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Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung» browser games als neues rollenmodell

Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#1
06.03.2015, 14:07 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.03.2015, 14:24 von spell bound.)
ich zocke gern ab und zu browsergames und stieß gerade auf diesen interessanten vortrag über das monetaristische design solcher spiele:

http://www.gdcvault.com/play/1016417/-100-000-Whales-An

zyniker dieser art finde ich erfrischend. selten wird zugegeben, was beim publikum nicht gerne gehört wird. aber vielleicht geht man in china zynischer mit solchen dingen um.

interessant ist, dass der kapitalismus neue wege geht. "internetpiraterie" wird im spielesektor durch verschiedene strategien entgegengewirkt. das vorgestellte modell von browsergames findet sich auch in anderen spielen: items können verbessert, selten durch zufall erworben und das level erhöht werden, auch schickes equipment, das andere beeindruckt, kann man sich kaufen. in-game geld wird gegen reales geld gehandelt. rankinglisten und tägliche events verführen die entsprechende spielerpsyche dazu, am spiel zu bleiben und entweder tonnenweise zeit oder tonnenweise geld zu investieren. die spieler arbeiten in ihrer freizeit, sie sind die sklaven der publisher, der "goldfarmers", der goldfarmer-brokers. und sei es browsergame oder normales spiel: ein intelligentes spiel arbeitet mit mechanismen, die süchtig machen. und sucht ermöglicht endloses farming in-game. der ertrag des gefarmten ist rein virtuell, könnte man sagen, auf der anderen seite ist er psychologisch das gefühl, weiter gekommen zu sein, besser geworden zu sein, besser als vorher und vor allem besser als die konkurrenten im spiel. welche starken psychischen kräfte dahinter liegen mögen, kann man erahnen, wenn man bedenkt, dass manche spieler, sofern sie das geld dazu denn haben, hunderttausende von dollar für browsergame- rewards ausgeben.

dabei geht es letztlich um das verkaufen von illusionen. ein berufszweig, der so alt ist wie die zivilisation als solche, und an deren beginn exemplarisch auch der beginn von prostitution und sklaverei steht. sklaverei ist nicht mehr in mode, so wird es schmackhafter gemacht durch die verkauften träume. träume, die umsonst sind, ergeben keinen profit. nicht nur eine free to play - playerbase wird rein aus instrumentalisierungszwecken der erweiterung des bekanntheitsgrades des spiels geduldet - auch das einmalige kaufen eines spieles ist ein auslaufmodell und bleibt ein erster schritt in richtung add-ons, erweiterungen, upgrades, boni...

die illusion von mächtigkeit, von respekt von seiten der playerbase, von ehrfurcht durch die unterlegenen, ist in der virtuellen welt und in der psyche als erfahrenes phänomen realität. der kapitalistische geist ist der der konkurrenz und der illusion des erreichens von allmacht. allmacht ist aber grundsätzlich im kapitalismus unmöglich. wo das intelligente spiel dem spieler wenigstens soviel abwechslung, grafik und story bietet, dass er weiterhin das gefühl hat, er spielt das spiel, und nicht das spiel ihn, ist es im kapitalismus in der materiellen welt gar nicht viel anders.

wo spieler geködert und gefarmt werden, um in ihrer freizeit illusionen zu kaufen - eine strategie, die ja auch in der materiellen welt lange schon funktioniert - ergeht es den scheinbaren nutznießern dieses systems ganz genauso. der kapitalismus farmt letztlich jeden aus, es gibt keinen gewinner, das erwirtschaften von geld, reichtum, das erlangen von macht und berühmtheit folgt dem selben prinzip wie das spiel selbst: der illusion von allmacht, der illusion, besser zu sein. mit dem einzigen unterschied, dass diese macht eine materielle grundlage hat und meist etwas länger hält als ein spiel. doch letztendlich geht es auch bei dieser macht nicht um die materie, sondern um die psyche des managers, brokers, halsabschneiders, die genährt wird von der illusion der grandiosität - welche die kehrseite der depression ist.

