zum ersten Mal „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende als Hörbuch angefangen - bisher kannte ich nur den Film. Ich wusste ja gar nicht, dass das Buch soo viel mehr ist, als der Film und so viel mehr als eine Kindergeschichte!

Das Buch passt gerade hervorragend zu meiner inneren Auseinandersetzungen zwischen der Non-Existenz und dem Träumer der ich bin. Die Geschichte spiegelt die schweren Verlustgefühle der verlorenen Gebiete meines Lebens wieder, die vom Nichts ausgelöscht wurden um den Palast der kindlichen Kaiserin zu finden.


Zitat:»Mein Heimatland«, begann das Irrlicht nach kurzem Bedenken, »liegt ziemlich weit von hier – ich weiß nicht, ob einer der Anwesenden es kennt. Es heißt das Moder-Moor.« »Huuu!«, seufzte der Nachtalb entzückt. »Eine wunderschöne Gegend!« Das Irrlicht lächelte schwach. »Ja, nicht wahr?« »Ist das schon alles?«, knarrte Pjörnrachzarck. »Warum bist du unterwegs, Blubb?« »Bei uns im Moder-Moor«, fuhr das Irrlicht stockend fort, »ist etwas geschehen – etwas Unbegreifliches – das heißt, es geschieht eigentlich immer noch – es ist schwer zu beschreiben – es begann damit, dass – also im Osten unseres Landes gibt es einen See – oder vielmehr, es gab ihn – er hieß Brodelbrüh. Und es begann also damit, dass der See Brodelbrüh eines Tages nicht mehr da war – einfach weg, versteht ihr?« »Wollen Sie sagen«, erkundigte sich Ückück, »er sei ausgetrocknet?« »Nein«, versetzte das Irrlicht, »dann wäre eben dort jetzt ein ausgetrockneter See. Aber das ist nicht der Fall. Dort, wo der See war, ist jetzt gar nichts mehr – einfach gar nichts, versteht ihr?« »Ein Loch?«, grunzte der Felsenbeißer. »Nein, auch kein Loch«, – das Irrlicht wirkte zusehends hilfloser –, »ein Loch ist ja irgendetwas. Aber dort ist nichts.« Die drei anderen Boten wechselten Blicke miteinander. »Wie sieht denn das aus – huhu –, dieses Nichts?«, fragte der Nachtalb. »Das ist es ja gerade, was so schwer zu beschreiben ist«, versicherte das Irrlicht unglücklich. »Es sieht eigentlich gar nicht aus. Es ist – es ist wie – ach, es gibt kein Wort dafür!« »Es ist«, fiel der Winzling ein, »als ob man blind wäre, wenn man auf die Stelle schaut, nicht wahr?« Das Irrlicht starrte ihn mit offenem Mund an. »Das ist der richtige Ausdruck!«, rief es. »Aber woher – ich meine, wieso – oder kennt ihr auch dieses –?« »Augenblick!«, knarrte der Felsenbeißer dazwischen. »Ist es bei der einen Stelle geblieben, sag?« »Zunächst ja«, erklärte das Irrlicht, »das heißt, die Stelle wurde nach und nach immer größer. Irgendwie fehlte immer mehr von der Gegend. Die Ur-Unke Umpf, die mit ihrem Volk im Brodelbrüh-See lebte, war dann auch plötzlich einfach weg. Andere Einwohner begannen zu fliehen. Aber nach und nach fing es auch an anderen Stellen im Moder-Moor an. Manchmal war es anfangs nur ganz klein, ein Nichts, so groß wie ein Sumpfhuhn-Ei. Aber diese Stellen machten sich breit. Wenn jemand aus Versehen mit dem Fuß hineintrat, dann war auch der Fuß weg – oder die Hand – oder was eben sonst hineingeraten war. Es tut übrigens nicht weh – nur dass dem Betreffenden dann eben plötzlich ein Stück fehlt. Manche haben sich sogar absichtlich hineinfallen lassen, wenn sie dem Nichts zu nahe gekommen sind. Es übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, die umso stärker wird, je größer die Stelle ist.

Dieses Buch spiegelt mit dem ouroboros-artigen Symbol der kindlichen Kaiserin, genannt Auryn, die Vereinigung der Gegensätze im Herzen. Dieses Symbol zeigt die beiden Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen und somit die Einheit der scheinbaren Gegensätze darstellen. Auryn verweist auf die magische Kraft des Herzens. Ich versuche immer noch zu verstehen, wie ich diese Kraft nutzen kann/soll, und ob es überhaupt möglich ist, sie zu beherrschen. Einige spirituelle Lehren betonen die Bedeutung des Loslassens und des Vertrauens in der inneren Führung, während andere auf die Entwicklung von Selbstkontrolle und Bewusstsein hinweisen.

Zitat:Die Kindliche Kaiserin galt zwar – wie ihr Titel ja schon sagt – als die Herrscherin über all die unzähligen Länder des grenzenlosen phantásischen Reiches, aber sie war in Wirklichkeit viel mehr als eine Herrscherin, oder besser gesagt, sie war etwas ganz anderes. Sie herrschte nicht, sie hatte niemals Gewalt angewendet oder von ihrer Macht Gebrauch gemacht, sie befahl nichts und richtete niemanden, sie griff niemals ein und musste sich niemals gegen einen Angreifer zur Wehr setzen, denn niemandem wäre es eingefallen, sich gegen sie zu erheben oder ihr etwas anzutun. Vor ihr galten alle gleich. Sie war nur da, aber sie war auf eine besondere Art da: Sie war der Mittelpunkt allen Lebens in Phantásien. Und jedes Geschöpf, ob gut oder böse, ob schön oder hässlich, lustig oder ernst, töricht oder weise, alle, alle waren nur da durch ihr Dasein. Ohne sie konnte nichts bestehen, so wenig ein menschlicher Körper bestehen könnte, der kein Herz mehr hat. Niemand konnte ihr Geheimnis ganz begreifen, aber alle wussten, dass es so war. Und so wurde sie von allen Geschöpfen dieses Reiches gleichermaßen respektiert und alle machten sich gleichermaßen Sorgen um ihr Leben. Denn ihr Tod wäre zugleich das Ende für sie alle gewesen, der Untergang des unermesslichen Reiches Phantásien.

