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Rebellen» Über den Widerstand und seine Funktion

Rebellen
#1
25.03.2021, 16:57 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.03.2021, 17:44 von ichbinmehr.)
Hey Staat, Hey Staat, Hey Staat

Gestern in dem Thread über die Medienkompetenz hatte ich ne witzige Erkenntnis. Früher wollte ich immer ein Rebell sein, aber ich hatte zu viel Angst um ich selbst zu sein. Darum habe ich zu Rebellen aufgeschaut und habe rebellische Musik gehört. Ich trug rebellische Kleidung. 

Gestern habe ich erkannt, heute bin ich ein Rebell, weil ich nicht mehr so angepasst lebe wir früher, denn heute habe ich die Kraft für mich und meine Bedürfnisse einzustehen. Ich spreche für mich. Ich habe Worte um meine Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken. 

Ich habe ich kapiert, dass der Rebell immer nur gegen sich selbst kämpft. Es sind die eigenen strengen Inneren Anteile, die bekämpft werden, die jedoch im Außen wahrgenommen werden. Natürlich gibt es das Konservative und Regressive auch im Außen, aber nicht jeder Mensch reagiert gleich stark mit Widerstand darauf. Man reagiert, wenn man sich mit seiner Persönlichkeit nicht anerkannt fühlt und meist liegt dem eine frühkindliche sehr strenge Erfahrung zu Grunde, die tief verinnerlicht ist. Nicht immer kann oder konnte man diesen Konflikte mit der eigenen Familie auflösen, so überträgt man diesen manchmal auf seine ganze Umwelt, manchmal auf ein bestimmtes Thema, welches das Bedürfnis repräsentiert.

Hans Söllner macht bayrischer Reggae Musik und setzt sich als Rebell wie ich finde für etwas sinnvolles ein, für freies Marihuana. Nur lebt er eben ausgerechnet in Bayern, welches erzkonservativ ist. Er versuchte vor Gericht durchzuboxen, dass er Cannabispflanzen halten darf, weil er Rastafari ist und das rauchen von Cannabis zu seiner Religionsfreiheit gehört. Damit hat er sich einen Namen gemacht. Sowas finde ich klasse.

Er könnte ja auch nach Berlin ziehen oder nach Holland. Dann hätte er Frieden, aber nein er wohnt mitten im konservativen Bayern und kämpft dort, wo die Chancen, dass er in Frieden leben kann, am geringsten sind für legales Cannabis. Ständig erlebt er wie er verhaftet wird und ihm das Leben durch die Polizei schwer gemacht wird.



Hans Söllner - Hey Staat
https://www.youtube.com/watch?v=Yefxrpda6dI





So geht es mir manchmal auch, dass ich genau dort lebe, wo dass was ich an Freiheit brauche um glücklich zu sein, nicht gegeben ist. So habe ich mich in ein Elternhaus inkarniert, indem der freie Geist der ich bin, in dem das offene Herz das ich bin, nicht erwünscht war. So ging das dann mein ganzes Leben lang. Zum Beispiel habe ich viele Jahre lang in einer Kita gearbeitet, die meinem fachlichen und ethischen Anspruch nicht entsprochen hat und ich wusste, es gibt KiTas in denen das auch anders ist. Aber ich bin nicht gegangen, nein ich habe dort gekämpft, wo die Wahrscheinlichkeit Spielräume zu finden, sehr gering waren. Also warum tut man sowas?

Weil man ein Held sein will? Weil man eine Berufung hat und aus Mitgefühl dort kämpft, wo die Chancen am schlechtesten sind?

Ich habe mir als Kind geschworen, niemanden zurück zu lassen. Ich wollte mein Leben zum Wohler alle Wesen leben, weil das eine Kompensation meiner Ohnmacht war. Letztlich wollte ich meine Ganzheit nicht zurück lassen.