und so findet sich das kapitalistische prinzip selbst noch in reinen open- source games wieder, die keinen cent an in-game währung verdienen, noch nicht einmal an dem spiel selbst; nämlich in der unkreativität des erfolgskonzeptes, das allen spielen, sogar den analogen brett- und ballspielen usw., eigentümlich ist, so verschieden und innovativ sie ansonsten auch alle sein mögen: es geht um gewinnen und verlieren, um haben oder nicht haben, um besser werden, erwerben, tauschen, sich schmücken, ehrfurcht einflößen, um gewalt als grundlage für eine gesellschaftsordnung und im speziellen für die eigene macht und den spaß. auch in spielen, die ohne gewalt auskommen, handelt es sich doch meistens ums gewinnen und verlieren und so ist dies wohl ein grundtrauma, das man in der zivilisation der menschheit verorten kann, das bisher nicht aufgearbeitet wurde.

wo verlust kompensiert wird durch materielle aneignung, wo das recht des stärkeren oder klügeren gilt. scheinbar ein prinzip von evolution überhaupt, findet dieses gesetz ein heraklit, ein plato, ein hobbes, ein kant, ein darwin und sogar ein freud in der gesamten natur wieder, das er so alltäglich bei sich und im verlauf der geschichte erlebt hat und mit genug projektionskraft und selektiver wahrnehmung im leben der tiere und pflanzen ebenso verortet.

am ende ist die freizeit selbst eine illusion des kapitalismus, die nicht wirklich existiert. alle arbeit strebt auf die freizeit in zweierlei weise zu: psychologisch erleidet selbst der schlimmste workaholic das arbeiten als eine plackerei, sofern es keine rein freiwillige, sondern in unserer welt immer eine gezwungene tätigkeit und noch dazu niemals eine rein sinnvolle, sondern immer, selbst in den humanitärsten sparten, auch eine langweilige, eine monotone, eine lebenszerstörende komponente enthält. denn darauf fußt der kapitalismus als solcher und es erscheint mir als unmöglich, den kapitalismus gänzlich abzulehnen und dabei immer noch geld zu erwirtschaften, ebenso wie es unmögilch erscheint, auf geld sinnvoller weise zu verzichten, um dem kapitalismus den kampf anzusagen und diesen kampf auf diese weise tatsächlich zu GEWINNEN.

aber das ist ein unreflektierter pessimismus meinerseits, der ebenso gebildet sein kann von projektionen und unkreativität. sicher bin ich mir zumindest, dass es kreative wege geben muss und auch kann, um den kapitalismus zu überwinden. letztendlich muss dieser prozess aber im reinen sinn kreativ sein, d.h. experimentell, d.h. es kann gar keine sinnvolle vision geben, die bisher vollständig und durchgeplant ist und wir brauchen mut zum experiment. diesen mut haben wir vielleicht, wenn durch verzweiflung und dem durchbrechen der wahrheit die psychischen kräfte nicht länger auf das erheischen von illusionen von kontrolle und macht gerichtet werden können, wenn sie stattdessen nach dem suchen, was das projekt der philosophie seit ihrem anbeginn an angetrieben und noch immer nicht vollendet hat: die wahrhaftigkeit.

die zweite weise, auf die die arbeit zur freizeit zustrebt, ist aber nicht der wunsch nach dem feierabend oder urlaub, auf den ich eben gerade verwies, sondern der konsum. das ist nicht neu, dass produkte und dienstleistungen, die zum großteil von vorn herein dazu designed wurden, künstliche bedürfnisse zu erschaffen und zu befriedigen, auch einen absatzmarkt brauchen, um kapitalistisch zu funktionieren. die ganze freizeit ist also nur die zweite seite der arbeit, da sie darauf ausgerichtet ist, ihre ergebnisse zu konsumieren und ihre daseinsberechtigung aufrecht zu erhalten. aus diesem grunde ist freizeit niemals primär erholung oder recreación und selbst in dem geringen maße in dem sie es ist, dient dies noch dem zweck des kapitalismus für eine maximierter produktivität und effizienz der mitarbeiter. aus diesem grunde ist die freizeit aber an sich auslaugend, da sie sich grundsätzlich nur mit der zerstreuung beschäftigt, die ja nichts anderes bedeutet als das konsumieren von künstlichen bedürfnissen, d.h. der aufrechterhaltung und stärkung der illusionen, die einem verkauft werden sollen. d.h. alle kapitalistisch sinnvolle erholung basiert auf dem prinzip der nur scheinbaren, der kurzfristigen erholung - dem abtauchen in welten, die nicht der eigenen entsprechen, um zu vergessen, im betäuben der gefühle, im - virtuellen oder materiellen - ausagieren von grandiositätsphantasien. ja hierzu dient sogar noch die intimste sphäre unserer heutigen zeit: die partnerschaft.