Zitat:Atréju saß mit gesenktem Kopf und schwieg. Er verstand, dass ihm hier eine Prüfung auferlegt war, die weit, weit größer war als seine Jagd. Selbst für den größten Jäger und den besten Fährtenfinder war sie kaum zu bestehen, für ihn war sie zu schwer. »Nun?«, erkundigte sich der alte Zentaur leise. »Willst du?« Atréju hob den Kopf und schaute ihn an. »Ich will«, sagte er fest. Caíron nickte langsam, dann nahm er die Kette mit dem goldenen Amulett von seinem Hals und legte sie Atréju um. »AURYN gibt dir große Macht«, sagte er feierlich, »aber du darfst sie nicht benützen. Denn auch die Kindliche Kaiserin macht niemals Gebrauch von ihrer Macht. AURYN wird dich schützen und führen, aber du darfst niemals eingreifen, was auch immer du sehen wirst, denn deine eigene Meinung zählt von diesem Augenblick an nicht mehr. Darum musst du ohne Waffen ausziehen. Du musst geschehen lassen, was geschieht. Alles muss dir gleich gelten, das Böse und das Gute, das Schöne und das Hässliche, das Törichte und das Weise, so wie es vor der Kindlichen Kaiserin gleich gilt. Du darfst nur suchen und fragen, aber nicht urteilen nach deinem eigenen Urteil. Vergiss das niemals, Atréju!« »AURYN!«, wiederholte Atréju ehrfürchtig. »Ich will mich des Kleinods würdig erweisen. Wann soll ich aufbrechen?« »Jetzt sofort«, antwortete Caíron. »Niemand weiß, wie lang deine Große Suche dauern wird. Es ist möglich, dass es schon jetzt um jede Stunde geht. Verabschiede dich von deinen Eltern und Geschwistern!« »Ich habe keine«, erwiderte Atréju. »Meine Eltern wurden beide vom Büffel getötet, kurz nachdem ich zur Welt kam.« »Wer hat dich aufgezogen?« »Alle Frauen und alle Männer gemeinsam. Darum nannten sie mich Atréju, das heißt in den Worten der Großen Sprache: ›Der Sohn aller‹.« Niemand konnte besser verstehen, was das bedeutete, als Bastian. Obwohl sein Vater ja immerhin noch am Leben war. Und Atréju hatte weder Vater noch Mutter. Dafür war Atréju aber von allen Männern und Frauen gemeinsam aufgezogen worden und war »der Sohn aller«, während er, Bastian, im Grunde gar niemanden hatte – ja, er war »der Sohn niemands«. Trotzdem freute Bastian sich darüber, dass er auf diese Weise etwas mit Atréju gemeinsam hatte, denn sonst hatte er ja leider keine große Ähnlichkeit mit ihm, weder was dessen Mut und Entschlossenheit noch was seine Gestalt betraf. Und doch war auch er, Bastian, auf einer Großen Suche, von der er nicht wusste, wohin sie ihn führen und wie sie enden würde.

Die Geschichte spiegelt den ver-rückten Zustand, der Traumrealität und Wachwelt miteinander verbindet und das gewöhnliche Realitätsempfinden crashen lässt. Ich frage mich, wer außer mir kann diesen magischen Moment, wo Bastian mit der Traumwelt des Buches verschmilz, und wo der Leser mit dem Sein verschmilz, wahrnehmen? Genau das ist der Moment, indem die alte kontante Realität zusammen bricht.

So viele Menschen kennen dieses Buch, aber wer kennt diesen magischen Moment aus eigener Erfahrung? Ich glaube dass können nur diejenigen Menschen verstehen, die Aurin im Herzen tragen. Versteht das jemand hier? Versteht jemand welchen Moment ich meine? Ich wünsche mir einen Freund der das versteht. Den Moment wo du dich als Gott in deiner Traumwelt erkennst, das aber aus deiner Perspektive als Mensch betrachtest und du wieder denkst, das kann einfach nicht sein, dass das überhaupt möglich ist und dass du das sein sollst. Das ist der totale Selbstbildcrash.


Zitat:»Verstehst du nun, Atréju«, fragte die Kindliche Kaiserin, »warum ich dir so viel auferlegen musste? Nur durch eine lange Geschichte voller Abenteuer, Wunder und Gefahren konntest du unseren Retter zu mir führen. Und das war deine Geschichte.« Atréju saß in tiefes Nachdenken versunken. Endlich nickte er. »Ich verstehe nun, Goldäugige Gebieterin der Wünsche. Ich danke dir dafür, dass du mich erwählt hast. Verzeih mir meinen Zorn.« »Du konntest das alles nicht wissen«, antwortete sie sanft, »und auch das war notwendig.« Atréju nickte wieder.

Nach einem kleinen Schweigen sagte er: »Aber ich bin sehr müde.« »Du hast genug getan, Atréju«, erwiderte sie, »möchtest du ausruhen?« »Noch nicht. Erst möchte ich noch das gute Ende meiner Geschichte erleben. Wenn es so ist, wie du sagst, und wenn ich meinen Auftrag erfüllt habe – warum ist der Retter dann noch immer nicht hier? Worauf wartet er noch?« »Ja«, meinte die Kindliche Kaiserin leise, »worauf wartet er noch?«

Bastian fühlte, wie seine Hände vor Aufregung feucht wurden. »Ich kann doch nicht«, sagte er, »ich weiß ja gar nicht, was ich tun muss. Und vielleicht ist der Name, der mir eingefallen ist, auch gar nicht der richtige.«

»Darf ich dich noch etwas fragen?«, nahm Atréju das Gespräch wieder auf. Sie nickte lächelnd. »Warum kannst du nur gesund werden, wenn du einen neuen Namen bekommst?« »Nur der richtige Name gibt allen Wesen und Dingen ihre Wirklichkeit«, sagte sie. »Der falsche Name macht alles unwirklich. Das ist es, was die Lüge tut.« »Vielleicht weiß der Retter den richtigen Namen noch nicht, den er dir geben soll.« »Doch«, antwortete sie, »er weiß ihn.« Wieder saßen beide schweigend.