Das war ein Grund warum ich meine KiTa Kinder nicht zurück lassen wollte und an der Stelle nicht für mich sorgen konnte, und den Ort mir zur Liebe nicht verlassen konnte. Das war ein Grund warum ich versuchte Spielräume zu finden, wo keine zu sehen waren. Scheinbar suchte den ausgerechnet, den Ort wo ich immer wieder mit meinem Selbst konfrontiert wurde. 
Das ist auch ein Grund, warum ich heute nicht still bin, und Orte nicht verlasse, an denen ich mich nicht erwünscht fühle. Heute verstehe ich, ich tat es, um mich mit meinen eigenen internalisierten regressiven Anteilen zu konfrontieren, die ich lange jedoch nur im Außen sah, die ich aber bin. Weil ich alles bin. 

Manchmal macht es sogar Spaß, ein Rebell zu sein, weil man sich dadurch oft auch überlegen fühlen darf. Die eigenen Ohnmachtsgefühle, werden durch Überlegenheitsgefühle kompensiert. Aber manchmal ist das Leben als Rebell auch sehr leidvoll, weil man sich eben nie zu Hause fühlen kann, nie im Frieden leben kann, weil das Leben fortwährend aus Kampf besteht.

 
Ich liebe ja die Geschichten wie Söllner mit der Polizei umgeht:
 
Hans Söllner - Fahrzeugkontrolle Teil 1
 
https://www.youtube.com/watch?v=ib91tF11Ubk
 
Hans Söllner Fahrzeugkontrolle Teil 2
 
https://www.youtube.com/watch?v=Dg-0sekiD_0



Sind Rebellen jetzt Helden, oder brauchen sie unser Mitgefühl, weil sie im Inneren schwer von Trauma verletzt sind? Beides. Die Welt braucht Rebellen und Menschen, die die Welt immer wieder auf progressive weise Verändern und das System in Frage stellen, denn das bedeutet Fortschritt. Ich bin die Frau für den Fortschritt. Der Rebell ist ein Teil des Systems, welches sich durch den Rebellen, immer wieder auseinandersetzten und updateten muss.

Ich bin allen Menschen, die diese Rolle einnehmen und sich für ein Thema einsetzten sehr dankbar. Sie schaffen bei vielen Menschen ein Bewusstsein dafür, wo ein Aspekt nicht gesehen wird. Es gibt Menschen, die sich durch diese Menschen vertreten fühlen. Damals zb als ich mich für Hans Söllner begeistern konnte, hat er mich vertreten, als ich meine Stimme noch nicht gefunden hatte. Mir ging es Nichtmal um freies Marihuana, das fand ich nur am Rande gut. Nein mir ging es ganz generell darum, dass ich mich nicht anerkannt fühlte und in einem regressiven erstarrten System lebe, indem die Vielfalt die ich bin oft noch keinen Platz hat. Da war dann einer der hat für mich gesprochen, denn er sprach für die, die nicht gehört wurden. Hier im Forum zb spreche ich für meine Integrale Sichtweise, weil diese hier zu wenig Raum findet. Ich finde das hat sich in den letzten Jahren schon verändert. Mich freut das sehr. 

Heute wo ich für mich selbst sprechen kann, brauche ich einen Hans Söllner nicht mehr und habe auch Mitgefühl mit ihm, denn ich weiß wie viel Kampf es bedeutet, ein Leben im Widerstand zu führen. Ich möchte die Rolle des Rebellen heute würdigen und allen Rebellen für ihren Job danken.  

blumen

Er ist der Kämpfer für die Freiheit und deshalb nimmt er in Kauf, keinen Frieden zu haben. Niemand tut dass, ohne eine echte eigene emotionale Betroffenheit. Bodhisattwas, Menschen die ihr Leben zum Wohler aller Wesen leben, halten an ihrer Betroffenheit fest, aus Mitgefühl für die Welt. Der Rebell tut das aus seinem Schmerz über seine eigene Unfreiheit. Er tut das für sich, nicht immer ist ihm das klar, aber er vertritt viele andere, die noch nicht für sich sprechen können.

Fast immer findet ein Thema besonderen Anstoß, wie bei Hans Söllner das Marihuana, oder wie bei den Corona Gegnern, das Impfen. Es geht im Kern aber weder um Marihuana noch ums Impfen. Es geht um menschliche Bedürfnisse, die nicht gesehen werden und um die Bemühung einen Ausdruck dafür zu finden. Es geht um Vielfalt und um Spielräume, die manchmal nicht vorhanden sind. 

