Klartraumforum

Normale Version: Was wäre, wenn wir den Großteil des Lebens träumen würden?
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Das habe ich mich schon länger gefragt, was würde denn passieren?

Würden wir unsere Träume für Realität halten und die Realität für Klarträume?
Würden wir uns vielleicht überhaupt nicht mehr orientieren, oder eigentlich wie ganz normal an der Welt halten, in der wir uns befinden?
Wenn wir auch am Tag träumen, so müsste es doch eine Möglichkeit geben zu erwachen, nicht wahr?
(31.03.2010, 07:14)fiodra schrieb: [ -> ]Wenn wir auch am Tag träumen, so müsste es doch eine Möglichkeit geben zu erwachen, nicht wahr?

Ich denke schon.
Könnte dieses kleine Überbleibsel an Realität nicht auch vorkommen wie ein Traum?

Obwohl man genauso anmuten könnte, die Realität selbst sei auch ein Traum wovon man erwachen könnte.
Erinnert mich an Dschuang Dsi mit seiner Schmetterlings-Geschichte.

Ich glaube, deine Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, weil die Antwort von weltanschaulichen Grundannahmen abhängt.

Angenommen, wir drehen einfach die zeitlichen Verhältnisse um und stellen uns vor, wir würden jeden Tag 16 Stunden im Traum verbringen und nur so ca. 5-7 relativ kurze Zeitspannen von vielleicht insgesamt 4 Stunden in dem, was wir jetzt im normalen Wachzustand erleben. Wenn alles andere so bleibt, wie es ist, gibt es eigentlich auch erstmal keinen Grund, anzunehmen, wir würden dann die Traumwelt als "Realität" bezeichnen und die Wachwelt als "Traum".

Ich glaube, das Hauptkriterium für die meisten von uns, die Wachwelt als "real" zu bezeichen und die Traumwelt als "nicht real", ist nicht unbedingt die Zeitspanne, die im einen oder anderen Zustand verbracht wird, sondern die Kontinuität des Ich-Bewusstseins. Man kännte auch sagen, die Erinnerung. Im Wachzustand erinnern wir uns an die vergangenen Wachphasen und manchmal sogar an die Träume, während das in den Traumphasen normalerweise nicht der Fall ist, wobei diese Beobachtung natürlich aus dem Wachzustand heraus gemacht wird, d.h. anhand der Traumerinnerung bzw. Traumberichte, nicht anhand des Traumerlebens. Ein wichtiger Unterschied zwischen Wach- und Traumzustand ist natürlich auch, dass unsere Erinnering im Wachzustand eine Übereinstimmung mit der Umgebung zeigt, d.h. die Menschen und Dinge, an die wir uns erinnern, die tauchen auch immer wieder auf.

Aber würde alles andere so bleiben, wie es ist, wenn man die zeitlichen Verhältnisse umdreht? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich vermute mal, bei einem Menschen, der solchen Bedingungen ausgesetzt ist, würde sich die Wahrnehmung sowohl im (physiologisch gesehen) Wach- als auch im Traumzustand auf Dauer radikal verändern. Letztendlich würde ich sagen, ja, man würde wohl irgendwann den Traumzustand als die Realität betrachten, wobei dieser Traumzustand aber nicht so erlebt werden würde wie das, was wir jetzt so als den "normalen Traum" kennen, und dieser fragmentierte Wachzustand würde auch nicht so erlebt werden wie wir jetzt den Wachzustand erleben.

Das ganze läuft wohl -mal wieder - darauf hinaus, ob man an eine objektive Realität glaubt oder nicht. Wer an eine objektive Realität glaubt, der geht davon aus, dass der Unterschied zwischen Wachen und Träumen ist, dass wir im Wachen die objektive Realität wahrnehmen und im Träumen nicht. Das würde sich natürlich nicht ändern, nur weil sich die zeitlichen Verhältnisse ändern.

Was das Erwachen angeht, sehe ich da nicht so das Problem. Im Traum können wir klar werden und wir können erwachen. Im Wachzustand können wir erleuchtet werden und wir können sterben. Da sehe ich durchaus Parallelen :-)
Interessant, wie viel Interpretationsspielraum diese Frage ermöglicht.
Ich habe zu erst in die Richtung gedacht, dass wir permanent in einem Traum leben, d.h. auch im Wachzustand "schlafen", wie z.B. Gurdjieff das von der Menschheit behauptet hat.
In die gleiche Richtung dachte wohl auch Fiodra, wenn ich den Post richtig verstanden habe.

Andererseits kann man die Frage auch dahingehend verstehen, wie: "Wass passiert, wenn wir mehr Zeit im REM-Schlaf bleiben, als wir wach sind?"
Das fände ich mal interessant. Wir würde wohl mit dem Zustand deutlich vertrauter werden, zusammenhängendere Sachen erleben.
Wahrscheinlich würden wir den Zustand so gut kennen lernen, dass wir die meiste Zeit klar bleiben.

Weiterhin kann man fragen: "Was unterscheidet unsere Wachwirklichkeit von der Traumwirklichkeit?".
Da fällt mir als erstes ein: die Reproduzierbarkeit und die Kausalität. Wenn ich einen Stein fallen lasse, dann fällt er immer nach unten. Im Traum ist das nicht der Fall. Wobei dieser Gedanke mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.
(31.03.2010, 12:03)EmoScreamo schrieb: [ -> ]Da fällt mir als erstes ein: die Reproduzierbarkeit und die Kausalität. Wenn ich einen Stein fallen lasse, dann fällt er immer nach unten. Im Traum ist das nicht der Fall. Wobei dieser Gedanke mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.
Das mit dem Stein und dem Herunterfallen ist so eine Sache. William Buhlmann unterscheidet bei Ausserkörperlicher Erfahrung zwischen konsensueller Realität und persönlicher Realität. - Eine interessante Unterscheidung. Wenn du als Klarträumer oder Astralwanderer in bestimmte psychische Gebiete von konsensueller Realität kommst, dann findest du fest definierte "Kausalitäten" vor, die du nicht ändern kannst. Da ist es beispielsweise dann nicht möglich, zu fliegen, oder durch Wände zu gehen, - und der Stein fällt nach unten.
gerade über folgende Gedanken gestolpert:

http://www.hanjoheyer.de/Klartraum.html

LG Benita