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Bedingungslos» Sind wir bereit für ein BGE?

Bedingungslos
#1
22.08.2020, 13:56 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.08.2020, 20:57 von ichbinmehr.)
Im Zuge meiner Selbsterforschung, bin ich immer wieder an äußere Grenzen gestoßen, die durch die Gesellschaft festgelegt wurden und die ich bisher nicht von Innen heraus beeinflussen konnte. So auch bei der Frage, wie gebe ich mir die volle bedingungslose Selbstakzeptanz, wenn ich doch davon abhängig bin, einer Arbeit nachzugehen, die mich zugegebenermaßen nicht immer voll befriedigt, um im ausreichenden Maße finanziell versorgt zu sein.

Daher bin ich dann irgendwann über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, kurz BGE gestolpert, welche mich seitdem fasziniert und ein wenig hoffen lässt, dass ich in der Erfahrung meines Menschenlebens auch noch andere Zeiten erleben werde, in der der Erwerbsarbeit nicht mehr den hohen Stellenwert haben wird, der das gesamte Leben bestimmt.

Was ist das Bedingungslose Grundeinkommen?
 

Zitat:
Die Idee des Grundeinkommens ist, dass alle Menschen eines Landes von der Geburt bis zum Tod jeden Monat vom Staat so viel Geld erhalten, wie sie zum Leben benötigen. Einfach so, als Grundrecht. Ohne, dass sie dafür etwas tun müssen. Ohne, dass es ihnen gestrichen werden kann.
Eben bedingungslos.

Quelle: https://www.mein-grundeinkommen.de/erken...was-ist-es




Diese Idee der Bedingungslosigkeit hat für mich persönlich sehr viel mit der Entwicklung eines freien Bewusstseins, eines freie Geistes, einer bedingunglosen Liebe zu tun. Somit ist ein Grundeinkommen für alle, die Frucht im Außen, der inneren Selbstverkommnung.

Ich möchte in diesem Thread das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen, bzw Bedingungslosigkeit im Allgemeinen mit euch diskutieren und freue mich auf eure Meinungen dazu. Und natürlich würde ich gerne wissen, was würdet ihr machen, wenn ihr ein BGE von 1200-1500 Euro pro Monat erhalten würdet? Was würde sich für euch ändern, welche Probleme, Abhängigkeiten und Ängste würden wegfallen und würdet ihr eurer Leben dann freier un individueller gestalten können?
 
Hier direkt etwas Aktuelles zum Grundeinkommen
 
Zur Zeit konzentriert sich die BGE Bewegung auf eine Studie, die in kürze startet, bei der 120 Personen von 1500 Teilnehmern über 3 Jahre ein Grundeinkommen von 1200 Euro pro Monat erhalten werden. Man kann sich für die Studie noch bis November 2020 bewerben.

https://www.pilotprojekt-grundeinkommen....jektaufbau

Hier ein Interview aus dem Spiegel zur Studie: https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial...8D5nOBBjGQ
 
Eine weiteres interessantes Projekt, ist die Seite des Vereins Mein Grundeinkommen, der privat Spenden sammelt, um jeweils ein Grundeinkommen von 1000 Euro zusätzlich für ein Jahar an Menschen zu verlosen und zwar bedingungslos. Der Verein erforscht wie sich ein Grundeinkommen auf das Leben von Menschen auswirkt, die es erhalten haben. Bei der Verlosung kann jeder Mitmachen.
 
https://www.mein-grundeinkommen.de/verlosung/uebersicht
 
Der Gründer des Vereins Mein Grundeinkommen, Michael Bohmeyer hat in seinem Buch/Hörbuch: Was würdest du tun? Wie das Bedingungslose Grundeinkommen verändert, die  persönlichen Erfahrungen der BGE Gewinner zusammengefasst.
 
Der Verein hat mittlerweile 668 Grundeinkommen a 1000 Euro für ein Jahr finanziert. Das Buch beschreibt wie das Grundeinkommen die Lebenswirklichkeit der Menschen die es erhalten haben, verändert hat. Sehr beeindruckend!
 
Einen weiteren interessanten Vortrag über das BGE gibts hier von  Götz Werner:
 
https://www.audible.de/pd/Das-bedingungs...HE3ZJ5TEHS
 
Es gibt auf Yoube auch einige Beiträge von ihm, ich weiß nicht ob die sich mit dem Audio decken.
 
Eine weitere Sichtweise über das BGE vertritt hier Richard David Precht, der das BGE als Lösung für die zunehmende Digitalisierung sieht. Ebenfalls sagt er ein paar Worte über eine mögliche Finanzierung. Zur Finanzierung gibt es übrigens mehrer Modelle.
 
Interview Teil 1 (8 Min)
https://www.youtube.com/watch?v=VJIwCCQ2uHg&t=5s
 
Interview Teil 2 (7 Min)
https://www.youtube.com/watch?v=LFhNnRr8oKw
 
Ich freue mich auf eure Gedanken zum Thema.
 
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RE: Bedingungslos
#2
22.08.2020, 14:31
[+] 3 User sagen Danke! Raipat für diesen Beitrag
Wir bekommen bereits ein Grundeinkommen: jeder von uns bekommt bedingungslos jeden Tag 24 Stunden!
Und das Grundeinkommen wird bereits in der härtesten aller Währungen ausgezahlt: Lebenszeit

Ich bin politisch ausdrücklicher Befürworter eines Grundeinkommens, und glaube, dass Kapitalismus das ist, was platzt, wenn die Leute ein paar Monate lang nur das kaufen, was sie wirklich brauchen.