Nicht immer gelingt es dem Rebellen das Kernthema anzusprechen. Selten wird das Kernthema überhaupt angesprochen. Nicht immer ist die Welt bereit für das Kernthema. Die Welt springt oft auf vorgeschobene Themen an, auf Symbole, weil das den Bewusstseinsstand spiegelt. Mir sind Symbole oft nicht genug. Ich muss über den Kern sprechen, auch wenn ich dann bekämpft, ignoriert oder verhöhnt werde. Der Kern wird meist beschützt, denn es macht große Angst, wenn der kern berührt wird. 

Heute kann ich auch die andere Seite verstehen. Die konservativ denkende, die die Regeln, Sicherheit , Schutz, Moral, Dogmen vertritt. Die Regierung im Fall Corona. Im Fall Söllner, die Polizei. Nur Bayern versteh ich nicht. Hahah. 

Ich verstehe die Ignoranz meiner Umwelt, wenn ich von Innersten Kern spreche, denn die Welt ist oft noch nicht so weit, sich dem Schmerz zu stellen. Ich sehe das Bedürfnis dahinter und dann muss ich meine Waffen fallen lassen. Dann kann ich manchmal nur noch wieder Ohnmächtig und Demütig sein. 

Auch die regressive Seite, hat eine Berechtigung, denn sie hält unser System stabil und wir dürfen ihren Schutz genießen. Auch hier leben Menschen, die diese Seite verkörpern und sie leben genau wie der Rebell aus einem emotionalen Bedürfnis und aus einer Berufung heraus. Auch diese Seite möchte ich heute würdigen. 

Im Falle von Marihuana, bin ich klar auf Söllners Seite, weil es auch aus wissenschaftlichen Gründen an der Zeit ist, dass es aufhört, dass Menschen für den Konsum von Cannabis kriminalisiert werden. Im Falle von Corona ist das anders, denn ich finde es gibt viele gute Gründe zu Impfen, aber man sollte da auch nicht unkritisch herangehen. Ich bin aber nicht in Gegnerschaft mit Protesten, denn ich weiß, dass der Protest ja gar nichts mit dem Impfen zu tun hat. Der Protest kommt immer aus einem verletzten Kind, dessen Bedürfnisse nicht gesehen wurden und leider noch keinen besseren Ausdruck finden. 

So entscheide ich möglichst differenziert und frei, auf welche Seite ich mich stelle. Frei kann ich aber nur sein, wenn mich nichts mehr an die eine oder andere Seite bindet. 

Ich neige dazu mich auf die Seite zu stellen die nicht gesehen wird, und es gibt Tage da switche ich 5 mal hin und her. Im Falle von Trauma, bin ich ganz persönlich betroffen und es ist deshalb meine Berufung für mich zu sprechen. Ob die Welt mich dabei versteht und akzeptiert ist für mich nicht mehr wichtig, wichtig ist dass ich mich verstehe und dass ich dazu stehe der Mensch zu sein der ich bin und dass ich eine Sprache für meine Gefühle finde. Die Welt im Außen hilft mir dabei, wenn sie sich darstellt als sei sie mein Gegner. Ich wei0ß sie ist mein Helfer. Immer! Auch wenn ich das manchmal wieder vergessen mag. 

Bin ich ein Rebell? Wenn ichs sein muss ja. Vielleicht bin ich aber auch nur ich. Sehr oft befinde ich mich in der Rolle des Rebellen, wenn das System Bedürfnisse, Emotionen oder ganz bestimmte Lebensentwürfe dir mir wichtig sind, keinen Raum gibt. Wenn ich mich nicht gesehen und vertreten fühle und das kommt oft vor. Manchmal leide ich unter dem nicht gesehen werden und dann werde ich zum Rebellen. Dann liegt es manchmal auch daran, dass ich mich selbst nicht sehe, mich selbst nicht wertschätze und würdige. Manchmal bin ich selbst so streng zu mir, dass ich gegen mich selbst rebellieren muss. Der Rebell ist ein Befreier, wenn zu große Strenge waltet. 
 
