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Die Sucht und das Suchen» Escaping the sugarswamp

RE: Die Sucht und das Suchen
#91
02.08.2020, 15:59
[+] 1 User sagt Danke! _ Aura für diesen Beitrag
(02.08.2020, 15:33)glider schrieb:
Zitat:Deshalb treffe ich diese Entscheidung: Weg mit der Waage, her mit meinem Körper und mit meinem Leben.

Und ja, das bewegt mich sehr.
Kann ich verstehen! Könnte ich nicht!
Ich bin eigentlich auch abhängig von meiner Waage: wenn sie mal  60kg anzeigt, ist FDH angesagt, bis sie wieder freundlicher zu mir ist.
Und das halte ich jetzt schon 33 Jahre so....aber es funktioniert grin

Wie lange möchtest du denn zuckerfrei essen, bis auf weiteres?

Wenn 60 für dich viel ist, dann bin ich eine Tonne - so viel dazu. Diplomatischer ausgedrückt: Gewichtsangaben triggern! Also bitte nicht machen normal

____


Das Problem ist, dass jede Diät kurzfristig funktioniert. Und Selbstkontrolle mit der Waage "funktioniert" auch. Wenn ich aber mein Gefühl frage, dann geht es mir mit all diesen Verhaltensweisen extrem schlecht. Und das Wichtigste: sie helfen nicht. Was nicht hilft, will ich nicht wiederholen oder irgendwie beibehalten. Abgesehen davon ist mein Problem im Kopf und die Waage wird mir auch in 50 Jahren nicht sagen, ob ich mein Problem im Kopf gelöst habe. grin

Vor allem Sachen wie FDH und andere ungesunde Crash-Diäten haben ordentlich dazu beigetragen, dass ich schließlich an dem Punkt war, wo ich so gut wie gar keine Kontrolle mehr darüber hatte, was ich esse, deswegen halte ich davon leider gar nichts und würde auch dringend davon abraten. Ich habe am eigenen Körper erfahren müssen, wie schädlich Diäten sind und was es wirklich bedeuten kann "nur mal ein bisschen weniger" zu essen. Es ist weitaus weniger harmlos und alltäglich als es für viele klingt. Ich möchte allerdings auch niemandem ins Essen quatschen. Ich sehe allerdings gerade beim Punkt Diäten einen großen Aufklärungsbedarf.

Mit dem Zucker sehe ich wie mit dem Alkohol - Abstinenz ist die einzige Therapie, die nachhaltig ist. Von daher ja, ich strebe ein zuckerfreies Leben an. Das Problem sehe ich im auswärts und bei Familie/ Freunden essen. Wie ich es da halte weiß ich auch noch nicht, wahrscheinlich aber nach der Regel: "Vermeide das Offensichtliche, wähle das Bestmögliche". Ich werde herausfinden, wie mein Körper und mein Belohnungssystem auf kleine Mengen Zucker im System reagiert, wenn ich erstmal eine längere Zeit abstinent war (also zum Beispiel 3 Monate). Ich setze ein bisschen darauf, dass sich das System stabilisiert und eine kleine Menge Zucker außerhalb der regulären Ernährung weniger schlimm wirken wird. Als wirklich "safe" sehe ich für mich allerdings nur den zuckerfreien Weg, denn jeder Kristall ist ein Stein zwischen den Mühlrädern - zumindest für mich. Zucker-Ausnahmen würde ich jedoch nur machen, wenn es wirklich keine Alternative gibt (was selten der Fall ist), will sagen: Zucker als Genussmittel möchte ich definitiv nicht, denn darin liegt der Suchtmechanismus.

Ich glaube auch, dass zu einem Weg aus der Zucker-/Esssucht viele Rückfälle gehören, mit denen man umgehen lernen darf. In einer (sozialen) Umgebung, in welcher Zucker dazugehört und gesellschaftlich legitimiert ist, sind Rückfälle zu 99% sicher. Deswegen: jeden Rückfall der kommt, werde ich als Reflexionsanlass nutzen um zu schauen, aus welchem Grund ich zum Zucker gegriffen habe. Ich sehe es auch als Selbstexperiment und bin neugierig, wie es sich wirklich anfühlt, wenn man 3-Monate aufwärts zuckerfrei lebt. normal

