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Welche Forschung ist euch wichtig?

RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#16
15.07.2018, 12:45
(12.07.2018, 08:20)gnutl schrieb: Zustimmung für:
- als Koautoren zur Seite stehen
- Wikipediaartikel bearbeiten
- über Didaktik lernen

Was Journalist*innen angeht, so haben viele aus der Wissenschaft schlechte Erfahrungen damit gemacht - dass ihre Forschungen unter eine völlig irreführende Schlagzeile gepackt werden, zum Beispiel. Da kann ich gut verstehen, dass das die Forscher*innen selbst eher abstößt. Das ist vllt dann auch einfach nicht ihr Job - sondern es bräuchte wohl besser wissenschaftlich gebildete Journalist*innen.
ja, das ist ein problem. aber gerade darum wäre eine bessere zusammenarbeit mit journalist*innen ja ebenfalls gut (neben der besseren wissenschaftlichen bildung ebenjener). wenn sie nämlich ganz ohne kontakt zu wissenschaftler*innen recherchieren, sind die möglichen entstellungen ja noch gravierender.

Zitat:Über Populärliteratur denke ich ähnlich - ich hab nicht so wirklich Vertrauen in die.... tendentiell verkauft sich reißerisch aber falsche Information halt oft besser. Das liegt nicht an Einzelpersonen, sondern am System, das Menschen dazu bringt, etwas verkaufen zu wollen.
ich meine in dem fall, dass wissenschaftler*innen selbst mehr populärliteratur schreiben sollten. natürlich ist da immer das problem, wie gut sich das verkauft, wenn es nicht reißerisch gemacht wird, und wie man seinen aufwand finanziert, wenn es sich eben nicht so gut verkauft... wie joe sagt.

(12.07.2018, 11:53)Schuhbewegtsich schrieb: Prinzipiell sorgt die Arbeitsteilung für ein Expertenwissen, sodass wir grundsätzlich erst mal einseitig gebildet sind  – das betrifft dann eben auch die allgemein menschlich relevanten Themen. Philosophie wird für den voll lohnarbeiteten Menschen, der tagsüber gar nicht auf die Spur der Selbsterkenntnis drauf rutschen darf, wenn er das aushalten will – zur seichten Feierabendliteratur, die keine große Anstrengung mehr von einem abverlangt – man kann es auch niemandem verdenken, sich dann nicht mehr anstrengen zu wollen.
das ist sicherlich auch überspitzt formuliert, um den gedanken besser rüber zu bringen. ich halte es aber für zu überspitzt (folgendes auch @lu ping die ungefähr ein ähnliches argument brachte).

zunächst denke ich nicht, dass philosophie oder beschäftigung mit wissenschaften usw. zwingend viel zeit erfordert. was es erfordert, ist v.a. hingabe. dass man, wenn man soweit geht, seinen arbeitsalltag nicht mehr aushält, glaube ich auch nicht. das kann natürlich passieren, aber ich halte es nicht für einen zwang. ich denke, viele setzen ihre prioritäten was die freizeit angeht (feierabend, wochenende, urlaub) eben so, dass darin kein platz für diese beschäftigungen ist. es wäre aber platz, wenn man sich weniger den medialen und sozialen benebelungen hingeben würde, die so verbreitet sind. nun wäre dein argument, dass diese benebelungen helfen, den status quo auszuhalten. aus meiner sicht helfen sie dabei erstens nicht wirklich (z.b. gibt es deswegen so viele burnouts und erkrankungen), und zweitens gibt es wirklich beschäftigungen, die einen auch beflügeln oder besser erholen können, als das barbecue mit den nervigen eltern oder das herumsitzen vor dem bildschirm.

wirklich erholsame und energetisierende tätigkeiten und lebensweisen muss man natürlich erstmal selbst herausfinden, das ist ein nachteil, da man üblicherweise dem gewohnten gang der gesellschaft folgt und dem was man so gelernt hat. insofern sehe ich tatsächlich eine tretmühle, aus der es schwer ist, auszutreten und an der auch die vollzeitarbeit mit schuld hat. aber die schuld liegt sicherlich auch viel früher schon in der erziehung und sozialisation zu einem menschen, der eben nur den gesellschaftlich vorgegebenen wegen folgen will und nichts anderes mehr in frage kommt.

