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Eltern Versöhnung - Eltern Komplexe» Austausch - Suche nach Rat

RE: Eltern Versöhnung - Eltern Komplexe
#31
01.01.2019, 23:18
Danke Lucinda für den Rat!
Ja du hast Recht. Ich war da wieder auf der Suche nach einem Endergebnis, was es gar nicht geben kann.
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RE: Eltern Versöhnung - Eltern Komplexe
#32
10.01.2019, 11:58
[+] 1 User sagt Danke! Lucinda für diesen Beitrag
Habe gerade noch einen aufschlussreichen youtube-Clip entdeckt:

https://www.youtube.com/watch?v=Cz2LD3nv4j0
 
Min. 20:55: Vergleich mit einer Allergie lol

Min. 22:55: zitiertes Zitat: "In einer guten Beziehung lebt man innig miteinander, in weniger guten nebeneinander und in einer psychopathischen / narzisstischen gegeneinander. (Bärbel Mechler)

Min. 29:25 zitiertes Zitat: "Jetzt sind wir in einem Stadium dem Leben nicht mehr nur reagieren, sondern antworten." (Satzbau richtig?) (Silke Schäfer)
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RE: Eltern Versöhnung - Eltern Komplexe
#33
12.06.2019, 22:04
[+] 2 User sagen Danke! ichbinmehr für diesen Beitrag
Vergebung

Mama als Kind hätte ich mir gewünscht dass…



du mir einmal zugehört hättest. Dass du deine Arbeit mal stehen und liegen gelassen hättest, um mit mir zu spielen. Ich weiß heute, dass du das emotional gar nicht konntest, weil ich ja der Teil von dir bin, den du nie sehen wolltest. Eltern gebären ihren Schatten.

Ich verstehe das durch all die Menschen die ich sehe, die so viel Arbeiten anstatt, die Zeit ihren Kindern zu widmen. Ich sehe das täglich in der KiTa in der ich arbeite.

Ich weiß durch meine Arbeit im Kindergarten, wie schwer es ist, die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen, wenn man selbst im Konflikt mit gewissen Themen steht. Wie soll man einem Kind Annahme geben, wenn man selbst keine hat?

Ich kenne es wenn Kinder an mir zerren, und etwas einfordern was bei mir im argen liegt. Ich weiß wie ich dann in Abwehr gehe, weil ich es nicht aushalte. Ich kenne den Konflikt.

Mama ich verstehe dich. Wie hättest du mir Liebe geben sollen, wenn du doch selbst keine hattest? Ich weiß du konntest es nicht. Ich verzeihe dir.

Ich hätte mir gewünscht, dass du dich mal über den Menschen der ich bin gefreut hättest. Aber wie hättest du das tun sollen, es hatte sich ja auch nie jemand über dich gefreut. Wenn du mir von deinen Eltern, von den Lehrern, von deiner Ausbildung erzählt hast, hattest du nur Menschen, die dich kritisiert und streng erzogen haben. Das war alles was du kanntest und daher konntest du nur das geben. Wie hättest du also das freie Wesen was ich damals wahr, lieben sollen?

Ich hab mir gewünscht, dass du meine Stärken erkannt hättest und stolz auf mich gewesen wärest, was ich geschafft habe. Muss ich wirklich weiter reden? Das alles kanntest du nicht und so konntest du es nicht geben.

Ich hätte mir gewünscht, dass du mir meine Kindheit und unseren materiellen Reichtum den wir ja im Prinzip hatten, gegönnt hättest. Stattdessen warst du neidisch auf das was ich hatte, denn ich bin in einer anderen Zeit geboren als du.

So konnte ich all das was ich besaß, nie wert schätzen. Jedes Spielzeug was ich besaß, hast du mir madig gemacht. Denn du hattest das nicht. Du hast mich dafür still gehasst, oder es mir weggenommen, weil du es auch nicht hattest. Erfolge die ich mir mit viel Mühe erkämpft hatte, Talente die ich in mir entdeckt hatte, hast du mir zerstört. Du hast all mein Selbstbewusstsein zerstört, weil du keines hattest. Du hast mich nie gelobt. Es hat dich zu sehr geschmerzt, denn dann wärest du mit deinem inneren Mangel konfrontiert gewesen. Du wolltest nicht dass ich dich überrage.

