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Bedingungslos» Sind wir bereit für ein BGE?

RE: Bedingungslos
#16
25.08.2020, 21:08
[+] 1 User sagt Danke! Ceesbe für diesen Beitrag
Zitat: Das BGE hat doch bei den Ärmsten die stärkste Wirkung?

Ja schon, aber nur solange "die freie Hand des Marktes" die Preise nicht an die höhere Verfügbarkeit von Geld angepasst hat. Wenn alle mehr haben, steigen die Preise und am Ende haben alle effektiv wieder genauso viel wie vorher. Nur die großen Konzerne nicht, die profitieren von den höheren Preisen die sie verlangen können.

Zitat:Naja ich sehe da schon sehr klare Ziele, unmittelbare nämlich Selbstbestimmung, Lebensqualität, Gesundheit, Chancengleichheit und die Abschaffung von Armut. Menschen zu befähigen ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Das sind alles sehr löbliche Ziele, die ich auch unterschreiben würde. Aber sie sind nicht ans BGE geknüpft, das BGE ist nur eine mögliche Lösung für das Problem, nur ich sehe nicht, dass das BGE dieses Problem löst. Ich kann dazu nicht mehr schreiben als ich bereits geschrieben habe. Wie gesagt: Meine Befürchtung ist, dass letztendlich nur die Preise steigen und es überhaupt nichts nützt.
Die Sicht ist   im Innern  der Tiefe.
Die Sicht ist in der Stille der Tiefe.

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RE: Bedingungslos
#17
25.08.2020, 21:36
Ich kann dazu sehr das Buch von Michael Bohmeyer empfehlen. Das beschreibt sehr eindrücklich, welche sozialen Entwicklungen bei Menschen geschehen sind, in einem Jahr Grundeinkommen Experiment.
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RE: Bedingungslos
#18
25.08.2020, 21:43 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.08.2020, 21:43 von Ceesbe.)
[+] 1 User sagt Danke! Ceesbe für diesen Beitrag
(25.08.2020, 21:36)ichbinmehr schrieb: Ich kann dazu sehr das Buch von Michael Bohmeyer empfehlen. Das beschreibt sehr eindrücklich, welche sozialen Entwicklungen bei Menschen geschehen sind, in einem Jahr Grundeinkommen Experiment.

Ich glaube dir das, ich kenne auch diverse Studien zu dem Thema, die in die ähnliche Richtung gehen und sehr positive Ergebnisse liefern. All diese Experimente sind aber auf kleiner Skala. Ich bezweifele halt, dass es auf großer Ebene auf lange Sicht die gleichen Ergebnisse geben wird wie im kleinen Rahmen bei den Experimenten. Ich würde mir wünschen, dass es so ist und du recht hast.
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RE: Bedingungslos
#19
25.08.2020, 22:02
[+] 1 User sagt Danke! ichbinmehr für diesen Beitrag
Ja du magst Recht haben. Ich weiß es ja auch nicht. Wir sollten das erfoschen.
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RE: Bedingungslos
#20
26.08.2020, 13:20
[+] 1 User sagt Danke! Ursa Major für diesen Beitrag
Zu eurer Diskussion fällt mir folgendes ein:

Zum Problem Preissteigerung bei BGE muss man dazu sagen, dass es stark darauf ankäme, wie das BGE verankert wäre. Gäbe es beispielsweise eine Aufrechnung mit Bedingung, könnten mögliche Probleme minimiert werden.

Beispiel:

Man verankert rechtlich, dass das BGE die Grundberüfnisse absichert. Heißt vom BGE muss folgendes (je nach Personenhaushalt) abgedeckt werden:

- Wohnung
- Wärme
- Kleidung
- Essen/ Trinken/ Hygiene
- Krankenversicherung

Maßstäbe dazu würden zugrunde gelegt werden, beispielsweise die zumutbare Wohnungsgröße je nach Haushalt (ähnlich wie im Grundsicherungs /H4 Modell). usw.

Mit einer derartigen Verankerung des BGE können Preise zwar ansteigen, aber dann müsste auch das BGE angehoben werden um die Grundsicherung zu gewährleisten. Macht Preisanhebungen also relativ nutzlos, es sei den wir befinden uns im High-End Luxus Bereich, der den Grundstandard übersteigt.

Gibt es keine derartige Verankerung, gleicht das BGE einfach "nur" einer bezugslosen Finanzspritze, die entweder Inflation zur Folge hat oder wie Ceesbe sagt Preis- und Mietenerhöhung etc. Das BGE wäre dann nur eine kurzfristige Symptomunterdrückung und keine langfristige Aufarbeitung der Grundproblematik "soziale/ finanzielle Schere".