Manchmal macht es mir Spaß ein Rebell zu sein. Am meisten Spaß macht es mir, ein Rebell zu sein ohne zu Leiden. Dann spiele ich ich aus Mitgefühl und Freude für all jene die noch nicht führ sich sprechen können, obwohl ich den Widerstand nicht mehr brauche. Gestern war ich in einmal ganz bewusst der Rolle des Rebellen, ohne dass ich musste und das hat so viel Spaß gemacht. Heute feiere die Rebellen von damals mehr denn je. 

In dem Lied mein "Voda hat nen Marihuana-Baum" hat Söllner die Synthese schon längst geschafft. Er hat die Autorität mit dem Rebellen vereinigt. Ob ihm das bewusst ist?

Hans Söllner- Marihuanabaum 
https://www.youtube.com/watch?v=FhYOSk71RqU

Wer mehr über den Persönlichkeitstypen des Rebellen erfahren möchte, kann mal unter Enneagramm Typ 6 kontraphobisch nachschauen. Das Enneagramm ist eine Persönlichkeitstypologie, die einen tiefen Einblick in die Beweggründe liefert, warum Menschen so oder so handeln. Wer sein Ego durchschauen will, findet mittels diesem Konzept sehr viel konstruktive Anregung.  
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RE: Rebellen
#2
30.03.2021, 16:32


Sarah Lesch - Testament
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RE: Rebellen
#3
30.03.2021, 19:09 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.03.2021, 19:11 von ichbinmehr.)
Axl I 
 
Axl Rose war mein erster Rebell, den ich glücklicherweise mit 12 Jahren fand. Ich erkannte ihn direkt, denn es stand zum Glück auf seiner Jacke. Haha.  lol  

ER war Ausdruck meiner unterdrückten Widerspruchs Stimme. Er war Ausdruck meines erstarrten Körpers, zb wenn er wie verrückt geworden, über die Bühne gerannt ist. Mein Lieblingslied war immer Civil War.
 
Ganz besonders emotionalisiert hatte mich immer der Part:
 

Zitat:D'you wear a black armband
When they shot the man
Who said "peace could last forever"
And in my first memories
They shot Kennedy
I went numb when I learned to see
So I never fell for Vietnam
We got the wall of D.C. to remind us all
That you can't trust freedom
When it's not in your hands

When everybody's fightin'
For their promised land

And
I don't need your civil war ...




Jihad 

Über Krieg musst ich in meinem Leben sehr viel nachdenken, denn meine beiden Eltern sind vom Krieg und deren Folgen traumatisiert worden und das hatte Folgen für mich. Bei mir zu Hause war immer Krieg. Gewaltsam, offensiv und subtil und manipulativ. 
 
Mit 18 Jahren lernte ich einen jungen Mann aus dem Libanon kennen, der mein Freund wurde.  Seit Name lautet Jihad. Jihad bedeutet auf arabisch Heiliger Krieg und meist denkt man das schlimmste, wenn jemand der aus einem teils muslimisch geprägten Land kommt und Jihad heißt. Wie viele Missverständnisse es doch gibt, weil man nicht genau hinschaut, nicht tief genug schaut und deshalb Vorurteile hat.
 
Jihad war wie der Bruder den ich nie gehabt habe für mich. Lach. Ihm war sein Name immer peinlich, sagte er zumindest. Er sagte nur einmal seine Eltern hätten ihm die Bedeutung seines Namen erklärt, aber es war kompliziert. Lach. 

Deshalb nannten wir ihn auch Jiji, wie einen kleinen Jungen. So nannte ihn seine Mama. 

Jihad war jedoch der im Sinne eines offenen und verspielten Kindes, der naivste und verrückteste Mensch den ich je getroffen habe. Er war der Narr und das göttliche Kind. 

Ich habe 20 Jahre darüber nachgedacht, wie das sein kann, das so ein lieber Mensch Jihad heißt.
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RE: Rebellen
#4
30.03.2021, 20:45 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.03.2021, 20:48 von ichbinmehr.)
Axl II
 
Was ich an Menschen besonders spannend finde, ist dass, wir uns ständig widersprechen,
weil wir höchst ambivalent sind. Das passiert den Besten!
 