Mama ich verstehe deinen Neid. Ich bin manchmal auch neidisch, zum Beispiel wenn ich mit Menschen wetteifere die gesund sind, während ich chronisch krank bin, die erfolgreich sind, während ich mich als ständigen Versager erlebe. Ich war mein ganzes Leben neidisch auf die Kinder, die liebevolle Eltern hatten, auf die Menschen die ohne schweres Trauma ins Leben starten durften, weil die andere Startchancen ins Leben hatten als ich.

Ich weiß wirklich was Neid ist Mama. Es ist der Schmerz über den eigenen Mangel während andere so viel haben. Und deshalb verzeihe ich dir.

Du wurdest kurz nach dem Krieg geboren. Du hattest 10 Geschwister. Es gab nichts was dir alleine gehörte. Ich war Einzelkind. Du bist in erbärmlicher Armut aufgewachsen. Du hattest nicht immer warme Kleidung. Warme Kleidung war für mich ein Selbstverständlich. Du hattest nicht immer genug zu Essen. Ich schon. Es gab kein Geld, so dass du nicht auf Schulausflügen mitfahren durftest. In deinen Schulferien musstest du auf dem Feld arbeiten. Zu Hause musstest du arbeiten. Ich versteh jetzt Mama warum du mein Spiel immer wieder zornig unterbrochen hast, denn du durftest nicht frei spielen. Ich verstehe warum du meinen Müßiggang immer getadelt hast.

Du wurdest übel geschlagen. Das was du erlebt hast, nennt man heute schwere Kindesmisshandlung. Aber du hast das alles nicht an dich ran gelassen. Du musstest stark, sein um in dieser Zeit überhaupt zu überleben. Die ganze Gesellschaft in die du hineingeboren wurdest, war vom Krieg schwer traumatisiert. Psychologische Aufarbeitung gab es damals nicht. Der Gesellschaft in der du gelebt hast, blieb es nur übrig das Erlebte ins Unbewusste zu verdrängen.

Das Trauma des zweiten Weltkrieges schleppt sich bis in die nächste Generation fort. Heutige Generationen von Eltern und Kindern leiden an Leistungswahn, Konsumterror und Burnout. Das alles ist immer noch eine Folge des Krieges. Alles Taktik, um blos nicht fühlen zu müssen, was darunter liegt. Aber solange das nicht bewusst gesehen wird, wird sich nichts ändern. Es wird sich nur verformen, verzerren und es dadurch wieder unsichtbar machen....

Mama dein Weg mit der Gewalt umzugehen war, dass du dir einen unbeugsamen Stolz bewahrt hast. Deshalb haben auch all meine Versuche mit dir über die Gewalt in meiner Kindheit zu sprechen nicht funktioniert. All meine psychologische Aufklärungsarbeit die ich leisten musste, wolltest du nicht sehen.

Du wolltest meinen größten Erfolg nicht sehen. Nie wolltest du etwas sehen, was ich errungen habe. Du hast mein Wesen immer abgelehnt. Daran habe ich mein ganzes Leben verzweifelt gearbeitet. Ich bin an deiner Ablehnung verzweifelt. Aber ich kann dir das nicht übel nehmen, denn ich sehe du kannst nicht anders.

Ich sehe dass du immer noch stark sein musst, damit dein ganzes Gebäude, welches dich am Leben hält, nicht über dir zusammen bricht. Es tut mir leid was du erlebt hast. Ich verzeihe dir, dass du mich deshalb mit meinem Schmerz nie ernst nehmen konntest. Ich verzeihe dir, dass du mich dein Kind abgelehnt hast. Ich habe dich bedroht durch meine Liebe, meinen Wissensdurst, du meine Aufrichtigkeit.

In deinem verhärteten Ego hatte Sensibilität und Liebe keinen Platz. Ich hatte wie ich war, keinen Platz in deinem Leben.