Habe mich auch schon für die Studie angemeldet. Würde ich "ausgewählt" für ein BGE, würde ich vermutlich nichts in meinem Arbeitsleben ändern, außer vielleicht die Projekte, bei denen ich Lebenszeit in Geld bei meinen Kunden tausche, noch exklusiver nach "ist es spannend und macht es mir Spaß" auswählen.
Das, was ich wirklich möchte, kann man mit Geld gar nicht kaufen (bzw. nicht mi dem bischen Geld, was man übers BGE bekommen würde): weltweite uneingeschränkte Reisefreiheit, radikale Lebensverlängerung durch Technologie, Weltfrieden, ein Ticket zum Mars oder zum Trappist-System.

Eine Studie mit einigen hundert, tausend, sogar zigtausend Empfängern von BGE wird vermutlich sehr gut funktionieren und die Teilnehmenden Individuen vermutlich auch ein subjektiv besseres, zufriedeneres Leben haben.
Das Problem bei der Sache ist, dass es nur funktioniert, solang nicht JEDER das BGE bekommt, die Effekte und Probleme des Konzepts treten erst zutage, wenn es wirklich für ALLE ausgerollt ist. Bis dahin ist es so für die Empfänger, wie wenn sie mit einem dick gefüllten Kreditkartenkonto in einem Dritte-Welt-Land Urlaub machen. Alles ist günstig. Aber hätte JEDER so ein Kreditkarte, würden die Preise sehr schnell steigen.

Ein BGE in der Form "zahlen xx Euro pro Monat bedingungslos an jeden aus" hat aber ein riesen Problem: es führt am Ende des Tages nur zu Preissteigerungen und entfernt auf längere Sicht nicht die Notwendigkeit vieler, deswegen für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten, sprich Lebenszeit zu investieren, um grundlegenden Bedarf zu decken.

Meine These ist: Ein BGE kann nur funktionieren, wenn zugleich auf das Wirtschaftssystem grundlegend geändert wird.
Dabei ist der einzig funktionierende Ansatz die ressourcenbasierte Wirtschaft.
Wird dann das, was zur nachhaltigen Verteilung vorhanden ist, fair verteilt und lohnt sich eigene Leistung bei der Verteilung, könnte ein nachhaltiger Wohlstand für alle erreicht werden, ermöglicht vom technischen Fortschritt.
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RE: Bedingungslos
#3
22.08.2020, 15:56 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.08.2020, 16:00 von ichbinmehr.)
Hey Raipat, danke für dein Sichtweise.

Die Gegenargumente die du anführst sind natürlich auch Gedanken die mich beschäftigen, denn ich frage mich in wie fern träume ich hier von einer Utopie, und in wie fern könnte diese Utopie doch wahr werden?

Und ja ich stimme dir zu, das kann im Großen nur funktionieren, wenn sich ganz grundlegend etwas ändert. Du sagst, es müsse sich am Wirtschaftssystem etwas ändern. Ich persönlich denke da in der Kategorie von Werte-Ebenen, denn ich denke das Wirtschaftssystem ist schon eine unmittelbare Folge der Werteebene.

Welche Werteebene ist das? Ich glaube die Ebene der Leistung und des Wettbewerbs.

Diese Werte treiben uns Menschen an unseren Reichtum zu vermehren und führen zu Wohlstand. Sie treiben uns an zu forschen und führen dazu, dass wir unser Wissen vermehren und uns entwickeln können. Der Wettbewerb ist also im positiven betrachtet eine Motivationskraft, die Reichtum und einige Gewinner schafft.

Im Negativen und dieser blinde Fleck wird häufig gar nicht betrachtet, schafft unser Wirtschaftsystem auch Verlierer, die uns letztlich sehr viel  Geld kosten. Nur wird dieses ausgeblendet. Die Triebkräfte, die uns immer höcher, schneller, weiter katapultieren, sind ein Selbstläufer geworden, dh. sie agieren unbewusst, und unkontrolliert. So geraten wir, wie ich glaube immer mehr in einen ohnmächtigen Strudel der Selbstzerstörung.

Ich glaube es ist Zeit bewusst anzuhalten und zu entscheiden, welche Weichen uns auch langfristig in eine Realität des Wohlstandes führen. Mit Wohlstand verbinde ich ebenfalls Lebenszeit, aber auch Lebensqualität, im Sinne von Bedürfniserfüllung und individueller Lebensgestaltung.


Ich frage mich gibt es bald eine neue Werte- Ebene, wenn die Idee des Wettbewerbes eines Tages zusammen brechen sollte? Bricht dann alles zusammen und erwartet uns dann eine Katastrophe? Oder könnte die Ebene des Wettbewerbs durch eine neue Ebene, die aus sich selbst heraus entsteht einfach nur eine alte Ebene ablösen?

Ich glaube nach der Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft, wird eine neue kollektive Wertebene emergieren. Diese neue Werteebene wird die sozialen Bedürfnisse der Menschen stärker in den Vordergrund rücken und es wird eine neue Einheit von Öknomie, sozialer Werte und Okologie geben.

Ein Aspekt der noch gar nicht genug Beachtung bekommt, ist meiner Meinung nach, die Einsicht dass zufriedenene Menschen produktiver und somit effizienter arbeiten und somit mehr Wirtschaftswachstum schaffen können.

Somit könnte ein BGE nicht nur aus sozialer Wohltätigkeit eingeführt werden, sondern aus der Erkenntnis, dass soziale Werte gleichzeitig ökonomische Effizienz erschaffen. Allerdings muss die Gesellschaft auch zu diesem Schritt bereit sein. Vielleicht wäre eine schrittweise Umstrukturierung unseres Lebens realististisch und auch umsetzbar? 

Der Ökonom macht für mich häufig den Fehler nicht nachhaltig zu denken, was oft dazu führt, dass wirtschaftliche und soziale Interessen gegeneinander aufgewogen werden. Würde man als Ökonom jedoch nachhaltig planen, würde man erkennen, dass wir uns soziale Ungleichheit aus rein ökonomischen Interessen gar nicht leisten können.