»Ja«, sagte Bastian, »ich weiß ihn. Ich hab ihn gleich gewusst, als ich dich gesehen habe. Aber ich weiß nicht, was ich jetzt tun muss.

« Atréju blickte auf. »Vielleicht möchte er kommen und weiß nur nicht, wie er es anstellen soll.« »Er braucht nichts zu tun«, antwortete die Kindliche Kaiserin, »als mich bei meinem neuen Namen zu rufen, den nur er weiß. Das würde schon genügen.«

Bastians Herz begann wild zu klopfen. Sollte er es einfach ausprobieren? Aber wenn es dann nicht gelang? Wenn er sich überhaupt täuschte? Wenn die beiden gar nicht von ihm redeten, sondern von einem ganz anderen Retter? Woher wollte er denn wissen, ob sie wirklich ihn meinten?

»Ich frage mich«, begann Atréju schließlich von Neuem, »ob es möglich ist, dass er noch immer nicht versteht, dass er und kein anderer gemeint ist?« »Nein«, sagte die Kindliche Kaiserin, »so töricht kann er nicht sein nach allen Zeichen, die er empfangen hat.«

»Ich probier’s einfach aus!«, sagte Bastian. Aber er brachte das Wort nicht über die Lippen. Was, wenn es tatsächlich gelang? Dann würde er irgendwie nach Phantásien kommen. Aber wie? Vielleicht musste er auch eine Verwandlung über sich ergehen lassen. Was würde dann aus ihm werden? Vielleicht tat es weh oder er würde ohnmächtig? Und wollte er denn überhaupt nach Phantásien? Er wollte zu Atréju und der Kindlichen Kaiserin, aber er wollte durchaus nicht zu all diesen Ungeheuern, von denen es da wimmelte.

»Vielleicht«, meinte Atréju, »mangelt es ihm an Mut?« »Mut?«, fragte die Kindliche Kaiserin. »Kostet es denn Mut, meinen Namen auszusprechen?« »Dann«, sagte Atréju, »weiß ich nur noch einen Grund, der ihn zurückhalten könnte.« »Welchen?« Atréju zögerte, ehe er ihn aussprach: »Er will ganz einfach nicht. Es liegt ihm nichts an dir und an Phantásien. Wir sind ihm gleichgültig.« Die Kindliche Kaiserin blickte Atréju groß
an.

»Nein! Nein!«, rief Bastian. »Das dürft ihr nicht glauben! Das ist es bestimmt nicht! Ach bitte, bitte, denkt nicht so was von mir! Hört ihr mich nicht? So ist es nicht, Atréju!«

»Er hat mir versprochen zu kommen«, sagte die Kindliche Kaiserin, »ich habe es in seinen Augen gelesen.«

»Ja, das ist wahr«, rief Bastian, »und ich komm auch gleich, ich muss mir nur noch mal alles gründlich überlegen. Es ist nicht so einfach.«

Atréju senkte den Kopf, wieder warteten beide schweigend lange Zeit. Aber der Retter erschien nicht und nicht das kleinste Anzeichen deutete darauf hin, dass er sich ihnen wenigstens bemerkbar zu machen versuchte.

Bastian stellte sich vor, wie es wäre, wenn er plötzlich vor ihnen stünde – in all seiner Dickheit, mit seinen X-Beinen und seinem käsigen Gesicht. Er konnte förmlich die Enttäuschung im Gesicht der Kindlichen Kaiserin sehen, wenn sie zu ihm sagen würde: »Was willst du denn hier?« Und Atréju würde vielleicht sogar lachen. Bei dieser Vorstellung schoss Bastian die Schamröte ins Gesicht. Natürlich, sie erwarteten irgendeinen Helden, einen Prinzen oder so was.

Auch mir mangelt es oft an Mut, als auch an Verständnis dessen, wie ich überhaupt damit umgehen soll? Ich wünsche mir einen Freund, der diesen Bewusstseinszustand selbst kennt und erfährt und mir einen weisen Rat geben kann, in wie fern ich diese Kraft einsetzten soll und wofür überhaupt? Ich wünsche mir einen Zaubererlehrer und ich habe jetzt erkannt, warum Castaneda und Co nicht auf meiner "Wellenlänge" liegen, denn ich brauche wohl jemanden wie mich, einen kindlichen Zauberer, der das Herz als Zentrum seiner magischen Wahrnehmung betrachtet.




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RE: Die Unendliche Geschichte
#2
09.11.2023, 06:38
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Je Tiefer Du im Träumen bist, desto mehr "vergisst" Du von der wachen Welt. Je tiefer Du in der wachen Welt bist, desto mehr frisst das Nichts die Traumerinnerung auf. AURYN ist die Brücke zwischen den Welten, erlaubt es, das Wachbewusstsein in den Traum mitzunehmen wie eine Taschenlampe und die Inhalte des Träumens in die wache Welt wie eine Kamera. Wie alles in den Büchern Endes beschreibt es mentale Konstruktionen. Die Stundenblume in Momo erfüllt eine ähnliche Aufgabe. Es geht darum, den Mind zu hacken.
Dass ein (Klar-)Traum nicht dadurch kaputt geht, dass wir mit der Klarheit auch unser waches Ego mitbringen.

Ende war Klarträumer, hoher Meister verschiedenster Künste (dass auf AURYN "Tu, was Du willst" graviert ist, zeigt Dir, welche) und wenn Du es noch nicht gemacht hast, nimm Dir ein paar Stundenblumen Zeit und lies aufmerksam sein "Momo" - er hat vieles verstanden und versteckt den Zugang zu Antworten auf viele unserer Fragen ganz offen mitten in unserem Blickfeld.

