Klartraumforum

Normale Version: männlich und weiblich
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Vorab: Wenn es dieses Thema doch schon geben sollte, wär ich echt interessiert an den eingegebenen Suchbegriffen. bigwink


Zum Thema:

Mich beschäftigt dieses Thema schon eine ganze Weile. Ich bezwecke damit nichts Richtung Feminismus und "alles angeboren/ alles erworben", ich mag mich da in keine Kategorie einordnen.

Ich frage mich, was eigentlich genau "männlich" und "weiblich" ausmacht. Wenn man den kulturellen Überbau, die ganzen Schubladen und Klischees, wegnehmen würde, was bliebe dann?
Was wäre männlich, was weiblich?

Sind Menschen, die sich im falschen Körper fühlen, auch zu einem Großteil in der falschen Geschlechterrolle oder bezieht sich das einzig und allein auf das Körpergefühl?

Wie komm ich drauf?

Ich habe in meiner Kindheit ziemlich starke Geschlechterklischees mitbekommen- und sehr stark dagegen rebelliert.

Weiblich, das bedeutete eigentlich nur hübsch aussehen, hübsch rumsitzen, schwach sein und auf den Prinzen warten, nichts Interessantes machen dürfen, unpraktische Klamotten tragen müssen, sich nicht schmutzig machen dürfen, Handarbeit, Hausarbeit, Heulsuse sein.

Männlich, das war für mich das Interessante. Jungs durften frech sein, raufen, sich schmutzig machen, sollten mutig sein, Abenteuer erleben, bekamen tolles Spielzeug.

Ich wollte natürlich ein Junge sein!

Als ich in die Pubertät kam, versteckte ich mich unter weiten Klamotten, weil ich mich dieses Körpers schämte, und noch immer finde ich einen weiblichen Körper vor allem unpraktisch.

Natürlich ist mir inzwischen klar, dass das, was ich mitbekommen habe, vor allem Klischees sind, starke Übertreibungen.
Aber einiges davon ist ja doch in der Gesellschaft verankert, ich sag nur rosa-blaue Kinder. Finde ich furchtbar, ich finde, alle sollten alles und Kinder vor allem bunt tragen dürfen. Kleider und Röcke für alle, Puppen, Technik, Dinos, Autos, Fußball und Raufen für alle!

Kürzlich sagte mir jemand, dass ich erst wirklich frei von den Klischees sein kann, wenn ich auch meine weibliche Seite annehmen kann und nicht alles Weibliche ablehnen MUSS, weil es ja so schlecht ist, und dann für mich entscheide, was ich haben will und nicht.

Fand ich gut.
Ich hab nur ein Problem: Ich kann meine Eigenschaften nicht in weiblich oder männlich einteilen, ich weiß nicht, wie.




Also: Was bedeutet männlich, was weiblich für euch?
Was an euch empfindet ihr als besonders weiblich oder männlich?
Ich hatte mich heute mit Wasser und Ufeken und einigen anderen im TS über das Thema unterhalten und mich auch betroffen gefühlt, weil ich gewisse weibliche, ankonditionierte Aspekte immer abgelehnt habe und heute noch ablehne. Zum Thema, ob geschlechtspezifisches Verhalten durch die unumgängliche Realität (nahezu) unveränderbar oder bedingt durch die kulturelle Konditionierung veränderbar ist, fiel mir das Buch von Ken Wilber ein, aus welchem ich ein Kapitel zum Thema vorlesen möchte. Wilber unterscheidet zwischen männlich/weiblich (biologisch) und maskulin/feminin (kulturell).