Außerdem glaube ich, dass unsere derzeitigen Probleme zb Klimawandel, erst dann durch die nötige Unterstützung der breiten Masse der Gesellschaft erhalten, wenn die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen erfüllt sind. Menschen die immer nur um ihre Exitenzsorgen kreisen, können sich nicht günstig entwickeln. Menschen deren Existenznöte erlöst, sind, die beginnen produktiv zu werden.

Die Frage ist also was kostet uns am Ende weniger/mehr? Das wir immer so weiter machen, oder dass wir etwas neues wagen?
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RE: Bedingungslos
#4
22.08.2020, 17:16 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.08.2020, 17:16 von _ Aura.)
[+] 1 User sagt Danke! _ Aura für diesen Beitrag
Ich lasse mal meine Gedanken arbeiten:

Die erste Frage, die mir kommt, ist: Aus welcher inneren Haltung heraus wünscht man sich ein Grundeinkommen?

Mal folgende Beispiele, die mich aktuell selbst betreffen:

1. Fall: Meine berufliche Tätigkeit entspricht nicht meiner Erfüllung und macht mir keine wahre Freude. Ich bin oft ausgelaugt, erschöpft und leide unter den gegebenen Arbeitsbedingungen. > Ein BGE würde es mir erlauben, diese unerfüllende Arbeit aufzugeben oder zumindest ohne finanzielle Sorgen eine Umstrukturierung vorzunehmen.

2. Fall: Meine berufliche Tätigkeit entspricht meiner Berufung und erfüllt mich. Ich kann auch 80 Stunden die Woche arbeiten, ohne erschöpft und unzufrieden zu sein. Ich warte nicht auf das Wochenende oder den Urlaub, weil ich mich von dem was mir ohnehin Freude macht nicht erholen muss. > Ein BGE wäre die Kirsche auf der Sahne auf dem Eis.

Da in unserer Gesellschaft der 1. Fall vorherrschend ist, ist nicht danach zu fragen, ob ein BGE sinnvoll ist und ob es umgesetzt wird. Es ist viel mehr danach zu fragen, was jeden einzelnen daran hindert, eine erfüllende Tätigkeit auszuüben. Hierbei ist die Aussage "Irgendwer muss ja die blöden Jobs machen" nicht hilfreich. Das Problem liegt meiner Ansicht nach darin begründet, dass wir einen unausgeglichenen Fluss von Geld und Gütern haben, der Reiche immer reicher und Arme immer armer macht. Innere Überzeugungen bestärken die Schere: Wenn ich annehme, dass ich sowieso nicht meinen Wunschberuf verwirklichen kann, dann wird es mir auch nicht gelingen...

Die ganze Sache ist so ähnlich wie das Vorgehen der Frugalisten: Sparen extrem um mit 35 in Rente zu gehen. "In Rente" geht man nur, wenn man seine Arbeit nicht aus Überzeugung und mit Freude macht. Stell dir vor, du hast deinen Traumberuf. Warum solltest du mit 60 aufhören zu machen, was dir Freude macht?

Das Arbeitssystem basiert auf Abhänigkeiten. Wenn man nicht abhängig sein möchte, sollte man selbstständig werden. Auch dann bestehen Abhängigkeiten. Wer sich abhängig fühlt, darf sich fragen, was für ein Gefühl der Unabhängigkeit fehlt. Ein BGE ändert an diesem inneren Problem nichts. Da ein Großteil der Menschen angstmotiviert handelt, wird auch nichts großartig "Neues" passieren. Die Frage ist: Handele ich selbst angstmotiviert und wenn ja - wo und wann? Und was wäre, wenn ich es nicht mehr täte?

Ich warte nicht mehr darauf, dass sich erst das Große (System) wandelt und dann das Kleine (der Einzelne). Veränderung geschieht von innen nach außen. Solange der Einzelne aus Angst handelt, bleibt das System so bestehen. Kurt Tepperwein sagt: Wenn du willst, dass die Welt lächelt, musst du zuerst lächeln. Und so ist es. Ich frage mich deshalb: Wie müsste meine berufliche Tätigkeit aussehen, damit ich zufrieden und erfüllt bin?
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RE: Bedingungslos
#5
22.08.2020, 18:51 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.08.2020, 19:31 von ichbinmehr.)
Danke für deine Anregungen Aura.
 
Ich habe in meinem Arbeitsleben schon einiges geändert, soweit es ging. Ich habe meine Stunden auf das Minimum reduziert, was ich mir zu Zeit leisten kann. Ich habe mehrfach den Arbeitsplatz innerhalb der KiTa gewechselt. Ich habe an mir, in mir gearbeitet. Ich habe mir die Systemfrage gestellt, aber ich sehe mit den Möglichkeiten die ich zur Zeit habe, keinen Plan B. Hallo Ohnmacht, das bist du ja wieder. Für mich ist es an der Zeit dass sich auch etwas im Außen ändert, ich habe genug getan um mit der Welt klarzukommen, jetzt kann die Welt mal was für mich tun.
 
Zum Teil macht mir meine Arbeit mit den Kindern Spaß, aber zum Teil würde ich gerne jeden Tag ausschlafen und mein Traumberuf wäre wohl Philosophin oder sowas ähnliches, irgendwas mit Schreiben vermutlich. Ich möchte spüren können, was ich überhaupt machen möchte. Ich möchte Zeit haben für meine Gedanken, weil sie für mich wertvoll sind. Ich möchte das Wertschätzen, wofür ich brenne.

Das was wofür ich brenne, ist nicht in einen realistischen Beruf zu verpacken, weil ich jegliche Systeme durch meine Nichtanpassung sprenge. Und dennoch sehne ich mich danach zu sein was ich bin, dafür den Raum zu finden, auch als Manifestation in der äußeren Welt. Im Kindergarten gebe ich den ganzen Tag mein Herz, stelle Bedürfnisse zurück und so sehne ich mich immer wieder nach intellektueller Auseinandersetzung mit mir selbst.