damit will ich nicht sagen, dass fantasywelten, intime beziehungen, medien, internet, alles das, was irgendwie kapitalistischen interessen dient, nicht auch zugleich oder sogar hauptsächlich - wenn auch selten - gerade eine untergrabung des kapitalismus bedeuten können. gesellschaftskritik, selbsterforschung und selbsterkenntnis, gemeinsamer dialog und das erschaffen und genießen von wahrhaft schönem jenseits vom konsumzwang und der illusion ist ebenso möglich wie das erbauende, erhellende träumen im gegensatz zum rein illusionen- verstärkenden träumen, das es ja auch gibt. doch selbst intelligente und menschliche und inspirierende klassiker der medien und künste werden genauso wie gegenkulturen und subkulturen in den kapitalismus eingegliedert und vermarktet, ganz genauso wie man es auch mit dem klarträumen versucht und entgegen der scheinbaren unwahrscheinlichkeit dieses unterfangens stets auch erreicht.

deshalb ist für die untergrabung des kapitalismus immer ein sich wandelnder raum vonnöten - es gibt keine feste ideologie, keine subkultur, kein forum, keinen autor, keine kommune, kein kommunikationsmittel, bei dem es uneingeschränkt und für immer wie "zu hause" sein wird, solange nicht der alles unterwandernde kapitalismus insgesamt abgeschafft wurde.

das kann man positiv wenden und als wasser auf die mühlen des sich stets jung haltenden, frischen geistes ansehen, der einzig in der lage ist, das wunder des augenblicks mitsamt ethischer tragweite zu erkennen und in immer neuen formen und kontexten auszuleben.

die gedanken selbst sollten diesem strom folgen.
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#2
13.03.2015, 17:40
Daumen hoch!

Vielleicht lässt sich das Konkurenzdenken als die Wurzel dieses bösen Kapitalimusses mit den Senoi-Stunden überwinden bigwink

Auf, auf in ein neues Zeitlater big
Oneironaut und Klartraumforscher Abenteuer eines Traumfahrers
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#3
14.03.2015, 11:27
(06.03.2015, 14:07)spell bound schrieb: ... das arbeiten als eine plackerei, sofern es keine rein freiwillige, sondern in unserer welt immer eine gezwungene tätigkeit und noch dazu niemals eine rein sinnvolle, sondern immer, selbst in den humanitärsten sparten, auch eine langweilige, eine monotone, eine lebenszerstörende komponente enthält.

Voll. Das hasse ich auch wie die Pest. Dass man Jobs erschafft, nur dass man einen Job hat. Und eben Produkte am Markt bringt, die kein Mensch braucht, nur dass man kauft und wiederum die Wirtschaft ankurbelt. Da wäre ich eher für ein bedingungsloses Grundeinkommen, anstatt "sinnloser" Jobs.

Ich würde deinen Essay oder Polemik oder wie man das nennt zu gerne in der Masse verbreiten lassen. Aber die meisten Menschen, mit denen ich über sowas spreche, glauben immer nur, dass das Unsinn ist. Die kaufen lieber wie im Rausch. Und gerne auch im Bausch (und Bogen) tongue .
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#4
14.03.2015, 11:58
Also ich habe diesen Thread zweimal durchgelesen, und verstehe nichts. Warum Freizeitsversklavung? Hä..?
Das mit dem Illusionen kaufen finde ich auch irgendwie hohl, aber im Endeffekt kriegt man doch etwas dafür. Sei es eine höheren Rang oder mehr Spaß, was weiß ich...
Vielleicht bin ich ja auch einfach zu müde, aber ich check das nicht. Einmal Erklärung für Dumme bitte big
I hope they didn't get your mind. Your heart is too strong, anyway. We need to fetch back the time they've stolen from us..    
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#5
14.03.2015, 14:00
(14.03.2015, 11:58)Zuckerwatte schrieb: Das mit dem Illusionen kaufen finde ich auch irgendwie hohl, aber im Endeffekt kriegt man doch etwas dafür.

