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Normale Version: positive Psychologie
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Nunja... Ich weiß, dass ich nichts weiß ... und noch viel weniger über positive Psychologie.

Was ich weiß, oder glaube zu wissen:

Der Mensch an sich und verstärkt der Psychologe und Psychiater leidet an einer Negativverzerrung der Wirklichkeit.

Das gilt es zu ändern.

Auf geht s bigwink
vielleicht wäre es diskussionförderlich, wenn es hier ein paar konkretere thesen und diskussionsgrundlagen für diese thesen gäbe
Ich würde den allgemeinen Pessimismus gar nicht so verteufeln. Denn immerhin hilft er beim Überleben. Man kann sagen, die natürliche Auslese hat uns zu tendenziellen Pessimisten gemacht:

Der Höhlenmensch, der den unbekannten Pilz lieber stehen lässt, ist vielleicht mein Urahne.
Der Höhlenmensch, der sich gedacht hat "ach, wird schon nicht giftig sein", eher nicht.
Ich denke, dass diese 'Negativverzerrung der Wirklichkeit' nicht in besonderem Maße auf bestimmte Berufsgruppen zutrifft. Ich würde eher sagen, dass es vor allem Menschen betrifft, die dazu angehalten werden und sich selbst dazu anhalten, die Welt kritisch zu hinterfragen. Das Wissen über das eigentliche Unwissen oder die Ungewissheit erkennt man dabei im besten Fall als etwas Dialektisches an, das man einfach 'aushalten' muss. Es kann aber auch passieren, dass man sich soweit hineinsteigert, dass man das Spannungsverhältnis nicht mehr aushalten kann und sich ohnmächtig gegenüber der 'negativen Gesetze und Mächte' fühlt.

Inwieweit man die Negativverzerrung abmildern kann, ist eine gute Frage und die Antwort darauf würde sicherlich vielen helfen. Meine Antwort dazu wäre: Reflektieren und Reflexion des Reflektierens! Und immer bedenken, dass wenn man sich in eine Sache hineinsteigert und dann der Ansicht ist, man hätte eine größere Weitsicht gewonnen, dass man sich dann auch in alles andere Erdenkliche genauso hineinversetzen müsste, um überhaupt ein 'ausgeglichenes' Bild zu erhalten. Ist schwierig denke ich, vor allem, wenn die eigene Wahrnehmung schon so ins Negative verzerrt ist, dass man sich selbst oder seinen eigenen Gefühlen nicht mehr über den Weg traut.
(19.07.2016, 09:48)Uefken schrieb: [ -> ]Der Mensch an sich und verstärkt der Psychologe und Psychiater leidet an einer Negativverzerrung der Wirklichkeit.

Schon der Begriff Wirklichkeit ist wackelig, weil jeder seine eigene hat. Als emotionales Wesen nehmen wir alle die Wirklichkeit verzerrt war, jedes Bewusstsein strickt sich seine eigene. Ich kenne Leute, die waren entsetzt, als ich damals in den berliner Norden gezogen bin, weil das da alles kriminell und dreckig sei, während ich selber den Norden Berlins, mit seiner reichhaltigen Natur und den vielen Urberlinern, als freundlich und obendrein absolut sauber (vor allem hundescheissefrei) empfinde. Die Emotionen der Freunde haben deren eigene Wirklichkeit produziert und meine Emotionen die meine. Emotionen als Filter der Wirklichkeit.

Nimmt man dann noch die Klarträume mit ihrer Ungefiltertheit und daraus resultierendem Hyperrealismus, dann fragt man sich, ob unsere Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit ist, oder ob wir hier, wie Tom Campbell behauptet, in einer virtuellen Realität, also einer Simulation leben. Wissen werden wir das erst, wenn wir irgendwann den Löffel abgegeben haben.
(20.07.2016, 08:13)clearseven schrieb: [ -> ]... ob unsere Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit ist, oder ob wir hier, wie Tom Campbell behauptet, in einer virtuellen Realität, also einer Simulation leben.

Der Gedanke, dass wir normalerweise nicht die wahre Wirklichkeit erleben, ist eigentlich schon 2500 Jahre alt – siehe Buddha und Platon.

Und letzterer hat, wenn man es genau betrachtet, mit seinem Höhlengleichnis sogar bereits den Gedanken der Simulation anklingen lassen (Feuer als fake-Sonne und so ...).
(20.07.2016, 08:13)clearseven schrieb: [ -> ]
(19.07.2016, 09:48)Uefken schrieb: [ -> ]Der Mensch an sich und verstärkt der Psychologe und Psychiater leidet an einer Negativverzerrung der Wirklichkeit.
ob unsere Wirklichkeit die wahre Wirklichkeit ist, oder ob wir hier, wie Tom Campbell behauptet, in einer virtuellen Realität, also einer Simulation leben. Wissen werden wir das erst, wenn wir irgendwann den Löffel abgegeben haben.

