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Investigative Fragen» Bessere Traumerinnerung und mehr

Investigative Fragen
#1
05.05.2014, 23:55 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.05.2014, 00:01 von spell bound.)
[+] 1 User sagt Danke! spell bound für diesen Beitrag
ka ob das schon einmal wo beschrieben wurde, aber ich möchte es mal zusammenfassen, weil jetzt öfter mal danach gefragt wurde.

Die Investigativfragen: Anwendungsbereich

der nutzen der investigativen fragen kommt zum tragen, wenn man entweder mit einem gefühl aufwacht, etwas geträumt zu haben, aber nicht mehr genau weiß, was, oder wenn man einen traum in noch mehr details erinnern möchte. im klartraum kann die technik etwas abgewandelt auch angewendet werden.

Erklärung des Prinzips

das prinzip besteht darin, sich fragen zu stellen, die man dann mithilfe des rests von traumgefühl beantwortet. dieses gefühl ist wichtig bei der beantwortung. man selbst stellt die fragen aber wie ein unbeteiligter dritter, der einen nicht kennt. wie ein kriminalpsychologe, der einem fragen stellt und vermutungen anstellt. ähnlich eigentlich wie im hypnagogic report, wobei jener interaktiver ist. hier geht es erstmal nur ums erinnern.

wichtig bei den fragen ist, dass diese für den anfang besonders allgemein gehalten sind, und dass sie sehr verschiedene bereiche und themen abdecken. man stochert sozusagen im dunkeln an ganz verschiedenen stellen und hofft, irgendwo einen treffer zu landen. hierbei machen die fragen sich das prinzip der assoziation zunutze. es passiert ja auch ganz unabsichtlich, dass man manchmal im laufe des tages dinge erlebt, die einen an einen traum erinnern, und plötzlich kommt die traumerinnerung wieder. mithilfe der investigativen fragen kann man das etwas provozieren.

Anleitung

nehmen wir an, du hast ein gefühl, da war gerade noch ein traum...

du nimmst nun zwei rollen ein: die rolle des fragenden und die rolle des antwortenden. der antwortende, das ist dein traumgefühl.

frage dich, ob du das gefühl näher umschreiben kannst. fordere dich auf, das gefühl mehr auf dich wirken zu lassen. stelle fragen, wie das gefühl, das geschehen, der traum, beschrieben werden könnte. fange mit ganz allgemeinen fragen an. assoziiere auch brainstorm artig alle möglichen dinge die zu dem traumgefühl vielleicht passen könnten, oder sogar ganz unabhängig von dem gefühl, und frage das gefühl, ob was davon irgendwie eine heiße spur sein könnte. wenn du spürst, da ist eine heiße spur, dann folge ihr mit weiteren detailfragen. verwende oft entweder- oder fragen oder wenn du schon nicht weißt, was der trauminhalt war, versuche erstmal auszuschließen, was er auf jeden fall nicht war.

Beispiel:

"da war doch noch etwas..."
- das ist gut! spürst du es noch?
"ja, ich weiß aber nicht..."
- okay, erzähle mir, was du weißt. weißt du etwas von der umgebung, war es hell oder dunkel?
"ich denke eher hell, sonnig"
- also warst du draußen?
"ja, weitgehend war ich wohl draußen"
- das heißt, du warst körperlich anwesend?
"ich weiß nicht"
- waren noch andere leute da, oder warst du alleine?
"da waren noch irgendwo andere leute
- viele?
"ka... mehr als eine person jedenfalls"
- nah bei dir?
"eher weiter weg. aber vllt war jemand mal näher bei mir"
- kanntest du die leute?
"im traum schon"
- weißt du woher?
"nein"
- wart ihr freunde oder feinde?
"eher freunde"
- wart ihr die ganze zeit am selben ort?
"ich weiß nicht"
- habt ihr was gemacht? oder geredet?
"es gab gespräche, ja"
- wie war die gesprächsstimmung?
"kann ich nicht so sagen"
- angespannt? locker?
"es gab irgendwas das geklärt werden musste"
- habt ihr es geklärt?
"nicht so richtig, vielleicht bisschen"
- ok machen wir erstmal woanders weiter. war der ort ein ort aus dem wachleben oder völlig unbekannt?
"er wirkte bekannt"
- warst du mehr so aktiv, unterwegs?
"nee glaub nicht... aber hey, es war irgendwo im urlaub glaub ich, oder so"
- weit weg?
"ja, hey genau, es war in griechenland. jetzt weiß ichs wieder"
- was noch?
usw...

man kann auch ganz anders anfangen. besonders gut sind auch traumthemen. also: "ging es mal wieder um das traumthema xyz?" "oder vllt das thema zxw?" "oder das was dich am tag so sehr beschäftigt hat gestern?" oder man denkt einfach assoziativ an alle möglichen dinge, lässt die gedanken schweifen, hypnas auftauchen, und fragt sich, ob davon irgendwas zum traumgefühl passt. aber nicht zu arg abtauchen, wenn man nicht abdriften will.