All meine Versuche dir zu erklären, was die Gewalt meiner Kindheit mit mir gemacht hat, hast du ignoriert. Ich verstehe dass du deine Fassade aufrecht halten musst. Ich verstehe, dass du keine Gefühle zeigen darfst. Ich verstehe warum du so kalt und unbarmherzig, so unnachgiebig bist. Ich verstehe dass du Angst hast. Deshalb konntest du mir nicht einmal Entschuldigung sagen. Deshalb hast du so getan als wäre die Gewalt nie geschehen. Deshalb deine Ignoranz. Entschuldigung dass ich deine Angst so lange nicht ernst genommen habe. Ich sehe erst jetzt wie schwach du bist. Ich sehe erst jetzt wie stark ich sein musste.

Und so dufte ich, da ich als hochsensibler, feinfühliger Mensch geboren wurde, mit meiner Persönlichkeit keinen Platz in deiner Welt finden. Mein Drang nach Authentizität und Aufklärung hatte keinen Platz. Du hast mich daher mit meiner herzlichen Aufrichtigkeit und meinem wachen Verstand als Störenfried empfunden. Du hast all meine wunderbaren Talente missbilligt, weil sie dich gefährdet haben. Mama ich verstehe es jetzt.

Du hattest Angst, dass ich deine Schutzmauern mit meinem offene Herzen einreiße. Du hattest eine wahnsinnige Angst vor meiner Liebe. Deshalb hast du mich mit meiner Liebe zurück gewiesen. Mama ich verstehe dich heute. Und ich verzeihe dir. Heute kann ich sehen, du wärest bis zu deinem Kern zusammen gebrochen. Denn all deinen Schmerz konntest du nur durch deine Härte ertragen.
Auch ich hatte eine Härte über das gelegt, was ich nicht verarbeiten konnte. Wie könnte ich dir das zum Vorwurf machen. Ich weiß doch es bleibt uns nichts anderes übrig, wenn wir nicht die Kraft haben es zu verarbeiten.

Du hattest dir ein Kind gewünscht, damit du endlich mal deinen freien Willen ausleben darfst.
Du hattest die Hoffnung, dass ich dich glücklich mache, indem ich deine Wünsche auslebe.
Du wusstest nicht, dass ein Kind bereits eine eigene Individualität besitzt. Eigene Vorstellungen vom Leben hat. Du hast gedacht, ich müsse geformt werden. Du wusstest es nicht besser. Du hast ja dein intuitives Gefühl unterdrücken müssen. Du hattest keine Verbindung zum Herzen mehr, wie ich. Nein du hattest das nicht.

Du hast mich in eine Anpassung gezwungen, in der ich meine Persönlichkeit unterdrücken musste.
Viele Jahre habe ich wie in einer Zwangsjacke gelebt. Aber nun habe ich mich befreit. Es tut mir leid, dass ich dich enttäuscht habe. Es tut mir leid, dass sich nicht die Tochter bin, die du haben wolltest. Es tut mir leid, dass deine Wünsche nach einem Kind welches deine Träume lebt, nicht in Erfüllung gehen. Denn du hast deine Träume ja nie gelebt. Du hast sie dir versagt und auf mich projiziert. Es tut mir leid, dass ich dich Unglücklich mache.

Du hast selbst nie erlebt, deine Individualität frei und ohne Sorgen und Nöte zu leben. Du warst in deiner Kindheit in einem puren Überlebensmodus. Du dachtest mit deiner strengen Hand, die mich schlug, wenn ich nicht gehorchte, wenn ich meine individuelle Meinung sagte, tust du mir etwas gutes. Du schlugst mich mit den Worten. Ich dulde keine Widerworte. Dabei gabst du deinen Maulkorb lediglich unbewusst an mich weiter. Und hättest du deinen Maulkorb in Frage gestellt, dann wäre all dein Schutz zusammen gebrochen.

Über diesen Punkt hatten wir den größeren Konflikt. Du wolltest einfach nicht einsehen, dass du etwas falsches getan hat. Es hat keinem geschadet pflegtest du immer zu sagen. Mama ich habe sehr darunter gelitten. Bis heute steckt in meinem Körper ein Trauma, welches ich noch nicht ganz überwinden kann.

Du warst nie bereit Mitgefühl für meinen Schmerz zu zeigen. Du konntest mich nicht ernst nehmen, weil es dich gefährdet hätte. Du konntest nicht einmal sagen, dass es dir leid tut. Du konntest nicht sagen, dass es ein Fehler war, mich zu schlagen. Denn du bist ja so stolz, du machst keine Fehler. Mama ich sehe du hast so viel Angst, deine Fehler zuzugeben, dass du es nicht sagen kannst.