Das ist aber pesimistisch. augenroll
Ich bin irgendwie sowohl pessimistisch als auch optimistisch, je nachdem, um was es genau geht.

Absolute Sicherheit, Wahrheit, Erkenntnis - nee, gibts nich. -> pessimistisch

Die Welt im Großen und Ganzen okay? - nee, ist sie nicht. ich hab die phantasie mir vorzustellen, dass eine welt ohne hunger möglich wäre, und ohne krieg... -> pessimistisch

Die Welt im Großen und Ganzen schlecht? - nee, ist sie nicht. Auch in Zeiten höchster Not entstanden noch großartige Werke, und es gibt soviele Menschen, die ich für viele Dinge bewundere. Auch ist so ein Ökosystem schon ziemlich cool, wenn man in einem Bergwald steht merkt man das schnell. -> optimistisch?

Usw. Letztlich ist Nuance doch viel spannender als Schwarzweißdenken.big
Zitat:vielleicht wäre es diskussionförderlich, wenn es hier ein paar konkretere thesen und diskussionsgrundlagen für diese thesen gäbe

mhmm. sieht nicht so aus? ... außerdem war das eine konkrete und provokante these genug, selbst wenn jetzt nicht so viel antworten gekommen wären...

Zitat:Ich würde den allgemeinen Pessimismus gar nicht so verteufeln. Denn immerhin hilft er beim Überleben. Man kann sagen, die natürliche Auslese hat uns zu tendenziellen Pessimisten gemacht:

Der Höhlenmensch, der den unbekannten Pilz lieber stehen lässt, ist vielleicht mein Urahne.
Der Höhlenmensch, der sich gedacht hat "ach, wird schon nicht giftig sein", eher nicht.


Das finde ich zu weit hergeholt. Mit Evolutionsthesen kan man so gut wie alles begründen, weswegen den Theorien oft "Storytelling" vorgeworfen wird. Und obgleich ich sonst ein Fan dieser Art zu denken bin, finde ich das passt diesmal nicht. Pessimismus ist zum einen nicht die Negativverzerrung, die ich meine. Ich meine die Konzentration auf Defizite, auf "Reparierbedürftiges" und ich meine einen allgemeinen hang zur Depression und zur Unzufriedenheit und allen anderen negativen Gefühlen.

Aber gut, setzen wir das Ganze mal eben hypothetisch mit Pessimismus gleich. (Obwohl du eher Vorsichtigkeit oder Argwohn als Pessimismus mit dem Pilz beschrieben hast. Aber nehmen wir auch an, du hast Pessimismus beschrieben.) Dann ist immer noch nicht gesagt, dass eine damals sinnvolle Einstellung heute immer noch sinvoll ist. Aber nehmen wir selbst das an, dann gilt das immer noch nur für die Art und das Überleben der Art. Nicht für das Individuum und schon gar nicht für Lebensqualität.

So.

Its your turn bigwink

Zitat:Das Wissen über das eigentliche Unwissen oder die Ungewissheit erkennt man dabei im besten Fall als etwas Dialektisches an, das man einfach 'aushalten' muss.

Ich muss nichts aushalten. Ich finds toll so. Die Aussicht, irgendwann einmal alles zu wissen finde ich viel grusliger und DAS könnte ich wirklich nicht aushalten.

Zitat: Meine Antwort dazu wäre: Reflektieren und Reflexion des Reflektierens!

Jawollja big

Zitat: Als emotionales Wesen nehmen wir alle die Wirklichkeit verzerrt war, jedes Bewusstsein strickt sich seine eigene.

Genau. Aber ich glaube ein Strickmuster zu erkennen bigwink

Zitat:Letztlich ist Nuance doch viel spannender als Schwarzweißdenken.

*ichspüremeinewutichlächlemeinerwutzu*

Du unterstellst mir Schwarzweißdenken? Wo wann wie? Mal abgesehen davon, dass ich gerade keine geringe Lust verspüre, Schwarzweißdenken zu rechtfertigen - ich habe doch gar nicht gesagt, dass Negativverzerrung böse ist, sondern nur dass sie vorherrscht. Und wenn sich das Boot in eine Richtung neigt, setze ich mich in die andere Ecke, um das Gleichgewicht zu wahren, hätte Friedrich N. dazu gesagt bigwink
Zitat:Du unterstellst mir Schwarzweißdenken? Wo wann wie?

