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Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - Druckversion

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Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - fiodra - 19.12.2010

[Bild: libersecundus.jpg]

"Höret nicht auf die Worte der Propheten. Sie betören euch nur. Sie verkündigen selbsterfundene Gesichte, nichts, was aus dem Munde Jahwes kommt....."

"....Ich höre wohl, was die Propheten reden, die in meinem Namen Lügen prophezeihen und behaupten: "Ich habe einen Traum gehabt!" Ich habe einen Traum gehabt!" Wie lange noch haben sie solches im Sinn, diese Lügenpropheten, die den Trug ihres Herzens weissagten? Sie gedenken durch ihre Träume, die sie einander erzählen, bei meinem Volk meinen Namen in Vergessenheit zu bringen, so wie ihre Väter meinen Namen über dem Baal vergessen haben. Der Prophet, der einen Traum erzählt, der möge seinen Traum erzählen, und wer ein Wort von mir besitzt, der verkünde getreulich mein Wort. Was hat das Stroh gemein mit dem Weizen? spricht der Herr."
Jeremias 23, 25-28

So beginnt das liber secundus von Jungs rotem Buch auf lateinisch (siehe oben) mit dem Titel: Die Bilder des Irrenden. Es sind die Worte des eifersüchtigen Jahwes, der nichts und niemand neben sich duldet. Das alte Testament ist ein frühes Zeugnis der monotheistischen Religionen, welche auf der schriftlichen Überlieferung beruht, welche der Nährboden für "Rechtsgelehrtheit" und Dogmatik bot. (Siehe auch in meinem Buch das letzte Kapitel: Und zum Schluss noch dies....) Darum wird hier die Quelle der Träume schlecht gemacht. Nur das Wissen, das auf der einen schriftlichen Überlieferung beruht ist rechtgeleitet, alles andere ist minderwertig oder falsch. Diesem "monotheistischen" Ansatz wird auch heute noch in der westlichen Kultur gefröhnt, in Form eines Wissenschaftsverständnis, das einen Exklusivitätsanspruch hat. Die Wissenschaft ist die einzige Quelle der Wahrheit, alles ausserhalb der Wissenschaft ist bestenfalls Lug und Trug und möglicherweise nicht existent. Dieser Haltung begegne ich in diesem Forum immer wieder. Sie scheint ein zeitgenössischer Ausdruck von gymnasialer und universitärer Bildung zu sein.

Dem gegenüber steht die persönliche Auseinandersetzung mit Träumen, den eigenen und auch denen von anderen. Sind sie eine Quelle von Wissen und Weisheit oder spiegeln sie den Trug unseres Herzens? Sind die Träume von den Toren aus Horn (=wahr) oder von den Toren aus Elfenbein (=falsch)?



RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - ricky_ho - 21.12.2010

(19.12.2010, 14:19)fiodra schrieb: Die Wissenschaft ist die einzige Quelle der Wahrheit, alles ausserhalb der Wissenschaft ist bestenfalls Lug und Trug und möglicherweise nicht existent. Dieser Haltung begegne ich in diesem Forum immer wieder. Sie scheint ein zeitgenössischer Ausdruck von gymnasialer und universitärer Bildung zu sein.

Ich glaub nicht, dass es in diesem Forum, am Gymnasium oder in der Universität irgendwie besonders verbreitet wäre. Dort wird nur öfter darüber diskutiert. In der Gesellschaft an sich ist meist nicht einmal eine Diskussion über die geschweige denn ein Infragestellen der wissenschaftlichen Dogmen möglich, denn es besteht überhaupt kein Bewusstsein darüber, dass es diese Dogmen gibt, sie werden als "der gesunde Menschenverstand" betrachtet und jede Abweichung als Spinnerei.

Zitat:Dem gegenüber steht die persönliche Auseinandersetzung mit Träumen, den eigenen und auch denen von anderen. Sind sie eine Quelle von Wissen und Weisheit oder spiegeln sie den Trug unseres Herzens? Sind die Träume von den Toren aus Horn (=wahr) oder von den Toren aus Elfenbein (=falsch)?

Der Artikel gibt doch schon eine Antwort, es gibt beide Arten von Träumen. Ich denke nicht, dass die Einteilung so scharf ist in wahre und falsche Träume. Sowieso hab ich ein Problem mit dem Begriff "Wahrheit". Was ist das eigentlich und was soll das in bezug auf Träume bedeuten? Jeder Traum ist für mich eine reale Erfahrung und somit "wahr". Die Frage ist halt, wie bedeutsam ist er und in welcher Hinsicht? Ich denke, da decken Träume das gesamte Spektrum ab.


RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - fiodra - 21.12.2010

Danke ricky, dass du den Faden doch noch aufgenommen hast. Von mir aus muss nicht jede philosophische Diskussion kontrovers geführt werden, man kann ein Thema auch gemeinsam erarbeiten, z.B. in dem man Fragen stellt zu einzelnen Aussagen und nicht seine eigene Meinung gegenüber stellt und dann streitet, wer recht hat.

