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Religion und Kirche - Druckversion

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Religion und Kirche - ichbinmehr - 28.07.2020

Welche Erfahrungen habt ihr eigentlich mit den Themen Religion und Kirche gemacht? Ich meine mit eurer Ursprungsreligion in die ihr hineingeboren seid? Nicht wie steht ihr zum Buddhismus, sondern was habt ihr mit euer Religion erlebt?

Ich kam heute auf das Thema weil ich gegoogelt hatte, ob das Wort Community etwas mit Kommunion zu tun hat. Ja hat es. Und dann geriet ich in eine Erinnerung über meine Kommunion mit 8 -9 Jahren. Ich bin katholisch aufgewachsen, obwohl meine Eltern selbst keinerlei aktive Religiosität lebten.

Mein erster Kontakt mit Religion war, dass ich vor dem Schlafen gehen beten sollte. Ich bin klein mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein. Wer aber Jesus war, keine Ahnung?

Ich musste das eben sagen. Mit 3 Jahren fragte ich nach dem Warum? Meine Mutter konnte mir das nicht erklären, weil sie mir das Gebet nur beibrachte, weil sie unter schwerem fanatischen Dogmatismus litt. Jemand der selbst nicht betet, wie soll der einem Kind erklären warum, man beten könnte? Wozu das gut ist? Naja ich wollte dann nicht mehr beten, worauf ich mit Liebesentzug bestraft wurde. Ab da gab es kein Schlaflied und keine gute Nachtgeschichte mehr. Nie wieder. Ab da hies es alleine einschlafen.

Dann sollte ich mit 8 Jahren zur Kommunion, wusste wieder nicht wozu und musste zu einem Unterricht wo man keine Fragen stellen durfte und wo ich nicht hinwollte, weil ich draußen mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz spielen wollte. Aber ich musste, ich bettelte dass ich das nicht hin muss. Ich musste. Ich habe den Pfarrer einmal etwas gefragt, was ihn dazu veranlasst hat mich autoritär zurecht zu weisen. Ab da wollte ich wirklich nicht mehr zum Kommunionsunterricht. Aber ich musste, auf Grund des Dogmatismus. Meine Eltern meinten, ich könnte das nicht entscheiden.

Dazu lese ich heute auf einer Internetseite der Kath. Kirche man solle ein Kind nicht zur Kommunion zwingen, aber gleichzeitig mutig man einem 8-9 Jährigen Kind zu, durch ein Initiationsritual der Kirche beizutreten. Ich spüre Wut in mir aufflammen.

[url=http://Www.katholisch.de/][/url]
Zitat:Ab welchem Alter kann mein Kind die Erstkommunion empfangen?
Ihr Kind kann die erste Heilige Kommunion empfangen, wenn es das Alter erreicht hat, ab dem es den Unterschied zwischen einfachem Brot und Wein zu den gewandelten Gaben verstehen kann. Kirchenrechtlich ist hiermit das siebte Lebensjahr gemeint.

Nun welcher Erwachsene versteht das? Oder soll man das mit 7 Jahren noch verstehen, weil man noch kein kritisches Denken hat?

Dann las ich einen Text über den Unterschied zwischen der Konfirmation der evangelischen Kirche und der Kommunion der katholischen Kirche und dachte so, die evangelischen Kindern sind wenigstens alt genug um zu verstehen was sie da tun. Kein Wunder, dass die Kommunion so früh initiiert wird, man möchte gar keine mündige Mitglieder haben. Ich weiß auch nicht, warum das Thema mich gerade so ergreift. Ich fühle mich gerade missbraucht, also nachträglich.

Ich weiß noch, dass ich oft auf meine Eltern eingeredet hatte, dass ich die Kommunion nicht möchte. Dann sagte sie aber dann bekommt man Geschenke. Ich sagte ich gebe alle Geschenke zurück. Sagt das Fest bitte ab, ich will nicht. Aber ich musste tzotzdem. Mein Widerstand wurde nicht gehört.  

