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Der Wunsch ein Gespräch zu führen

RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#16
04.01.2020, 13:39 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.01.2020, 13:40 von gnutl.)
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Zitat:Insgesamt scheint es logisch, dass "social disorders" wie Autismus zunehmen und selbst zu einem Teil des Zeitgeists werden, weil sie dem Individuum einen Ausweg aus dem immer unübersichtlicheren Gewirr sozialer Interaktion bieten.
Das ist Bullshit. Autist*innen hat's immer gegeben - leider führen Stereotype dazu, dass weiblich gelesene Personen nach wie vor unterdiagnosiziert sind... ansonsten wird es halt mittlerweile (endlich) eher erkannt und akzeptiert.

Mal abgesehen davon, dass es verdammt schwer ist, als Erwachsene überhaupt noch eine Diagnose zu kriegen. Sowohl bei Autismus als auch ADHS ist in den Köpfen das "komische Kinder" gespeichert, und dass die älter werden, selten mitgedacht. augenroll Ich werd mir die Mühe nicht machen, mir eine Diagnose zu holen, auch wenn es im Grunde immer klar war, und fast immer "Verdacht auf ..." dazugeschrieben wird. augenroll

Jedenfalls - die Idee, dass Autismus irgendwie ein Symptom der heutigen Zeit sei, regt mich auf. wall Ich bin gerne autistisch, wäre ich es nicht, wär ich eine komplett andere Person, und vermutlich ziemlich langweilig.^^
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#17
04.01.2020, 14:52
[+] 1 User sagt Danke! ichbinmehr für diesen Beitrag
Zitat:Thousand sagt:

Von Nahrung über Bildung über Unterhaltung über soziale Interaktion lassen sich die meisten menschlichen Bedürfnisse befriedigen, ohne die Wohnung zu verlassen (und ohne sich in Abhängigkeiten zu begeben) - und diese Atomisierung abstrahiert auch die Art und Weise, wie wir Gespräche gestalten.

Diese Wahl-Freiheit der Qualität der sozialen Interaktion, die mit dem Wegfallen der normativen Zwänge einhergeht, leidet naturgemäß an einem Mangel an entsprechender Kompetenz, da diese kollektiven Verhaltensänderungen immer schneller ablaufen, und es daher immer schwieriger ist, die regeln zu lernen und sich zu orientieren - gerade wenn der Vektor in Richtung Disassoziation deutet. 

Ich finde man muss bedenken, dass das für manche Menschen eine wahre Befreiung von inneren Zwängen sein kann. Für manche Menschen stellt die Entwicklung der Kommunikation ein Wertverfall dar. Wenn du aber ein sehr starkes Über Ich hast, weil du sehr streng erzogen wurdest, kann diese moderne Kommunikation ein Segen sein, der Menschen aus ihren Neurosen befreit. So habe ich es erlebt. Ich habe noch nie so frei mit Menschen gesprochen, wie übers Internet und die Freiheit sickert von dort in meine physische Umgebung ein. Für mich ist die neue Art der Kommunikation ein wahrer Segen und eine Umgebung, in der ich mich von Zwängen heilen kann.

Gerade die Ungebundenheit ist für mich eine heilende Umgebung, die mir erstmals eine Befreieung meiner Kommunikation ermöglicht hat.

Man muss Dinge immer aus zwei Perspektiven betrachten. Das Menschen sich auf unverfängliche Kontakte einlassen oder Angebote nutzen, die unverfänglich sind, zb im Internet, weist drauf hin, dass es dahingehend ein starkes Bedürfnis gibt.

Ebenfalls weist es daraufhin dass sich die Menschheit in geistig Richtung entwickeln möchte. Also weg vom Materialismus, weg von Bingung hin zum Geistigen Weltbild, hin zur Freiheit. Das wird leider oft übersehen, wenn von Werteverfall gesprochen wird. Es wird übersehen dass das alles auch gleichzeitig eine positiven Sinn hat.

Die Interpretation einer Situation ist aber meist noch etwas einseitig, weil wir die objektive Betrachtungen die uns zur Verfügung stehen, die Psychologie des Menschen meist noch nicht tiefgreifend genug betrachten, um auch diese andere Seite zu sehen.