Zu den wahren und falschen Träumen denke ich auch, dass dies schwarz-weiss Malerei ist. Die falschen Träume, die den "Trug unseres Herzens" spiegeln, sind nämlich auch sehr interessant, denn sie zeigen, wie dieser individuelle "Trug des Herzens" beschaffen ist. Meiner Meinung nach sind Träume ein gutes Instrument um die Funktionsweise unserer persönlichen Wahrnehmung, und wie sie unsere Erfahrungen färbt, zu erkennen. Sie versetzen uns in die Lage, wie der Baron von Münchhausen, sich selber aus dem Sumpf zu ziehen. Das Bewusstsein ist in der Lage, sich selber zu betrachten. Doch wurde schon seit Menschengedenken postuliert, dass es Träume gibt, die diesem Trug nicht unterworfen sind, wo das Bewusstsein klar und nicht durch die persönliche Historie mehr oder weniger entstellt ist. Früher nannte man das Träume, die von den Göttern kommen. Ausserdem ruht jeglicher Traumyoga und somit auch das Klarträumen auf der Prämisse, dass man den Spiegel des Bewusstseins von den persönlichen Verunreinigungen reinigen und klären kann. Wem dies gelingt, der hat eine direkte Anschauung vom Bewusstsein an sich.

Dann möchte ich aber doch noch einmal auf die uralte und weit verbreitete Tendenz hinweisen, das innere Wissen, zu dem auch die Träume gehören, zu disqualifizieren. Dies hat meines Erachtens in erster Linie mit Macht zu tun. Es ist essenziell wichtig für den Mächtigen, die Deutungshoheit zu erlangen, um die anderen geistig zu unterwerfen. Jahwe hat sich so zum alleinigen Gott gemacht, der nicht einmal eine Gemahlin hat (wie sonst üblich) und seine Priester, die Schriftgelehrten erhielten Macht über diejenigen, die aus inneren, individuellen Quellen schöpften und danach handelten. (die Propheten). Nur dank der Schrift und der Monopolisierung des schriftlich niedergelegten Wissens konnten Staaten gegründet und zusammengehalten werden. Auch im Mittelalter wurden so die keltischen und germanischen Seher, Hexen, Druiden und Schamanen, welche aus inneren Quellen schöpften getötet und verfolgt. Ganze Dörfer wurden beispielsweise unter Karl dem Grossen, der dem Christentum in Mitteleuropa zum Druchbruch verhalf, abgebrannt und alle Bewohner gemeuchelt, weil sie nicht ihrem alten Glauben abschworen. Ich finde das sehr wichtig um zu erkennen, was auch heute im Namen der Wissenschaft läuft. Die Leute werden wohl nicht gemeuchelt, aber sie erhalten keine Arbeit mehr und werden der Lächerlichkeit preisgegeben, was auch existenziell bedrohlich ist. Es handelt sich hier also um ein sehr tief eingegrabenes psychologisches Muster, das nicht leicht aufgeweicht werden kann. Es wird von den Schulen, den Universitäten und natürlich auch durch das kollektive Bewusstsein und den "gesunden Menschenverstand" aufrecht erhalten.



RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - Unity - 22.12.2010

Ich finde deinen Text sehr interessant und sehr wahr. Allerdings glaube ich nicht, dass Jahwe es war, der sich zum alleinigen Gott gemacht hat – es hat nur irgendeinem Mächtigen in den Kram gepasst, einen alleinigen Gott zu haben, dem er seine Macht zu verdanken hat.

Ursprünglich gehen Religionen wohl alle auf Erfahrungen zurück, Erfahrungen von einzelnen – vielleicht auch Erfahrungen von Gruppen, auf jeden Fall von Leuten, denen geglaubt wurde, denen ihre Erfahrung abgenommen wurde. Und dann wurde sie weitergegeben, und mit der Zeit wurde sie verändert, dann aufgeschrieben, Dinge, die man nicht mehr verstand, wurden umgeschrieben (vielleicht noch in gutem Glauben), Dinge, die nicht mehr passten, wurden passend gemacht. Und irgendwann war das Dogma geboren – und eigene Erfahrung, die dem Überlieferten vielleicht widersprechen kann, ist seitdem verpönt. Von anderen wird festgelegt, was wahr und richtig ist.

Allerdings gibt es erschreckend viele Menschen, die genau das wollen. Die wissen wollen, was sie denken und fühlen sollen. Die ihren eigenen Erfahrungen nicht trauen, denen der Mut oder das Selbstbewusstsein dazu fehlt. Die wirklich glücklich über jeden Priester, Guru oder sonstigen Erlöser sind, der ihnen sagt, wo es lang geht, wie sie zu einem besseren Leben kommen. Und wenn ihre Erfahrung der allgemeinen Ansicht widerspricht, stellen sie lieber ihre eigene Erfahrung in Frage, das ist billiger.