Am krassesten hatte es mich dann aber heute erwischt als ich folgenden Text las, was mir etwas sehr schmerzlich bewusst machte:


Zitat:Vor der ersten Teilnahme an der Kommunion besucht der junge Christ noch die Beichte. Durch die Beichte spricht Gott den Gläubigen von seinen Sünden frei, sodass dieser mit reiner Seele das christliche Abendmahl empfangen kann.


Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag. Ich hatte unglaubliche Angst vor dem Pfarrer. Ich wusste ich soll etwas beichten, aber ich wusste nicht was? Ich überleget Tagelang aber Ich war unschuldig. Ich war immer ein guter Mensch, ein gutes braves Kind.

Ich hatte so eine Angst beim Beichten zu versagen, dass ich mir eine Lüge ausdachte, weil ich sicher war er würde mir nicht glauben, wenn ich sagte ich ich habe noch nie etwas böses getan. Ich war absolut in Angst, weil ich nichts fand, an dem ich schuldig war. Mich setzte das Ganze so unter Druck, dass ich eine Lüge erfand.

Obwohl ich Lügen absolut ablehne, log ich an diesem Tag, dass ich meine Mutter belogen hätte. Der Pfarrer sprach mich dann irgendwie frei. Dachte er wohl. 

Und das schlimme war, ich glaubte dann tatsächlich, dass ich meine Mutter belogen hatte. Das wurde mir gerade bewusst. Das geschah kurz nachdem ich heute ein Video über Täterintrojektion sah.

Dabei hatte ich der Mutter die Wahrheit gesagt. Nur hatte sie mir nicht geglaubt und mich trotzdem geohrfeigt, weil sie eben zum Jähzorn neigte und ständig einen Sündebock brauchte. Warum triggert Erwachsene Unschuld so massiv?

Aber ich gab mir dann die Schuld, weil ich gezwungen war mich Schuldig zu sprechen. Mir ist das gerade erst wieder eingefallen, dass die Beichte mich erst zum Lügner und zum Sünder machte. Denn davor war ich unschuldig und hatte nicht gelogen. Mich macht das sehr traurig und wütend.

Dann musste ich die Kommunion feien, weiß bis heute nicht was ich da gefeiert habe. Ich weiß nur, dass meine Eltern sich über diese Fest gefreut haben und ich das alles gehasst habe. Ich musste ein weißes Kleid tragen, das angeblich die Unschuld darstellen sollte. Dabei war ich doch auch so unschuldig, so wie ich war, ohne dieses bescheuerte Kleid.

Ich war in der Kindheit kein Mädchen. Ich wollte ein Junge sein, weil ich überall sah, dass Frauen nicht frei sind und nicht wertgeschätzt werden. Es war für mich entwürdigend in das weiße Kleid gesteckt zu werden. Das Kleid hat mir meine Freiheit der Geschlechtslosigkeit genommen. In dem Kleid konnte ich nicht rennen. Ich stolperte alle 5 Minuten über den Saum. Was ist das für eine barbarische Religion, die so geheuchelt ist?

Es waren nur alte Verwandte da, aber keine Freunde, keine Kinder. Es war ein Fest, dass sich meine Eltern für sich selbst gewünscht haben. Ich weiß noch mit welcher Ablehnung ich das Kleid damals demonstrativ auszog, sobald die blöden Fotos gemacht waren. Ich fühlte mich missbraucht.

Aber keiner wollte das sehen. Sie haben meinen Widerstand einfach wie immer ignoriert. Es ist schlimm wütend zu sein, und einfach ignoriert zu werden. Mein Widerstand fand keinen Zeugen. Deshalb möchte ich heute meinen Widerstand nochmal nachträglich ausdrücken. Ich bin im Widerstand mit dem falschen Glauben. Religion wird häufig benutzt, um Missbrauch zu rechtfertigen.