Ich verstehe, was Du sagen willst, was Du suchst. Was Du brauchst, ist nichts im Außen, keinen Lehrer. Herz und Mind sind das gleiche Ding, wenn es um spirituelle Praxis geht. Zwei Seiten der Medaille, die Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen. Stell nicht Herz über Mind oder Mind über Herz. Was Du brauchst, ist eine Praxis, die es Dir ermöglicht, alle Ausreden sein zu lassen und loszugehen big
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RE: Die Unendliche Geschichte
#3
14.11.2023, 17:35 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.11.2023, 04:05 von ichbinmehr.)
Lieber Raipat,

ich danke dir sehr für deine Antwort und die Zeit, die du dir genommen hast, um meine Gedanken und Gefühle zu verstehen. Du fragst, warum ich das Bedürfnis nach Begleitung und Unterstützung habe, während ich mich in diesem Zustand befinde. Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass meine Bedürfnisse in der Vergangenheit nicht erfüllt wurden. Ich suche spezielle Beziehungserfahrungen, die mir bisher fehlten. Ich kann die Konsequenzen meiner Handlungen aus meinem bisherigen Sichtbereich nicht abschätzen und wünsche mir eine weise und allwissende Instanz die mich berät.

Seit fast sieben Jahren erlebe ich diese Zustände der erweiterten Wahrnehmung, aber ich habe Schwierigkeiten, meine Realität bewusst zu gestalten und zu steuern. Obwohl ich Fortschritte bei meiner Persönlichkeitsstabilität und -Flexibilität gemacht habe, fühle ich mich immer noch ratlos, insbesondere wenn es um das bewusstes Erschaffen meiner Realität geht. Vielleicht gibt es Konflikte zwischen meinem Ego und meinem erleuchteten Selbst? Und wie löst man die?

In meiner Hilflosigkeit mit dieser Situation kehre ich oft in mein Ego zurück und tue so, als wäre alles wie früher. Ich pendele zwischen diesen beiden Zuständen hin und her und stehe immer wieder vor einer scheinbar undurchdringlichen Wand aus Möglichkeiten, die ich nutzen möchte, während sie mich gleichzeitig überfordern. Ich habe es bisher nicht geschafft, diese Wand alleine zu überwinden oder zu durchdringen.

Aus diesem Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit heraus, kehre ich oft in mein gewohntes Ego zurück, um mich vor weiterer Überforderung zu schützen und tue so als ob, die Welt noch konstant und fest wäre und ich nicht ihr Schöpfer.

Ich sehne mich nach einer Art Anleitung oder einem Konzept, das mir helfen kann, diese Zustände besser zu verstehen und anzugehen, da ich am besten durch abstraktes Verstehen lernen kann.

In diesen Zuständen fühle ich mich nicht leer, dafür jedoch Einsam und mein Ego ist immer noch präsent. Die Welt um mich herum jedoch, nehme ich als meinen Traum war oder eben als leer, aber mein eigenes Ich bleibt bestehen, mit all seinen Ängsten, Bedürfnissen und Einschränkungen.

Die Welt ist mein Traum. Unser Gespräch hier, empfinde ich als Selbstgespräch mit meinem inneren Macher (den du repräsentierst / mir spiegelst), der in mir jedoch verhindert ist. In dir lebt er. In mir konnte der nie leben. Selbstwirksamkeit gehört nicht zu meinen Stärken. Das Abstrakte ist meine Stärke.

Wenn ich mit dir rede, dann kann ich dich als meine Traumfigur oder als meinen Schattenspiegel sehen. Aber mich sehe ich als konstante Ich Erfahrung. Warum erfahre ich dass so? Ich erlebe die Erleuchtung aus der Perspektive des kleinen Ichs, im Gegensatz zu Menschen, die das Ego in diesem Zustand ganz loslassen können.

In meiner Kindheit war ich oft alleine und musste viele Situationen alleine meistern, was sehr schmerzhaft und Angsterfüllt für mich war. Vielleicht erlebe ich dieses Trauma in meiner Suche nach einer Begleitung bis hin zu einem Zustand des „Gottseins“?

Es könnte auch sein, dass ich noch nicht bereit für den nächsten Schritt bin und zu ungeduldig bin, weil ich glaube, dass ich durch die offene Tür gehen sollte. Vielleicht ist es sogar falsch zu denken, dass ich etwas tun muss? Es gibt so viele Fragen und Unsicherheiten in meinem Inneren, und bisher habe ich keine zufriedenstellenden Antworten gefunden.

Ich wünsche mir eine Anleitung oder einen Wegbegleiter, der mir hilft, mich diesen Zuständen auf eine Weise zu nähern, die meinem abstrakten Lernstil entspricht und meine Einschränkungen anerkennt.

Mein Problem ist nicht die Türe zu öffnen. Deshalb glaube ich auch nicht, dass eine Meditationspraxis die Lösung für mich ist. Denn die Türe ist ja bereits seit langer Zeit offen. Es geht viel mehr um vertrauen.

Mein Problem ist durch die Türe hindurch zu gehen. Ich weiß einfach nicht wie man hindurch geht. Das gehen hat mich nie jemand gelehrt. Ich weiß wie man schaut, wie man wahrnimmt, wie man seinen Geist erweitert, wie man seine Glaubenssätze modifiziert, bis da nur noch Leere ist, bis jeglicher Sinn abhanden kommt, bis ich in einem leeren Raum von Möglichkeiten stehe, indem ich Gott bin -  das alles bekomme ich hin. Aber ich habe keine Ahnung wie man geht.

Das habe ich nie gelernt, schon im Kleinen nicht. Kennst du den Spruch, wie im Kleinen so im Großen? Wie oben so unten? Wenn ein Mensch bestimmte Programme nicht erhalten hat, und sie nicht im Kleinen beherrscht, dann kann er sie auch nicht im Großen abrufen. Wer im Kleinen kein Macher ist, der ist auch kein Macher im Großen. Ich bin ein Versteher im kleinen und vielleicht auch im Großen und bisher kann ich diese Prägung nicht loslassen. Vielleicht ist ein Versteher in deiner Sprache so etwas wie ein Seher. Aber ich komme eben durch Verstehen in diesen Modus. 

Es könnte sein, dass die Tür nur von innen geöffnet werden kann, ohne Klinke oder Griff, den mein Ego von Außen nutzen könnte. Wie im Roman der Spiegel im Spiegel. Die Türe geht nur von Innen auf.

Es scheint, als ob es einen Zeitpunkt geben wird, an dem der Weg von selbst klar wird, und vielleicht ist alles Bemühen um ein durchschreiten der Ebenen sinnlos. Das ist vielleicht der Grund, warum ich dieses Selbstgespräch mit dir/mir führe, weil ich, als (verhinderter) Macher, vielleicht gar nicht versuchen muss, durch die Tür zu gehen. Aber scheinbar ist das noch meine Vorstellung.