Ich möchte jetzt öfters mal Audios statt, schriftlichen Text beitragen, um meine verbale Ausdruckhemmung etwas abzubauen. Das Audio liegt auf Dropbox und ist 26 min. kurz. https://www.dropbox.com/s/s5u2xla339r9mj...r.mp3?dl=0
Als Kind wollte ich auch ein Junge sein, zumindest kurzfristig. Ich habe auch immer gegen Barbie und Puppen rebelliert. Als ich einen Kinderwagen hergeschenkt habe mit drei Jahren an das Nachbarskind wurde ich schief von den Verwandten angesehen (immerhin wars teuer...) biggrin

Ich glaube, dass hat auch viel mit seelischen/Reinkarnations Sachen zutun. Von mir weiß ich, dass ich mehr männliche als weibliche Leben hatte und deswegen eine Spur männlicher von der Energie Ausstrahlung bin. Aber auch nur eine Spur. Kenne auch etliche Männer die eine weibliche Energie haben - also energetisch. Das ist natürlich ein Unterschied.

Das Rollen Klischee ist vermutlich von den CGJ Archetypen abgeleitet. Zb die Mutter, die Rolle der Fürsorgerin etc.

Ich bin im Großen und Ganzen dafür, dass man jede Seite erleben muss. Das Ur-männliche und Ur-weibliche (Animus und Anima) hat beides seine Licht und Schattenseiten, wie alles.

@ichbinmehr

coole Idee mit der Audiodatei und schöne Stimme big

"Ich frage mich, was eigentlich genau "männlich" und "weiblich" ausmacht. Wenn man den kulturellen Überbau, die ganzen Schubladen und Klischees, wegnehmen würde, was bliebe dann? Was wäre männlich, was weiblich?"

männlich: Aggressivität, Beschützerinstinkt, Jäger
weiblich: Fürsorge, Sicherheit, Wärme

Also im Grunde denke ich mal es bleiben die Urinstinkte zurück. Wobei da die Frage ist, ob man jetzt auf das rein biologische geht oder auf psychische/seelische/energetische Aspekte. Wenn jemand sehr viel weibliche Energie hat wird er eher friedfertig und emotional agieren (rechtshirnig) als das typische männliche - was nunmal naturell mässiger eher auf Angriff getrimmt ist. Das sind soweit mal Gedanken von mir.

"Sind Menschen, die sich im falschen Körper fühlen, auch zu einem Großteil in der falschen Geschlechterrolle oder bezieht sich das einzig und allein auf das Körpergefühl?"

Das hat viel mit der Psyche zutun. Stell dir vor du fühlst dich weiblich bist aber ein Mann und siehst dich im Spiegel - kurze Haare, Barthaare, aber dein inneres Bild ist einfach anders. Das wäre nicht "gut" für die eigene Psyche/Seele. Da die Eigenwahrnehmung anders ist als die Fremdwahrnehmung von außen. Du bist einfach nicht "DU".
Hmm, ich finde das nicht ganz so leicht.

Beispielsweise die Zuordnung Beschützerinstinkt und Aggressivität sei männlich. Stell dich nie zwischen eine Mutter und Ihr Kind... Das wissen selbst im Tierreich die meisten.
Und aggressiv und wütend können durchaus auch Frauen werden, allerdings nennt man das dann gerne zickig und fragt sie, ob sie ihre Tage haben.

Ich sehe in den Spiegel und sehe eine Frau. Das ist in Ordnung. Ich denke aber, es wäre für mich auch in Ordnung, wenn ich das Gesicht eines Mannes sehen würde.

Meine Eigenschaften sind zum Beispiel:

Sportlich, ich liebe klettern und raufen und mache Kampfsport. Ich habe als Kind mit Dinos, Autos, Kuscheltieren, Murmeln und Lego gespielt, viel gelesen und gemalt, ich hab mich als Hexe und als Vampir verkleidet, ich bin gern auf Bäume geklettert, habe Kleidchen gehasst und war als Erste von den Kindern im verbotenen Wald, wo ich es geliebt habe, andere aus einem Versteck heraus zu beobachten.
Ich liebe die Natur, Tiere, schminke mich nie, und trage die Haare jetzt seit zwei Jahren kurz. Ich fahre ein Herrenrad und trage am liebsten Hosen, gern auch aus der Männerabteilung, weil sie mir da besser passen.
Ich liebe meine Haustiere und meinen Freund, und ich möchte die, die ich liebe, beschützen.
Ich bin durchaus offen für Emotionen, weine aber nie in der Öffentlichkeit, das wäre mir peinlich.
Ich hasse einkaufen, ich hab nur wenige Schuhe.
Ich zeichne gerne, finde Mathematik interessant, hab null Interesse an Mode und Stars.
Ich bemühe mich, sachlich zu sein. Meine Lieblingsarbe ist seit jeher blau, gefolgt von grün.