Finde ich schon auch. Wenn der Sinn des Lebens eben "Leben" ist (wie ich es glaube) - und Freude haben, ist das doch eine tolle Geschichte. Spaß an Medien wie Videospielen und Unterhaltungsliteratur haben. Und in Klarträumen herrlich dem Hedonismus frönen. Warum sollte man sich immer nur mit der angeblichen Wahrheit befassen. Wonach eigentlich suchen? Da gibts nichts zu suchen, bin ich mittlerweile überzeugt.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#6
14.03.2015, 14:26
Suchen ist ja auch falsch, finden ist gut. Denn wer schon was gefunden hat, bekommt sinnsucher-XP Punkte bigwink
Wer gamification mag (es funktioniert auf jeden Fall, ob man es mag oder nicht), soll dem frönen.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#7
17.03.2015, 01:10
(06.03.2015, 14:07)spell bound schrieb: das arbeiten als eine plackerei, sofern es keine rein freiwillige, sondern in unserer welt immer eine gezwungene tätigkeit und noch dazu niemals eine rein sinnvolle, [...] komponente enthält.

Oh mann, genau darüber wollte ich vielleicht auch ein Thema eröffnen...
Davon werde ich grad leider in die Knie gezwungen.
Diese Gesellschaft zwingt einen einfach mit aller Gewalt irgendwas sinnloses zu machen einfach um was zu machen.
Und da draußen laufen ganze Armeen von unreflektierten Menschen herum, die einen sofort attackieren, wenn man in diesem System nicht mitmachen will.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#8
17.03.2015, 07:43
Yes, Sinnsucher, so ist es. Aber was will unsereiner da machen. Ich schaue nur zu, dass ich nicht allzu sehr auffalle, dass ich nicht mit dem Strom mitschwimme (konsumiere zB so gut wie nichts, keine neue Kleidung und was die Werbung uns alles verkaufen möchte und durch ihre sublimen Botschaften dazu zwingt, wenn man so wie du es sagst, kein reflektierender Mensch ist. Und was kann so einer eigentlich dafür, dass er nicht gelernt hat, zu reflektieren. Lasse mich auch nicht mehr auf Wettbewerbe ein - bin ja erst wieder richtig beim KT seit Ausstieg des Leistungssportes, indem ich aber keine Erfüllung mehr sah) und habe eigentlich so gut wie keinen Gesprächspartner, mit dem ich darüber diskutieren kann.
Zumindest kann ich nachts in die Traumwelten "flüchten", was ein wenig Ausgleich schafft. Um am Tag wieder im System mitzumachen, ohne im System wirklich - zumindest von der Wertvorstellung etc. - drin zu sein. Dann bin ich zwar dennoch im System, aber geistig nicht. Und eigentlich finde ich es gar nicht mehr so schlimm, wie vor Jahren noch. Sofern Arbeitswochen nicht erhöht werden bigwink . Aber betrifft es mich marginal, weil ich derzeit voll und ganz beim Kindergroßziehen bin und dadurch sowieso eine 100 Wochenstunde habe, was aber sinnvoll ist, mich zwar anstrengt, aber nicht belastet.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#9
17.03.2015, 12:20
(17.03.2015, 07:43)Tim Sop schrieb: konsumiere zB so gut wie nichts,

Du musst doch wohl etwas essen..?
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#10
17.03.2015, 13:35
(13.03.2015, 17:40)Uefken schrieb: das Konkurenzdenken als die Wurzel dieses bösen Kapitalimusses
konkurrenzdenken ist meiner meinung nach nicht die wurzel, sondern eine ausprägungsform. sie ist gleichsam der ton oder die farbe des kapitalismus. was aber als dessen wurzel bezeichnet werden kann, liegt tiefer in der psychologie. nicht das psychologische verhalten oder empfinden selbst ist es, sondern das, was diese erst bedingt und vollendet. sprich: wie kommt es, dass menschen so sehr auf konkurrenz ausgerichtet sein können? und wie geht es vonstatten, dass das mit solcher festigkeit in die köpfe der menschen gelangt? weder evolutionsbiologie noch die medien sind eine erklärung, sondern bereits wirkungen des psychologischen prinzips. sicherlich hat die evolution einen anteil daran, wer wir als menschen sind, wozu menschen fähig sind, und doch legt sie nicht ultimativ fest, dass menschen konkurrierend sind. denn diese interpretation, diese theorie, basiert bereits auf der kenntnis menschlichen verhaltens und ignoriert alles, was man über empathie in der natur beobachten kann ebenso wie die tatsache, dass das töten, jagen, spielen und rudelverhalten gewisse rahmenbedingungen und damit einen kontextuellen zweck hat und keine a priori gegebenheit ist, die sich grundsätzlich in allem leben und immer abspiele. und zu den medien ist zu sagen, dass diese ebenso wie die politik nicht das prinzip sind, das menschen in ihrer stärksten prägungsempfindlichkeit berühren. sie tragen ihren teil dazu bei, und doch, das grundelement von gehirnwäsche funktioniert auf viel größeren abhängigkeiten.