Ich denke es wird von selbst geschehen. Deine Worte und Perspektive haben mir geholfen, zu erkennen, dass das Mühen, durch die Tür zu gehen, möglicherweise der Fehler ist. Jedenfalls hat dieses Gespräch mir geholfen, diese Erkenntnis zu gewinnen und ich danke dir dafür.

Es ist für mich nicht wichtig, ob wir einer Meinung sind; Es ist mir wichtig, miteinander zu sprechen. Das ist oft der Moment, in dem Erkenntnisse beginnen zu fließen, wenn ich mit anderen Menschen spreche oder schreibe. Wenn ich jedoch alleine mit einem Thema bin, verliere ich den Kontakt zu meinem inneren Wissen. Mein inneres Wissen beginnt wieder zu sprudeln, wenn ich jemanden finde, der mir zuhört oder mir seine Perspektive mitteilt.

Es ist nicht einfach für mich, alleine mit diesen Themen umzugehen, da kaum jemand meine Erfahrungen versteht. Deshalb war es sehr hilfreich fürmich, dass du gesagt hast, du glaubst du verstehst was ich meine. Ich habe viele Erkenntnisse, wenn ich mit anderen Menschen spreche, aber alleine verliere ich oft den Zugang zu meinem inneren Wissen. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber das ist meine Erfahrung.

Bestimmt hat das mit meinem Trauma zu tun (im kleinen - wie im Großen) und eben damit, dass ich mit meinen Sorgen als Kind so alleine war. Ich bin sehr dankbar, dass du hier bist und mir zugehört hast, denn deine Anwesenheit hat mir geholfen, meine eigenen Antworten in mir zu finden.

Du erwähnst auch, dass je tiefer ich in die Traumwelt eintauche, desto mehr vergesse ich von der wachen Welt. Und je tiefer ich in der wachen Welt bin, desto mehr frisst das Nichts meine Träume auf. Bei mir ist es so, dass das Nichts nicht meine Erinnerungen frisst, sondern mein weltliches Leben und meine weltlichen Ziele und Beziehungen regelrecht zerstört und auslöscht.

Kürzlich war ich sehr tief in meiner spirituellen Suche vertieft und habe einen Moment mit meinem Freund verpasst, der mich brauchte. Er wurde am Tag darauf krank, und ich habe mich schuldig gefühlt, dass ich nicht für ihn da war. Ich war an dem Tag so vertieft in die Suche, dass ich keine Zeit für ihn hatte. Einen weiten Tag später ging es ihm richtig schlecht, er bekam hohes Fieber und dann ist er plötzlich bewusstlos geworden. Ich habe ihn bewusstlos im Bad auf dem Fußboden gefunden. Als ich ihn weckte, ist er erneut ohnmächtig geworden. Er hat die Augen nach hinten verdreht, hat gekrampft, ist ganz gelb geworden und für eine Sekunde hatte ich die Empfindung, dass er tot ist.

Weißt du ich könnte jetzt eine ganz normale Story von unserer Corona Infektion erzählen, aber ich weiß was ich zwischen den Zeilen wahrgenommen habe und warum es passiert ist, weil ich sehr tief in meiner Suche war und alles um mich herum vergessen hatte. Das war ein Horror Moment für mich ihn so zu sehen und ich glaube dass war eine Botschaft und ein Weckruf, dass ich sehr gut überlegen sollte, in wie fern ich immer tiefer in dieses Nichts hinein gehe, denn dadurch löst sich immer mehr meiner weltlichen Erfahrung auf.

Weißt du ich habe schon sehr viel verloren. Meine Familie. Meine Freunde. Meine Arbeit. Meine Gesundheit. Mein ganzes alten Leben ist ausgelöscht worden, als ich begann nach Erleuchtung zu suchen. Da mein altes Leben zum Teil auch sehr leidvoll war und es da dringend eine Veränderung brauchte, kann ich das akzeptieren. Es wurde das zerstört, was ich nicht imstande war zu verändern. Das Einzige was mir geblieben ist, ist Frank und ein besseres Leben in Sicherheit. Ihn möchte ich nicht verlieren. Meine weltlichen Verluste hatten alle mit meinem spirituellen Erwachen zu tun. Es war wie in der Unendlichen Geschichte, wo alles von dem Nichts ausgelöscht wurde.

Es gibt für mich Grenzen. Mein Freund ist so eine Grenze, die ich nicht überschreiten will, denn er ist jemand der mir gut tut. Es gibt Dinge, die ich bewahren und beschützen möchte, weil sie mir viel bedeuten. Ich habe als mein Freund wie tot vor mir war, die Entscheidung getroffen, dass sich ihn liebe und brauche und im Zweifelsfall nicht durch diese Türe gehen werde und mit ihm hier bleiben. Ich habe dann den Rettungswagen gerufen und gebetet, dass er mir zurück gegeben wird. Nachdem ich diese Worte und die ganz bewusste Entscheidung vor meinem magischen Altar ausgesprochen habe, hat er aus dem Krankenhaus angerufen, dass er nach Hause darf und dafür habe ich versprochen diese Grenze zu wahren.

Ich fühle mich gespalten. Denn auf der einen Seite trage ich die Sehnsucht in mir, durch diese offene Türe zu gehen, hinein in den grenzenlosen Möglichkeitsraum. Auf der Anderen Seite, gibt es Dinge in dieser Welt, die ich bewahren möchte. Ich habe mich für die Liebe entscheiden.

Ich weiß dass sich ihn getötet und wieder lebendig gemacht habe. Es gibt gute Gründe dafür, dass ich Angst empfinde hier weiter zu gehen. Verstehst du? Ich bin nich bereit mein Leben vollständig loszulassen. Es gibt zu viele Dinge, die ich hier liebe, schätze und die ich bewahren möchte. Durch diese Türe zu gehen würde eine Konsequenz haben, die ich nicht bereit bin ienzugehen.