Ich vergebe dir deine Fehler. Ich sehe du konntest nicht anders. Schließlich durftest du die Gewalt ja nie in Frage stellen. Du hast so viel Angst, dass deine Fassade mit diesen Worten „Es tut mir leid“ zusammen bricht, dass du es nicht sagen konntest. Du konntest kein Mitgefühl mit mir haben, weil du kein Mitgefühl mit dir hast.

Du hast Angst dass dein Leben, dein verdrängtes Leid dich mit diesen Worten überrollt und du bis ins Mark erschüttert wirst, wenn du Mitgefühl mit mir hättest. Und deshalb bist du lieber Stolz und kühl und hart. Deshalb machst du mich zum schwarzen Schaf der Familie. So wie ich bin lehnst du mich ab. Mama ich verstehe dich. Ich gefährde deine kleine Welt.

Und Mama ich weiß wie schwer es ist, die ganze Kindheit, die ganzen Schmerzen nochmal Revue passieren zu lassen. Ich weiß wie es sich, wenn man pausenlos von Schmerzen überrollt wird. Ich weiß wie es ist wenn sich zu entscheiden wider zu Fühlen, Jahrelangen Schmerz bedeutet. Mama ich verzeihe dir, dass du nie die Kraft hattest, dir deinen Schmerz anzusehen. Es gibt Tage da kapituliere ich ebenfalls. Es gibt Moment da kann ich nicht mehr.

Mein Leben lang musste ich die Schuld tragen, schon als kleines Kind, dass unsere Familie gestört ist. Ok Mama ich trage die Schuld. Bürde mir diese Schuld auf. Ich trage sie. Mach mich zum Sündenbock. Mama ich verzeihe dir. Denn ich weiß du hast nicht die Kraft die Verantwortung für dich selbst zu tragen. Ich vergebe dir.


Papa, als Kind hätte ich mir von dir gewünscht dass ...


du mich beschützt hättest, als Mama mich geschlagen hat. Sie war sehr streng zu mir, wie du weißt, aber obwohl du das nicht mochtest, hast du nicht eingegriffen. Ich weiß du hattest Angst ihre Liebe zu verlieren. Du hattest Angst dich durchzusetzen. Sie war mit ihrer Durchsetzungskraft der Spiegel dessen was du in dir abgelehnt hast. Deshalb konntest du nicht stark genug sein, für mich. Du konntest mich nicht beschützen und mich nicht trösten, weil du Angst hattest.

Ich verzeihe dir. Ich verstehe dich. Ich erlebe in meiner Arbeit so viele Situationen, wo Kinder subtile Gewalt erfahren. Gewalt wo in unserer Gesellschaft weggesehen wird. Wo Erwachsene sagen, da muss er/sie jetzt durch. Wo sie sagen es würde nicht weh tun. In Wirklichkeit fehlt ihnen jedoch
Einfühlungsvermögen, weshalb sie den Schmerz nicht mehr fühlen. Und ich erfahre so oft, dass ich nicht den Mumm habe mich durchzusetzen. Dass ich es einfach nicht schaffe, obwohl ich bis ans Ende meine Kräfte kämpfe. Und so musste ich aufgeben, gegen das zu kämpfen was ich nicht ändern soll.

Ich kann sie nicht alle retten. Es ist manchmal so hart für mich, wenn ich mit dazu beitrage, dass sich ein Kind verhärtet und ich zusehen muss, wie sich das Ego verdichtet. Ich kann es nicht verhindern, obwohl ich mein bestes gebe. Ich will nicht mehr kämpfen. Es ist so traurig, zusehen zu müssen, wie offene, herzliche Menschen sich verschließen um sich an diese verhärtete Welt anzupassen.

Ich hatte mir diese Aufgabe zur Lebensaufgabe gemacht. Ich hatte es mir als Kind geschworen, alles zu tun, damit andere Kinder das nicht erleben müssen, was ich erfahren habe. Aber ich muss kapitulieren. Ich kapituliere hiermit. Ich gebe auf.