In der Realschule hatte ich katholischen Religionsunterricht. Der Religionslehrer verteilte gute und böse Striche auf einer Städtischen Schule. Gute Striche, wenn man aus dem Religions Buch etwas vorlas und böse Striche, wenn man eine kritische Frage stellte. Meine Freundin konnte sich verstellen, und ihre Klappe halten, obwohl sie genauso dachte ich wie. Aber ich konnte das nicht. Ich habe das nicht ausgehalten. Ich hatte dann die schlechte Note. Mit 14 Jahren bin ich dann aus der Kirche ausgetreten und habe meine Eltern endlich enttäuschen können.

Heute glaube ich an Gott und auch an Jesus. Aber nicht weil ich ein gäubiger Mensch bin, sondern weil ich mit meinem krtischen Verstand und meinem offenen Herzen selbst geprüft habe, ob es sowas wie Gott für mich gibt. Ja für mich gibt es dass. Aber was für mich Gott ist, ist jenseits dessen was die Religion den Menschen lehrt. Man sollte Religion und mystische Selbsterfahrung nicht verwechseln. Dabei war Jesus selbst doch schon jemand, der die Riten der Tradition in Frage stellte. Die Mystik die in jeder Religion zu finden ist, wird von beinahe jeder Religion missbraucht.


Würde ich heute in eine Kirche gehen, um dort eine Gemeinschaft zu finden, wo ich offen über meine mystischen Erfahrungen sprechen kann, hätte ich es mit dem selben Dogmatismus und Unverständnis zu tun. Jesus würde man vermutlich aus der Kirche werfen. Manchmal bin ich traurig, dass ich keine spirituelle Gemeinschaft finde.

Letztens sagte jemand etwas über meinen Namen Stephanie. Stephanus war der erste Märtyrer des Christentums. Er sagte Gott sei in jedem Grashalm. So sehe ich das auch. Er wurde daraufhin zu Tode gesteinigt. Mich berührt das gerade sehr.


RE: Religion und Kirche - _ Aura - 28.07.2020

Was ich mit meiner Religion erlebte finde ich eine interessante Frage.

Ich bin katholisch aufgewachsen und habe auch die Kommunion mitgemacht. Ich erlebte es als: Es ist so und so. Punkt. Identifizieren konnte ich mich damit nicht. Aus der Kirche bin ich mittlerweile ausgetreten. Ich identifiziere mich mit keiner bestehenden Religion, für mich fühlt sich der intuitive, ganzheitliche Pfad am besten an.

Was ich interessant finde ist, wie stark das Christentum in unserer westlichen Kultur eingewebt ist. Allein Wörtchen wie "Sünde", "Schuld" etc. begegnen einem ja überall (vor allem auch in Bezug auf Lebensmittel).


RE: Religion und Kirche - Nuevo - 28.07.2020

Ich bin auch katholisch aufgewachsen worden. Bis zum 10. Lebensjahr ungefähr, war es für mich normal, Sonntags zur Kirche zu gehen, mit der ganzen Familie. Lust hatte ich dazu nie aber hinterfragt habe ich das in den jungen Jahren nicht. Im Religionsunterricht, in der Grundschule, hatten wir noch einen alten Pfarrer, der wahrscheinlich noch mit Paulus persönlich rumgewandert war. Wenn die Prügelstrafe in den Schulen nicht abgeschafft gewesen wäre, hätte er uns sicherlich auch verprügelt. Entsprechend undiskutabel war der Unterricht. 
Auf der anderen Seite konnte er interessante Geschichten erzählen. Aber das alleine reicht nicht um von einem sinnvollen Religionsunterricht zu sprechen. Ich hoffe, das ist mittlerweile anders.
 
Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr und meine Eltern konnten dagegen nichts mehr unternehmen. Wobei auch bei meinen Eltern die Kirche keine so große Rolle spielte. Meine Mutter war gerne im Kirchenchor aber das wahrscheinlich eher, wegen der Gemeinschaft und dem Singen, weil es ihr Spaß gemacht hat.