Zu den Träumen: Ich glaube auch nicht, dass es wahre und falsche Träume gibt. Aber es gibt große und kleine Träume. Und die unterscheiden sich von einander (aber auch die kleinen Träume sind wichtig).


RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - fiodra - 23.12.2010

(22.12.2010, 21:21)Unity schrieb: ...Allerdings glaube ich nicht, dass Jahwe es war, der sich zum alleinigen Gott gemacht hat – es hat nur irgendeinem Mächtigen in den Kram gepasst, einen alleinigen Gott zu haben, dem er seine Macht zu verdanken hat...

Ich gebe dir recht, das war eine ungenaue Beschreibung des Vorgangs. Ich glaube, dass Gott eine Projektion der Menschen ist. Allerdings glaube ich nicht dass der König den einen Gott erfunden hat, damit er seine Macht legitimieren kann, sondern, dass es ein allgemeines menschliches Bedürfnis ist, eine mächtige Autorität zu haben, die ihr Schicksal lenkt. Dieses Bedürfnis entsteht durch die Wahrnehmung, dass der Einzelne hilflos und schwach ist. Genau diese Wahrnehmung halte ich aber für fragwürdig, denn der Einzelne gestaltet seine Wahrnehmung. Hier liegt die Macht des Einzelnen, er hat Einfluss auf das, wie er etwas erlebt, und er kann seine Wahrnehmungsmuster erkennen, indem er beispielsweise seine Träume beachtet. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten der Selbstreflektion. Die Umwelt im Wachleben ist auch ein wunderbarer Spiegel, der uns zeigt, wer wir sind, wie wir wahrnehmen und wie wir uns dem entsprechend verhalten.

Aber nochmals zu Jahwe. Früher gab es viele Götter und man wandte sich an den einen oder anderen, je nach Situation und je nach Glauben, welcher Gott oder welche Göttin für ein bestimmter Zweck hilfreich und wirkmächtig ist. Jahwe aber zeichnete sich dafür aus, dass er alleine sein wollte und den anderen überlegen. Psychologen vermuten, dass diese Entwicklung zum Monotheismus die Entwicklung des menschlichen Egos reflektiert, das sich gegenüber anderen durchsetzt. Es wird angenommen, dass früher das Egobewusstsein nicht so stark ausgebildet war, sondern das ein starkes Gruppen und Familienbewusstsein herrschte, in dem das einzelne Ego, obwohl vorhanden, nicht so eine wichtige Rolle spielte. Im Christentum wurde dann wieder der Beziehungsaspekt der entwickelten Egos (Nächstenliebe), mehr ins Zentrum gerückt, obwohl auch dieses das patriarchale Prinzip im Zentrum des Glaubens hält. Erst in neuerer Zeit gibt es zumindest im Katholizismus eine Hinwendung zu Maria und dem weiblichen Prinzip (Ich hoffe, dass der Unsinn mit der unbeflekten Empfängnis auch noch revidiert wird bigwink )



RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - GGTT - 23.12.2010

Zitat:Ich glaub nicht, dass es in diesem Forum, am Gymnasium oder in der Universität irgendwie besonders verbreitet wäre. Dort wird nur öfter darüber diskutiert. In der Gesellschaft an sich ist meist nicht einmal eine Diskussion über die geschweige denn ein Infragestellen der wissenschaftlichen Dogmen möglich, denn es besteht überhaupt kein Bewusstsein darüber, dass es diese Dogmen gibt, sie werden als "der gesunde Menschenverstand" betrachtet und jede Abweichung als Spinnerei.

Welche "wissenschaftlichen Dogmen" soll es denn geben?


RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - ricky_ho - 24.12.2010

Gemeint sind die von den meisten Menschen in unserer Kultur unhinterfragt geteilten Weltanschauungen, welche heute in der Regel von der Wissenschaft geprägt sind.


RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - GGTT - 24.12.2010

(24.12.2010, 01:02)ricky_ho schrieb: Gemeint sind die von den meisten Menschen in unserer Kultur unhinterfragt geteilten Weltanschauungen, welche heute in der Regel von der Wissenschaft geprägt sind.

Dann darf man diese Dogmen aber nicht mit "wissenschaftliche" näher beschreiben, weil sie nicht von der Wissenschaft aufgestellt werden, sondern von der Gesellschaft. Denn das ist irreführend und zieht die Wissenschaft in den Dreck.

Aber ich würde nicht sagen: "von den meisten Menschen in unserer Kultur"
70% der Bevölkerung in Deutschland bezeichnen sich als religiös (und gehören einer der Religionsgruppen an), laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung, die zwar schon 3 Jahre alt ist, aber immer noch mehr oder weniger Aktualität besitzt. Somit sind die Weltanschauungen eher durch die Religionen geprägt als durch die Wissenschaft.


RE: Träume als Quelle des Wissens und der Weisheit - ricky_ho - 24.12.2010

Das Thema haben wir hier schon öfter ausführlich diskutiert, ich empfehle diesen Thread (hier ist das offtopic).