Und wie könnte ich dich Papa verurteilen, wenn ich selbst nicht die Kraft besitze, die Gewalt zu besiegen. Wie kann ich deine Feigheit verurteilen, wenn ich ebenso feige bin, und es nicht schaffe, mich bis zum letzten Punkt aufzuopfern. Ich will mich nicht mehr aufopfern. Es ist mir gegenüber ungerecht. Ich habe es geschworen, aber ich kann ihn nicht einhalten. Bitte Schwur lass mich los. Lass mich endlich in Frieden leben. Ich möchte mich nicht mehr für die Kinder verantwortlich fühlen, denen ich nicht helfen kann. Bitte erlöse mich von deiser Last, die ich nicht tragen kann.

Du Papa warst der Mann, aber du warst immer der schwache. In unserer Familie werden die männlichen aktiven und aggressiven Energien vorwiegend durch die Frauen ausgedrückt. Dieses geschah den Frauen meiner Familie ebenso unfreiwillig. Wir mussten schon in frühster Kindheit stark sein. Es ist ein unendlicher Kreislauf, bis ihn jemand durchbricht.

Dieses durchbrechen des Kreislaufes fühlt sich an, als ob du aus vollem Tempo stoppst und du spürst überall wie du mit der Umwelt kollidierst, die du assimiliert hast. So war auch ich, mein ganzes Leben stark, weil ich keine andere Wahl hatte. Ich lebte ja nie in einer Umgebung, in der ich schwach sein dufte. Ich wollte für andere Stark sein. Denn es war ja niemand da, der mich aufgefangen hatte. So dachte ich, wenn ich sie halte, halten sie mich. Bitte lasse mich für mich alleine stark sein.

Weil du Papa als Vater nicht funktional warst, habe ich deine Rolle übernommen. Ihr wart in euren Rollen beide dysfunktional. Eine Mutter bei der ich Geborgenheit und Liebe finden konnte, hatte ich ebenso nicht, wie einen Vater der mich beschützt hat.

Und dann sagen dir die Leute, finde einfach mal Urvertrauen in dir. Fühl doch einfach mal deine Quelle. Es ist oft gut gemeint, aber leider fehlt da oft das Verständnis für meine Situation. Das ganze innere System bildet sich auf Grund des Traumas in eine Richtung. Nicht immer kann man seine Quelle so erreichen.
Ich musste schon als Kind gefühlt die Verantwortung für meine Eltern übernehmen. Ich kenne es gar nicht anders, als mich für die Menschen in meiner Umgebung verantwortlich zu fühlen und erst Ruhe zu finden, wenn ich alle gerettet und erlöst habe. Denn ich selbst kann ja in dieser harten Welt, in der alle ihr Herz verschlossen haben nicht leben.

Ich bin diejenige die dieses Familienkarma nun durchbricht. Heute bin ich beides, Stark und Schwach. Ich möchte beides sein dürfen. Und damit bin ich die vollkommenste. Ich fühle mich zwar wie das schwarze Schaf der Familie weil ich mich dem nur durch massiven Widerstand entziehen kann, aber ich weiß ich habe den Hauptgewinn.

Papa deine Schwäche ist vielleicht deine größte Stärke. Und würdest du dich dafür wert schätzen, würdest du deine Stärke sehen. Es gab Zeiten da habe ich dich gehasst. Nicht für deine Schwäche, sondern für deine falsche Stärke.

Du konntest dich nicht wert schätzen mit dieser Schwäche. Männer halten sich für Versager, wenn sie sanft und weich sind und sich nicht durchsetzten können. Und erst Recht wenn sie einer starken Frau nicht gewachsen sind, sie sie immer klein macht.

Du wurdest Alkoholiker, weil du dich für einen Versager gehalten hast. Auch dir hat Liebe gefehlt wie uns allen. Alkohol war dein künstliches Mittel, mit dem du dich auf eine künstliche weise Stark gefühlt hast, und mit dem du Mama und mir Angst gemacht hast. Alkohol hat dir das Gefühl gegeben mit der Erde verbunden zu sein und starke Wurzeln zu haben. Ja ich kenne das. Das ist auch die einzige Situation in der ich mich mit der Erde verbunden fühle.