Ich möchte den Menschen erforschen dürfen. Ich fühle immer wieder, dass ich mir mehr Zeit dafür wünsche. Ich wünsche mir das weil ich mich liebe. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass ich mein Geld nicht für die Arbeit in der KiTa bekomme, sondern für mein Forschen. Aber dann fehlt mir immer noch Zeit, wo ich ruhen kann, wo ich schreiben kann, wo ich nicht erschöpft von der KiTA bin. Ich bin so oft erschöpft, von alldem wozu ich gar keine Lust habe.

Ich bin ja auch schon etwas älter als du und habe mich viele Jahre im Job aufopfert und mich bis zum Burnout gearbeitet und dann nochmal die Kraft gehabt wieder auf die Beine zu kommen, und das in einem helfenden Beruf, mit meiner Traumatisierung. Ich habe viel Verantwortung für andere Menschen getragen, seit meiner Kindheit. Ich habe nie erlebt, dass ich mich mal fallen lassen darf, weil ich immer in einer dysfunktionalen Umgebung war.

Ich hatte Glück, dass ich das überhaupt geschafft habe, aber ich seh auch sehr viele Menschen, die das nicht schaffen und durch die einseitige Betonung der Leistungsgesellschaft ins soziales Aus gedrängt werden. Ich sehe Menschen die krank werden, weil sie in disem Umfeld nicht mehr leben können und dann auch noch Existenzängste haben müssen. Das alles habe ich Jahrelang erlebt und es berührt mich immer noch, obwohl ich weiß wozu es bei mir gut war. Es gibt aber auch Menschen, die zerbrechen daran. In der Befürwortung eines BGE spreche ich auch für all jene, die sozial benachteiligt sind.

Es gibt Menschen die arbeiten sehr hart und können dennoch nicht angemessen davon leben. Es gibt Mütter und Väter die keine Zeit für ihr Kinder haben. Ich wünsche auch all jenen Menschen die zur Zeit aus diversen Gründen nicht arbeitsfähig sind, dass sie bedingungslos in einem angemessenen Rahmen versorgt werden, damit ihre ständige Existenznot ein Ende hat. Ich möchte keine Bedingungen mehr an Menschen stellen. Wenns nach mir geht, wären alle frei. Denn ich bin vor allem ein Freigeist, ich kann mir auch vorstellen, dass das Leben ganz anders sein könnte, traumartig und grenzenlos.
 
Wofür ich freiwillig aus dem Bett aufstehe, das ist das Denken und Schreiben. Ein Gedanke erscheint und ich fühle mich berufen ihn niederzuschreiben. An der Stelle kann ich viel Energie aufbringen. Da wo ich forschen kann, wo ich Fragen nachgehen kann, die unbeantwortet sind, fühle ich Berufung und Kraft. Das Gedanken ordnen, das ist meine Leidenschaft, aber das kann ich zur Zeit nicht beruflich umsetzten. Dazu fehlen mir eben die Ressourcen (Zeit, Energie und oder Geld) und sonstigen Voraussetzungen (Ausbildung). 
 
Mit einem BGE könnte ich tun, was ich wollte und vermutlich wäre das erstmal nix. Ich möchte mich mal vom Leben treiben lassen und sehen wohin das nach ein paar Jahren führt. Ich möchte nicht wissen, ob Montag, Dienstag oder Mittwoch ist, ich möchte keine Erwartungen erfüllen, ich möchte keine Verantwortung haben. Ich möchte wieder wie ein Kind spielen dürfen, ohne ein Kind zu sein.

Ich habe mich seit frühster Kindheit für meine dysfunktionalen Eltern verantwortlich gefühl, die mir keinen Raum für meine Individualität gelassen haben und ich habe einen emotionalen Nachholbedarf an individueller Freiheit und bedingungsloser Existenzsicherung, die ich spüren möchte, die auch erfahren möchte, ganz konkret. Ich möchte ganz loslassen dürfen. Ich möchte Kind sein dürfen, ohne dass ich mich um mich kümmern muss, denn das konnte ich ja nie, Loslassen.

Ich möchte nichts tun dürfen, und trotzdem versorgt sein, weil ich mir das von tiefsten Herzen wünsche und gönne, denn ich habe viel getan in diesem Leben für mich und für andere Menschen. Ich möchte mich ausruhen dürfen, bis ich wieder Lust habe etwas zu tun, ohne dass ich für die Auslebung dieses Bedürfnisses finanziell sanktioniert werde.

Ich möchte mein Leben aus der intrinsischen Freude heraus gestalten, aber das kann ich nur, wenn ich noch mehr Freiheit und Freizeit habe und wirklich nichts mehr muss. Intrinsische Freude kann man ja nur spüren wenn man den Raum hat sie erscheinen zu lassen. Das hab ich wenn ich Urlaub hab, wenn ich Zeit für mich habe. Das ist aber zu selten. 

Ich habe es in meiner Kindheit nicht, erlebt bedingungslos akzeptiert zu sein, und ich hatte oft nicht den Raum intrinsischen Bedürfnisse spüren und umsetzten zu dürfen. Ich wurde immer gedrängt. Durch Leben gehetzt. Ich weiß dass ich das selbst war, und gerade deshalb möchte ich nun umkehren. Ein BGE ist ein Ausdruck dieser bedingungslosen Freiheit, die ich mir noch für mein Leben wünsche und die ich mir aus vollstem Herzen gönne, nicht erst mit 65, sondern jetzt. Einen Lottogewinn oder ein anderes Wunder, würde ich aber auch nehmen.
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RE: Bedingungslos
#6
22.08.2020, 19:40
[+] 1 User sagt Danke! _ Aura für diesen Beitrag
Ich fühle jeden Satz, den du schreibst.