deswegen würde ich den systemzwang der erwerbstätigkeit nicht überschätzen. wer es persönlich geschafft hat, soweit zu gehen, "hinter den vorhang zu schauen" (pathetisch ausgedrückt), wird dies auch in allen arbeitsbedingungen tun (farady forschte z.b. nach seinem langen arbeitstag privat in der übrigen freizeit und mit wenig geld). natürlich werden die finanziellen mittel und die freizeit trotzdem entscheiden, wie viel wissenschaft man z.b. betreiben oder an die menschen weitergeben kann. aber ein wenig dürfte immer gehen und hier sind andere zwänge am werk, die das stärker verhindern.

Zitat:Zum Verständlichkeitsproblem kommt außerdem hinzu, dass Wissenschaftler nicht im Althergebrachten unbeweglich herumturnen, sondern an den Neuigkeiten und Fortschritten arbeiten – an weiterer Erkenntnis, an sich vertiefender Differenzierung der Sachgebiete - was den Schwierigkeitsgrad für Nichtwissenschaftler zwangsläufig erhöht. Die Themen sind in sich obendrein wegen ihrer zu erarbeitenden Inhalte schon schwierig.  
Was Wissenschaftler für die Gemeinschaft erarbeiten, ist zunächst nicht im allgemeinen Sprach- und Denkgebrauch verankert, kann es entsprechend des Fortschritts gar nicht sein. Was sich letztlich als bedeutsam bewahrheitet, wird dann erst mit der Zeit zum Allgemeingut.
wobei auch laien sehr begabt und schlau sein und dem neuen gut folgen können. stimmt natürlich, dass die meisten erstmal schwierigkeiten haben werden.

es ist ja ne gute sache, dass es mittlerweile immer mehr publikationen online gibt. leider sind das alles werke, die man v.a. dann versteht, wenn man die grundlagen schon verinnerlicht hat, und die man auch nur dann findet, wenn man sich bisschen in der forschung auskennt. grundlagenwerke sollten ebenfalls besser zugänglich sein. immerhin gibt es schon mal wikipedia.


(12.07.2018, 13:13)Lu Ping schrieb: um die Ideen der radikalen Schulkritik kurz auf den Punkt zu bringen, geht es darum, dass Kinder die Lerninhalte selbst bestimmen und Lehrpersönlichkeiten das Erlernen „nur“ begleiten, mit Rat und Tat zur Seite stehen, um der kindlichen Neugier gerecht zu werden.
ja das sehe ich auch so.


(13.07.2018, 22:09)Rhetor schrieb: Allerdings sollten Autoren populärwissenschaftlicher Werke sich darüber im Klaren sein, wie sie damit auf Leser wirken, die einen strengeren Standard gewohnt sind.
zu einem gewissen grad kann man da ja mehrgleisig fahren und z.b. fußnoten verwenden - die der*die lai*in dann ja leicht überfliegen kann. und dann geht es natürlich darum, klar zu machen, was die zielgruppe ist.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#17
15.07.2018, 13:51
(15.07.2018, 12:45)spell bound schrieb: […] die der*die lai*in dann ja leicht überfliegen kann. […]
Nur kurz dazu: Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Gendering in geschriebener Sprache das Lesen erschweren kann. Ironischerweise lässt sich diese Stelle nicht leicht überfliegen. Ich hab’ erst “Dalai Lama” lesen wollen.



Eventuell werde ich später noch diesen bislang themenentfernten Beitrag dazu nutzen, mich selbst zur eigentlichen Diskussion zu äußern. Gerade die Frage nach der Schulbildung finde ich interessant und relevant.

Was Forschung und Hochschullehre angeht, ist meine prinzipielle Überzeugung, staatlich all jenes zu fördern, an dem Interesse vorhanden ist, soweit, wie Interesse vorhanden ist. Das ist aber ziemlich billig und ich sollte da wohl noch reflektieren und differenzieren. Es gibt einige Studiengänge, deren Sinn sich mir bislang noch nicht erschlossen hat und deren Sinn ich auch nicht auf Teufel-Komm-Raus verstehen muss: Medien-, Frauen- und Geschlechterwissenschaften, fallen mir spontan ein – warum diese Forschungszweige zu eigenen Wissenschaften erhoben worden sind, ist mir noch ein Rätsel. Wäre ich also für Forschungs- und Lehrgelder verantwortlich, würde ich vermutlich bei solchen Wissenschaften doch noch mal nachfragen wollen, worum es bei ihnen eigentlich handelt.