Manchmal hab ich gedacht, Stille könnte die Lösung sein, denn dann geht keine Gewalt mehr von mir aus. Dont damn me, war glücklicherweise meine innere Bastion gegen dieses spirituelle Bypassing, solange ich mein Ich noch verleugnet hatte. 
 

Zitat:Don't damn me when I speak a piece of my mind
'Cause silence isn't golden
When I'm holding it inside
'Cause I've been where I have been
An I've seen what I have seen
I put the pen to the paper
'Cause it's all a part of me
 
I know that your satisfaction lies in your illusions
But your delusions are yours an not mine
We take for granted that we know the whole story
We judge a book by it's cover and read what we want
Between selected lines

 
 
 
 Dont damn me vs. Civil war
 
Was denn nun? Welcher Axl hat nun recht? Lach  meditier 



Ich bin so fasziniert, dass ich meine Themen immer überall finde, wo ich hinschaue.
 
Es gab mal einen christlichen Märtyrer, der gesagt hat, Gott sei in jedem Stein zu finden.
Er hieß Stephan. Man hat ihn zu Tode gesteinigt.
 
Ich bin fasziniert, wie Menschen überall auf der Welt solche Texte schreiben können. Unbewusst! 


Die Tiefe ist in allem enthalten, wenn man genau hinguckt. Auch indem was uns zuerst oberflächlich motiviert erscheinen mag. Tief hinzuschauen habe ich in der Traumanalyse gelernt. 

Heute höre ich Musik deshalb mit anderen Ohren. Ich liebe Musik! Pure Emotion! Ich liebe sie. 

Ich liebe Sprache. Ich liebe Bilder. Ich liebe es die tiefsinnige Bedeutung, die nach meinem Empfinden in Allem steckt. Egal wo hin ich schaue, ich sehe immer mich.
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RE: Rebellen
#5
31.03.2021, 01:08


Thomas Godoj - Ein Hoch auf die Freiheit
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RE: Rebellen
#6
31.03.2021, 03:11 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31.03.2021, 03:27 von ichbinmehr.)
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Bob Marley - Redemption Song

Zitat:Emancipate yourselves from mental slavery,
None but ourselves can free our minds.
Have no fear for atomic energy,
'Cause none of them can stop the time.
How long shall they kill our prophets,
While we stand aside and look? Ooh!
Some say it's just a part of it,
We've got to fulfill the Book.

Won't you help to sing
These songs of freedom?
'Cause all I ever have:
Redemption songs,
Redemption songs,
Redemption songs.

Ich möchten meinen Anteil des Rebellen jetzt noch ein wenig modifizieren. 

Er bekommt jetzt ne Prise Erwartungslosigkeit. 

Er darf im Widerstand sein, Missstände aufzeigen, eigene Bedürfnisse einfordern, aber nichts erwarten. 
Sonst wäre es ja keine Freiheit. 
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RE: Rebellen
#7
31.03.2021, 15:23 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31.03.2021, 15:37 von ichbinmehr.)


Rage Against The Machine - Killing in the Name


1993 zum ersten mal gehört, weil das Pink Pop Festival zu meinem Glück im Fernsehen lief. Ich war immer beeindruckt durch diese geballte Ladung Wut-Energie, die der Sänger in seinen Songs verkörpern kann. Kürzlich habe ich erst erkannt, ja genauso ist Wut, wenn sie überbordend und cholerisch ausgedrückt wird und hatte Tränen der Freude in den Augen, weil ich das heute endlich ausdrücken kann.

Deshalb ist meine Lösung für ständig brodelnde Wut, den Kontrollverlust einmal ganz zu zulassen.
Ich hatte lange Zeit Angst diese Grenze einmal zu durchbrechen. Ich habe immer versucht sachlich zu sein. Es war sehr heilsam diese Grenze zu sprengen. Da war große Angst vor diesem Kontrollverlust.