Was davon sind jetzt weibliche Anteile, die ich akzeptieren muss?
Ich kann davon nichts dem Prinzip weiblich oder männlich zuordnen. Das alles bin ich.

Wie fühlt man sich denn weiblich oder männlich? Ich fühle mich nur menschlich.
Hmm, was weiblich oder männlich wirklich ausmacht kann ich nicht genau sagen.
Ich finde momentan die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Bereichen etwas komisch
da es mir ein wenig in Gleichstellung rutscht, Jeder Mann soll das können was eine Frau kann und umgekehrt.
Das ist zwar richtig aber ich glaube, dass Mann und Frau sich auch noch etwas mehr als geschlechtlich unterscheiden.
Mein (ehemaliger) Schüler big Bravo!
Zitat:Wie fühlt man sich denn weiblich oder männlich? Ich fühle mich nur menschlich.

Genauso geht es mir auch. Mich hat die Frage auch mal halb wahnsinnig gemacht, weil ich das Gefühl hatte, nicht "weiblich" genug zu sein, ins Rollenbild passen zu müssen etc. Ich denke, sich einfach menschlich zu fühlen ist nicht unbedingt schlecht. Bei mir hat sich das Problem damit gelöst, dass ich aufgehört habe, kategorisieren zu wollen. Ich bin einfach ich und fertig. Ob ich mich nun weiblich fühle oder nicht, ist mir dabei egal, solange ich mich nur wohl in meiner Haut fühle und mir das, was ich mache, gut tut.

Zitat:Wenn man den kulturellen Überbau, die ganzen Schubladen und Klischees, wegnehmen würde, was bliebe dann?

Ich denke, wir wären dann alle (abgesehen vom Körperlichen) einfach nur Menschen.
Als Mann habe ich vor bald 17 Jahren die traditionelle "Mutterrolle" übernommen, während meine Frau (und Mutter all meiner Kinder) beruflich mittlerweile auf der zweithöchsten Managementebene angekommen ist.

=> Mit Geschlechterklischees habe ich nichts am Hut.
Charaktereigenschaften in männlich und weiblich einzuteilen erscheint mir engstirnig.

Alles, was ich als typisch männlich an mir betrachte, ist rein biologischer Natur:

– An erster Stelle mein Haarausfall neutral

– An zweiter Stelle meine Körperkraft und Muskulatur, aufgebaut ohne jeglichen illegalen Mittel, woran jedoch manche Kraftsport-Insider immer wieder unverblümt Zweifel äußerten.

Mehr fällt mir momentan dazu auch gar nicht ein.
Zitat:Wie fühlt man sich denn weiblich oder männlich? Ich fühle mich nur menschlich.
Das unterschreibe ich so auch für mich.

Ich bin vor einer Weile (voriges Jahr) auf den praktischen Begriff "cis-by-default" gestoßen. Es gibt ja Transgender, und als dessen Gegenteil Cisgender, wenn man mit dem Geschlecht, dass einem die Biologie/Gesellschaft verpasst hat, zufrieden ist.

Aber darin gibt es eben auch einen wesentlichen Unterschied zwischen "zufriedensein" und "aktiv so-sein-wollen". Den findet man heraus, indem man eben die Frage stellt: "Würdest du morgen im Körper des anderen Geschlechts aufwachen, und alles andere wäre so, wie es immer war, würdest du zurückändern wollen, oder wäre es eigentlich egal?"