Aber vor allem diesen: "Ich möchte wieder wie ein Kind spielen dürfen, ohne ein Kind zu sein."
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RE: Bedingungslos
#7
22.08.2020, 22:22
Ja danke fürs Gegenüber sein, da kam was hoch bei mir. Ich konnte es etwas trösten.
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RE: Bedingungslos
#8
23.08.2020, 10:06 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.08.2020, 11:08 von Lucinda.)
[+] 1 User sagt Danke! Lucinda für diesen Beitrag
(22.08.2020, 13:56)ichbinmehr schrieb:

Diese Idee der Bedingungslosigkeit hat für mich persönlich sehr viel mit der Entwicklung eines freien Bewusstseins, eines freie Geistes, einer bedingunglosen Liebe zu tun. Somit ist ein Grundeinkommen für alle, die Frucht im Außen, der inneren Selbstverkommnung.

Ich möchte in diesem Thread das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen, bzw Bedingungslosigkeit im Allgemeinen mit euch diskutieren und freue mich auf eure Meinungen dazu. 
Irgendwo habe ich mal gehört, dass das Gehalt etwas mit dem eigenen Selbstwert zu tun habe.
Also in dem Sinne, was man sich selbst wert sei bzw. was man glaube, "zu verdienen". 

Wo immer dieser "Wert" auch herstammen mag, ob aus Erziehung, Wertevermittlung, eigenem Selbstbild, Schuldgefühlen, der Lebensaufgabe, von allem frei und unabhängig zu werden, auf alles verzichten zu können?

Zitat:Und natürlich würde ich gerne wissen, was würdet ihr machen, wenn ihr ein BGE von 1200-1500 Euro pro Monat erhalten würdet? Was würde sich für euch ändern, welche Probleme, Abhängigkeiten und Ängste würden wegfallen und würdet ihr eurer Leben dann freier un individueller gestalten können?  
Das wäre eine Erleichterung. Wahrscheinlich würde ich dasselbe tun wie bisher, nur könnte ich mir mehr leisten. lol

Nachtrag: Da das bedingungslose Grundeinkommen jedoch wiederum finanziert werden müsste, könnte ich mir vorstellen, dass dies gleichfalls mittels einer weitern Steuererhebung erfolgen würde und somit doch wieder weniger dabei herauskomme.
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RE: Bedingungslos
#9
23.08.2020, 15:07 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.08.2020, 15:09 von ichbinmehr.)
[+] 1 User sagt Danke! ichbinmehr für diesen Beitrag
@ Aura

Unser Gespräch heute in der Senoi Stunde, hat mir sehr viel gebracht. Ich glaube der Haken, der da gestern noch war,  bzgl "ich muss dem Versteher einen Raum geben, den ich zur Zeit in meinem Leben nicht habe", der hat sich dadurch aufgelöst. Danke.

Und trotzdem möchte ich ein BGE. biggrin
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RE: Bedingungslos
#10
24.08.2020, 15:13
[+] 2 User sagen Danke! Viltrudis für diesen Beitrag
Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist der einzige Weg zu einer fairen Verteilung der Güter... im Moment fließt alles zu ein paar Superreichen. Die braucht niemand, sie sind weder besonders gescheit, noch besonders gütig, sie sind einfach ein paar random Arschlöcher. (Prämisse: Du wirst nicht superreich wenn du nicht bereit bist, über Leichen zu gehen.)

Daher bin ich nicht der Meinung, dass das hier stimmt:

Zitat:Nachtrag: Da das bedingungslose Grundeinkommen jedoch wiederum finanziert werden müsste, könnte ich mir vorstellen, dass dies gleichfalls mittels einer weitern Steuererhebung erfolgen würde und somit doch wieder weniger dabei herauskomme.

Zitat:Die erste Frage, die mir kommt, ist: Aus welcher inneren Haltung heraus wünscht man sich ein Grundeinkommen?

Mal folgende Beispiele, die mich aktuell selbst betreffen:

1. Fall: Meine berufliche Tätigkeit entspricht nicht meiner Erfüllung und macht mir keine wahre Freude. Ich bin oft ausgelaugt, erschöpft und leide unter den gegebenen Arbeitsbedingungen. > Ein BGE würde es mir erlauben, diese unerfüllende Arbeit aufzugeben oder zumindest ohne finanzielle Sorgen eine Umstrukturierung vorzunehmen.

2. Fall: Meine berufliche Tätigkeit entspricht meiner Berufung und erfüllt mich. Ich kann auch 80 Stunden die Woche arbeiten, ohne erschöpft und unzufrieden zu sein. Ich warte nicht auf das Wochenende oder den Urlaub, weil ich mich von dem was mir ohnehin Freude macht nicht erholen muss. > Ein BGE wäre die Kirsche auf der Sahne auf dem Eis.

Mir fällt auf, dass du in den Absätzen nur über dich selbst und deine eigene Person reflektierst. Dabei ist der Clou beim BGE ja, dass es alle betrifft... eine wesentliche Motivation für mich ist, dass es viele andere Menschen entlastet, und das würde ein einormes Umdenken auslösen. Jobs, die niemand machen möchte, müssten tatsächlich attraktiv gemacht werden, anstatt dass Leute sich drauf verlassen, dass irgendjemand halt Pech hat und die machen muss. Idealerweise arbeiten dann sehr viele Menschen wesentlich motivierter, da sie nicht unter dem Druck stehen, dass sie z.B. ihre Familie hungern oder frieren lassen müssen, wenn sie dem Chef mal die Meinung sagen.