Ich bin mittlerweile auch ausgetreten.

Wenn ich mir die Institutionen "Kirche" anschaue dann denke ich, überwiegen die Nachteile, die solche "Kirchen" mit sich bringen. Aber mir ist auch in einer Buddhistischen Sangha aufgefallen, wie schnell sich Machtstrukturen bilden und regelrechte "Kämpfe" um den "richtigen Weg", sich auftun. Am Ende entsteht wohl bei jeder Institution, ab einer gewissen, kritischen Masse und einer gewissen Zeit, eine vom Menschen gemachte Struktur die nicht nur Gutes mit sich bringt.


RE: Religion und Kirche - Viltrudis - 28.07.2020

Ich bin nach offizieller vatikanischer Lehrmeinung eine Abscheulichkeit und Widernatürlichkeit gegen Gottes heiliger Ordnung. wink1


Mein Religionsheft aus der Grundschule fand ich, als ichs mal wieder gefunden hatte, ziemlich creepy. Pure Indoktrination, oder was soll eins lernen davon, Heilige zu malen? Und dann noch die Chuzpe haben, ne schlechte Note zu vergeben, wenn's hässlich ist. WTF.


RE: Religion und Kirche - ichbinmehr - 28.07.2020

Zitat:Ich bin nach offizieller vatikanischer Lehrmeinung eine Abscheulichkeit und Widernatürlichkeit gegen Gottes heiliger Ordnung.

@ Viltrudis

Genau deshalb bin ich ausgetreten. Wenn es einen Gott gibt, dann liebt dieser alle Menschen, so wie sie sind. Dann kann der doch nicht manche Menschen ausschließen. Das wäre dann kein Gott für mich. Das machen nur Menschen. Aber ich bin deshalb nicht Atheist geworden. Mir reichte es, mich von der Kirche abzugrenzen, weil ich insgeheim wohl wusste, dass das nicht wahr sein kann und ich bevor ich Atheist werde, selbst prüfen wollte, ob es Gott gibt. Ich hatte in meiner Kindheit auch sehr schöne Erlebnisse mit mir alleine in der Natur. Deshalb dachte ich, dass man Gott dort sowieso viel wahrscheinlicher findet, als in einer Kirche. Die Natur urteilt nicht. Sie ist äußert vielfälig. Dort habe ich mich frei gefühlt.

Es tut mir sehr leid, dass du so bezeichnet wirst. Ich hoffe, dass du dass nie selbst geglaubt hast. Denn ich habe selbst gemerkt, wie viel ich unbewusst übernommen hatte und wie schwer es ist, diese Be-und Verurteilungen aus seinem System zu löschen.

In meiner Vorstellung ist Gott alles was wir sind und was uns umgibt. Ohne Ausnahme. Aber Menschen benutzen Religion, um ihr individuelles Bedürfniss nach Unterdrückung zu rechtfertigen. Man kann Religion aber auch ganz anders interpretieren. Ich glaube jeder pickt sich da immer raus, was er für die Aufrechterhaltung des eigenen Weltbildes gebrauchen kann. Ein Unterdrücker wird sich Gebote heraussuchen, die seine Unterdrückung stützen. Ein toleranter Mensch wird sich andere Gebote heraussuchen. Zb Liebe dich selbst wie deinen Nächsten. Für mich da zb schon alles gesagt. So eine Beleidigung wie sie dir entgegen gebracht wurde, wäre ja gar nicht möglich wenn sie sich an ihre eigenen Gesetzte halten würden. Jemand mit Helfersyndrom wird bei Liebe dich selbst wie deinen nächsten denken, Jesus meinte man solle sein eigenes Ich zu Gunsten eines anderen zurückstellen. Der Mystiker versteht darin die Einheit aus dem ich und dem du.