Daran merke ich jedenfalls, dass ich nicht völlig unabhängig vom Inhalt Förderung nach Interesse verteilen würde.

Generell halte ich es aber für sehr gefährlich und falsch, Förderung von Wissenschaften an Nützlichkeit festzumachen. Den höchsten Sinn in der Lehre sehe ich in kultureller Bildung. Die ist gerade bei den “unnützlichen” Wissenschaften, den Geisteswissenschaften, am stärksten. Hier habe ich aber etwas die Sorge, dass deren Lehre zu politisiert betrieben wird. Es gibt da auch so ein besorgniserregendes Interview mit Yuri Bezmenov. Besonders hoch schätze ich Altphilologie, wo ich diese Gefahr auch noch am wengisten vermute. Was ich als höchsten Sinn der Forschung sehe, weiß ich noch nicht.

Ja, ich finde, man sollte mehr klassische Phlilologie fördern. Das darf nicht sterben. Gerade an der Schule.
Oh, how can you be so invisible? Give me the nerves to see …
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#18
15.07.2018, 14:19
Ja, warum Geschlechterwissenschaften überhaupt existieren, ist mir rätselhaft. Da gibt es ja nix zu erforschen und es ist ja wirklich klar und eindeutig.

*rennt weg*
~ I primarily want to light up a flame in a raging storm ~


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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#19
15.07.2018, 14:23
(15.07.2018, 13:51)Zed schrieb:
(15.07.2018, 12:45)spell bound schrieb: […] die der*die lai*in dann ja leicht überfliegen kann. […]
Nur kurz dazu: Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Gendering in geschriebener Sprache das Lesen erschweren kann. Ironischerweise lässt sich diese Stelle nicht leicht überfliegen. Ich hab’ erst “Dalai Lama” lesen wollen.
das ist mir auch aufgefallen, grundsätzlich finde ich "der*die" nervig. ohne das wäre es ja kein problem gewesen. müsste jemand was besseres vorschlagen der*die sich damit mehr auskennt ^^ bin noch neu im gendern.

Zitat:Es gibt einige Studiengänge, deren Sinn sich mir bislang noch nicht erschlossen hat und deren Sinn ich auch nicht auf Teufel-Komm-Raus verstehen muss: Medien-, Frauen- und Geschlechterwissenschaften, fallen mir spontan ein – warum diese Forschungszweige zu eigenen Wissenschaften erhoben worden sind, ist mir noch ein Rätsel.
es gibt viele und immer mehr interdisziplinär orientierte wissenschaftsgebiete, die sich mit einem speziellen themengebiet beschäftigen, zu dem dann verschiedene hilfswissenschaften zurate gezogen werden. dass man z.b. nicht von "religionswissenschaften", sondern "religionswissenschaft" spricht, liegt darin begründet, dass sie auch eine eigene methodologie entwickelt. es ist eben mehr als ein sammelsurium anderer wissenschaftlicher beschäftigungen mit diesem thema, sondern beinhaltet auch die fragestellung, wie man am besten religion erforschen kann, wie die verschiedenen wissenschaften hier sinnvoll eingesetzt werden können, und bündelt natürlich auch die lehre.

auch relevant dazu:
https://de.wikipedia.org/wiki/Integrationswissenschaft


Zitat:Daran merke ich jedenfalls, dass ich nicht völlig unabhängig vom Inhalt Förderung nach Interesse verteilen würde.
daran merkt man ebenfalls, dass wissenschaft immer politisch verortet ist, v.a. geisteswissenschaften. z.b. in der auswahl an themen, die man für erforschenswert hält, oder in der methode der erkenntnisgewinnung. man kann das reflektieren (was v.a. junge forschungszweige tun), dadurch wird ideologischer missbrauch unwahrscheinlicher. beispielsweise wird in der religionswissenschaft reflektiert, wie diese in der ns-zeit , ddr, oder in der zeit des kolonialismus ideologisch vereinnahmt wurde und dadurch unterdrückung gefördert oder legitimiert wurde. wenn es um themen geht, die politische relevanz haben, ist es unmöglich, sich davon frei zu machen, daher halte ich es für sinnvoll, wenn man sich stattdessen ausgiebig mit den politischen implikationen der eigenen forschung befasst.