Gleichzeitig habe ich gar keinen anderen Lebensinhalt mehr, als mein Bewusstsein zu erfoschen. Denn alles andere wurde mir ja schon genommen. Vielleicht besteht der Kompromiss zur Zeit daraus, vor dieser Türe auf und ab zu gehen und darüber zu philosophieren was alles möglich ist. Es werden andere Zeiten kommen, in denen mich hier vielleicht nichts mehr halten wird, aber ich möchte zuvor mit Frank noch alt werden.

Mein Freund hat auch in der Vergangenheit immer wieder die Funktion für mich gehabt, dass er mich auf meinem spirituellen Weg geerdet hat. Damals 2016 hat er mich aus dem Zustand der Erleuchtung rausgeholt und zurück auf die Erde gebracht.

Im Nachhinein, war es richtig. Ich hätte viele Perspektiven nicht erkannt. Er ist auch immer wieder wie aus den Nichts aufgetaucht, als ich psychotisch mitten im Wald stand und sich irgendwelche Wesen hinter mir manifestiert hatten. Wie durch ein Wunder kam er plötzlich durch den Wald gelaufen und hat mich aus dieser Situation rausgeholt, geerdet und zurück in die alte Realität gebracht.

Erleuchtung besteht nicht nur einem besonderen Bewusstseinszustand, sondern auch aus der Integration verschiedener Bewusstseinsstufen. Das ist die Definition von Ken Wilber, der ich persönlich anhänge und so erfahre ich es auch in meiner Welt. Ich habe scheinbar die Aufgabe oder Berufung den Stufenweg der Persönlichkeitsentwicklung erstmal noch weiter zu gehen, anstatt mich verfrüht mit einem Ich-losen Zustand zu identifizieren.

Ohne Frank, der mich immer wieder geerdet hatte, auch deshalb weil ich mich damals in die Psychiatrie gebracht hatte und ich da wieder runter kommen musste, wäre ich mich einem erleuchteten Ich identifiziert. Franks Eingreifen in die Situation hat aus mir wieder eine Steffi gemacht.

Manchmal wenn ich andere erwachte Menschen sehe, die eben diese verfrühte Erleuchtung erfahren, ehe ihr Ich vollständig auf einer integralen Ebene ausgebildet ist, dann denke ich, dass ich Glück hatte, dass ich wieder auf die Erde hinabgestiegen bin, denn das wäre nicht mein Ziel gewesen.

Ich weiß nicht ob du das verstehen kannst. Es wird in der Wilber-Combs-Matrix erklärt. Hier ein kurzes Video: https://www.youtube.com/watch?v=lDhFks_W5FU.

In der Tiefe wird es in Ken Wilbers Buch "Integrale Spiritualität" erklärt, dass es diese Einheit aus Stufen und Zuständen gibt. Scheinbar bewegt sich meine Erfahrung derzeit hauptsächlich durch die Stufenerfahrung. Ich habe sehr viel Wissen über die Stufenerfahrung (weil es dafür viele gut struktuierte Konzepte gibt), aber wenig Wissen über die Zustandserfahrung (weil die Lehren dafür meist für ein anderes Mem konzipiert sind).

Die Sinnhaftigkeit dessen, dass ich es so erfahre, habe ich vor allem durch die integrale Sicht auf die Erleuchtung verstanden, dass es nicht nur um das Erreichen und Realisieren von Bewusstseinszuständen geht, sondern auch um das Erreichen und Realisieren von Bewusstseinsstufen.

Denn letztlich ist das Ich das Prisma durch das sich die Erfahrung von Erleuchtung dann wieder bricht und deshalb ist es eben auch wichtig ein durchscheinendes weit entwickeltes Ich zu haben. In den traditionellen Lehren wird dieser Aspekt fast nicht beachtet. Es ist eine sehr moderne / aktuelle Sicht auf die Erleuchtung, die in mir resoniert. 

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RE: Die Unendliche Geschichte
#4
14.11.2023, 17:35 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.11.2023, 04:30 von ichbinmehr.)
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Mein Gefühl bestimmte Erfahrungen noch zu vermissen, ist vielleicht auch kein Fehler, sondern mein Weg. Wenn ich sage, ich denke mir fehlt jemand ein Freund / ein Lehrer, dann weißt diese Empfindung ja auf das Fehlen so einer Erfahrung hin, durch jemand begleitet zu werden, wo ich mich mal fallen lassen kann. Das hatte ich nie. Ich musste schon als Kind die Verantwortung für meine Eltern übernehmen.

Vielleicht ist es aber essentiell wichtig für mich so eine Beziehungserfahrung noch zu machen. Ich vermute dass solange mich Frank immer noch auf die Erde zurück zieht, ich eben auch hier sein soll.

Diese Erfahrung mit Frank hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie weit ich in das Nichts eintauchen möchte, da es in meinem Leben bereits viele Verluste gegeben hat. Vielleicht geht es um eine Balance zwischen der weltlichen Erfahrung, Phantasien und dem Nichts?

Diese Not(wendigkeit), die ich immer wieder empfinde, weil meine Türe zum Möglichkeitsraum ja sperrangelweit offen ist, aber ich gleichzeitig es noch nicht schaffe, alleine hindurch zu gehen, ist vielleicht auch nur ein Ausdruck von Ungeduld und fehlendem Verständnis für das was ich hier erlebe.

Das ist zumindest die Antwort, die meine Innere Stimme mir gerade gibt. Meine innere Stimme sagt, dass es (noch) nicht Zeit für mich ist, durch die Türe hindurch zu gehen - Dass mir aber der Blick durch die Türe gewährt wird. Das sei ganz in meinem Sinne. Das sei die Art und Weise wie das Höhere Selbst, Steffis Versteher Bedürfnissen entgegenkommt. Also vielleicht ist alles bereits perfekt. Das einzige Problem ist, Steffi die immer denkt, sie genügt nicht. Und das ist die Antwort, die in meinem Herzen resoniert.

Der Weg des Magiers ist ja am Ende auch leer. Der Schöpfer ist leer. Manchmal wünsche ich mir, aber diese Erfahrung. Es ist sehr schwer zu akzeptieren, dass ich das alles angeblich nicht erfahren soll, weil die Erfahrung ausgelöscht wird, ehe ich dazu komme, die Erfahrung zumachen. Ich bin ein Meister der Zerstörung, aber sehr schlecht darin etwas beständiges aufzubauen.