Kontrollverlust ist es nämlich nur dann, wenn ein Gefühl noch nicht ganz integriert ist. Andere haben das Problem womöglich mit Trauer. Wenn Wut offen und bewusst geäußert werden kann, dann wird sie sanfter und händelbar. So ist das mit allen Gefühlen. Wer sich selbst versteht, hat außerdem die Möglichkeit sich zu entschuldigen, wenn es mal drüber war. Dass kann man dann ja, wenn man sich versteht. Wer seine Gefühle versteht, entwickelt eine Sprache für seine Gefühle.

Ich bin ein ganz großer Fan von Marschall Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation. Ich habe das Buch jetzt 3x gelesen. GFK anzuwenden hat sich viele Jahre immer falsch angefühlt. Ich habe mich zweimal für ein GFK Seminar angemeldet, aber jedesmalig ist etwas dazwischen gekommen. Ich bin jedesmal krank geworden. Lach. Heute weiß ich, mit GFK hätte ich lange Zeit meine Persönlichkeit unterdrückt, weil ich eine hohen Anspruch habe, sachlich, empathisch und achtsam zu sein. Dann hätte ich einen Teil von mir unterdrückt, der zu meiner lebendigen Energie gehört. Heute glaube ich, dass achtsame Kommunikation etwas ist, das von selbst entsteht und geschieht, wenn man an dem Punkt steht, wo es für die eigene Persönlichkeit Sinn macht.

Es gibt Techniken, wie z.B. die Dynamische Meditation nach Osho, u.a. die helfen können, die Wut erst mal in einem geschützen Rahmen zu befreien. Mir hilft Musik immer ganz besonders dabei. Eben solche Musik. Auch dass anschließende Sitzen (Meditation) in heiligem Zorn, kann die Angst vor dieser großen Energie abbauen.

Manchmal brauchen wir einen geschützten Rahmen, der eine Co-Regulation anbietet – im Sinne von: Ja du darfst soo wütend sein. Ich verlasse dich auch dann nicht, wenn du soo wütend auf mich bist. Jemanden der sieht, was hinter deiner Wut liegt und geduldig mit dir ist. 

Manchmal werden einem auch Szenen dargeboten, wo man genau genau spüren soll, dass man mit seinen Forderungen nicht erwünscht ist. Dann muss man sie aber trotzdem ausdrücken, um die Angst davor zu verlieren und gleichzeitig lernen, auszuhalten, dass Bitten nicht erfüllt werden. Je nach Lage bekommst du immer, dass was für dich am Schwierigsten ist. 

Das Ziel ist immer die Selbstregulation, denn du bist der wichtigste Mensch in deinem leben. Am wichtigsten ist, daher wir uns selbst Verständnis entgegen bringen können. Lange Zeit hätte ich einen Wutausbruch als totale Entgleisung empfunden und mich dafür verurteilt. So blieb die Energie unterdrückt (de-pression), was zu Leid in Form von Krankheit führte.

Irgendwann kann man das dann selbst immer besser. Dann erst beginnt die wahre Konfrontation. Dann gerät man womöglich in Streit mit Freunden, weil es Zeit ist, sich zu zeigen ohne etwas zurück zu halten. Weil es Zeit ist, sich zu individuieren, ohne sich aus Angst vor Beziehungsverlust und Strafe anzupassen. Man muss die Wut da äußern, wo sie als Befreiungsenergie gebraucht wird, da wo wir die Sehnsucht nach Nähe und das Bedürfnis nach Freiheit haben, denn so war es einst in der Kindheit.

Manchmal brauchen wir Stellvertreter. Das Leben / das Unbewusste sendet einem diese Stellvertreter, wenn wir bereit sind. Manchmal finden wir diese in Freunden, weil es wichtig sein kann, dass einem Menschen etwas bedeuten, bevor man sich gegen diese abgrenzen lernt. Es ist ja einfach auf Facebook mit jemand völlig fremdes zu streiten, weil er keine Bedeutung hat. Wie ist das aber wenn, mir jemand nicht egal ist? Dann sind ganz andere Gefühle im Spiel.