Ich erlebe keinen Werteverfall, ich erlebe Erneuerung.

Wir unterliegen einer Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist und die uns Veränderungen bringt. Betrachtet man die Evolution, wird uns Entwicklung vermutlich zu mehr Verständnis und zu mehr Liebe führen. Nicht immer kann man das aber Positive gleich in progressiven Verhaltensweisen erkennen.

Ich würde vorschlagen öfter mal die Sichtweise auf den positiven Nutzen einer Sache zu lenken, gerade dann wenn man zb eine kritische Haltung zu einer Sache hat und damit in eine Mitte von nützlich und schädlich zu pendeln. Erst so kommt man zu einer umfassenden, differenzierten Sichtweise die alle Aspkete einer Sache mit in die Gedanken einschließt.

Ich wollte einfach mal ein Gegenbeispiel bringen, für den Werteverlust. Natürlich besteht dieser auch. Ich bin so dankbar für die neuen Möglichkeiten, die mir die heutige Kommunikation bietet, dass ich das einfach mal sagen wollte.

Ich danke ja auch öfter darüber nach. Wenn Kinder Lego nur noch am Pc bauen und nicht mehr mit den Händen, dann gehen ganz wichtige Verdrahtungen im Gehirn verloren. Und doch wird ja auch etwas gewonnen denen gegenüber, die gar keinen PC kennen.

Ich denke es geht um eine gesunde Mitte. Die Mitte kann man aber erst sehen, wenn man beide Seiten anerkennt. Vorher weiß man gar nicht wo die Mitte läge. Mitte ist auch nichts statisches. Mitte pendelt.

Also kann es sein das die Menschheit um eine gesunde Mitte zu finden, erstmal sehr tief in andere Arten der Kommunikation eintauchen muss. Denn oft müssen Menschen etwas kompensieren. Und sie tun es. Wir tun es instinktiv mit unserer neuen unverfänglichen Art der Kommunikation, denn es ist uns ein Bedürfnis.

Was eine Mitte ist, kann man auch nur mit extrem viel Abstand (zeitlich und räumlich) sagen.
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#18
04.01.2020, 16:20
[+] 1 User sagt Danke! Likeplacid für diesen Beitrag
Zur Frage ob man zu einem Gespräch immer einen Anlass braucht- Als Gesprächsanlässe oder Motive können gedacht werden:

1. Informationsbedürfnis. Da reicht aber oftmals auch ein Buch, oder eine Internet - Recherche. Aus diesen Quellen bekommt man naturgemäß andere Antworten als von einer Person,  oder man könnte auch sagen: die Antworten sind anders strukturiert. Sie liegen in schriftlicher Form vor, wohingegen in einem Gespräch die Antworten in Echtzeit gegeben werden. Diese Antworten werden nicht aufbewahrt. Wenn derjenige, der die Frage gestellt hat und / oder sich diese Antwort nicht versteht ist sie gewissermaßen umsonst gegeben worden, außer, wenn er noch mal nachfragt "Wie hast du das gemeint?" "Kannst du das etwas näher erklären?"
2. Ausdrücken einer Beschwerde
3. Ausdrücken eines Danks
4. Verbesserungsvorschlag ("Ich finde das gut was Ihr macht, aber ich weiß wie man es noch besser machen könnte.") 
5. Geselligkeitsbedürfnis. Die Frage ist wie viel jemand, der sich irgendwo dazu gesellt, eigentlich reden muss, um behaupten zu können "Ich habe mich am Gespräch beteiligt " oder "Ich habe dazu gehört" 
6. Ausdrücken einer Bitte. 
7. Gratulation 