Nirgends, niemals und auf keine Weise.bigwink

Das war einfach nur meine Antwort auf den Ideenhaufen "Pessimismus, Optimismus, was überwiegt denn so in der Welt usw. etc. pp."

edit: Und um das ein wenig auszubauen: Ich hab keine Ahnung, ob Pessimismus oder Optimismus in der Welt überwiegt. Ich fühle mich nicht qualifiziert, dazu eine Aussage zu machen, und finde es spannender zu reflektieren, wie man selber damit umgeht, und warum.

Zitat:Ich meine die Konzentration auf Defizite, auf "Reparierbedürftiges" und ich meine einen allgemeinen hang zur Depression und zur Unzufriedenheit und allen anderen negativen Gefühlen.
Da ist es zum Beispiel so, dass bei mir mehrere Gründe zusammenkommen:

1) Selbsthilfe - ich leide unter Depression und will das Problem auch bewusst angehen
2) Ich interessier mich generell für negative Gefühle, weil deren Auswirkungen in der Welt zu beobachten sind und es schon cool wäre, Tricks rauszukriegen, wie man sie auflöst, umlenkt, "sinnbar" nutzt^^
3) Bei Problemen von sozialer Gerechtigkeit reicht es oft nicht, wegzusehen. Beispielsweise ist es eine gute Idee, sich mit dem eigenen Rassismus zu beschäftigen, da es letztlich zugunsten anderer Menschen geht - den eigenen Bullshit bekämpfen hilft der Welt.big
4) Manchmal machts auch einfach Spaß - im Sinne von: Was wäre ein guter Roman ohne Drama^^ und ich mag düstere Kunst.bigwink
Zitat: Obwohl du eher Vorsichtigkeit oder Argwohn als Pessimismus mit dem Pilz beschrieben hast

Wenn ich fremden Menschen nicht vertraue, bin ich dann vorsichtig und argwöhnisch oder pessimistisch, weil ich zunächst das Schlimmste erwarte? Ich persönlich sehe da keinen großen Unterschied zwischen den Begriffen.
Ich schon: Vorsicht ist für mich neutral bis positiv emotional gefärbt. Der gemeinsame Teil mit Gewissenhaftigkeit und Besonnenheit ist da das Positive. Argwohn ist tatsächlich eher negativ gefärbt, aber immer noch nicht mit Pessimismus gleichzusetzen. Argwohn ist ist eng verwandt mit Misstrauen, ist also das Vermuten schlechter Umstände in der Gegenwart. Pessimismus dagegen ist das Vermuten schlechter Folgen in der Zukunft.

Gut, immerhin sind alle drei zumindest teilweise negativ emotional gefärbt.

Aber ich wollte ja auch niemals den Sinn negativer Emotionen in Frage stellen, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass sie ganz schön überhand genommen haben in der Vergangenheit und der Theoriebildung der Vergangenheit.
(20.07.2016, 21:41)Uefken schrieb: [ -> ]
Zitat:vielleicht wäre es diskussionförderlich, wenn es hier ein paar konkretere thesen und diskussionsgrundlagen für diese thesen gäbe

mhmm. sieht nicht so aus? ... außerdem war das eine konkrete und provokante these genug, selbst wenn jetzt nicht so viel antworten gekommen wären...
sieht echt nicht so aus. aber konkret genug ist mir die these und die diskussion nach wie vor nicht, um dazu etwas beitragen zu können oder zu denken, dass sie zu viel führt. ich finde, man kann anhand von beispielen viel besser argumentieren. das mit den pilzen war ja schonmal eines, aber ich glaub du wolltest auf andere beispiele hinaus.
ok, Beispiele:

1. die Annahme, dass die meisten Leute negativ träumen - und wenn das stimmen sollte, wäre es selbst ein Beispiel

2. die tatsache, dass Ekman nur ein (und dann noch so ein vages und schwammiges) positives Grundgefühl (von 7!) postuliert hat

3. die Tatsache, dass es so gut wie keine Glücksforschung, wohl aber einen Berg klinischer Forschung und Literatur gibt

4. die Tatsache, dass Steffi in den Senoistunden immer die "Probleme" diskutieren will, auch wenn der Traum sonst NUR positiv war bigwink

5. der verbreitete (und meiner Meinung nach falsche) Glaubenssatz, dass Entwicklung weh tun muss

6. der verbreitete (und meiner Meinung nach falsche) Glaubenssatz, dass Glück Unglück als Kontrast braucht und/oder nur auf "Kredit" zu bekommen ist