Natürlich spielen da noch die Vorteile rein - würde ich morgen als Frau aufwachen, würde sich der "Schwierigkeitsgrad" für mein Leben wohl ziemlich deutlich erhöhen, und ich hätte mit so manchen Problemen zu kämpfen, die für mich neu wären. Es ist ja leider schon so, dass man als Mann leichter ernst genommen wird, gerade bei manchen Themen.
Und die schiere Menge Harassment, die öffentlichwirksame Frauen im Internet ertragen müssen, vor allem, wenn sie sich als Feministen deklarieren, weiß nicht, ob mich das nicht binnen kurzer Zeit völlig fertig machen würde.

Zitat:da es mir ein wenig in Gleichstellung rutscht, Jeder Mann soll das können was eine Frau kann und umgekehrt.
Das ist zwar richtig aber ich glaube, dass Mann und Frau sich auch noch etwas mehr als geschlechtlich unterscheiden.
Nicht mal die radikalisten Feministen, die ich kenne (wohlgemerkt!), behaupten, dass es gar keine Unterschiede gibt.

Der Stand der Wissenschaft ist allerdings, dass für die meisten Unterschiede, von denen man mal geglaubt hat, sie wären biologisch vorgegeben, oder (früher) gottgegeben, festgestellt hat, dass man sich diesbezüglich geirrt hat.

Und selbst bei den relativ kleinen Unterschieden, die man im Hirn noch so findet, ist nicht klar, ob diese genetischen Ursprung haben, oder ob sie schlicht und einfach daran liegen, dass weibliche Kinder praktisch von Geburt an von ihrer ganzen Umgebung anders behandelt werden als männliche, und das selbst noch in einem angeblich aufgeklärten westlichen Land...

Was das Thema angeht, das ist eines dieser Themen, wo man jedem Zeitungsartikel erst mal skeptisch gegenüberstehen muss. Oft werden da Studien komplett falsch zitiert, um ne Sensationsschlagzeile zu machen. Und meistens ist die Sensationsschlagzeile irgendwas in die Richtung von "Bewiesen: Warum Frauen nicht einparken können." oder so ein Bullshit. Wenn man dann weiter sucht, nach der Studie, auf die der Artikel eigentlich weist, findet man entweder gar nichts oder ein völlig anderes Ergebnis, dass den Journalisten viel zu langweilig war, um darüber zu berichten.

Zitat:Jeder Mann soll das können was eine Frau kann und umgekehrt.
= Gleichberechtigung.
Der Vorwurf, dass Gleichberechtigung zu Gleichmacherei führt, verwundert mich immer wieder. Gleichgemacht wurden ja vorher alle, indem man alle Frauen dazu gezwungen hat, brave Ehefrauen zu sein, die nicht aufmucken, und alle Männer gezwungen hat, sich dominant und machohaft zu verhalten.

Das Wort "Feminismus" wird oft als Beweis dafür gesehen, dass es nur um Frauen geht, aber natürlich schadet Sexismus Männern genauso, die sich nicht in ihre vorgefertigten Rollen fügen wollen.

Dann ist noch anzumerken, dass Feminismus keine starre Sache ist, sondern sich in den letzten fünfzig Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Da ist es so, dass viele Ansichten, die Mann gerne mit Feminismus verbindet, z.B. Sexualfeindlichkeit, Männerfeindlichkeit, Transgenderfeindlichkeit usw. von den jüngeren Generationen bereits heftig kritisiert werden.

[/rant]

Zum eigentlichen Thema des Threads bin ich selbst etwas ratlos. In nem anderen Forum war erst vor kurzem ne heftige Diskussion, ob man in ner Utopie nicht auf Gender komplett verzichten könnte. Also, die Frage ist, woran genau hängen die Leute, die sich mit einem Geschlecht identifizieren?