Bei mir erhebt sich jetzt die vielleicht unbeantwortbare Frage: Ab welchem Punkt wird aus einer sprachlichen (verbalen) Äußerung ein Gespräch? Im der Kommunikationstheorie unterscheidet man Sender und Empfänger. Jemand sagt was: der ist der Sender. Jemand hört zu (oder zumindest soll er es): das ist der Empfänger.  Ab dem Punkt wo der Empfänger antwortet wird er seinerseits zum Sender. Die Richtung der Kommunikation kehrt sich also um. Das kann endlos so weitergehen oder zumindest einige Stunden. Und am nächsten Tag kann es dann weitergehen. Viele private oder freundschaftliche Beziehungen scheinen nach diesem Muster zu funktionieren. Die Gesprächsanteile sind häufig ungleich verteilt, d.h. A redet mehr als B. Wenn B längere Zeit gar nichts mehr sagt, ist dann das Gespräch beendet? Vermutlich gehts aber eher darum ob A und B die räumliche Nähe weiterhin aufrecht erhalten wollen. Die räumliche Nähe gestattet es B sich das anzuhören was A sagt. Solange B nicht weggeht oder bereit ist sich erneut mit A zu treffen kann man wohl sagen, dass die Kommunikation weitergeht. Aber dies ist wohl kaum als Gespräch zu bezeichnen. Solch ein Beisammensein ist natürlich mehr als nur verbale Kommunikation. Es ist, darüber hinaus, auch ein körperliche Kommunikation. Indem zwei Leute gegenseitige Nähe suchen und aufrecht erhalten bringen sie sich gegenseitig zum Ausdruck "Ich mag dich" und zwar mehr als die anderen. Man hebt also aus den Millionen und Milliarden Menschen auf der Erde einen heraus, und mit dem verbringt man seine Zeit. Dieses Verhalten findet seine Erklärung vielleicht in einem biologischen Instinkt der mit dem Herdentrieb verwandt ist.
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#19
04.01.2020, 16:44
Schön erklärt mit der Nähe. Danke dafür.
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#20
04.01.2020, 18:27
In der Aufzählung fehlt mir am meisten:

- Interesse an der anderen Person
- Abladen von Sorgen (nach der Formel "geteiltes Leid ist doppeltes Leid durch vier" wink1 )
und das ist wiederum ein Spezialfall von:
- Erzählen

und dann noch:
- Spaß haben, Gedanken mit Humor fortspinnen
(das geht vllt noch am ehesten in "Geselligkeit suchen" auf.)

Der Punkt "Verbesserungsvorschlag" sticht für mich seltsam heraus. Dazu fällt mir nämlich sofort ein, dass zuviele Menschen dazu neigen, sich gegenseitig Tipps zu geben, wenn diese gar nicht erwünscht sind. Mir ist das bei einigen Freunden schon sehr unangenehm, auf ein "mir gehts schlecht" ein "mach X,Y,Z!!" zu hören. ... das nur als kleine Abschweifung.

Bitte, Beschwerde, Gratulation, Dank ... alle sehr spezifisch? Und teilweise sehr auf irgendwelchen Zweck bezogen (außer Gratulation, das ich zum Erzählen als Gegenpart rechnen würde) So zweckvolle Gespräche sind auch voll wichtig, aber halt nicht als Gespräche? Da geht's ja dann um was anderes. huh
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#21
04.01.2020, 19:39
(04.01.2020, 13:39)gnutl schrieb:
Zitat:Jedenfalls - die Idee, dass Autismus irgendwie ein Symptom der heutigen Zeit sei, regt mich auf. wall Ich bin gerne autistisch, wäre ich es nicht, wär ich eine komplett andere Person, und vermutlich ziemlich langweilig.^^

Ich sehe den Widerspruch nicht.  hug2
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#22
04.01.2020, 20:26
"Ein Symptom der heutigen Zeit" klingt so, als gäbe es irgendwelche Ursachen, und wenn die gefunden wären, könnte man es verhindern. "Symptom" wird normalerweise in einem medizinischen Kontext für negativen Aspekte einer Krankheit verwendet. Es ist also kein neutraler Begriff, sondern attestiert uns Krankhaftigkeit und ... naja, wenn du das weiterdenkst, landest du früher oder später bei Eugenik.
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RE: Der Wunsch ein Gespräch zu führen
#23
05.01.2020, 11:56
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(04.01.2020, 16:20)Likeplacid schrieb: Zur Frage ob man zu einem Gespräch immer einen Anlass braucht- Als Gesprächsanlässe oder Motive können gedacht werden:

1. Informationsbedürfnis. Da reicht aber oftmals auch ein Buch, oder eine Internet - Recherche. Aus diesen Quellen bekommt man naturgemäß andere Antworten als von einer Person,  oder man könnte auch sagen: die Antworten sind anders strukturiert. Sie liegen in schriftlicher Form vor, wohingegen in einem Gespräch die Antworten in Echtzeit gegeben werden. Diese Antworten werden nicht aufbewahrt. Wenn derjenige, der die Frage gestellt hat und / oder sich diese Antwort nicht versteht ist sie gewissermaßen umsonst gegeben worden, außer, wenn er noch mal nachfragt "Wie hast du das gemeint?" "Kannst du das etwas näher erklären?"
2. Ausdrücken einer Beschwerde
3. Ausdrücken eines Danks
4. Verbesserungsvorschlag ("Ich finde das gut was Ihr macht, aber ich weiß wie man es noch besser machen könnte.") 
5. Geselligkeitsbedürfnis. Die Frage ist wie viel jemand, der sich irgendwo dazu gesellt, eigentlich reden muss, um behaupten zu können "Ich habe mich am Gespräch beteiligt " oder "Ich habe dazu gehört" 
6. Ausdrücken einer Bitte. 
7. Gratulation 

Bei mir erhebt sich jetzt die vielleicht unbeantwortbare Frage: Ab welchem Punkt wird aus einer sprachlichen (verbalen) Äußerung ein Gespräch? Im der Kommunikationstheorie unterscheidet man Sender und Empfänger. Jemand sagt was: der ist der Sender. Jemand hört zu (oder zumindest soll er es): das ist der Empfänger.  Ab dem Punkt wo der Empfänger antwortet wird er seinerseits zum Sender. Die Richtung der Kommunikation kehrt sich also um. Das kann endlos so weitergehen oder zumindest einige Stunden. Und am nächsten Tag kann es dann weitergehen. Viele private oder freundschaftliche Beziehungen scheinen nach diesem Muster zu funktionieren. Die Gesprächsanteile sind häufig ungleich verteilt, d.h. A redet mehr als B. Wenn B längere Zeit gar nichts mehr sagt, ist dann das Gespräch beendet? Vermutlich gehts aber eher darum ob A und B die räumliche Nähe weiterhin aufrecht erhalten wollen. Die räumliche Nähe gestattet es B sich das anzuhören was A sagt. Solange B nicht weggeht oder bereit ist sich erneut mit A zu treffen kann man wohl sagen, dass die Kommunikation weitergeht. Aber dies ist wohl kaum als Gespräch zu bezeichnen. Solch ein Beisammensein ist natürlich mehr als nur verbale Kommunikation. Es ist, darüber hinaus, auch ein körperliche Kommunikation. Indem zwei Leute gegenseitige Nähe suchen und aufrecht erhalten bringen sie sich gegenseitig zum Ausdruck "Ich mag dich" und zwar mehr als die anderen. Man hebt also aus den Millionen und Milliarden Menschen auf der Erde einen heraus, und mit dem verbringt man seine Zeit. Dieses Verhalten findet seine Erklärung vielleicht in einem biologischen Instinkt der mit dem Herdentrieb verwandt ist.

8. Austausch: Das geht meines Erachtens weit über 1. Informationsbedürfnis hinaus (dafür kann ich ja auch Wikipedia nehmen).
Man lernt gegenseitig voneinander, denn jeder versteht und verarbeitet Informationen etwas anders. Das ist auch angereichert mit "Wie fühle ich mich dabei?", "Wie kann ich damit (Tatsachen, Gefühle...) umgehen?". Daraus entsteht Anregung/Inspiration, Wissen um alternative Ansichten, Möglichkeiten usw.
9. Zum Aufbau, Erhalt, Festigen von Beziehungen. (Siehe auch Deinen Text unter der Aufzählung)
10. Zur Planung von Aktivitäten (z.B. wir gehen gemeinsam das Mammut jagen).
11. Bei der Durchführung von Aktivitäten zur Koordination

Usw.
Erkennen=>Annehmen
Ad Astra!
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