Zitat:Auf, auf in ein neues Zeitlater big
wie heißt eigentlich das neue zeitalter, nachdem das new age der 70er jahre schon outdated ist?


(14.03.2015, 11:27)Tim Sop schrieb: Da wäre ich eher für ein bedingungsloses Grundeinkommen, anstatt "sinnloser" Jobs.
gute idee!


(14.03.2015, 11:58)Zuckerwatte schrieb: Also ich habe diesen Thread zweimal durchgelesen, und verstehe nichts. Warum Freizeitsversklavung? Hä..?
was genau verstehst du nicht, abgesehen von der freizeitversklavung? freizeitversklavung deshalb, weil wir selbst in der freizeit noch für die arbeit leben. wir fühlen uns zwar frei, halten aber das system aufrecht. wir konsumieren sinnlose dinge und geben damit der wirtschaft ihre daseinsberechtigung, die diese dinge produziert. und dann war es noch speziell auf diese computerspiele bezogen, die als modell für weiteres verhalten dienen können: wir ackern uns ab, um irgendwelche virtuellen belohnungen zu bekommen. wer kennt nicht die anstrengung in einem computerspiel, sagen wir in einem rpg für ein quest 20 seltene items zu finden und dafür 20.000 monster farmen zu müssen? und wem dient das? etwa unserem tollen questreward? es hält das spiel am leben, es verleitet dazu, geld statt zeit auszugeben. und letztlich kommt dann noch punkt zwei:

Zitat:Das mit dem Illusionen kaufen finde ich auch irgendwie hohl, aber im Endeffekt kriegt man doch etwas dafür. Sei es eine höheren Rang oder mehr Spaß, was weiß ich...
Vielleicht bin ich ja auch einfach zu müde, aber ich check das nicht. Einmal Erklärung für Dumme bitte big
ja man bekommt mehr spaß, mehr rang, mehr prestige, mehr anerkennung. man hat auch einigen preis dafür zu bezahlen. und was nützt einem dieser spaß, dieses prestige? es ist eben illusionär. und das heißt nicht, dass es kein echtes gefühl wäre, sondern, dass dieses gefühl nicht in der lage ist, auf den grund der seele hinabzutauchen und dort eine heilung zu bewirken oder einen einfach nur gänzlich auszufüllen. es ist illusionär, weil es eine sackgasse ist. im hamsterrad freut man sich, weil man so viel schneller als die anderen hamster läuft, weil um einen herum so viele tollen lichter als belohnung aufblitzen, weil man die andern hamster abhängen kann, weil man neue lauftechniken erfindet und perfektioniert... und doch, man vergisst darüber, wohin man eigentlich rennen wollte, und dass man im rad im grunde nirgends hin läuft.

(14.03.2015, 14:00)Tim Sop schrieb: Warum sollte man sich immer nur mit der angeblichen Wahrheit befassen. Wonach eigentlich suchen? Da gibts nichts zu suchen, bin ich mittlerweile überzeugt.
du kannst natürlich tun, was du willst.

(14.03.2015, 14:26)Raipat schrieb: Suchen ist ja auch falsch, finden ist gut. Denn wer schon was gefunden hat, bekommt sinnsucher-XP Punkte bigwink
Wer gamification mag (es funktioniert auf jeden Fall, ob man es mag oder nicht), soll dem frönen.
finden ist ein ergebnis, suchen ein prozess, der zum ergebnis führen soll. irgend einen prozess braucht es, wenn man nicht völlig unabsichtlich etwas finden will. allerdings nicht irgend einen beliebigen. man kann so oder so suchen. auf holzwegen oder auf abwegen oder auf hamsterrädern...

(17.03.2015, 01:10)Sinnsucher schrieb: Diese Gesellschaft zwingt einen einfach mit aller Gewalt irgendwas sinnloses zu machen einfach um was zu machen.
jo scheiße.