Zitat:Ja, ich finde, man sollte mehr klassische Phlilologie fördern. Das darf nicht sterben. Gerade an der Schule.
warum? (ich finde sie auch nicht schlecht. aber warum speziell sie?)
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#20
15.07.2018, 18:07
Zitat:Ja, warum Geschlechterwissenschaften überhaupt existieren, ist mir rätselhaft. Da gibt es ja nix zu erforschen und es ist ja wirklich klar und eindeutig.
Wenn du ne umfassende Antwort auf die Frage "Was ist eigentlich ein (menschliches) Geschlecht?" suchst, wirst du bald feststellen, dass es da noch viel zu forschen gibt. Sowohl von Biologie, als auch von Medizin, als auch Soziologie und Psychologie her.
Lebe jeden Moment so wie du ihn brauchst!
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#21
15.07.2018, 18:14
das war "eher" ironisch gemeint, gnutl^^
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#22
15.07.2018, 18:36
[+] 1 User sagt Danke! gnutl für diesen Beitrag
Is ok. normal Andere im Thread meinen's halt nicht ironisch.

Beispiel, das mir grad unter der Dusche einfiel: Manche trans Frauen erleben Regelschmerzen, wenn sie Östrogen nehmen - obwohl sie keinen Uterus haben. - Das ist doch mal rein aus biologisch-medizinischer Sicht schon mal ... unerwartet, nicht? Die Interaktion zwischen Gehirn, Hormonen, Körperform, eigener Zuordnung und sozialen Zuschreibungen ist verdammt kompliziert; ich musste meine Meinung dazu in den letzten Jahren immer wieder weitreichend ändern.^^

Zum Threadthema finde ich ja, dass ich auch einfach sagen kann: Alles, wo irgendwer dagegen ist, dass es erforscht wird, bedarf vermutlich einer genaueren Betrachtung. Hat ja seinen Grund, dass sich Menschen von Gender Studies angegriffen fühlen und aggressiv werden. wink1

Zitat:ja, das ist ein problem. aber gerade darum wäre eine bessere zusammenarbeit mit journalist*innen ja ebenfalls gut (neben der besseren wissenschaftlichen bildung ebenjener). wenn sie nämlich ganz ohne kontakt zu wissenschaftler*innen recherchieren, sind die möglichen entstellungen ja noch gravierender.
It's complicated...
Journalist*innen haben ja mehr oder weniger als ihren Ehrenkodex, dass sie nicht einfach was 1:1 übernehmen, nur weil es eine Autorität sagt. Aber gleichzeitig wär das halt manchmal auch gut, weil die Einstellung "Wir fragen beide Seiten" überhaupt nicht funktioniert, wenn die zwei Seiten ne Evolutionsbiolog*in und nen Kreationist sind. Neutrale Haltungen sind da etwas illusionär - ist ja in der Wissenschaft selbst schon schwierig genug, aber beim Prozess der Vereinfachung für ein Laienpublikum wird es noch um ein vielfaches schlimmer..
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#23
15.07.2018, 18:43
(15.07.2018, 18:36)gnutl schrieb: Neutrale Haltungen sind da etwas illusionär - ist ja in der Wissenschaft selbst schon schwierig genug, aber beim Prozess der Vereinfachung für ein Laienpublikum wird es noch um ein vielfaches schlimmer..
das finde ich nicht grundsätzlich kompliziert. journalist*innen sollten sich einfach etwas auskennen mit der materie, über die sie schreiben. da sind dann mehr als 2 sichtweisen angesagt. klar, das passt vllt nicht immer in den arbeitsprozess. folgt daraus, dass es im journalismus noch extremen bedarf an qualitätsverbesserung des berufstandes und der arbeitsbedingungen gibt.
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#24
15.07.2018, 18:59 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.07.2018, 19:19 von Liri.)
[+] 1 User sagt Danke! Liri für diesen Beitrag
Zitat:Hat ja seinen Grund, dass sich Menschen von Gender Studies angegriffen fühlen und aggressiv werden.