Dabei hättest du dich nur so annehmen müssen, wie du warst, eben als den sensiblen, herzlichen und ängstlichen Mann der du bist. Und so sehe ich mich auch in dir. Ich sehe wie ich immer wieder darum kämpfe, mich angemessen durchsetzten zu können. Ich sehe wie schwer es ist, mich mit meinem verletzlichen Herzen der Welt zu öffnen. Bitte hilf mir die Kraft zu finden, dass ich mein Herz offen behalten kann.

Was wir brauchen ist Verständnis für unser individuelles Selbst. Leider wird uns diese Selbstannahme beinahe überall aberzogen. Dem Mann und der Frau. Auch mir wurde meine Weichheit aberzogen.
Mir als Frau ist meine selbstbewusste Stärke ebenso aberzogen worden. So einsteht unser Ego und unsere emotionale Verhärtung uns selbst gegenüber. Dabei waren wir einst beides. Mann und Frau. Stark und Schwach.

Man könnte in einem fortwährenden Widerstand gegen das Leben sein, wenn man sich den ganzen Schmerz bewusst macht, den wir täglich erfahren müssen. Nicht alle Menschen erfahren den Schmerz überhaupt so bewusst wie ich. Viele verdrängen ihn so sehr, dass er in ihrem unbewussten Schatten liegt. Dann bekommen sie Partner oder Kindern die diese Seite für sie ausleben. Wir werden immer mit dem konfrontiert, was wir nicht leben wollen.

Wenn dir der Schmerz bewusst ist, dann kannst du nicht mehr darüber hinweg sehen. Schmerzhafte Erfahrungen helfen uns, in eine tiefe Auseinandersetzung mit uns selbst zu gehen.

Wenn Selbsterkenntnis dein Lebensziel ist, dann kannst du deinen negativen Erfahrung vielleicht einen höheren Sinn geben, die dich zu einem bewussteren Wesen macht.

Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht. Manche bewegen sich lieber an der Oberfläche des Lebens. Das ist in Ordnung. Es ist ihr Leben. Entweder verdrängst du den Schmerz und lebst an der Oberfläche, oder du gehst in den Schmerz und gehst in die Tiefe.

Es ist für mich in etwa so, als ob es verschiedene Frequenzen gibt, auf denen wir uns durch das Leben bewegen können. Je nach dem so du dich entlang lebst, siehst du andere Seiten des Lebens. Und je nachdem was du vom Leben siehst, ist deine Haltung, deine Neigungen und Abneigungen dem Leben gegenüber eine andere. Der Standpunkt den du dem Leben gegenüber hast, ist aber immer von deiner individuellen Perspektive abhängig. Änderst du den Pfad, erfährst du eine andere Perspektive. Was ich damit sagen will, wir sehen fast nie das Ganze. Um so mehr wir Ganzheit sehen, um so eher können wir vergeben.

Mein Leben bewegte sich immer schon auf dem Schattenpfad entlang. Und es ist daher mein Weg, eine Annahme für die Dunkelheit zu finden. Nicht immer sind wir einer Meinung, was unsere Erkenntnisse angeht. Nicht immer ist eine Erkenntnis, für jeden gleich wertvoll. Manchmal müssen wir unsere Pfade verlassen, um Einsicht in eine neue Perspektive zu erhalten.

Ein Erfolgsmensch der in der Oberflächlichkeit des Lebens Fuß fasst, wird mit meinen philosophischen Ausschweifungen über die Schattenaspekte des Lebens vielleicht nichts anfangen können. Vielleicht lehnt er meine Negativität ab. Und so geht es mir auch oft umgekehrt, mit den Weisheiten, die andere Menschen von sich geben, die einzig die helle Seite erleben.

Ich würde sehr gerne mal den Pfad wechseln.
Ich Mond (Dunkelheit), möchte jetzt mal Sonne (Licht) sein.

Kriegen wir das hin? Meine innere Stimme sagt ja, schon bald.


Mama, Papa, ich bin jetzt frei, weil ich euch endlich vergeben kann.

blumen
 

Ich habe es so oft versucht. Aber erst jetzt kann ich es ohne Widerstand fühlen.
Erst jetzt kann ich aufgeben. Ich möchte aufgeben. Bitte lass mich endlich aufgeben.
Und bitte sei diesmal für mich da und fange mich auf.
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