(17.03.2015, 07:43)Tim Sop schrieb: Yes, Sinnsucher, so ist es. Aber was will unsereiner da machen.
dagegen sein. auch gegen hoffnungslosigkeit und unkreativität. denn die ist teil der gehirnwäsche.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#11
17.03.2015, 13:39
Ich verstehe nicht, was denn an unser System so scheiße ist. Klar, natürlich könnte alles auch viel besser sein, aber es läuft doch so! Was gibts denn alles für sinnlose Jobs?
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#12
17.03.2015, 13:56
(17.03.2015, 13:39)Zuckerwatte schrieb: Ich verstehe nicht, was denn an unser System so scheiße ist. Klar, natürlich könnte alles auch viel besser sein
genau das meine ich. es könnte viel besser sein.

Zitat:aber es läuft doch so!
aber wofür ist das ein argument? dass es gut ist? diktaturen laufen schließlich auch.


Zitat:Was gibts denn alles für sinnlose Jobs?
zuerst einmal ist da die entfremdung des arbeitnehmers selbst zu nennen: fließbandarbeit wäre wohl ein gutes beispiel für arbeit, die keinen spaß macht und sich nicht sinnvoll anfühlt, die auslaugt, einen nach 8 stunden arbeitstag kaputt macht. aber es gibt diese arbeit grundsätzlich überall, im büro, in der dienstleistung... natürlich hängt es von der person ab, ob es ihr spaß macht. die leute, denen aber ihre arbeit spaß macht, ignorieren bei solchen aussagen meist die unangenehmen anteile und sagen "das gehört eben dazu", und sie haben auch meist keine großen lebensziele. sie leben einfach so und sind zufrieden damit. wer aber große veränderungen erreichen möchte: persönliche wie im umfeld, wird so kaum zufrieden sein. dann sollte die arbeit inspirieren, depressionen heilen können, menschen etwas gutes tun. aber stattdessen spielt man eine rolle, man trägt eine maske, und das ist das grundlegende auf den meisten arbeitsplätzen. man ist nicht man selbst und man tut nichts dafür, dass man mit anderen menschen näher kommt. es gibt zwar auf dem ein oder anderen arbeitsplatz kollegialität, man versteht sich gut mit den kollegen, man ist vllt sogar wie eine familie in dem ein oder anderen betrieb. und doch ist das für mich fast genauso gruselig wie eine anonyme arbeitsumgebung. weil man gezwungen ist, mitzumachen. weil man nicht völlig anders sein kann. weil jeder von deinem privatleben wissen will und du ein privatleben haben solltest, das normal ist, damit du was zu erzählen hast. weil du auf die veranstaltungen gehen solltest. weil auf der arbeit kein platz ist für grundsatzdiskussionen über weltbilder. weil mans sich mit kollegen und chefs nicht verscherzen sollte. und schon gar nicht mit kunden.

aber dann gibt es da auch noch das resultat der arbeit, das in weitesten fällen sinnlos und zerstörerisch ist. so viele arbeiten und unterstützen dadurch die ausbeutung anderer, wenn sie nicht selbst ausgebeutet werden. in der werbung versucht man, andere möglichst gut zu täuschen, um ein produkt zu verkaufen, das weniger hält als es emotional verspricht. in der produktion und im vertrieb unterstützt man produkte, die nicht gesund sind oder auf umweltzerstörung, ausbeutung von 3. welt ländern oder massentierhaltung beruhen, wenn man nicht sogar in der waffenindustrie mitarbeitet. in den oberen etagen und im bankwesen unterstützt man das schuldsystem, auf dem unser geldsystem aufbaut, im unterhaltungssektor unterstützt man die verblödung der massen, im dienstleistungssektor unterstützt man die leute z.b. darin, toll auszusehen, sich schick zu kleiden oder eine tolle frisur zu haben, obwohl niemand sowas braucht. in der politik schwafelt man rum und kümmert sich hauptsächlich darum, an der macht zu bleiben oder mehr macht zu bekommen, indem man anderen mächtigen in ihren fragwürdigen unternehmungen zusicherungen macht. im staatlichen dienst unterstützt man polizeigewalt und militäreinsätze. in der wissenschaft trägt man dazu bei, projekte voranzutreiben die großen geldgebern gefallen, wie z.b. der pharmaindustrie oder dem militär.