Fragethemen:

aus meiner erfahrung sind also folgende fragethemen gut:
- andere personen im traum: anzahl, räumliche nähe, freund oder feind, charaktereigenschaften, mögliche interaktionen, möglichkeit verschiedener personen von denen man öfter träumt oder einen am tag beschäftigen
- umgebung: tag oder nacht, drinnen oder draußen, natur oder stadt, verschiedene traumorte die man öfter mal träumt, architektonische eigenschaften, gegenstände und objekte im raum, lichtverhältnisse, vorherrschende farben
- gespräche: mögliche themen, stimmung des gesprächs und verlauf
- akustik: stimmen, geräusche, melodien
- handlungsverlauf: möglicher wechsel von orten, aufgaben und hindernisse, kämpfe, ziele und missionen, transportmittel, reisen, ausflüge...
- typische traumthemen und typische themen die einen im wachen beschäftigen
- emotionen, atmosphäre, stimmung
- die rolle die man selbst spielt
- ...

was hier besonders gut zu erinnerungen führt, ist vllt auch subjektiv und muss erforscht werden. wenn man dann schon weiter gekommen ist, kann man die fragen immer weiter führen, um auch noch mehr details aus einem traum herauszuholen. d.h. alles woran man sich erinnert, wird dann nochmal versucht, genauer zu beschreiben, in möglichst diverser hinsicht. details von objekten, gesichtern, umgebungsgeräusche, körperempfinden, gesprächsinhalte, egal was einem einfällt, alles immer erstmal ultra wichtig nehmen und notieren.


Ausblick und weiterer Nutzen

hierdurch kann ein traumbericht ungemein wachsen, durch die erinnerung an das eine kommen oft auch erinnerungen an das nächste hervor, es wird im günstigsten fall ein dominoeffekt. es hilft hierbei zu lernen, nach details zu fragen, die einem sonst nicht auffallen würden, und von gegebenheiten auf mögliche zusammenhänge zu schließen, so nichtig und unbedeutend sie auch erst erschienen mögen. deshalb nenne ich die fragen investigativ. man muss möglichst kreativ denken und kombinieren.

führt man das durch, kann man nicht nur traumerinnerung verbessern, sondern erhält auch enorm viel input für die analyse des traumes. im grunde ist es schon eine analyse, wenn die investigativen fragen sich auch besonders an kausalitäten und emotionen im traum richten und dann evtl noch verbindungen herstellen zu anderen träumen, zum gegenwärtigen wachleben, und zur vergangenheit. die fragen können hier nahtlos übergehen.

es ist sicherlich auch möglich, im klartraum selbst schon auf all die verschiedenen "unbemerkten details" zu achten, um einen größeren eindruck von der erlebnistiefe zu erhalten, um sich später an mehr zu erinnern, und um den traum währenddem schon zu analysieren. aber hier wird es natürlich interaktiv. je mehr man einer bestimmten frage oder spur im klartraum nachgeht, umso mehr wird sich im traum darum drehen und man selbst kann mit interagieren. man wird im kt nicht unbedingt nur fragender investigator, sondern bei bedarf auch handelnder. aber das ist eine andere geschichte.

was auch ein hilfreicher effekt der investigativen fragen ist, ist dass man lernt, dinge zu beschreiben, für die man sonst keine worte finden würde. dinge, v.a. gefühle, aber auch traumvorgänge, die einem komisch und unerklärbar und ungreifbar vorkommen, in ihre einzelnen aspekte zerlegen. allgemeine aussagen darüber treffen. viel mit dem ausschlussverfahren arbeiten.


ich wünsche euch gute erinnerung!
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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RE: Investigative Fragen
#2
06.05.2014, 08:24
Danke spell,
ich werde mich jetzt morgens mal der Selbstbefragung unterziehen,
da ich meine TE gerade einfach nicht in den Griff bekomme.

Die Schranke zwischen Traumgedächtnis und Wachgedächtnis kommt mir zurzeit wie eine Guillotine vor,
die runterschnellt, sobald ich aufwache.
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RE: Investigative Fragen
#3
06.05.2014, 08:33
Diese Technik kenne ich bereits durch dich spell. Danke nochmal für diese Technik.

Die Investigativ-Technik lehre ich gerade meinen zwei Mentees. biggrin

Mir hat diese Technik schon oft geholfen und mir einige Träume wieder in Erinnerung gebracht. Echt super Technik. thumbsu
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RE: Investigative Fragen
#4
13.10.2015, 07:48
So ein tolles Thema und eine wirklich gute Idee. Ist zwar schon über ein Jahr her, aber sollte doch viel mehr beachtet werden.

Meine Frage dazu ist, wie kann man sich das alles merken? Also wenn ich aufwache und der Traum nur so im Trüben ist, fällt es mir schwer alle diese Fragen zu stellen. Erstmal bin ich ja noch etwas benebelt, dann kann ich mich an dieTechnik erinnern, aber die ganzen Fragen fallen mir nicht ein.

Wenn ich mir da nun einen Fragezettel an das Bett lege und es ablese, also mir die Fragen alle stelle um mehr Erinnerung zu meinem Traum zu bekommen, bin ich dann nicht zu wach? Man sollte doch die Augen geschlossen lassen und sich möglichst nicht bewegen.
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RE: Investigative Fragen
#5
13.10.2015, 09:26
danke für das ausgraben! darüber haben wir auf dem letzten treffen gerade erst gesprochen

es ist nicht so, dass du genau die fragen wie sie hier stehen anwenden musst. natürlich müssten dir irgendwelche fragen schon einfallen. vielleicht wird es besser, wenn du es eine weile lang übst. und naja, vorerst kannst du dich auch aufrichten, augen auf machen usw. habe gehört, dass es sogar klappen kann, wenn man schon ganz aufgestanden ist und sich diese fragen stellt.

also, viel experimentierfreude!
Das Elend begann, als du dich selbst zum Feind erklären musstest.
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