Ja. Das Thema zieht sich bei jeder Person durchs ganze Leben, wirkt sich letztendlich auf alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens aus, und es wundert mich, dass irgendwer der Meinung sein könnte, das bedarf keiner intensiven Erforschung. Ja, genau die Themen, die umstritten sind, sollten erforscht werden, was soll denn sonst erforscht werden außer dem, wo man sich nicht sicher, nicht einig ist oder das, was noch unbekannt oder nicht mehr bekannt ist?
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#25
15.07.2018, 19:59 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.07.2018, 20:05 von Zed.)
(15.07.2018, 18:07)gnutl schrieb: Wenn du ne umfassende Antwort auf die Frage "Was ist eigentlich ein (menschliches) Geschlecht?" suchst, wirst du bald feststellen, dass es da noch viel zu forschen gibt. Sowohl von Biologie, als auch von Medizin, als auch Soziologie und Psychologie her.
Ja, das mag sein – nur wirkt die Frage oder das Fragengebiet auf mich einfach zu lokal, um mehr als ein Forschungsgebiet zu sein. Man kann sich auch sehr viele Fragen zum Regenwald stellen – geographisch, geologisch, botanisch, biologisch, ökologisch –, und doch gibt es keine Regenwaldwissenschaften. Oder Ozeanwissenschaften. Also, die Begründung allein reicht mir nicht. Ich will da jetzt auch nicht in eine Diskussion einsteigen, sowas hatten wir ja schon anderthalb mal. Das sollten nur Beispiele sein.

An Spell: Da du bei den Artikeln Alternativen von Wörtern, nicht von Endungen, kennzeichnest, liest sich da zumindest für mich der Slash leichter, also “der/die Laie*in” vielleicht? Ich bin ja, wie man erwarten kann, kein Freund vom Gendern. Aber das beste, was mir untergekommen ist, ist einfach generisches Maskulinum und Femininum abzuwechseln. Das machen die Regelhefte von Dungeons & Dragons so. Eine weitere Option ist also, einfach “die Laiin” zu verwenden. Mal Männer, mal Frauen ausgrenzen – finde ich natürlich besonders gut, weil das klar macht, wie schnuppe das letztendlich ist.
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#26
15.07.2018, 21:22
[+] 2 User sagen Danke! spell bound für diesen Beitrag
danke für die recherche-inspiration: https://de.wikipedia.org/wiki/Meereskunde
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#27
16.07.2018, 12:38
(15.07.2018, 14:23)spell bound schrieb:
Zitat:Ja, ich finde, man sollte mehr klassische Phlilologie fördern. Das darf nicht sterben. Gerade an der Schule.
warum? ich finde sie auch nicht schlecht. aber warum speziell sie?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Lernen einer toten Sprache das Denken, speziell das sprachliche und strukturelle Denken, bedeutend schärft. Für mich persönlich ist der Latein- und Griechischunterricht das mit Abstand beste, was ich aus der Schule mitgenommen habe – man sollte aber auch dazusagen, dass wir oft schlechte Lehrer in den anderen Wissenschaften hatten, besonders in den Naturwissenschaften. Naja, Deutsch, Geschichte, Musik, Kunst, Religion und Ethik waren auch noch meist gut oder zumindest in Ordnung – war halt ein humanistisches Gymnasium.

Klassische Philologie ist sowohl eine Kultur- als auch Sprachwissenschaft. Die Kombination ist toll: Das Übersetzen alter Quellen bietet gleichzeitig einerseits eine ausgezeichnete Übung sowohl im systematischen Lösen von konkreten Problemen als auch im holistischen Verstehen von schwierigen Inhalten und andererseits die nächstmögliche Erfahrung einer Perspektive auf die Welt, die man sonst nur schwer findet.

Übersetzt man beispielsweise einen Abschnitt aus der Odyssee, so muss man dafür zunächst das Vokabular kennen, die Grammatik beherrschen, Wortstellung beachten und Partikel berücksichtigen. Aber selbst dann sind manche Formulierungen zu ungewohnt, um sie unmittelbar zu verstehen. Man muss sich immer noch den Kontext vor Augen halten. Man muss teils bewandert sein in Geschichte und Mythologie des griechischen Altertums und teils auch viel Phantasie mitbringen, um den wahren Sinn eines Satzes zu verstehen. Und dann rekonstruiert man so, um textnah zu bleiben, in einem fremden Deutsch Szenen aus einer fremden Welt. Sowas sinkt tief.