immer dort, wo es kreative, hilfreiche und schöne tätigkeiten gibt, haben diese von sich aus in unserem system keinen großen erfolg. schriftsteller müssen schwachsinn schreiben, damit sie davon leben können, musiker müssen allgemein gefallen. tierpfleger, altenpfleger usw sind keine berufe mit viel geld und anerkennung, außerdem ist ihr beitrag zu einer besseren welt v.a. das gute gewissen das man mit der arbeit hat, mehr nicht.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#13
17.03.2015, 14:09 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.03.2015, 14:10 von Zuckerwatte.)
1. Ich glaube, Leute, die nicht einfach so leben und zufrieden sind, sondern große Ziele haben, sind die einzigen, die daran leiden. Und auch die, die mit ihrer (eigentlich okayer) Einstellung am Ende nichts erreichen und an alles zweifeln. Sag ich aus eigener Erfahrung. Aber na gut, davon hab ich ja noch nicht so viel..

2. Aber es ist halt so! Ich weiß, dass diese Aussage sehr provokativ ist, denn sie regt mich sonst auch immer auf, aber unser System ist so und es wird sich nichts großartig ändern. Ganz einfach deshalb, weil Menschen so sind.

3. Was würde(s)t du/ihr denn genau ändern wollen? Ich meine, müsste man sich nicht erst um die ernsteren Probleme kümmern? Diktaturen, Welthunger, Krieg? (Auch wenn auch das zur Menschheit dazu gehört und sowieso nie komplett geändert werden könnte.)
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#14
17.03.2015, 16:47
Also wenn Fließbandarbeit sinnvoll sein soll, dann weiß ich nimmer. Lässt sich praktisch alles durch Maschinen ersetzen. Außer einigen Überwachern. Zuckerwatte, schau dir bitte Moderne Zeiten mit und von Charlie Chaplin an. Dann weißte wie die Menschmaschine rennt.
Aber komischerweise rennt diese in anderen Ländern wie von alleine durch Meschenhand. Das wundert mich eben, dass z.B. in chinesischen Fabriken an den Maschinen keine unglücklichen Gesichter zu sehen sind, wenn man Videos darüber guckt. Aber soweit bin ich da nicht vertraut und habe ich nicht drüber nachgedacht, warum dem so ist huh.

Muss spellbounds letzten Beitrag voll und ganz unterschreiben. Einen wichtigen Punkt - und von dem ich auch betroffen bin - hat er aber noch vergessen: DIE KINDERERZIEHUNG. Wird null honoriert vom Staat. Das lächerliche Kinderbetreuungsgeld ist ein Witz. Ich rede z.B. von der Kinderkarenz. Und derweil ist es ein Knochenjob, der allerdings das sinnvollste überhaupt ist und Spaß macht. Und Kinder sind die Zukunft wie jedermann weiß. Warum das so wenig anerkannt wird liegt wohl daran, dass der Löwenanteil in der Politik von Herrschaften bestimmt wird, die ja wiederum in 99 % ? aller Fälle sicher nie was damit am Hut gehabt haben.
Das alles obwohl es an Nachkommen mangelt. Habe gehört - und nicht von irgendwelchen Fantasten -, dass sogar aus solchen Gründen absichtlich Ausländer ins Land geholt werden, was aber nicht publik gemacht wird, weil, wie man ja in den letzten Jahren mitbekommen hat, irgendwie die rechten Parteien an Stärke zuwachsen. Aber mehr will ich zum Thema Politik nicht sagen, weil ich grundsätzlich unpolitisch und auch nicht (aktuell) informiert bin.
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RE: Virtueller Kapitalismus und Freizeitversklavung
#15
17.03.2015, 17:01
(17.03.2015, 16:47)Tim Sop schrieb: Also wenn Fließbandarbeit sinnvoll sein soll, dann weiß ich nimmer. Lässt sich praktisch alles durch Maschinen ersetzen. Außer einigen Überwachern. Zuckerwatte, schau dir bitte Moderne Zeiten mit und von Charlie Chaplin an.

Hab ich schon. War zwar witzig, aber verstehe deinen Punkt. Ich dachte aber eigentlich, Fließbandarbeit gäbs lange nicht mehr.. Es wäre ja tausendmal billiger, solche Arbeit von Maschinen machen zu lassen.
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