Natürlich sind magische und besondere Bewusstseinszustände besonders anziehend für mich. Ich bin eben eine besonders neugierige Forscherin, die auf Messers Schneide balanciert, aber gleichzeitig gibt es in mir auch den Wunsch das b´Bestehende zu bewahren und ein ruhiges und sicheres und erfülltes Leben zu führen.

Es ist ein Kampf mit mir selbst, ein stetes Ringen um Vorherschafft und um die Frage, gewinnt heute das Bedürfnis nach Beständigkeit oder die Neugierde, was alles möglich sein könnte? Gewinnt die Schöpfung oder die Zerstörung? Und wie sieht eine gesunde Mitte zwischen diesen Polen aus, so dass ich beides bekomme?

Ich kann mir auch nicht mehr den Boden unter den Füßen wegziehen, bis das Nichts meine Liebsten auslöscht. Dieses Suche muss Grenzen haben. Keine Ahnung ob du das verstehst, wie erschreckende das kürzlich für mich war.

Vielleicht kannst du auch jetzt etwas verstehen, warum ich nicht so einen harten konsequenten Weg gehen kann, weil ein Teil von mir eben schon diese Härte und Konsequenz inne hat, die alles kompromisslos vernichtet. Deshalb bringt mich Liebe, Verständnis und Sanftheit in den notwendigen Ausgleich.

Da ist etwas unglaublich zerstörerisches in mir. Das Nichts das alles verschlingt, dass ist nicht etwas Außerhalb von mir. Ich bin das Nichts. Ich bin die Zerstörung. Das Nichts ist meine Härte und Konzequenz. Und deshalb ist das damals auch so eskaliert mit der Psychose, weil ich damals noch gar nichts liebevolles in mir hatte, welches ich dieser Zerstörungskraft entgegen setzten konnte.

Jedenfalls ist es nicht einfach für mich, abzuwägen wie weit ich gehen will oder kann und wo ich aus Liebe zu mir wieder umkehren muss, die Grenzen akzeptieren muss. Ich habe auch Angst, dass ich ausversehen als Gott etwas liebgewonnenes zerstören oder vernichten könnte. Es ist nicht einfach für mich, diese Entscheidungen zu treffen, da ich Angst vor den Konsequenzen habe und noch nicht immer bekomme ich überhaupt bewusst mit, dass ich mich wieder sehr weit aus dem Fenster gelehnt habe.

Genau nach der Erfahrung mit meinem Freund kam ich dann zufällig zur Unendlichen Geschichte und alles passte zusammen. Ich bin das Nichts das alles auslöscht, genauso wie ich gleichzeitig versuche, meine liebgewonnene Welt zu bewahren und zu beschützen.

Während die Figuren in der Unendlichen Geschichte über der Verlust ihres Landes berichteten, war ich tief getroffen über die Verlustangst, die mich noch Tage nach dem Zusammenbruch meines Freundes ergriffen hatte. Und dann hat mich Corona auch erwischt. Es war ein Break. Eine Rückbesinnung darauf was ich will. Ich bin manchmal sehr extrem und ich sollte mich auf ein bisschen mehr Normalität besinnen.

Diese enorme Verantwortung macht mir manchmal Angst, weil ich eben gar nicht abschätzen kann, welche Folgen mein nächster Gedanke hat. Ich habe nach der Sache mit meinem Freund entschieden, dass es auch Sinn machen kann, kein Gott zu sein, sondern nur ein Mensch. Ich dachte ich sollte den Gott wieder abspalten und ab und nur zu einen Wunsch äußern, in der Hoffnung, dass mir dieser von Gott im Außen, erfüllt wird.

Das ist aber auch schwer, weil das ja das Einzige ist, wodrin ich in meinem Leben je erfolgreich war. Ich habe ja nichts anderes mehr außer diese Suche. Wer will schon die Macht abgeben, die er sich mühsam errungen hat durch viele weltliche Entbeerungen. Nur letztlich will man ja vor allem glücklich leben. Wenn Macht aber nicht glücklich macht, dann muss man die Macht wieder loslassen.

Das Ganze erinnert etwas an Goethes Zauberlehrling. Hier wunderbar durch Walt Disney umgesetzt: https://www.youtube.com/watch?v=snB8u_G3jVI&t=11s

Ich habe keine Ahnung, ob es Menschen gibt, die in der Lage sind, den Gott der sie sind, bewusst zu leben. Ich fühle mich derzeit damit überfordert, wenn ich im Gott Modus bin.

Ich habe auch das Gefühl, dass ich die ganze Welt um mich herum ins Chaos gestürzt habe. Es ist natürlich sehr schwierig mit euch hier darüber zu reden, denn es ist ja auch eure Welt, aus eurer Perspektive. Aber aus einer bestimmten Perspektive erkenne ich eben, dass ihr alle meine Traumfiguren seid und es gar keine gemeinsame Welt gibt. Alles hier ist mein Traum. Das Kollektive Bewusstsein ist auch noch eine Illusion. Im Grunde ist hier nichts außer dieser Traum von dem mein Ich Gefühl ein Teil ist.

Ich bin ein geträumtes Ich, dass Probleme damit hat, weil es denkt ein Gott zu sein. Gott ist auch geträumt. Und was bleibt dann? Nichts. Und dann? Ich habe keine Ahnung und aus der Ahnungslosigkeit, entsteht dann die Idee, dass man damit doch irgenwas machen muss. Vielleicht sollte ich besser Ahnungslos bleiben? Und dann? Schwierig für mich.

Da kommt man wirklich in Bereiche, die sehr überfordernd für den kleinen Menschen sein können, denn bei alldem bleibe ich bisher stets Steffi, die die Rolle von Gott spielen soll, damit aber völlig überfordert ist.

Wie im kleinen so im Großen spiegelt sich auch in der Gotteserfahrung alles wieder. Genauo war es in meiner Kindheit. Ich musste als Kind die Verantwortung für meine Eltern übernehmen, weil sie dazu nicht in der Lage waren und selbst in meiner Erfahrung ein Gott zu sein, erlebe ich dieses Trauma mir mehr aufzubürden als mein Ich tragen kann, erneut. Deshalb habe den Gott und die Verantwortung für die Welt erstmal wieder abgegeben um einfach hier zu sein.