Die Abkopplung des Suchtproblems von der Besessenheit auf das Körpergewicht halte ich für genauso wichtig. Das Gewicht ist einfach kein guter Indikator für den Fortschritt, den man mit der Sucht macht. Generell möchte ich davon weg, meine Attraktivität oder meinen Wert von meinem Gewicht abhängig zu machen. Dieser Faktor hatte jetzt 25 Jahre lang Macht über mich, angefangen im Kindesalter, ich habe keine Energie mehr dafür. Und wenn man ehrlich ist: Man merkt auch ohne Waage ganz gut, ob man sich wohl in seinem Körper fühlt und an diesem "Wohl"-Körpergefühl kann man immer arbeiten, ganz unabhängig davon was auf der Waage steht. Ich hab mich damals mit nur 60 Kilo oft genauso unwohl gefühlt wie heute mit wesentlich mehr. Hier besteht also ein schlichter Irrtum, dessen Logik so nicht aufgeht. Ich muss also einen neuen Weg suchen.
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RE: Die Sucht und das Suchen
#92
02.08.2020, 16:32 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.08.2020, 17:08 von Nuevo.)
[+] 1 User sagt Danke! Nuevo für diesen Beitrag
Hallo Aura,

Glückwunsch zu Tag 7. Es ist schön zu hören, dass deine Bemühungen bereits positive Wirkung zeigen.
Ich bin auch mal gespannt, wie sich das auf deine Träume auswirkt.

Ich habe meinen Zuckerkonsum nochmals überdacht, nachdem ich mir den Blog von Ilga Pohlmann angesehen und den Podcast angehört habe. Ich werde sicherlich nicht so konsequent vorgehen, wie Du, und jeglichen Zucker weglassen aber einiges kann ich sicher noch optimieren. Ich vermeide eh schon seit Jahren, nach Möglichkeit, die offensichtlichen Zuckerbomben, wie jeglichen Süßkram, Eis, Kuchen, Brot, Brötchen sowie zuckerhaltige Getränke. (naja, mehr oder weniger   wink1 ) Aber es gibt halt auch Produkte, da fällt es mir sehr schwer, diese zu vermeiden. Zum Beispiel verwende ich gerne süßen Senf oder div. süße Chutneys zum Kochen oder einfach pur, zu Käse. Das alles ist aber eher eine Frage der Gewohnheit, die sich sicherlich auch ändern lässt. Viel schwieriger und aufwendiger ist es, wie Du schreibst, Lebensmittel einzukaufen, denen kein Zucker hinzugefügt wurde, die nicht industriell verarbeitet sind. Ich finde es klasse, dass Du das so durchziehst, und wie im Podcast auch mehrmals erwähnt, ist es bei einer Zuckersucht, der einzig, richtige Weg. (Davor ziehe ich meinen Hut  thumbsu )

Übrigens, ein Ex-Arbeitskollege, der Diabetiker ist, hat mir vor Jahren mal von einem Buch erzählt, mit dem Titel, „Fit wie ein Diabetiker.“ Das Buch oder die Aussage darin, ist nicht nur für Diabetiker interessant. Das Motto des Autors lautet, „Messen, Essen, Laufen.“ Mit anderen Worten, die gesündeste Art Zucker abzubauen ist, Bewegung. Von daher ist Yoga und vor allem Spazierengehen, sicherlich der richtige Weg.

Den Weg des harten Entzugs, den du begonnen hast, ist bestimmt nicht einfach aber ich denke, dass Du auch weitere 7 Tage - und weitere 7 Tage - und weitere 7 Tage schaffen wirst und dann wirst Du feststellen das der Hunger auf Zucker nicht mehr da ist oder zumindest vernachlässigbar wird.

Auch wenn ich keinen so radikalen Weg gehe, würde ich mich freuen, mich mit Dir, an und ab, auszutauschen, in diesem oder auch in anderen Threads. Denn ich denke das Thema gesunde und genussvolle Ernährung, ist eine Grundlage, für ein gutes Leben.

Bis dahin
Nuevo
Am helllichten Tage, in finsterer Nacht, nichts entgeht meiner Wacht.