(Wobei... Chefs... noch so Menschen, die niemand so wirklich braucht. xD)

Naja. Entweder wir kriegen noch die Kurve und schaffen ein BGE oder ein äquivalentes System, das dem Kapitalismus entgegenwirkt, oder wir haben weiterhin Feudalismus 2.0, und davon wird sich der Planet nicht mehr erholen.
...in einer anderen Herde. pink
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RE: Bedingungslos
#11
25.08.2020, 15:17
[+] 1 User sagt Danke! Ceesbe für diesen Beitrag
Ich sehe es so ähnlich wie Raipat. Wenn alle mehr bekommen, bedeutet das vielleicht kurzfristig eine Besserung, langfristig jedoch, dass genau die Leute, die ihre Preise beliebig steigern können, weil sie genau wissen, dass die Nachfrage so hoch ist und die Preise dank BGE auch gezahlt werden können, das auch tun werden. Ich denke da gerade an Mieten. Mieten werden momentan nur dadurch gedeckelt, dass sie schlicht irgendwann nicht mehr bezahlbar sind. Das BGE würde diese Schwelle der Bezahlbarkeit anheben, die Konzerne würden die Preise heben und wir wären wieder da wo wir vorher waren, nur dass nun ein noch größerer Teil der Steuergelder über Umwege an die Konzerne fließt. Der Staat bezahlt somit effektiv die Superreichen, statt damit Schulen oder Straßen zu sanieren oder seine Angestellten / Beamten mal ordentlich zu bezahlen.

Das Problem ist ja nicht das Fehlen von Geld (auf Seite der Armen) sondern die Größe der Unterschiede. Je größer die Unterschiede, desto mehr Dinge gibt es, die für Arme einfach nicht mehr bezahlbar sind. Das BGE ändert an den Unterschieden aber nichts. Ich denke daher, dass das Beseitigen dieser Unterschiede das Ziel sein sollte, das BGE ist ein Bekämpfen der Symptome, nicht der Ursachen.

Versteht mich nicht falsch, ich fände es schön wenn das BGE funktionieren würde / könnte. Ich sehe es nur nicht. Vielleicht bin ich zu pessimistisch, aber es erscheint mir zu utopisch, zu gut um wahr zu sein.
Die Sicht ist   im Innern  der Tiefe.
Die Sicht ist in der Stille der Tiefe.

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RE: Bedingungslos
#12
25.08.2020, 17:05 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.08.2020, 17:11 von ichbinmehr.)
Zitat:Ceesbe sagt: Das Problem ist ja nicht das Fehlen von Geld (auf Seite der Armen) sondern die Größe der Unterschiede. Je größer die Unterschiede, desto mehr Dinge gibt es, die für Arme einfach nicht mehr bezahlbar sind. Das BGE ändert an den Unterschieden aber nichts. Ich denke daher, dass das Beseitigen dieser Unterschiede das Ziel sein sollte, das BGE ist ein Bekämpfen der Symptome, nicht der Ursachen.


Das mit den Symptomen hat mich sehr angsprochen. Was ist denn deiner Meinung die wahre Ursache?


Ich denke, dass es nicht nur die Unterschiede sind. Ich denke es geht auch um das Existenzminimum, denn erst das Wegfallen der Existenzangst, erfüllt für mich den Anspruch auf Bedingungslosigkeit. Ich wünsche mir das niemand mehr existenzielle Sorgen haben muss, wenn er seinen Job verliert.

Menschen die Harz4 bekommen, haben teilweise so wenig Geld, dass sie sich oder ihre Kinder nichtmal vernünftig ernähren können und auch sonst keine angemessene soziale Teilhabe erfahren. Ich wünsche mir mehr Würde für diese Menschen, die von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind.

Früher habe ich oft gedacht es wäre ungerecht, wenn Menschen die nicht arbeiten genausoviel Geld bekämen und andere für einen Hungerlohn schwer arbeiten. Heute denke ich, dass es immer Ursachen gibt, wenn ein Mensch nicht arbeiten kann oder will. Diese Ursachen liegen aber oft in einem nicht anerkannten Bereich, so dass da oft das Verständnis fehlt.

Letztes Jahr stand ich mal wieder vor beruflichen Existenzängsten, das zweite Mal in meinem Leben. Diese Erfahrungen der Arbeitsunfähigkeit aus Krankheit haben mich sehr geprägt, auch in meinem Mitgefühl für Menschen die nicht arbeiten, warum auch immer.

Ich konnte beobachten, wie sich mein Bewusstsein durch meine Existenzangst auf den "Überlebens-Modus" verschiebt, indem nur noch ein Art Tunnelblick herrschte. Als die Not vorbei wahr, weitete sich das Bewusstsein wieder. Ich glaube eine Gesellschaft ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Mitglied.

Manche Mensche leben in einem ständigen Existenzkampft und zwar Tag für Tag. Sie sind teilweise schon durch ihre Geburt in eine arme Familie rein geboren worden und finden aus diesem Kreislauf nicht heraus. Ich wünsche diesen Menschen, dass ihre Not von die Mitte der Gesellschaft gehört und gesehen wird.

Die Mitte der Gesellschaft schaut leider noch weg. Die SPD sagt: "Guter Lohn für gute Arbeit". Sie setzt dabei voraus, dass jeder arbeiten kann, soll und will. Sie schaffen mit ihrer Ideologie eine soziale Ordnung des Wettbewerbs, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt. Und warum? Weil sich viele Menschen über ihre Arbeit und den Wettbewerb definieren.

Was ist aber mit den Menschen die dieser Ideologie nicht erfüllen können oder entwachsen sind und eine andere Entwicklungsebene brauchen? Ich frage mich, könnten wir denn nicht auch ein neues System kreieren, bei dem alle Gewinnen und nicht nur einige? Ich glaube ja auch, dass wir letztlich ein Bewusstsein sind, weshalb ich nicht wegschauen kann, wenn einige unter der sozialen Ausgrenzung leiden. Daher frage ich mich, wie wir die unterschiedlichsten Bedürfnisse in einer Gesellschaft vereinbaren können?