Durch die Schwierigkeit und den Effekt dieser Aufgabe ergibt sich eine sehr intensive Erfahrung. Sowas bildet einen.

Ich könnte nicht sagen, ob klassische Philologie wichtiger ist als andere Wissenschaften an der Schule, aber für mich sind die wichtigsten Schulfächer Deutsch, Mathematik, Latein, Geschichte, Musik und Kunst. Mathematik leidet sehr unter schrecklichen Bildungsplänen und zu Musik und Kunst hier sowie Deutsch und Geschichte da kann ich nichts sagen, außer dass jenes bei uns an der Schule trotz humanistischem Profil nicht die nötige Bedeutung zugesprochen bekommen hat. Nur über Latein wird ernsthaft diskutiert, warum man das überhaupt noch unterrichtet. Das ist furchtbar und ich habe Sorge, dass die Zweifler keinerlei wahre Wertschätzung für Kultur haben – and look who’s talking: ich verstehe mich ja selbst als unkultiviert.

Dass das ernsthaft diskutiert wird, liegt meines Erachtens daran, dass zu viele Leute aufs Gymnasium geschickt werden. Wir haben ein dreiteiliges Schulsystem, aber die besten Chancen im späteren Leben hat man halt vom Gymnasium aus, deswegen bemühen sich – verständlicherweise – Eltern und Lehrer allesamt darum, möglichst viele Kinder aufs Gymnasium zu befördern, auf dass sie da irgendwie ein Abitur machen. Bereits die Schule wird als bloße Lebenslaufetappe begriffen. Das verändert natürlich das Bild der Schülerschaft und als Reaktion darauf verkommt das Gymnasialprofil. Das ist mit den Hochschulen nicht anders, was man am allgegenwärtigen Aufkommen von Fachhochschulen beobachten kann – was ja sogar gut ist, weil sich auf diese Weise Universitäten nicht anpassen müssen.

Ich weiß nicht, wie man das ändert, aber es ist sehr schade, ja wahrscheinlich sogar schädlich, dass das Interesse an Latein und Griechisch so sehr zurückzugeht.

Deswegen bin ich für eine Förderung von Latein und Griechisch. Vor allem mehr Werbung, ferner mehr staatliche Mittel, wenn das hilft.
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RE: Welche Forschung ist euch wichtig?
#28
16.07.2018, 13:04
[+] 1 User sagt Danke! Liri für diesen Beitrag
Mein Sohn war bis zur achten Klasse auf einem humanistischen Gymnasium und ist aus reiner Faulheit dann auf die Realschule gewechselt. So weit ist er weitestgehend ohne Lernen gekommen, dann war es endgültig vorbei...

Aber ich muss sagen, es hat ihm gut getan und, obwohl die Leute um mich teilweise den Kopf geschüttelt haben, warum ich ihn "nutzlose" tote Sprachen lernen lasse, ich stand voll hinter dem Konzept. Und er fand es toll und wollte auch genau auf diese Schule - allerdings war auch ein Grund, dass seine engsten Freunde auch alle dort hin gingen (wär aber schön gewesen, wenn er es nicht nur toll gefunden hätte, sondern auch noch ab und zu Vokabeln gelernt hätte und die Schule nicht nur als Bespaßung gesehen hätte).

Dass zuviele Kinder aufs Gymnasium gehen, finde ich nicht. Es gehen nur, finde ich, teils die falschen Kinder aufs Gymnasium, nämlich nicht unbedingt die begabtesten, sondern die, deren Eltern imstande sind, sie zu pushen, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen und immense Summen in Nachhilfeunterricht zu stecken. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn sich Akademikertum weitervererbt.

Aber ich muss sagen, dass das nichts für alle Kinder ist, es kommt drauf an, ob sie überhaupt Interesse an den Fächern haben. Auch sehr begabte Kinder müssen Interesse für so etwas Spezielles haben, daher ist es ja gut, dass es die verschiedenen Zweige gibt.
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