Wir kamen dann darauf, dass die Rollen ja "ursprünglich" quasi eine Orientierungshilfe für sexuelle Orientierung darstellen; damit sich heterosexuelle Frauen in Männer verlieben, müssen sie als solche irgendwie erkennbar sein. (Müssen sie? ^^) Schwule und Lesben, so meine Vermutung, hängen auch an ihrem Gender, um sich als solche zu definieren. Bei Bisexuellen hört das allerdings dann langsam auch schon wieder auf, denn da wird Genderrolle letztlich irgendwann komplett irrelevant.

Wie die Geschlechter als solche markiert werden, ist ja kulturell sehr verschieden, und kann sich auch innerhalb einer Kultur recht schnell ändern. Dass Hosen männlich sind, lag vielleicht einfach mal daran, dass sie eher die Arbeit draußen verrichtet haben? Und die Farben rosa und blau sind ja ein Beispiel dafür, wie schnell sich etwas ins Gegenteil verkehren kann, denn früher waren rot und rosa selbstverständlich männliche Farben (aggressiv) und blau weiblich, denn Frauen wurden eher als kühl und logisch (!) gesehen.

Da geschichtlich ja praktisch immer Männer an der Macht waren, wurden immer die Sachen, die gerade "wichtig" waren, und z.B. viel Geld eingebracht haben, männlich. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass man Frauen als kühl und logisch gesehen hat, aber in dem Moment, wo Logik "in" wurde, weil sich damit plötzlich richtig viel Geld und Ansehen machen ließ, die Männer logisch wurden und den Frauen in unzähligen sexistischen Witzen abgesprochen wird, dass sie überhaupt logisch denken würden.

Sind Männer aggressiv, sind sie halt aggressiv. Manchmal noch mit dem Zusatz "die können halt nicht anders". Aggressive Frauen werden als hysterisch, Zicke, usw. betitelt. Die Standard-Annahme der Gesellschaft ist: Frauen denken ja nicht logisch, und wenn sie sich aufregt, dann hat das bestimmt keinen guten Grund.angry

Meine Antwort darauf, welche von den Eigenschaften, die Wasser aufgezählt hat, also männlich und weiblich sind, ist: Keine Ahnung. Möglicherweise gar keine.
Männlich und weiblich sind ja primär biologische Begriffe. Die Zuordnung zu Charaktereigenschaften oder Energien wirkt zunächst statistisch abgeleitet: Männer sind oft aggressiv, also ist Aggressivität eine "männliche" Eigenschaft, Frauen sind oft fürsorglich, also ist das eine "weibliche" Eigenschaft. Der Schein einer empirischen Beobachtung trügt aber, denn es handelt sich hier um selektive Wahrnehmung. Auch ist es ein Fehler, diese sekundären Eigenschaften, die das Geschlecht vielleicht manchmal begleiten, zu ihrer Definitionsgrundlage zu erklären. Die Eigenschaften sind nicht geschlechtlich, selbst wenn es eine heftige Korrelation zum Geschlecht geben würde. Dich eine solche gibt es sowieso nicht. Da offensichtlich ist, dass auch Männer oft fürsorglich sind oder sein können und Frauen aggressiv, bastelten damals Leute wir C g Jung Konstrukte, denen zufolge jeder eben die Eigenarten des anderen Geschlechts auch in sich trage - nun aber entsteht die Erklärungsnot solcher Modelle, warum jene Eigenschaften männlich oder weiblich seien, obwohl sie doch in jedem Menschen vorkommen. man flüchtet sich damit aus, zu sagen, Fürsorge sei "primär" unter Frauen und Aggressivität primär unter Männern vorhanden, beim je anderen Geschlecht aber nur sekundär. Doch auch diese scheinbar statistische Behauptung ist weder statistisch, noch würde sie, wenn sie es wäre, ausreichen, um aus einzelnen Beobachtungen eine universelle Polarität und Zuordnung von Geschlechtern zu begründen.
Das Problem bleibt also, dass der Geschlechterbegriff nicht auf psychologische oder gar spirituelle Ebenen angewandt werden kann, da er eben ein biologischer ist.
Was ist denn an Gleichmacherei so schlimm? Ich persönlich hätte es nicht gerne, wenn man mich nur weil ich ein Mädchen bin in eine Kategorie einordnen würde, und dann ist es mir auch Schnurz, was für biologische Unterschiede Männlein und Weibchen haben. Vorurteile führen einfach zu Diskriminierung.
Genau wie gnutl es beschrieben hat geht es mir auch. Ich bin by default zufrieden damit, was ich habe, einfach, weil ich keinen Grund sehe, es nicht zu sein. Wäre ich ein Mann, würde ich es wahrscheinlich genauso sehen. Ich bin zwar weiblich, ja, aber identifiziere mich nicht wirklich mit einem Geschlecht, denn sonst wär es mir ja nicht egal. Warum hab ich dann überhaupt noch eine Geschlechterrolle?
Deswegen finde ich, gnutl, widersprechen deine Aussagen sich. Meine Meinung: Männer = Frauen. Fertig. Geschlechterrollen müssen in den Eimer. Es ist schon ein Bisschen seltsam, dass wir unsere Kinder entsprechend ihrer Genitalien erziehen und kleiden. Sehr seltsam sogar.
Aaaber, auch wenn ich finde dass Geschlechter ziemlich behindernd sind, finde ich das Thema jetzt nicht so krass wichtig, wie die Medien es einem vormachen wollen. Ich finde es gibt wirklich wichtigeres im Moment, worauf wir jungen Leute uns konzentrieren sollten. Eine "Gender revolution" kann ja noch später kommen
Zitat:Warum hab ich dann überhaupt noch eine Geschlechterrolle?
Deswegen finde ich, gnutl, widersprechen deine Aussagen sich. Meine Meinung: Männer = Frauen. Fertig. Geschlechterrollen müssen in den Eimer.
Nun, das ist ein wenig komplizierter, deswegen bin ich oben darauf nicht eingegangen.