Das freie interpretieren gehört wohl zum Mensch sein dazu. Ich denke nur man sollte das nicht mit der Religion selbst verwechseln. So wie Trump meiner Ansicht nach nicht als Präsident geeignet ist. Aber wenn ich mich auf Trump fokussiere und ihn zum Sündenbock erkläre, negiere ich ja dass 50% der Amerikaner seine Politik scheinbar für richtig halten. Wer wäre Trump, wenn ihn niemand wählen würde? Und so sehe ich das auch bzgl der Religion. Nicht die Religion an sich ist das Problem, sondern die Interpretation und der Bewusstseinszustand der Menschen die sich mit der Religion identifizieren. Also eigendlich ist die Identifikation das Problem.

Vielleicht ist die Kath. Kirche in 300 Jahren eine ganz andere, weil sich der Mensch bis dahin weiter entwickelt hat? Immerhin wird niemand mehr verbrannt oder gesteinigt. Wenn wir an die Inquisition denken, dann sehen wir den Schuldigen auch oft in der Kirche, aber im Grunde waren das immer Menschen, die sich hinter der Kirche versteckt haben. Es waren einfach Verbrecher im die Gottes Namen für ihre Verbrechen missbraicht haben.

Es hätte auch keinen Hitler gegeben, wenn wir Deutschen nicht uns nicht inspiriert gefühlt hätten, für ihn in den Krieg zu ziehen. Also war der Krieg schon vorher in uns. Es ist aber einfacher zu sagen, es gab da mal einen ganz bösen Mann, der hat 6 Millionen Juden umgebracht. Dabei waren wir alle das. Ich glaube so ist es auch mit der Religion. Vielleicht gibt es ja in mir auch so etwas absolutistisches, mit dem ich damals konfrontiert war. Vielleicht habe ich das nur auf die Umwelt projiziert und eine Persona entwickelt die sich als freiheitlich denkend verstanden hat?

@ Aura

Ja das mit der Schuld und Unschuld empfinde ich auch als einen sehr interessanten Gedanken.
Also die Frage wodurch entsteht eigentlich eine Identifikation mit Schuld?


@ Nuevo


So wie du habe ich das nicht erfahren. Meine Familie ist nie in die Kirche gegangen. Das war ja zudem auch noch so seltsam. Die hatten ja gar keinen Bezug dazu. Aber wer weiß welche Funktion die Kirche für meine Eltern erfüllt hat? Manche Menschen werden durch strikte Gebote gebändigt, denn wer noch keine eigenständige Ethik in sich selbst entwickelt hat, der braucht eine Authorität im Außen, die ihm sagt was richtig und falsch ist.


RE: Religion und Kirche - Dreamweaver - 28.07.2020

(28.07.2020, 14:42)Viltrudis schrieb: Mein Religionsheft aus der Grundschule fand ich, als ichs mal wieder gefunden hatte, ziemlich creepy. Pure Indoktrination, oder was soll eins lernen davon, Heilige zu malen? Und dann noch die Chuzpe haben, ne schlechte Note zu vergeben, wenn's hässlich ist. WTF.

lachen

Ich finde Religionsunterricht in der Grundschule sollte verboten werden. Die Kinder sind einfach zu beeinflussbar.

Ich bin religionsfrei erzogen worden und plötzlich war da diese Lehrerin, die mir erzählte, Gott sehe alles und wenn ich nachts sterbe und meine Sünden vom Tag nicht in einem Gebiet bereut habe, könnte ich in die Hölle kommen. fear


RE: Religion und Kirche - _ Aura - 28.07.2020

(28.07.2020, 18:40)Dreamweaver schrieb: Ich finde Religionsunterricht in der Grundschule sollte verboten werden. Die Kinder sind einfach zu beeinflussbar.