Green Lantern


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RE: Die Sucht und das Suchen
#93
02.08.2020, 17:02
[+] 1 User sagt Danke! _ Aura für diesen Beitrag
Hey Nuevo,

danke für deine tollen, ermutigenden Worte. normal 

Wenn dich Ilga Pohlmanns Blog überzeugt hat, kann ich dir auch die Videos von Silke Rosenbusch empfehlen - auch in Hinblick auf Diabetiker-Ernährung und "Essen gegen Herzinfarkt" etc. Durch Silke bin ich im Mai auf die Challenge mit zuckerfrei gekommen.

Dass du auch Lust auf Austausch hast finde ich cool, dann lass uns das gerne machen, dafür ist der Thread ja da.

Dass ich mal einen so radikalen Weg einschlage, hätte ich nie für möglich gehalten, ehrlich gesagt. Ich wünsche mir im Grunde ja nicht mehr als normal mit Genuss und ohne Zwang mein Essen auszuwählen und mich obendrein wohl in meinem Körper zu fühlen. Wenn das System aber erstmal durch Diäten, Zwänge und Sucht durcheinander gerät ist es eine der schwierigsten Lebensaufgaben, da wieder hinzukommen. Ich fühle aber irgendwie, dass es möglich ist und dass ich es schaffen werde. Es ist eine Art Zuversicht im Inneren, die weiter wächst. Mit jedem weiteren Gericht, das zuckerfrei ist und mit jedem weiteren Tag der zuckerfrei ist, ebnet sich der Weg in die Art von Zukunft, die ich mir für mich wünsche.
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RE: Die Sucht und das Suchen
#94
02.08.2020, 17:18
[+] 1 User sagt Danke! glider für diesen Beitrag
Zitat: Es ist eine Art Zuversicht im Inneren, die weiter wächst. Mit jedem weiteren Gericht, das zuckerfrei ist und mit jedem weiteren Tag der zuckerfrei ist, ebnet sich der Weg in die Art von Zukunft, die ich mir für mich wünsche.
Da wünsche ich dir alle Kraft, oder auch wie in KTs 'Belief, Expectation,Focus,Will and Intention' damit du dein Ziel erreichst  thumbsu

Ich denke, dass jedermann/frau seine eigene Vorgehensweise finden muss, um sich in seinem/ihrem Körper wohlzufühlen - und darum geht es doch eigentlich, oder?
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RE: Die Sucht und das Suchen
#95
02.08.2020, 19:26
[+] 1 User sagt Danke! _ Aura für diesen Beitrag
(02.08.2020, 17:18)glider schrieb: Ich denke, dass jedermann/frau seine eigene Vorgehensweise finden muss, um sich in seinem/ihrem Körper wohlzufühlen - und darum geht es doch eigentlich, oder?

Genau darum geht's! normal thumbsu
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RE: Die Sucht und das Suchen
#96
03.08.2020, 14:31
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Neues von der Zuckerfront:

Ein Phänomen ist eingetreten, das beim ersten Zuckerentzug im Mai noch nicht eintreten durfte. Alte und abgearbeitet geglaubte Themen aus der Vergangenheit melden sich und ich bin überraschenderweise in der Lage sie anzuschauen, natürlich auch, weil ich kein Betäubungsmittel griffbereit habe. Sehr faszinierend. Es ist wie eine Art Grundreinigung, die gerade körperlich und seelisch abläuft. Und das schätze ich sehr, auch wenn es überwältigend sein kann!

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RE: Die Sucht und das Suchen
#97
05.08.2020, 11:40
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Neues von der Zuckerfront:

Heute ist... Tag 9. Es ist erstaunlich, dass ich nach nur 9 Tagen zuckerfrei nichtmal mehr weiß, der wievielte zuckerfreie Tag es überhaupt ist, so wenig interessiert mich momentan Zucker. Gelüste kommen sogut wir gar nicht, höchstens mal auf Käse (wahrscheinlich, weil er sehr fetthaltig ist und Casomorphin enthält). Ich habe grundsätzlich gerade sehr wenig "Süßhunger". Habe die Rohkostriegel von "Raw Bites" ausprobiert, da sie zuckerfrei sind. Sind lecker und interessanterweise können sie in meinem Regal liegen und dort bleiben. Auf Zucker habe ich den grundsätzlichen "Zwang" alles Süße sofort zu essen. Dieser Drang ist aktuell verschwunden. Das ist für mich persönlich ein schönes Indiz dafür, dass die Sucht stets aus zwei Antrieben besteht: Emotionen UND Substanzgebrauch. Ohne Zucker im System sind Gefühle für mich zugänglicher und die Mauer, die mich von ihnen trennt, ist sehr dünnhäutig. Dadurch gelingt die Betrachtung der emotionalen Suchtgründe wesentlich besser.
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RE: Die Sucht und das Suchen
#98
02.10.2020, 10:20 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.11.2020, 15:33 von _ Aura.)
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Eine berührende und bewegende Dokumentation von Arte über die Beschneidung, Optimierung und Zurechstutzung des Körpers vor dem Hintergrund der Esssucht. Die Kunstfilm-Einlagen, die an den Roman "Metabo" angelehnt sind, haben mich sehr schockiert, weil sie genau das zeigen, was niemals ausgesprochen wird - sie treffen auf den Punkt genau.

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RE: Die Sucht und das Suchen
#99
19.02.2021, 20:59 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.02.2021, 21:01 von _ Aura.)
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Weil es beim Thema Sucht-Recovery selten einen gradlinigen Verlauf gibt:


Ein Update von der Zuckerfront: Escaping the sugarswamp

Ein lang anhaltender Rückfall liegt hinter mir. Da ich hier möglichst authentisch berichten will, einige Erkenntnisse des letzten halben Jahres:

- Substanzmissbrauch über mehr als 2 Tage am Stück aktiviert instant alte neuronale Strukturen
- Light Getränke sind Teufelszeug
- Es geht nicht um Schönheit
- Der Mechanismus der Selbstsabotage ist ein großer Leidensgrund
- Hauptmotivation: Raus aus dem Ausweglos-Gedanken-Brei

Jetzt die lange Fassung.

Ja, wenn man mit Sucht zu tun hat, weiß man es im Grunde: Ein paar Tage schleifen lassen bewirkt eine "spontaneous recovery" und man ist wieder drin. Die neuronalen Autobahnen sind quasi wieder freigegeben und der Verkehr fließt ungehindert. Bei mir gab es konkrete Auslöser, ich hatte an einer anderen Stelle im Leben zu knacken. Resultat: Zwei Baustellen sind eine zu viel. Zucker rettet... nicht. Jetzt ist ungefähr ein halbes Jahr vergangen. Ein halbes Jahr versunken im Zuckersumpf. Höchst zero-getränk-gefährdet war ich noch dazu, das Zeug kommt wirklich aus der Hölle. 0 Kalorien und dennoch schwerwiegend.

Eine sehr interessante Erkenntnis war zudem: Es geht gar nicht um Schönheit. Eine Model-Figur werde ich nie haben. Aber mit einer Nicht-Model-Figut lebe ich gerne, wenn ich weiß, dass ich gesund lebe. Sabotiere ich mich hingegen fühle ich mich schlecht. Unabhängig davon wie ich aussehe oder wie die Sucht mich äußerlich verändert. Das größte Leid an der Sucht ist das Gefühl, meine eigenen Ziele nicht erreicht zu haben. Also back on track. Was mich aktuell sehr motiviert: Nie wieder Gedanken wie "Hab Kuchen gegessen, dann lass ich das Abendessen weg", "Hab Pizza gegessen, dann muss ich jetzt eigentlich 2 h Sport machen", "Hab zu viel gegessen, dann esse ich morgen nur eine kleine Portion" - NEIN, Schluss damit. Diese Gedanken werde ich schmelzen lassen.

Ich mach da nicht mehr mit. Ich möchte Vertrauen in mich, meinen Körper und meine Nahrung entwickeln und keine Gegensteuerungs-Maßnahmen ergreifen müssen. Das hatte ich jetzt fast 29 Jahre lang. Irgendwann muss gut sein. Ich steige aus! grin Neuer Anlauf! Farewell sugarswamp!
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RE: Die Sucht und das Suchen
24.02.2021, 19:53
[+] 1 User sagt Danke! ichbinmehr für diesen Beitrag
Ich hab mir letztens ne CD gekauft. Ich hab sie noch nicht gehört, aber der Titel war gut.

Sucht als Such Kompetenz.
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