Es ist so, dass Transmenschen sich gerade erst das Recht erkämpfen, sich mit dem Geschlecht ihrer Wahl zu identifizieren. Jetzt herzugehen und sagen "So, wir schaffen sofort alle Rollen ab" sagt diesen Menschen mehr oder weniger, dass sie im Irrtum sind, wenn sie sagen, sie fühlen sich z.B. männlich. Das sagen ihnen aber schon seit Jahrhunderten alle, und es erklärt deren hohe Selbstmordrate. Da möchte ich wirklich nicht weiter dazu beitragen. Daher -> volle Akzeptanz dafür, wenn sich jemand mit einer Rolle akzeptieren möchte.

Zitat:Es ist schon ein Bisschen seltsam, dass wir unsere Kinder entsprechend ihrer Genitalien erziehen und kleiden.
Da stimme ich dir aber wieder zu. Es gab imho auch schon Gesellschaften, die das nicht oder viel weniger ausgeprägt hatten, da gab es quasi ein Gender "Kind", und erst ab der Pubertät wird man einem der anderen Geschlechter zugeordnet.
Das fänd ich prinzipiell z.B. nicht so blöd - wenn man am Ende die Zuteilung optional hält.

In unserer Gesellschaft ist ja alles auf duale Geschlechter ausgelegt, was da nicht reinpasst, wird abgehackt. Sieht man schon bei Briefköpfen: "Sehr geehrte Frau ... sehr geehrter Herr... - zutreffendes bitte ankreuzen" - wenn sich jemand mit beiden nicht identifiziert, dann hat er da Pech gehabt.bigsad Da besteht also echt noch großer Änderungsbedarf.

Man kann sich auch die Frage stellen, warum man überhaupt bei einem Brief wissen muss, welchem Geschlecht die andere Person angehört. In viktorianischer Zeit war das ja noch so wichtig, dass es seine Berechtigung hatte, wenn man als Frau halt z.B. nie allein mit einem nichtverwandten Mann sein durfte oder ähnliches Zeug, da verstehe ich total, dass man das überall hinschreibt, damit nur jaaa nix Sündhaftes passiert.^^ Aber heute?