7. die Tatsache, das "Gutmensch" zum Schimpfwort geworden ist für Idealisten, die die Realität ins Positive verzerren und "Realismus" eher "Pessimismus" heißt als "Optimismus"
(20.07.2016, 21:41)Uefken schrieb: [ -> ]
Zitat:Ich würde den allgemeinen Pessimismus gar nicht so verteufeln. Denn immerhin hilft er beim Überleben. Man kann sagen, die natürliche Auslese hat uns zu tendenziellen Pessimisten gemacht:

Der Höhlenmensch, der den unbekannten Pilz lieber stehen lässt, ist vielleicht mein Urahne.
Der Höhlenmensch, der sich gedacht hat "ach, wird schon nicht giftig sein", eher nicht.

...
Pessimismus ist zum einen nicht die Negativverzerrung, die ich meine. Ich meine die Konzentration auf Defizite, auf "Reparierbedürftiges" und ich meine einen allgemeinen hang zur Depression und zur Unzufriedenheit und allen anderen negativen Gefühlen.

Aber gut, setzen wir das Ganze mal eben hypothetisch mit Pessimismus gleich.

Nein, das war nicht meine Absicht!
Der über Jahrmillionen angezüchtete und manchmal lebenserhaltende Pessimismus kann aber sehr wohl die Ursache für die von Dir beschriebene Defizitorientierung sein. Wenn das eine die Ursache von dem anderen ist, dann bedeutet das auch, dass die beiden Dinge eben nicht gleich sind.

Man kann nun mal in seinem Leben locker tausend wunderschöne bunte Schmetterlinge übersehen oder ignorieren, ohne dass es unmittelbare Konsequenzen hätte. Aber den einen LKW, der beim Abbiegen nicht kuckt, den sollte man tunlichst nicht übersehen. Da kann der erste sehr leicht auch der letzte sein.
LANGFRISTIG dagegen stellt auch das Bunte-Schmetterlinge-übersehen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Denn dann wird man möglicherweise depressiv. Man braucht gelegentlich auch einen bunten Schmetterling, um nicht depressiv zu werden – rein bildlich gesprochen natürlich; "bunter Schmetterling" kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten; irgendetwas Erfreuliches eben.


Zitat:(Obwohl du eher Vorsichtigkeit oder Argwohn als Pessimismus mit dem Pilz beschrieben hast. Aber nehmen wir auch an, du hast Pessimismus beschrieben.)

Ja, doch, Vorsicht betrachte ich als eine Art von Pessimismus.
Denn vorsichtig ist man ja hauptsächlich deshalb, weil man daran denkt, was im schlimmsten (lat. "pessimus") Fall passieren könnte. Leitet sich also direkt aus der Wortbedeutung ab.

Zitat:Dann ist immer noch nicht gesagt, dass eine damals sinnvolle Einstellung heute immer noch sinvoll ist.

Das habe ich auch nicht unterstellt.
Vieles, was früher einmal Sinn ergab, kann heutzutage Probleme bereiten. Bestes Beispiel dafür sind wohl die Reflexe "Angriff", "Flucht" und "Schockstarre ".

Zitat:Aber nehmen wir selbst das an, dann gilt das immer noch nur für die Art und das Überleben der Art. Nicht für das Individuum und schon gar nicht für Lebensqualität.

Wie gesagt: Bitte unterscheiden zwischen Vorsicht und depressiver Grundstimmung. Vorsicht KANN zu Depression führen, wenn man es damit übertreibt. Und Depression war noch nie überlebensdienlich – weder für den Einzelnen noch für die Art (insb. haben Depressive auch weniger Bock auf Sex bigwink )

Auf der anderen Seite ist ein gewisses Maß an Vorsicht – da muss ich Dir widersprechen – nicht nur für die Art sondern auch für das Individuum überlebensdienlich.
Der Pilz, der für den Höhlenmenschen giftig war, ist auch heutzutage noch giftig.
Und bloß weil ich ihn stehen lassen, bin ich bitteschön noch nicht depressiv und defizitorientiert!
Das werde ich erst, wenn ich immer wieder in das gleiche Waldstück zum Sammeln gehe, obwohl ich weiß, dass dort nur mutmaßliche Giftpilze wachsen, und anschließend immer stärker frustriert bin, dass ich nichts nach Hause bringe.

P.S. Wenn man in der Metapher die Giftpilze durch ungenießbare Pilze oder vergammelte Pilze ersetzt, dann könnte der betreffende Wald z.B. auch für einen Arbeitsplatz stehen ...

P.P.S Ich bemerke meinen Pessimismus – ich lächle meinem Pessimismus zu bigwink
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