Ein BGE kann nur funtionieren, wenn es als verankerte Grundsicherung verstanden und umgesetzt wird. Damit einher dürfte eine Umstrukturierung gehen was Wohnrecht etc. angeht. Dann wäre es für mich zumindest vorstellbar. Wie sich das BGE dann im Sinne des Erwirtschaftens auswirkt ist nochmal ein anderes Paar Schuhe. Zwei oft angeführte Beispiele sind: Mit BGE geht keiner mehr arbeiten. oder: Mit BGE entsteht Raum zu mehr Entscheidungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeit was wirtschaftlich sogar positiv ist, weil Menschen im Allgemeinen weniger finanziellem Druck ausgesetzt sind und damit gesünder und zufriedener sind.
A U R A B Y T E S . D E   | K a l e i d o s k o p    |    S p i e g e l s t a d t

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RE: Bedingungslos
#21
26.08.2020, 13:44
[+] 3 User sagen Danke! Gast für diesen Beitrag
(26.08.2020, 13:20)_ Aura schrieb: Mit einer derartigen Verankerung des BGE können Preise zwar ansteigen, aber dann müsste auch das BGE angehoben werden um die Grundsicherung zu gewährleisten. Macht Preisanhebungen also relativ nutzlos, es sei den wir befinden uns im High-End Luxus Bereich, der den Grundstandard übersteigt.

So sollte es ja – eigentlich – auch jetzt schon bei der Rente gehandhabt werden – dass sie angepasst wird, wenn die Lebenshaltungskosten steigen.
Tatsächlich ist sie aber bloß allgemein an die Inflation gekoppelt. D.h., wenn die Inflation insgesamt niedrig bleibt, weil zwar die Lebensmittlelpreise steigen, aber dafür Elektronik-Kram und Klamotten aus Kinderarbeit immer billiger werden ( puke ), dann sieht es schlecht aus für die Rentner. Und selbst die bloße Inflations-Anpassung ist kein Gesetz sondern mehr eine Richtlinie, die man auch gerne mal für ein paar Jahre vergisst augenroll

In diesem Sinne: Inflationsanpassung wie bei der Rente, wäre die MINDESTanforderung, ohne die das BGE tatsächlich sinnlos wäre. Aber, wie Du ausgeführt hast, sollte man lieber einen Index für die Lebenshaltungskosten schaffen und die Höhe des BGE daran koppeln thumbsu thumbsu
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RE: Bedingungslos
#22
27.09.2020, 10:03 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.09.2020, 10:04 von Likeplacid.)


700 Euro würden eher funktioniren als 1000 Euro, denn 700 Euro sind ein Betrag, der klar unter dem liegt was jemand kriegt, der einen Vollzeitjob hat, zumindest wenn es kein unterbezahlter Job ist. Mindesteinkommen wäre in dem Zusammenhang auch ein wichtiger zu berücksichtigender Punkt. Gibt es kein Mindesteinkommen, dann sollte das BGE deutlich unter der am schlechtesten bezahlten Vollzeit-Arbeit (40 Stunden) liegen. 

Vielleicht gibt es auch einige Leute die immer und unter allen Umständen lieber arbeiten als nicht zu arbeiten. Was man macht, wenn man nicht arbeitet bleibt ja jedem selbst überlassen. Aber es ist trotzdem eine interessante Frage. Vermutlich würde sich ein Leben  mit BGE so ähnlich anfühlen wie Frührente. Vielleicht wären die meisten, die BGE "beziehen würden" oder es beantragen würden ohnehin in irgendeiner Form reif für die Rente, oder nicht arbeitsfähig. 

Wo die Grenzen zwischen Arbeitsunfähigkeit und Arbeitsunwilligkeit verlaufen ist ziemlich unklar. Denn es hängt von gesellschaftlichen und den Vermögensverhältnissen und der persönlichen Situation (z.B. Entfernung von der nächsten Arbeitsstätte) ab wie groß die Bereitschaft zur Arbeit ist. Mit zur persönlichen Bereitschaft gehört natürlich auch die Art der Arbeit. Findet man einen Sinn das zu machen oder ist es eine reines Durchhalte-Drama? Die Zeiten der rücksichtslosen Ausbeutung von Arbeitern durch das Kapital (bzw. von Sklaven durch Plantagenbesitzer) sind ja zum Glück vorbei. 