Zitat:Versteht mich nicht falsch, ich fände es schön wenn das BGE funktionieren würde / könnte. Ich sehe es nur nicht. Vielleicht bin ich zu pessimistisch, aber es erscheint mir zu utopisch, zu gut um wahr zu sein.

Dadrüber denke ich auch nach.

Kann es sein, dass wir manchmal Angst haben, etwas was uns noch utopisch erscheint, weil es zu schön um wahr zu sein ist, ablehnen aus Angst vor Enttäuschung?

Als Träumer der seine Realität erschafft, denke ich da besonders drüber nach.

Die Angst vor einer unhaltbaren Utopie (Unbekannt = fehlen von Sicherheit ) ist oft größer,
als die Angst vor Regression (da weiß man was man hat und wenns Mist ist).

Ich bin gespannt, ob wir irgenwann eine Mehrheit für ein BGE haben werden.
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RE: Bedingungslos
#13
25.08.2020, 18:07 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.08.2020, 18:09 von Ceesbe.)
[+] 2 User sagen Danke! Ceesbe für diesen Beitrag
Zitat:Das mit den Symptomen hat mich sehr angsprochen. Was ist denn deiner Meinung die wahre Ursache?

Da gibt es viele. Über die Jahrzehnte hinweg hat die Politik so viele kleine Regelungen getroffen, die minimal (oder auch deutlicher) Reiche bevorteilen, sodass sie sich im Laufe der Zeit immer weiter angehäuft haben. Ich denke, eine Ursache ist, dass Politik von reichen alten Männern gemacht wird, die hoffnungslos dem Lobbyismus verfallen sind. Ist selbstverständlich, dass in so einem Umfeld tendenziell Gesetze für Reiche gemacht werden, und über Jahrzehnte hinweg macht das einen deutlichen Unterschied.

Zitat:Ich denke, dass es nicht nur die Unterschiede sind. Ich denke es geht auch um das Existenzminimum, denn erst das Wegfallen der Existenzangst, erfüllt für mich den Anspruch auf Bedingungslosigkeit. Ich wünsche mir das niemand mehr existenzielle Sorgen haben muss, wenn er seinen Job verliert.

Ja natürlich. Aber was genau ist denn das Existenzminimum? Dieses liegt in jedem Land woanders. In manchen Ländern kann man von umgerechnet 10€ die Woche leben, hier in Deutschland wäre das ziemlich undenkbar. Also woran macht man das Existenzminimum fest? An den Umständen drum herum, an den Preisen, die man fürs Leben zahlen muss. Und je größer die Unterschiede der Gehälter in der Gesellschaft, desto höher sind tendenziell auch die Lebenshaltungskosten. Wie bei den Mieten - wenn es genug Leute gibt, die diesen Preis zu zahlen bereit sind, wird dieser Preis auch erhoben. Und die Armen fallen unter den Teppich.

Zitat:Kann es sein, dass wir manchmal Angst haben, etwas was uns noch utopisch erscheint, weil es zu schön um wahr zu sein ist, ablehnen aus Angst vor Enttäuschung?

In meinem Fall kann ich sagen: Bedingt, ja. Denn mit der Enttäuschung kommt auch ein erheblicher finanzieller Verlust für den Staat einher und so misstrauisch wie ich dem Staat gegenüber bin, habe ich Sorge, dass diese Kosten auf den Steuerzahler umgewälzt werden oder das Geld zumindest an anderer Stelle fehlt, wo es dringend gebraucht wird. Vor allem habe ich aber Angst, dass wir uns in eine Situation hineinmanövrieren, wo das BGE zum Leben notwendig wird (wie ich oben ausgeführt habe). Dann hat es effektiv keine Vorteile gebracht, der Staat verpulvert Geld (ok das tut er eh, aber noch mehr) und wir kommen nicht mehr aus der Situation hinaus.

Vor allem lehne ich das BGE aber ab, weil ich der Meinung bin, dass da viel zu viel Geld für eine Sache in die Hand genommen wird, die nicht zielgerichtet ist. So ähnlich wie die Mehrwertsteuersenkung jetzt. Sinnvoller fände ich es, Hartz4 deutlich aufzustocken (oder gleich umzukrempeln) und ordentliche Hilfen für Arbeitslose zu finanzieren. Oder die Angestellten und Beamten ordentlich zu bezahlen, für die der Staat eine Verantwortung hat, weil sie für ihn arbeiten. Damit deckt man eine ganze Menge Menschen ab, die mehr finanzielle Hilfe dringend nötig hätten und würde die Lohnunterschiede in der Gesellschaft verkleinern. Vielleicht finanziert durch eine Reichensteuer (ab 100.000€ oder so).
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RE: Bedingungslos
#14
25.08.2020, 20:13
[+] 1 User sagt Danke! Viltrudis für diesen Beitrag
Zitat:Das BGE ändert an den Unterschieden aber nichts.
Nicht?

Das BGE hat doch bei den Ärmsten die stärkste Wirkung?


Ich hab immer wieder von Rechnungen gehört, nach denen BGE den Staat kaum teurer kommt als die bisherigen Arbeitslosengelder, weil enorm viel Bürokratie eingespart werden kann, die für das "Wer kriegt denn jetzt wieviel und hat überhaupt ein Anrecht auf, bla" draufgeht.


@Mieten - die sind derzeit schon bewusst nach oben gestemmt, indem Wohnraum leer stehen gelassen wird, um das Angebot zu verkleinern und damit Preise nach oben zu drücken. Ich glaube nicht, dass das unbegrenzt geht - aber natürlich ist die Politik da auch (längst schon) gefordert, zu sagen: Obdachlose und leerstehende Wohnungen in der selben Stadt, was soll der Scheiß?^^

Städte, die Obdachlosen einfach ne Wohnung geben, gibt's ja auch schon... ich denke, in so einem Umfeld ist Mietwucher dann wiederum nicht so leicht zu machen.