Deshalb müssen wir uns vielleicht manchmal auch dort unangemessen verhalten, wo wir eine Wertschätzung für Menschen haben. Es geschieht uns, damit wir uns mit dieser Angst verlassen zu werden, konfrontieren könne und lernen wirklich, unabhängig zu werden. Eine Prüfung ist dabei, oft das mit sich selbst allein sein können. So wie es bei Hochzeiten immer gesagt wird: Ja ich will in guten wie in schlechten Zeiten mit mir zusammen sein. Ich heirate mich selbst.

Manchmal müssen wir um frei zu sein, die Wut dort zeigen, wo noch die größte Angst herrscht. Bei mir war das u.a. die Arbeitsstelle, die als Vertreter der äußeren Autorität galt. Denn die äußere Autorität, hatte meine Wut ja unterdrückt und mich in eine Persönlichkeit gezwungen, die meinem wahren Selbst gar nicht entspricht. 

Dort muss ich sagen: Fuck you, I won't do what you tell me

Ich bin sehr froh, dankbar und demütig, dass in meinem Leben die äußeren Umstände gegeben sind, dass ich mir das leisten konnte. Ich habe keine Kinder. Ich weiß nicht was ich gemacht hätte, wenn ich Kinder gehabt hätte und meine Entscheidung dann auch noch andere Menschen betroffen hätte, für die ich Verantwortung habe. Dann hätte ich wohl einen anderen Weg gebraucht, aber wie hätte ich dann meine Stimme gefunden? Es wäre dann wohl ein anderer Weg entstanden.

Nochmal zum Video. Ich liebe es seinen Kontrollverlust zu sehen, zu hören, denn es ist der bewusst erlebte Kontrollverlust, unter dem die weichen und verletzlichen Gefühle wieder zu Vorschein kommen können. Deshalb kommt nach Wut auch oft Weinen.
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RE: Rebellen
#8
31.03.2021, 17:29 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.04.2021, 10:26 von ichbinmehr.)
Wenn der Rebell exzentrisch wird

Sehr oft hatte der Rebell in mir auch seltsam exzentrische Züge angenommen, mit dem ich ausdrücken wollte, ich bin anders. Das habe ich ganz besonders im Zusammenhang mit meinem Musik Geschmack beobachten können. Genormte Musik kommt für mich in nicht in die Tüte. Crossover Bands jeglicher Art haben mich immer begeistert, denn die kann man nicht in eine Schublade stecken. 

Ich mag ganz grundlegend aggressive Musik, weil ich damit meinen Widerstand gegen das angepasste und hilflose Schweigen ausdrücke. Deshalb höre ich viel Rock und Metal unterschiedlicher Genres. 

Eine meiner Lieblings progressive Rock/Metal Bands ist Dream Theater, die durch ihre Komplexität auffallen. Ganz besonders das Album Metropolis 2000, welches man als Konzeptalbum natürlich nur komplett und am besten mit geschlossenen Augen und Kopfhörern hören kann, um das Werk zu verstehen. 

Es gefällt mir sehr, dass man diese Musik sehr oft hören muss, um sie ganz erfassen zu können. Ich genieße beinahe dieses Erste überflutet sein, wenn man sich das Werk zu Gemüte führt, weil ich dann Lust bekomme, es ganz durchdringen und verstehen zu wollen. Ich mag auch Menschen wenn ich sie nicht verstehe, dann sind sie besonders interessant für mich. 

Mit Dream Theater konnte ich immer ausdrücken: Ich hasse eure Einfältigkeit, mit der ich mich manchmal gelangweilt und erdrückt fühle, denn ich liebe die Komplexität, das Grenzenlose, weil ich das auch bin.

Es ist der Widerstand gegen mein Elternhaus, indem es keine geistig anspruchsvolle Inspiration und kein Gefühl gab. Dort gab es nur Einfachheit und Materialismus. Deshalb liebe ich den komplexen Verstand.

Dream Theater verbinden beides, weshalb ich so eine Erfüllung fühle, wenn ich diese Musik höre. Das ist als ob mir jemand sagt (Co-Regulation) du darfst so sein wie du bist. Es ist als schraubt sich meine Energie vor Freude beim Hören, direkt in den Himmel. Ich erfahre oft eine Energieerhöhung durch Musik. 