Ich nehm mich da selber nicht aus, ich bin auch noch ganz stark drin verfangen, dass ich unbedingt wissen will, ob ich mit einem Er oder einer Sie spreche - das ist so tief drin antrainiert, das wird man in einem Leben kaum los...

Zitat:Aaaber, auch wenn ich finde dass Geschlechter ziemlich behindernd sind, finde ich das Thema jetzt nicht so krass wichtig, wie die Medien es einem vormachen wollen. Ich finde es gibt wirklich wichtigeres im Moment, worauf wir jungen Leute uns konzentrieren sollten. Eine "Gender revolution" kann ja noch später kommen
Ach nee, man muss nicht die Weltprobleme gegeneinander ausspielen. Jeder Mensch hat seine eigenen Lieblingsthemen. Ich finde die Situation in Nordkorea schlimm, aber ich werd jetzt nicht mein Leben dafür einsetzen, die Diktatur dort zu beenden, und alles andere hier stehenlassen.^^ Ich sitz in meiner Ecke der Welt und versuche hier aufzuräumen.

Ich steh niemandem im Weg, der sagt, er findet jetzt Problem X als das schlimmste und setzt sein Leben dafür ein - aber wenn ich lieber an Problemen Y und Z arbeite, möchte ich das dürfen. Natürlich kann man Prioritäten verlangen - wenn uns eine atomare Auslöschung droht, wird es eher egal sein, ob man die letzten paar Stunden vor der Bombe sich duzt oder siezt oder whatever, aber in den seltensten Fällen stehen wir vor Problemen, die sooo akut sind, dass sie alle andere Themen überstrahlen.
(31.05.2016, 10:17)gnutl schrieb: [ -> ]wenn uns eine atomare Auslöschung droht, wird es eher egal sein, ob man die letzten paar Stunden vor der Bombe sich duzt oder siezt oder whatever
zumal sexismus, diktatur, atomare auslöschung, uvm. themen sind, die alle miteinander zusammenhängen.
Ich denke, man muss zuerst die eigenen Probleme lösen, bevor man sich vernünftig um fremde kümmern kann.

Und grad das Geschlechterthema hat ja doch einen immensen Einfluss in unserer Gesellschaft, weil es einigen Kindern vermittelt, dass sie nicht ok sind, so wie sie sind.

Beispielsweise durfte ich mir in der Schule anhören, dass eine negative Eigenschaft von mir sei, dass ich zu sehr wie ein Junge sei, wurde immer wieder meine Kleidungswahl kritisiert (weil Frauen sich ja hübsch anziehen und schminken sollen und so. Ich wurde zu meiner Jugendweihe, zum Abiball und zu einer Hochzeit zwangsgeschminkt, obwohl ich mir dabei scheiße vorkam.).

Mir wurden mir Fähigkeiten nur aufgrund meiner Genitalien abgesprochen (beispielsweise schaute mir kürzlich eine Frau zu, wie ich auf mein Herrenrad stieg, um zu sehen, ob ich das genauso gut könne wie ein Mann. Sagte sie direkt so.)

In meiner Schule durften die Mädchen keinen Fußball im Sportunterricht spielen. Die hatten Volleyball zu spielen und die Jungs Fußball.
Oder in meiner Klasse meinte einer, wenn sein Sohn rosa mögen würde, würde er dem was erzählen, schließlich wolle er nicht, dass sein Sohn mal schwul werde. Sein Sohn werde Fußball spielen, weil sich das für einen Jungen so gehöre.

Da gibt es auf beiden Seiten unzählige, unnötige Beispiele.

Es sind lauter solche Kleinigkeiten, die in der Summe einen ganz schön großen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben.

Und am Ende entscheiden solche Sachen drüber, ob bestimmte Menschen wählen oder studieren dürfen, oder Auto fahren oder, oder oder.

Es entscheidet darüber, wie Menschen miteinander umgehen, daher finde ich dieses Thema nicht unwichtig.