Ich persönlich hatte meist nicht viel Lust auf Arbeit. Ich würde aber eine Arbeit wo ich nicht viel nachdenken muss einer Arbeit vorziehen wo ich mich voll einbringen muss. Leider sind solche stupiden Jobs ziemlich schlecht bezahlt. Daher habe ich es vorgezogen die meiste Zeit arbeitslos zu sein.
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RE: Bedingungslos
#23
27.09.2020, 10:42
[+] 3 User sagen Danke! Viltrudis für diesen Beitrag
Der Clou beim bedingungslosen Grundeinkommen ist ja, dass es nicht beantragt werden muss. Der (teure!) bürokratische Aufwand, zu entscheiden, wer Anspruch auf wieviel hat, fällt weg. Und auch Vollzeitarbeitende erhalten es - das hat natürlich Einfluss darauf, wie deren Lohn beschaffen sein muss, da es sich für sie ja dann u.U. um ein Upgrade handelt, anstatt um das Haupteinkommen.

Ich finde immer noch wichtig, zu bedenken, dass es sich beim BGE nicht um ein Almosen handelt, sondern um einen fairen Anteil an dem Gewinn, den die Wirtschaft sowieso macht (und der sonst in den Händen einiger weniger landet, die keineswegs härter gearbeitet haben, sondern Glück gehabt.).

Nahrungsmittelindustrie ist halt eigentlich dazu da, dass Menschen was zu essen haben. Alle. In unserer Gesellschaft wird ihr Zweck aber primär dadurch definiert, dass er die Menschen ernährt, die darin arbeiten. Halt, stimmt auch nicht: Dass er denen Gewinn bringt, denen die Betriebe gehören. Und das finde ich pervers.

Langfristig sollten wir also auch darüber nachdenken, dass BGE weniger stark durch Geld zu definieren, sondern eben auch als Erfüllen von grundlegenden Menschenrechten. Allen Menschen eine halbwegs brauchbare Wohnung zu beschaffen, ist nicht so utopisch, wie man uns einredet. (Es stehen selbst in den teuersten Städten Wohnungen leer!) Und wenn das mal klappt, ist die Frage, ob die Höhe der Miete sich an das BGE anpasst, obsolet. Zumal "Miete" sowieso auch ein inhärent ungerechtes Konzept ist, aber das ist ein anderes Thema. Von anderen Leuten zu kassieren, einfach nur, weil einem etwas gehört, ... bäh.

(In dem Zusammenhang füge ich vllt nochmal die sehr witzige Erkenntnis ein, die ich dieses Jahr mal gelesen habe: Wenn bei Monopoly alle Spieler:innen einfach nichts kaufen, werden sie einfach nur unbegrenzt reicher, jedesmal, wenn sie den Start passieren. grin Erst die Gier der einzelnen Person, die von den anderen Geld haben möchte, kippt das ganze und führt unweigerlich zum Monopol, zur Alleinherrschaft der Person, der am Ende alles gehört.)
...in einer anderen Herde. pink
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RE: Bedingungslos
#24
27.09.2020, 10:59
@ Viltrudis

Viele wichtige Gedanken.
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RE: Bedingungslos
#25
05.04.2022, 01:42
Es gibt ein neues Buch von Richard David Precht, welches das Grundeinkommen zum Teil zum Thema hat: „Freiheit für alle. Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten.“

Bei der Studie die letztes Jahr begann, haben sich 2 Millionen Menschen angemeldet, dass zeigt mir, dass das Thema BGE nicht länger eine Randthema von Utopisten ist. Letztens war auf Clubhouse eine Talk Reihe zu dem Thema und da haben sich enorm viele Liberale und wirtschaftlich erfolgreiche Menschen positiv zum BGE geäußert. Ich bin gespannt, welche gesellschaftlichen Diskussionen, Precht mit seinem neuen Buch auslösen wird.

Sehr beeindruckt hatte mich auch das Buch von Michael Bohmeyer - Was würdest du tun?: Wie uns das bedingungslose Grundeinkommen verändert - Antworten aus der Praxis. Den Michael Bohmeyer würde ich auch gerne mal in den Talk Shows sehen, denn der gringt das Thema nämlich auch sehr gut rüber.

Dabei ist mir aufgefallen, beide haben keine persönliche Not ein GBE durchzzusetzten, weil sie finanzell abgesichert sind und ihre individuelle Freiheit schon leben. Ich glaube das sind gute Voraussetzungen um das Thema BGE unaufgeregt aber beständig und überzeugt anzusprechen.

Ich fand dieses Interview von Precht sehr konstruktiv, weil das die erste positive und konstruktive Äußerung eines Gewerkschaftsvertreters zum BGE war, die ich gehört habe. Das Gespräch hatte ne positive Synergie, wie ich finde.

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