Den Sänger mag ich auf Grund seiner gefühlvollen Stimme, die anders als bei vielen anderen Metalbands ganz nackt ist und manchmal auch unperfekt. Die anderen Musiker haben alle Musik studiert. Aber James LaBrie ist das Gefühl. Ich habe lange mit ihm gehadert, weil ich manchmal nicht perfekt gesungen hat. Lach. 

Ich liebe den alten Drummer Mike Portnoy, weil der es so schön drauf hat, gekonnt aus dem Takt zu sein. Der neue Drummer ist technisch genauso gut, aber nicht so rebellisch. Ja es sind manchmal so kleine Nuancen, die uns so bewegen können, weil es eben keinesfalls zufällig ist, welche Musik uns bewegt, weil wir es immer selbst sind.

Ich habe dann immer wieder etwas noch komplexeres im Progressiv Bereich gesucht. Eine tolle Webseite für die Suche nach komplexer Musik sind die Babyblauen Seiten. https://www.babyblaue-seiten.de

Damals war Musik das einzige Mittel um meiner Komplexität eine Stimme und einen Raum zu geben. 

Ich fand natürlich auch andere progressive Bands, aber keine hatte diese Verbindung von Herz und Verstand, so wie Dream Theater (Pain of Salvation evtl. noch). Aber es war nicht mehr das selbe. Ich fand viele Bands die komplex waren, aber die hatten dann meist kein Herz, kein Gefühl, waren nur noch dissonant aber kaum noch harmonisch. Ich brauche bei all der Rebellion auch das harmonische Eingebunden sein, den Gleichklang. Deshalb musste meine Identifikation mit der Musik sterben, damit ich mich neu erfinden konnte.

Das was mich bis dahin in komplexer Musik begeistert hatte, kam in einer sehr großen Enttäuschung, keine neue musikalische Inspiration mehr zu finden, zum erliegen. Bis ich dann das Klarträumen und die Tiefenpsychologie zum analysieren und philosophieren fand. So verstehe ich heute, dass wenn etwas altes stirbt, immer etwas neues kommen wird.

Manchmal habe ich darüber nachgedacht ob Dream Theater hören, mein neuronales Netzwerk geschult haben könnte? Klassische Musik soll ja auch für Babys gut sein.  lol

Ich denke ganz oft in Musik. Wenn ich ein Thema habe, fällt miroft ein Song dazu ein. Oder ich höre zufällig einen Song, ohne zu wissen, wovon der Text handelt (mein English ist ja nicht so gut) bis ich dann staunend erkenne, oh es ging mal wieder um mich. Oh krass. Das Lied habe ich ja immer geliebt. Es ging immer um mich?!  shocked

Hahahahah  happy

Die Texte sind auch immer klasse:

Zitat:Life is no more assuring than love (it's time to take the time)
There are no answers from voices above (it's time to take the time)

You're fighting the weight of the world, but no one can save you this time
Close your eyes, you can find all you need in your mind

pleased

Hey liebes Universum, jetzt wo ich diese Inneren Anteile in mir selbst erkannt und anerkannt habe, könnte du mir doch bitte mal neue Musik schicken? Ich vermisse das, neue Alben ganz in Ruhe zu hören und so begeistert zu sein, dass ich es wieder und wieder hören muss. Vielleicht liegt das auch mit daran, dass durch Spotify alles so schnelllebig geworden ist. Bin ich nur zu unaufmerksam oder wodran liegts? 




Dream Theater - Take the time
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RE: Rebellen
#9
01.04.2021, 17:24


Eric Fish - Unterwegs
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RE: Rebellen
#10
05.04.2021, 18:27


Eric Fish - Anders sein
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RE: Rebellen
#11
18.04.2021, 21:08


Rio Reiser - Der Traum ist aus
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RE: Rebellen
#12
19.04.2021, 22:23


Saltation Mortis - Prometheus (Provocatio)
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RE: Rebellen
#13
Vor 6 Stunden


Kündigung an alle Autoritäten
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