Wenn man sich chronisch für Dinge verantwortlich fühlt, dann bekommt man die Verantwort auch auch in die Hand gedrückt. Das kann geschehen sobald das Herz Chakra weit offen ist. Da beginnt die Innenwahrnehmung und die Außenwahrnehmung / Umwelt zu einer Einheit zu verschmelzen. Innenwahrnehmung und Umwelt sind ja beide geträumt. Es gibt gar kein Ich und keine Umwelt. Aber als ein Mensch der sich als getrenntes Ich erfährt, ist das eben eine total krasse Erfahrung, dass da keine externe Umwelt ist und man ganz alleine ist.

Alleine und Ahnunglos. Das sind sehr unangenehme Gefühle für mich, weil sie mein Trauma aus der Kindheit spiegeln. Ich sollte vermutlich üben alleine und Ahnunglos zu sein.

Ich habe Momente erlebt, in denen ich den Eindruck hatte, dass ich politische Entscheidungen für die Welt treffen musste. Zumindest gab es Synchrnonizitäten zwischen meiner persönlichen inneren Haltung und der Welt da draußen. Ich habe das innerlich als Gott entschieden, und dann wurde es im Außen genauso umgesetzt.

Ich kann in diesen Gott Modus reingehen, und manchmal ist das auch interessant diese Macht über die Welt zu erleben, aber es wird auch sehr schnell zu einer totalen Überforderung für das kleine Ich. Ich musste mir wieder Grenzen setzten, damit meine Realität nicht völlig aus den Fugen gerät.

Und dann frage ich mich eben, wozu erfahre ich das überhaupt, wenn es doch immer wieder in einer Überforderung mündet? Soll ich jetzt ein Gott sein oder ein Mensch? Da ist der Wunsch dass eine Vaterfigur kommt und mir sagt, was richtig ist. Aber da ist niemand. Es gibt niemanden der sagen könnte, was richtig ist, denn alles ist Möglich. In dem Moment erfahre ich mein Trauma wieder. Trauma mitten in den Freiheit.

Wenn ich ein Gott sein oder werden soll, dann brauche ich bitte eine vernünftige Anleitung und Einweisung in diesen Job.  normal

Wenn ich ein Mensch sein soll, warum habe ich dann diese Fähigkeit und die Sehnsucht mich als Gott zu erfahren?

Scheinbar ist alles möglich, aber das bedeutet nicht, dass man alles tun kann. Das ist Paradox und verwirrend. Das Ego, die Bedürfnisse des Egos, setzten einem Grenzen, die man manchmal erweitern, aber manchmal eben auch beachten und respektieren muss.

Ich glaube dass viele meiner Ego Grenzen mit dem Trauma zusammenhängen und dort die Lösung liegt. Also bleibt nur, wieder auf die Erde zurück zu kehren und weiter am kleinen Ich zu arbeiten - oder eben alles arbeiten loszulassen und zu genießen, dass ich mittlerweile in einem Bereich lebe, indem es mir gut geht. Vielleicht bleibt auch nur mit der Ahnungslosigkeit zu sein, alleine in einer geträumten Welt, die ich nicht verstehe.

Im Grunde hat meine Suche nach Befreiung keinemn Sinn mehr. Ich weiß nur eben nicht was ich sonst machen soll, denn ich bin ja dazu berufen, zu suchen, zu forschen und Grenzen auszuloten. Das war der Sinn meines Lebens und was tut man, wenn sich der Sinn des Tuns auflöst?

Ich werde Momo lesen.
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RE: Die Unendliche Geschichte
#5
15.11.2023, 19:49
[+] 1 User sagt Danke! Laura für diesen Beitrag
Hi Steffi,

meine Gedanken dazu: Vielleicht gibt es das Entweder-Oder gar nicht. Vielleicht ist das eine Projektion. Vielleicht macht es Sinn, nach der goldenen Mitte zu suchen. Dem Sowohl - als auch. Warum sollte dieses alte Prinzip gerade hierbei versagen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in solchen erschütternden Einschnitten im Leben auch aufpassen muss, nicht zu radikale Stopps zu schaffen, so dass man das Kind mit dem Bad ausschüttet. Wofür man sozusagen eine Bestimmung hat, das wird einen nicht loslassen. Es zu blockieren, aus Angst z.B., kann nur vorübergehend funktionieren. Irgendwann holt es einen ein, seis auch Jahrzehnte später.

Ich hoffe, deinem Freund geht es besser.

Zitat:Diese Erfahrung mit Frank hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie weit ich in das Nichts eintauchen möchte, da es in meinem Leben bereits viele Verluste gegeben hat. Vielleicht geht es um eine Balance zwischen der weltlichen Erfahrung, Phantasien und dem Nichts?

Ja, warum nicht. Kann schon sein.
Und Fehler -bzw. Minusergebnisse- gehören, denke ich dazu. Ich hatte mal ein Bild, mit solcher Aussage. Wenn die Tür offen ist, dann hat man Verantwortung, dann kann es auch um Leben und Tod gehen. Das ist eine Aufgabe big

Aber sind jetzt nur meine Überlegungen...
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RE: Die Unendliche Geschichte
#6
16.11.2023, 16:10
Zitat:Ich hoffe, deinem Freund geht es besser.

Ja, dem gehts wieder gut.

Wie würdest du diese Mitte konkret umsetzten?
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RE: Die Unendliche Geschichte
#7
20.11.2023, 01:48
In erster Linie halt drauf achten, dass keine "Nie wieder"-Mauer im Geist entsteht. Das, wo du meinst, dass es dir Probleme macht bzw. nichts Gutes bewirkt, ruhig in die Ecke stellen, aber einen Weiterweg zu besserem Zeitpunkt durchaus offenlassen. Und sich bewusst bleiben darüber, dass es vielleicht auch nur ein falscher Umgang mit der Sache war, die Sache selbst aber nicht zwingend leidvoll oder leidbringend sein muss.
Und dir dann Zeit geben.
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