Absolut dafür. thumbsu


RE: Religion und Kirche - Nuevo - 28.07.2020

Man sollte den Religionsunterricht durch Philosophie, Psychologie, Meditation, Ethik sowie Yoga, Tai Chi oder etwas ähnliches ersetzen. Und damit kann man schon in den Kitas anfangen. Darüber hinaus finde ich das in den Schulen zu wenig getanzt dance dance dance  und gesungen wird. Das ist schade.

Und Bildung sollte für alle kostenlos sein.

Es könnte so einfach sein.


RE: Religion und Kirche - Viltrudis - 28.07.2020

Zitat:Es tut mir sehr leid, dass du so bezeichnet wirst. Ich hoffe, dass du dass nie selbst geglaubt hast.

Nee, ich glaube schon viel länger nicht mehr an irgendeinen Gott.^^

Zitat:In meiner Vorstellung ist Gott alles was wir sind und was uns umgibt.
Alles und nix. Klingt unbrauchbar. grin

Ich glaube, unsere Gesellschaft verbringt viel zu viel Zeit mit Religion. In diesem Sinne werd ich jetzt mal keinen langen Post verfassen.


RE: Religion und Kirche - spell bound - 28.07.2020

Ich war als Kind in einer christlichen Sekte. Das war, kurz gesagt, uncool. Als ich da raus war dachte ich eine Weile, alles sei Gott/Maya/Leere/Magie. Das war einerseits befreiend, andererseits ein weiteres Dogma und Wunschdenken an das ich mich klammerte. Ich konnte das irgendwann loslassen, als ich anfing meine Kindheit aufzuarbeiten. Jetzt denke ich in dieser Hinsicht ignostisch. Es gibt besseres als Religion.


RE: Religion und Kirche - Lucinda - 29.07.2020

Ich bin nicht getauft, sollte es mir später mal selber aussuchen können.
Habe schulisch mal alles durch: Evangelische Religion in der Grundschule bei einer sehr netten Lehrerin, Ethik Note 5, dann von Religion befreit, in der Oberstufe katholische Religion gewählt bis zum Abitur, weil es mich interessierte und ich wiederum durch mir sympathische Lehrer mit offenen Ansichten (spirituell, psychologisch) dazu kam. 

Habe im beruflichen Kontext vor ein paar Jahren mal einen sehr netten und interessanten Pfarrer kennengelernt. In die Kirche gehe ich trotzdem nicht. Mich faszinieren Kirchen, das sollen sie ja wohl auch - beeindrucken. Wenn ich in einer fremden Stadt bin, suche ich den Marktplatz, die Altstadt und die Kirchen, um sie zu fotografieren. Ich bin da immer wieder beeindruckt. Das hat aber wohl eher mit der Architektur zu tun. Im Kunst- Leistungskurs haben wir uns damals thematisch damit befasst.

Ich halte mich dennoch für spirituell - ohne mich einer Doktrin zu unterwerfen. Ich bin auf der Suche und da schaue ich, wo ich was für mich finden kann, um mir Ereignisse zu erklären und wiederzufinden. Da gibt es überall etwas zu finden, ohne es fürs Absolute zu halten. Es sind unterschiedliche Perspektiven aus verschiedenen Richtungen von verschiedenen Lebewesen. Da kann ich auch Tiere beobachten und noch etwas von ihren lernen. Selbst das kann ein spirituelles Erlebnis sein.


RE: Religion und Kirche - ichbinmehr - 29.07.2020

Wenns um die Definition von Gott geht halte ich Ignostizismus für passender als den Begriff Gott. Ich brauche allerdings Konzepte und Sprache um die Erfahrung dessen in mein Leben zu integrieren, um meine Innenwelt im Außen auszudrücken. Daher bediene ich mich gerne an Konzepten, weshalb ich dann doch wieder beim Wort Gott lande. Allerdings ist mein Gott ein freier Gott der nicht zu definieren ist. Jenseits von religiösen Dogmen. Man könnte sogar sagen, das was ich meine kennt gar keinen Gott. Es gibt nichtmal einen Begriff der das beschreiben könnte. Aber ich komme nicht von der Sprache los. Vielleicht benutze ich auch das Wort Gott um Frieden zu finden zwischen dem kritischen Denker und religiösen Konzepten. Ich denke jedoch dass man das was ich mit dem Wort Gott beschreibe auch als Atheist finden kann und es keine Notwendigkeit gibt, sich der Religion zu bedienen.