Dem allen entgegen stehen natürlich die großen Verlierer dieser ganzen Ideen, nämlich die Vermieter_innen, Spekulant_innen, usw. - und die machen natürlich Druck auf die Politik. Machbar ist das Zeug alles, nur es wird sehr stark daran gearbeitet, dass es undenkbar scheint.
...in einer anderen Herde. pink
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RE: Bedingungslos
#15
25.08.2020, 20:40 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.08.2020, 20:49 von ichbinmehr.)
Zitat:Also woran macht man das Existenzminimum fest?

Ich spreche jetzt sowie nur von Deutschland. Damals hatte man für das BGE in Deutschland mal 1000 Euro geschätzt, hat dann aber gemerkt, dass man mit Miete teilweise weniger hat als Harz4 Niveau hätte, je nach Region. Experten sind sich einig, damit Menschen am Ende wirklich mehr raus hätten als beim derzeitigen Sozial System, müsste es ne ganze Menge mehr sein. Manche sprechen von 1500 Euro. Die Studie, die ich oben angesprochen habe, läuft mit 1200 Euro.

Wenn ich lese, wie manche Menschen vom Arbeitsamt drangsaliert werden, finde ich es auch nochmal wichtig zu erwähnen, dass es eine Motivation für mich ist, dass das nicht mehr passieren darf. Vielleicht müssen wir uns so einer Idee auch langsam annähern. Da bin ich auf jedenfall bei dir, dass man ein System nicht von heute auf morgen umwälzen kann und sollte.

Ein sehr einfach umsetzbarer Schritt, der kein Risiko für die Stabilität einer Gesellschaft darstellen würde, wäre den Leute die Harz4 bekommen, das gleiche Geld einfach bedingungslos auszuzahlen. Ohne Forderungen, ohne Repressalien, ohne Machtmissbrauch. Das wäre ein kleiner Schritt, der viel bewegen würde. Das passiert leider täglich, das Menschen enorm drangsaliert werden.  Da fängt die Existenzangst schon an. Das ist ne Sache, die könnten wir morgen beenden.

Aber es gibt eben Kräfte, die das gar nicht beenden wollen. Wie kann sich ein Gewinner noch definieren, wenn es keine Verlierer gibt? Wie kann sich der Mächtige definieren, wenn keine Ohnmächtigen gibt?

Das alles ginge erst, wenn der Mensch seinen Selbstwert unabhängig von seiner Leistung, unabhängig von einer Machtposition definieren würde? Oder? Ein Gesetz könnte dieses jedoch beschließen, dann wäre das ebene ein neues plitisches Korriktiv.

Es geht bei der Frage um das Grundeinkommen nicht nur um die Bekämpfung von Armut, sondern auch um einen Wandel des Bewusstseins. Deshalb spielen da die psychologischen Faktoren und der Bewussteinszustand des Durchschnittsmenschen auch eine wichtige Rolle.

So in etwa ist ja die Studie in Finnland zum BGE gelaufen. Dort haben die Menschen nicht mehr bekommen als Arbeitslosenhilfe. Dieses jedoch bedingungslos, ohne dass sie Angst vor Repressalien haben mussten. Sie durften sich gleichzeitig selbstständig machen und etwas nebenher verdienen.

Das hat manchen Menschen die sonst in Dauerarbeitslosigkeit versumpft wären einem Anreiz geboten,  wieder einen Lebensinn zu finden und sich zu bewegen. Im Harz4 System gibts das gar nicht, wenn du Geld hinzu verdienst, musst du es abgeben. Wie frustrierend ist das denn?

Und es ist etwas ganz anderes, wenn du dir einen Job suchen darfst, der dich erfüllt, als wenn dich ein Arbeitsamt zwingt dich irgenwo zu bewerben, entgegen all deiner Fähigkeiten, Träume und Vorlieben. Teilweise werden Leuten Leistungen gekürzt, die gute medizinische und psychische Gründe haben, eine Arbeit nicht anzunehmen.

Ein BGE könnte einen ganz anderen äußeren Rahmen schaffen, der Menschen ermuntern könnte, einen kontruktiven Lebenssinn zu finden und diesen aktiv umzusetzen. Eben ohne dieses mit Gewalt einzufordern. Den Menschen in der finnischen Studie ging es nachweislich gesundheitlich besser.

Interview 5 Min



Zitat:Vor allem lehne ich das BGE aber ab, weil ich der Meinung bin, dass da viel zu viel Geld für eine Sache in die Hand genommen wird, die nicht zielgerichtet ist.

Verstehe.

Naja ich sehe da schon sehr klare Ziele, unmittelbare nämlich Selbstbestimmung, Lebensqualität, Gesundheit, Chancengleichheit und die Abschaffung von Armut. Menschen zu befähigen ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Und langfristig werden sich Menschen erst für Nachhaltigkeit, für und Klima, für Tierschutz, Migrationsprobleme etc begeistern lassen, wenn ihre derzeitigen Bedürfnisse elementar befriedigt sind.
Die nachhaltigen Ziele der Menschheit, werden wir nur erreichen, wenn wir alle mitnehmen.

Ich finds auf jedenfall cool, das das Thema jetzt so präsent in den Medien ist. Wie und ob die Idee umsetzbar ist, steht natürlich nochmal auf einem anderen Blatt. Aber so eine Idee wächst ja auch mit den Menschen, die sie durchdenken.

Zitat:Ich hab immer wieder von Rechnungen gehört, nach denen BGE den Staat kaum teurer kommt

Jep. Ich glabe nicht, dass es an Finanzierungsmodellen hakt. Da gibt es eine ganze Menge.
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