RE: Religion und Kirche - _ Aura - 29.07.2020

Interessant finde ich auch die modernen "Religionen", die sich als Lifestyle tarnen. Fitness, Ernährung, etc. Alles verbunden mit idealisierten Zielen, Ritualen, Sünden etc.


RE: Religion und Kirche - Liri - 29.07.2020

Interessant ist für mich die Diskrepanz zwischen Machtpolitik der Religionen bzw. auch dem, was zwischenmenschlich an religiös begründeter Unterdrückung stattfindet, und übergeordneten moralischen Werten, die an sich makellos wären, so etwa Nächstenliebe und Mitgefühl.

Das ist das grundsätzliche Dilemma, das Menschen dazu bringt, Religionen zu hassen.

Ich kann nicht sagen, dass ich frei von einer metaphysischen Weltschau wäre, aber ich lasse mir von niemanden vorschreiben, wie diese auszusehen hat.

Ich sehe alle möglichen Weltmodelle, sei es wissenschaftlich oder religiös, nur als mehr oder weniger funktionierende Modelle der Wirklichkeit. Je mehr sich die Vertreter*innen dieser Modelle bewusst sind, dass es sich nur um vorläufige Entwürfe handelt, umso symphatischer sind mir ihre Theorien.


RE: Religion und Kirche - ichbinmehr - 29.07.2020

@ Spell

Ich finde interessant was du gesagt hast bzgl. das dein altes Gottesbild für dich zuerst befreiend war. Und dann hast du geschrieben, dass du dann begonnen hattest deine Kindheit aufzuarbeiten und konntest dieses loslassen und ich nehme an, du konntest diese Freiheit dann selbst in dir finden.

Klingt wie ein Sieg eines Menschen der sich befreit hat. Siege muss man ja auch feiern, eine Zeit lang zumindest. Sie markieren, sie bezeugen. Sich mit dem Sieg und der neuen Freiheit identifizieren. Aber dann erschafft man auch schnell einen neuen festen Standpunkt, der unflexible macht.  Es geht mir ja nicht anders, mit anderen Themen.

Ich finde das sehr schlüssig, dass ein abgespaltener Anteil namens Gott, wieder in das Mensch sein integriert wird, wenn ein Mensch ganz wird.

Ich lese oft von Menschen die eine negative Erfahrung mit Religion gemacht haben, und sich dann sehr stark auf das Beweisbare festgelegt haben und alles nicht beweisbare kategorisch ablehnen. Ist das dann wirklich Freiheit?

Manchmal frage ich mich, ob die Gott Idee sich dadurch nicht einfach verschoben hat?

C.G.Jung hat mal gesagt manche Menschen verschieben ihre Gottverehrung auf das Fussballstadion oder irgendwas anderes wichtiges in ihrem Leben. Jedenfalls solange es noch etwas gibt an das man glaubt, und was man hoch hebt, ist da immer noch ein Gott. Auch wenn er anders heisst. Selbst als Atheist vergöttert man manche Dinge: Themen oder auch Menschen.  

Wenn der Konflikt mit der Religion ganz weggefallen wäre, weil man ganz zu sich selbst gefunden hat, bestünde ja nicht mal mehr ein Impuls sich gegen Religion abzugrenzen. Würde da nicht etwas übrig bleiben, dem es ganz egal wäre, ob mit oder ohne Religion? Ich denke solange ich mich abgrenze, bin ich immer noch abhängig. Verstehst du wie ich das meine?